Konsumtribunal

Ende Mai ist das Wohnmobil für eine Unterboden- und Hohlraumkonservierung angemeldet. Kosten: rund 3.000 Euro.

Rationale: Fahrzeugbasis ist ein Fiat Ducato. Die Dinger werden als Lieferfahrzeuge üblicherweise in sechs oder sieben Jahren runtergeritten und haben von Sekunde 0 an Rostprobleme. Das Wohnmobil (ohne Mopped nach Autarkieumbau) hat einen Anschaffungspreis von rund 115.000 Euro. Jährliche Fahrleistung soll sich im Bereich von 10.000 – 12.000 km bewegen und ich hätte gerne, dass das Wohnmobil 15+ Jahre hält. Gerne auch 20 Jahre. Habe hier aber keine Erfahrung. Aufbau ist GFK/Alu. Wenn die Möbel schlapp machen, jage ich zur Not einen Schreiner durch.

Frage in die Runde: machen die 3.000 Euro Sinn?

Als frugaler Hedonismusverweigerer und Sparquotenperversling hätte ich hier gerne Zuspruch oder auch Ablehnung. Do-it-Yourself-Hinweise sind schwierig: habe mehrerere linke Hände. Und, ja, der Preis ist hoch – aber Ausführung und Material wären toll.

Bitte um Feedback. Wer möchte kann hier in den Kommentaren seine nächste größere Anschaffung auch verteidigen und erklären.

Faust vs Cryptoprinz – mit einem Vorwort von Dr. David Hasselhoff

Dem engeren Umfeld, also mir selbst und meiner Freundin, habe ich angedroht und versprochen, mich neu zu erfinden. Die Bangkirai-Terrasse im freistehenden Einfamilienhaus überwunden. Die meisten Schlachten geschlagen. Jetzt braucht’s eine neue Richtung.

Das stimmt so auch wieder nicht. Die Freundin möchte nach Abschluss aller Reproduktionsarbeiten einfach an Bord des Wohnmobils klettern, mehrere Säcke Bücher lesen, Waldseen durchschwimmen, pantheistisch friedvoll Globulis einwerfen und Gin Tonic saufen. Also mehr so entspannt und pathosfrei.

Während sie frei ist von jeder Großmannssucht, wurschtele ich immer noch durchs Unterholz mit den großen Fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum. Mit dem Wohnmobil am Baggersee – wirklich?

Alles alter Mumpitz? Schauen wir mal nach.

Einsatz Dr. Hasselhoff:

„One morning in June
some twenty years ago
I was born a rich man’s son
I had everything that money could buy,
but freedom I had none“

Damit ging die große Reise fürn Herrn Hasselhoff los. Erstmal das Gefieder auftoupieren, eine Badehose für Kleinkinder organisieren und dann ab an den Strand. Warum denn nicht? Blöd halt, dass Kameras dabei waren.

Davon kann sich keiner erholen. Irgendwas macht der Minipli unwiederbringlich kaputt. Das ist wie mit Mainz und den Mainzern. Oder mit Köln und den Kölnern. Wer einmal in der Nähe war, wenn die Fasching und Karneval gefeiert haben, kann die alle nicht mehr ernst nehmen. Da hilft dann nur noch Alkohol und hier und da mal ein Burger.

Erste Frage: ist man, also ich, längst und unwiderruflich verloren? Nein! Bin nicht aus Köln, nicht aus Mainz, habe keinen Minipli und vernünftige Badeshorts. Glück gehabt.

Nächster Proband: Dr. Faust. Weg von der Minibadehose und dem Minipli. Hin zum ondulierten, brennscherenmäßigen Verstand, der mit knappen Worten und nebenbei das ganze Problem des Christentums raushaut.

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Ist das auch erledigt.

„Heinrich Faust zieht eine selbstkritische Lebensbilanz. Er ist beruflich und privat durch und durch unzufrieden: Als Wissenschaftler fehle es ihm an tiefer Einsicht und brauchbaren Ergebnissen und als Mensch sei er unfähig, das Leben in seiner Fülle zu genießen.

Lösungsversuch: Knicki-Knacki mit einem Hotbabe 9 bis 10, wie Alexander Raue sagen würde. Dass das nicht die Antwort auf alle Fragen ist und im größten Kuddelmuddel endet, ist klar.

Zwischenstand: Minipli und Promotion = nicht gut.

Was und wer bleibt denn da jetzt noch als Vorbild und als Gegenentwurf für einen frugalistischen Hedonismusversager und Sinnsucher wie mich?

Ich weiß es nicht. Aber ich bleibe am Ball und schenke dem Schlachtermeister, Nuttenpreller und Cryptoprinzen derweil einen Daumen nach oben. Aber nur bis ich es besser weiß!

Hurra, ich lebe noch?


„Was ließen wir nicht über uns ergehn
Ach einerlei, der Kelch ging noch einmal an uns vorbei
Wir leben noch
Hurra! Wir leben noch!“

Das mit dem „wir“ ist so nicht mehr ganz richtig: Milva, La Rossa, hat es vor ein paar Tagen mit 81 Jahren und nach langer Krankheit aus der Kurve getragen.

Woher kennt man Milva? Dieter Thomas Heck? Keine Ahnung.

Und sonst so?

Mein Anzughosen- und Sockenproduzent, Pierre Cardin, hat’s auch hingerafft.

Diego Maradona, Karl Dall, Gotthilf Fischer, Udo Walz, Sean Connery, Herbert Feuerstein, Eddie van Halen, Birol Ünel, Fips Asmussen, Gottlieb Wendehals, Rüdiger Nehberg und Christo haben alle zwischenzeitlich ihr Bündel gepackt, sind vom Hof geritten und müssen nie mehr zum Zahnarzt. Ja, Willi Herren auch.

Merke: großer Männerüberschuss in der Liste, die Lebenszeit ist endlich, der Tod ist sicher – frei nach Norbert Blüm (auch abgekratzt).

Alles nix neues, alles abgenudelt? Jaja. Aber mit 48 Jahren und Etzlichem muss man jeden Schwung mitnehmen. Bisschen Todesangst belebt ja auch.

Was noch?

Viktoria, das Wohnmobil, ist vor 281 Tagen in mein Leben getreten. Wir sind (fast) unzertrennlich. Habe locker 200+ Tage inklusive Winter im Wohnmobil gelebt. Bis dato: allet schönchen.

Ich fürchte, dass alle Pläne und Vorstellung aufgegangen sind. Bis auf ein aufblasbares Kanu ist die Ausstattung komplett. Autarkielevel ist gut. Limitierender Faktor ist Wasser. Aber mit ein paar Extra-Trinkwasserkanistern muss ich locker zwei Wochen niemanden sehen. Mit Wasserpumpe und irgendeinem Gewässer in der Nähe, wären wir dann bei Lebensmitteln als limitierenden Faktor. Dafür gibt es aber Vorräte. Bin Großkunde von „Löwenanteil“. Und ein Mopped samt Fahrradkurierrucksack zum Rumkurven und Einkaufen gibt’s auch noch.

Wie man auf dem letzten Foto erkennen kann: die Freundin ist auch manchmal dabei und hat sogar einen eigenen Löffel.

#Tochter – WG-Projekt ist leider gescheitert. Idee war gut. Umsetzung nicht so. Lebt wieder und lieber bei ihrer Mutter. Corona + Schule + Pubertät = schwierig.

#CTSO – alles wie gehabt: bin schwer investiert und vom Kursverlauf genervt.

#Networth – war schon mal besser, steht und fällt weitgehend mit CTSO.

#Job – 100 % Womo-Office. Dank 5G-Flat klappt das erstaunlich gut. Inklusive wichtiger globaler Mandate und großer Aufmerksamkeit auf mein berufliches Tun.

#Vegan – unverändert. Alle nicht veganen Freundschaften sind quasi aussortiert. Ethik und Moral sind für mich und nachwievor schwer verhandelbar.

#Fixkosten – neben Kindesunterhalt, Abschreibung des Wohnmobils und Versicherungsgedöns liege ich monatlich inzwischen so bei 500 Euro Geldbedarf.

  • 300 Euro Lebensmittel / Essen
  • 100 Euro Freizeit (inkl. Netflix, Youtube Premium und so Zeug)
  • 100 Euro Mobilität

So. Jetzt ist es raus: mein heimliches Ziel war es immer, den Frugalisten-Oliver als dekadenten Protzer bl0ß zu stellen. Voila.

#Pläne – die Entschlackung greift langsam. Ich weiß und werde los, was nicht mehr passt. Das ist gut. Das Leben wird friedlicher und einfacher und freier. Sogar mit Job. Ein bisschen Drama ist und war immer. Und der Bedarf nach drei Salto Mortale pro Woche lässt nach. Lieber schön im Lamzac Fatboy 3.0 den Alabasterastralkörper baumeln lassen. Sag ich mal so. Bis ich was anderes sage.

Und ihr so?

Der gute Mensch

„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen. […]
Soll es ein andrer Mensch sein? Oder eine andere Welt?
Vielleicht nur andere Götter? Oder keine? […]
Sie selber dächten auf der Stelle nach
Auf welche Weis dem guten Menschen man
Zu einem guten Ende helfen kann.
Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss!
Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“

Wenn sich alles wie geplant entwickelt, sehen wir uns auf der anderen Seite wieder – also so norwegenmäßig. Bis es weiter geht, wird das Blog hier morgen (schon wieder) auf privat gestellt. Hab‘ euch lieb und bitte darum, dass ihr gut auf euch aufpasst.

ps_
Weiterhin und für immer gilt: für jedes Viech, das ihr verschont, bin ich unendlich dankbar.