Erfolgsaussichten der Blutverdünner RCTs

Das schwache Q3, der katastrophe Kursverlauf und die Cashburns könnten die Frage aufkommen lassen, ob das Licht ausgeht, wenn die Blutverdünner RCTs durchfallen.

DrKangaroo schreibt dazu (vielen Dank!):

„Ich versuche mich mal an den beiden Fragestellungen – möchte aber bereits vorausschicken, dass hier SEHR viel Kaffeesatz und Bauchgefühl dabei ist.

zu 1. „Erfolgsaussichten des STAR-T/D Trials“: Hier habe ich ein wirklich gutes Gefühl. Zum einen trägt die Studie die Handschrift des erfahrenen Dr. Makis, zum anderen ist die Begleitung durch Dr. Mack und Dr. Gibson schon ziemliche Champions League. Das Hauptziel „Incidence of peri-operative bleeding [Time Frame: Through the first 48hrs post-operation]“ sowie die diversen Sekundärziele scheinen mit Blick auf die Hamburger Ergebnisse (Asklepios Klinik) gut gewählt. Verantwortliche Personen und Setting passen also für mich… Fraglich ist für mich allerdings die Zeitschiene. Ist Dezember 2022 mit 2x 120 Patienten wirklich haltbar, wenn der First-Patient-Enrolled sich schon verspätet hat? Genau vor diesem Hintergrund ist mir die Entwicklung des Cashburns (siehe oben) aktuell auch so wichtig.

zu 2. „Umsatzentwicklung bzw. Verbreitungsgeschwindigkeit des Adsorbers in den USA im Falle einer Zulassung“: Ganz ehrlich? Ganz große Blackbox für mich. Und zu viele Variablen. Kommen die Ergebnisse pünktlich oder verspäten sie sich ggf. deutlich? Wird es ein Sieg auf ganzer Linie bei Primär- und Sekundärzielen oder gibt es an der einen oder anderen Stelle zu viel Salz in der Suppe? Wie stark ist die US-Vertriebsinfrastruktur bis dahin bereits aufgestellt? Um nur die wesentlichsten zu nennen. Kann im Ergebnis dazu führen, dass ein wirkliches Durchstarten in den USA doch erst 2024 kommt. War für mich bei moderatem Umsatzwachstum in 2021 bis 2023 von ca. 15 bis 25% pro Jahr alles fein. Bei stagnierenden Umsätzen? Da wird es dann ggf. doch ein SEHR wilder Ritt.

Um hier aber mit einer positiven Note zu enden: Gehe ich von einer Zulassung in den USA – früher oder später – aus? Ja. Wenn dieser Dominostein gefallen ist, insbesondere wenn die Ergebnisse sehr deutlich ausfallen, dann wird das nicht nur auf die USA Auswirkungen haben. Japan klebt, meines Wissens nach, bspw. ziemlich an den FDA-Zulassungen. Hier würde sich ein bisher null erschlossener, sehr großer Markt auftun. Vertriebspartner in allen Ländern hätten ein fettes Pfund bei der Bewerbung. Im Ergebnis – ohne es zu drastisch formulieren zu wollen – geht es bei STAR-T/D für Cytosorbents um Sieg oder Spielabbruch.

Und: Liege ich mit meinen Einschätzungen deiner Meinung nach völlig daneben?! 😉“

Mein Kommentar zum Kommentar: gute Einschätzung, die ich grundsätzlich teile. Kurz dazu, was ich anders sehe.

  1. STAR-T hat meines Wissens insgesamt nur 120 Patienten (2 x 60).
  2. Sieg oder Spielabbruch: sehe ich anders. Bitte mal den aktuellen CoW durchlesen (https://literature.cytosorb-therapy.com/infoitem/use-of-cytosorb-in-a-patient-with-endocarditis-of-the-aortic-valve-with-an-abscess-in-the-area-of-the-left-atrial-appendage-and-endocarditis-of-the-native-mitral-valve?lang=de) und mir bitte schreiben, ob sich die Ärzte aus Hamburg auch nur eine Minute an dem REMOVE-Ergebnis stören.
    Ich nerve gerade ziemlich viele Menschen per Email, um den Zuständigen aus Jena beispielsweise mit den Hamburger Kollegen aus dem CoW in ein öffentliches Gespräch zu bekommen und das doofe REMOVE-Ergebnis zu relativieren.
    Dass die Freiburg-Studie von namhaften Ärzten inzwischen massivst angegangen wurde, ist bekannt. Zürich und Schädler machen im Kontext der neuen Uni Bochum Studie mit 70 schwersten Sepsis-Fällen null Sinn. Will sagen: dank Kogelmann und anderen erfahrenen Anwendern, sollten die negativen Studien zumindest bei den Bestandskunden nix ändern.

Kuma schreibt dazu – noch mal vielen Dank!:

„Mit sehr wenig Recherche erfährt man ja, dass das Entfernen von Blutverdünner mit CytoSorb ja im Grunde ein alter Hut ist. Schon in 2017 gab es dazu wissenschaftliche Veröffentlichungen (Angheloiu et al.)
Damals schien das bei CTSO niemanden zu interessieren. Warum nicht? Zu kleiner Markt? Doch zu viele Nebenwirkungen?

Asklepios fing im Juni 2016 an, den Adsorber in diesem Kontext einzusetzen. Nach zwei Jahren hatte man 55 Patienten in St. Georg durchgeschleust und 2019 die Studie veröffentlicht, die mehr oder weniger die Basis für den FDA-RCT ist.

Vor dem Hintergrund kann ich deine Vorwürfe nicht nachvollziehen. Ist es nicht logisch, so eine Studie abzuwarten zumal die von dir zitierte Studie nur mit Serum und Blutkonserven hantiert hat?

Ein Dr. Becker schrieb 2017 darüber

Für mich seit 2019 alles widerlegt.

Ich halte es grundsätzlich für möglich, dass es eine FDA-Zulassung für die Entfernung von Blutverdünnern gibt. Die Chancen dafür sollten angesichts der diesbezüglichen Erfolge in Europa deutlich besser als 50 % stehen. Ich halte es aber auch für möglich, dass es keine gibt. Weiterhin wäre es möglich, dass es eine Zulassung gibt, die Technik aber trotzdem nicht der standard of care wird.
Vielleicht nutzt man auch für diesen Fall die derzeitige Wunderwaffe für alles – monoklunale Antikörper. https://www.nature.com/articles/s41569-019-0191-4

Die direkte Konkurrenz heißt PhaseBio / Bentracimab (PB2452) wird später kommen und so weit man das jetzt schon sagen kann, teurer sein. Die Phase 3 Studie ist bis Ende 2023 angesetzt: Bentracimab (PB2452) (Quelle: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04286438?spons=phasebio&draw=2)

Anbei die Aussage des ersten behandelnden Arztes der STAR-T-Studie von dieser Woche: „Ticagrelor is an antiplatelet agent routinely used in the management of patients with acute coronary syndrome to reduce the risk of death, myocardial infarction, and stroke.  However, when urgent surgery is required, patients on ticagrelor are at very high risk of serious and potentially fatal bleeding.  We are very pleased to enroll the first patient in the landmark STAR-T study that is investigating the ability of DrugSorb-ATR™ to remove ticagrelor during surgery and reduce the risk of bleeding in these patients. If positive, STAR-T could establish DrugSorb-ATR as an easily implemented solution that addresses a long-standing, frequent, and critical unmet medical need faced by cardiac surgery centers around the world.“

Jetzt komme ich mit meiner groben Brille und frage mich, warum war der Anwendungsfall früher nicht interessant? Dient er jetzt als Rettungsanker, um die Story fortzuspinnen? Wie groß ist der Markt wirklich?

Wiegesagt: der Anwendungsfall war interessant und wurde entsprechend aufgegriffen – allerdings erst nach der sehr positiven Asklepios-Studie. Hätte ich nicht anders gemacht. Rettungsanker – ja vielleicht. Zumindest im Sinne eines relativ bzw. vergleichsweise einfachen Anwendungs- und Studiengebiets. Wie groß der Markt wirklich ist? Die Angaben wirst du kennen. Mein Senf: ich kann mir weder eine kardiochirurgische noch sonst irgendeine notfallähnliche Chirurgie vorstellen, die den Adsorber nach der Zulassung nicht auf Vorrat hat. Du wirst wissen, dass die fraglichen Blutverdünner die Umsatzbringer schlechthin sind.

Warum gibt es so viele Skeptiker, die die Filtertechnik generell als ein unkontrollierbares Verfahren fürchten, das quasi auch immer ungewollte Sachen mit dem Blut macht?

RCT-Gläubigkeit und allgemeine Widerstandsneigung bzw. „Late Majority“ und „Laggards“. Ist halt die Frage, wie begründet der Widerstand ist bzw. ob überhaupt Anwendungserfahrung dahinter steht.

Wie lange werden die Trials wirklich brauchen? Wovon leben die ganzen Verkäufer so lange? Und und und…

Gehe mal davon aus, dass wir regelmäßig Updates aus den STAR-T/D Trials bekommen. Was die Verkäufer betrifft: mit 60 Mio USD Cash muss man nach einem schwachen Quartal, das 2 – 3 Mio USD unter den Erwartungen lag, nicht sofort alle rauswerfen. Aber sollten die wirklich nicht in die Gänge kommen bzw. der Umsatz stagniert, könnte man die Kostenbasis auch nach unten korrigieren.

Man sucht aktuell übrigens einen Leiter für die Logistik mit dann insgesamt fünf Mitarbeitern. Wenn es knapp wird, sollen die die alle rausschmeißen und ich packe die Dinger zusammen mir DrKangaroo auf 450 Euro Basis ein.

Kuma

Lieber Kuma,

tausend Dank für deine Mühe! Auch wenn es nicht immer so aussieht, deine Kommentare helfen mir sehr. Anbei ein paar Anmerkunegn.

„Ich selbst hatte zu Beginn der Covid-Krise meinen Bestand mehr als verdoppelt. Als man dann Wochen und Monate nichts mehr gehört hatte – auch nicht aus China, Israel, USA etc. – aber selbst das Pflegepersonal auf Twitter verkündete, dass man den Filter hoffnungsvoll ausprobiert hätte, aber nichts Positives passiert ist, habe ich meinen Einsatz hinterfragt.

Der Umsatz ist im Covid-Jahr 2020 um 73 % gewachsen. Es gab eine durchaus bemerkenswerte und weltweite Aufmerksamkeit in Sachen Zytokinsturm. Dass Studienergebnisse mit Verzögerung eintrudeln, ist nix neues. Wenn du schreibst, es sei nichts positives passiert, dann sei bitte so gut und schaue dir noch mal diese Beiträge an:

Nicht das ich den Krankenschwestern glauben würde, nein, aber warum soll ich etwas auf diesen Case setzen, wenn es hier so viele Fragezeichen gibt? Wenn die Führungskräfte des Unternehmens wenig bis kein „skin in the game“ haben und ihren Bestand auch nicht erhöhen?

Der Vorstand hält rund 5 % bzw. 10 % mehr als vor einem Jahr – lasse ich mal so unkommentiert stehen.

Wenn mindestens die Hälfte aller Spezialisten den ganzen Ansatz der Therapie für ungeeignet halten?

Muss man halt schauen, worauf die sich beziehen. In der Regel beziehen sich die Zweifel auf:

  1. Die lange und erfolglose Geschichte der Hämoadsorption insgesamt, die in Wahrheit schon 40 Jahre zurückreicht.
  2. Die Schädler-Studie
  3. Die Supady-Studie
  4. Die Zürich-Studie
  5. Fehlende (große) RCT-Studien
  6. Fehlende FDA-Zulassung

Klingt schlimm? Ist es aber nicht. Nur so viel: keine Sau käme auf die Idee, die Gabe von Vasopressoren oder Antibiotika mitten in einem Behandlungszyklus abzubrechen.

Mit CTSO haben das bislang aber alle so gemacht. Ich kann da gerne näher drauf eingehen und komme bei Gelegenheit darauf zurück.

Vorab bitte noch mal schauen, welches der Bilder dir für dein Blut genehm wäre:

Und einmal kurz nachsehen, wie schwerwiegend der Erfolg des Adsorber-Einsatzes etwa von der Menge des gereinigten Blutes abhängen kann (Studie mit 70 Patienten aus einer deutschen Uniklinik):

Wenn das Unternehmen keine Guidance rausgibt, weil es selbst nicht weiß, wo es lang geht? Wenn ständig Ausreden in den Earnings Calls kommen??

Guidance wegen der Umsätze? Da gebe ich dir recht. Nach dem Fiasko mit der August-Guidance, könnte man da wirklich lieber ruhig sein. Auf der anderen Seite: wenn die Juli-Zahlen noch stark waren, hätte ich mich Anfang August ggf. auch dazu geäußert. Zeigt aber: keine Sau weiß, was die Zukunft bringt.

Wenn der eigentlich gedachte Use-Case immer mehr in den Hintergrund rückt und neue Anwendungsmöglichkeiten das Narrativ am Leben halten müssen?

Wenn du den Sepsis-Usecase meinst: die größten retrospektiven Studien waren sehr erfolgreich: 502 Patienten von Kogelmann, 116 Patienten von Brouwer, 70 Patienten aus der Uni Bochum. Rund 700 Patienten und darauf aufbauend ein laufender Multizentrischer RCT mit 160 Patienten mit dem für mich wichtigsten Arzt Deutschlands als Investigator: Prof. Dr. Kluge.

Was die anderen Usecases angeht: ist es falsch, diese zu erwähnen?

Basierend etwa auf einer Studie der LMU bin ich in Sachen Leberversagen und was einen RCT betrifft mindestens so optimistisch wie für die Blutverdünner-RCTs. Wenn ich Geld übrig hätte, würde ich hier die Mittel für einen RCT sofort spenden.

Ich verstehe nicht, warum Du Dir das antust. Du kannst nicht schlafen und es gibt Gründe dafür. Sollte man spätestens dann nicht etwas ändern?

Ja! Sobald man nicht schlafen kann, sollte man dringend die Positionsgröße anpassen und/oder tiefer in den Investment Case reinschauen, bis es mit dem Schlafen wieder klappt.

Man wird das Gefühl nicht los, dass es Dir vor allem ums Rechthaben geht.

Über diesen Punkt habe ich verhältnismäßig lange nachgedacht. So eine gewisse Neigung beim Rechthaben ist beruflich und erblich quasi immer schon dagewesen. Als ich als erster die Freiburg-Studie angegriffen habe, habe ich mich als Nicht-Mediziner zweifelsfrei weit aus dem Fenster gelehnt. Ein paar Monate später war ich mit meinem Angriff aber schon nicht mehr alleine. Wenn du einen Tipp hast, wie ich das sympathischer und weniger rechthaberisch machen kann: her damit.

Frage mal Dein Geld, wie es sich dabei fühlt in CTSO-Aktien festzustecken. Es geht für Dich nicht um das Unternehmen. Du arbeitest dort nicht. Es geht um Dein Geld… Deine Opportunitätskosten sind inzwischen sicher sechstellig im Vergleich zu einem langweiligen ETF. Das ist ein konkreter Schaden. CTSO ist kein Wachstumswert mehr.

Wenn ich mir noch mal einen Arbeitgeber suchen würde, dann stünde CTSO ganz oben auf der Liste. Ich kann nicht zählen, wie oft mir beispielsweise die Case-Studies Gänsehaut bereitet haben. Und der Aussage, dass CTSO kein Wachstumswert mehr ist, würde ich mit Verweis auf den letzten Beitrag hier widersprechen.

Ich wünsche Dir wirklich, dass sich CTSO am besten morgen verdoppelt oder verdreifacht. Nur glauben, kann ich daran nicht.

Danke sehr! Wird leider aber noch etwas dauern. Lass uns einen Stichtag festlegen: 28.08.2024.

Ist CTSO ausgereizt?

In Beantwortung von Kommentaren.

Ich zitiere Dich mal eben: „Alles, was aktuell konkret für CTSO spricht, ist eine Umsatzentwicklung, die ordentlich ist aber keine Bäume ausreißt und die Blutverdünner-FDA-Fantasie.“
Nun wächst da gar nichts mehr beim Umsatz. Der 2021-er Umsatz wird allenfalls gleich hoch wie der aus 2020. Selbst das treue Deutschland bestellt die Dinger nicht mehr nach und der Umsatz wird hier rückläufig.
Ein Investmentcase muss irgendwann aufgehen. Das tut dieser hier nicht. Für Dich seit vier langen Jahren nicht…

Jeder Jeck / Investor ist anders: mit einem Investment in eine Firma ohne echte Umsätze und Anwenderfeedback und damit mit reinen Zulassungsphantasien fühle ich persönlich mich nicht wohl. Wiederbestellraten und steigende Umsätze sind in diesem Kontext von größter Bedeutung, weil sie ein für mich notwendiges Indiz sind, dass das Produkt mutmaßlich funktioniert und Nachfrage besteht.  

Nach satten 32 Quartalen ist das YOY-Sales-Wachstum zum ersten Mal rückläufig. Schauen wir uns die Zahlen genauer an:

Die drei schlechtesten YOY-Zuwächse waren:

1. 2021-Q3:       -13,1% (nach 2020-Q3: 78,9 %)
2. 2019-Q1:       3,2 % (nach 2019-Q1: 70,8 %)
3. 2015-Q3:       3,8 % (nach 2014-Q3: 406,9 %)


Man darf hier feststellen, dass ein Enttäuschungspotential logischerweise dann am größten ist, wenn das Vorjahresquartal überdurchschnittlich gut war. Wenn wir auf die Jahre 2015 bis 2020 abstellen, können wir eine CAGR von rund 46 % ableiten.

Folgt man diesen Zahlen, dann wäre es in einer ganzheitlichen Betrachtung kein Beinbruch, wenn hier einzelne Quartale nach herausragenden Quartalen im Vorjahr schwächeln. Wenn man jetzt an dieser Stelle nicht auf 2020-Q3, das mit 78,9 % YOY-Wachstum herausragend gut war, referenziert, sondern sich auf 2019-Q3 bezieht, ergibt sich folgendes Bild

2019-Q3: 5,7 Mio USD
2021-Q3: 8,9 Mio USD

das ist dann eine CAGR von immerhin 25 %.

Dass es schon vor Covid eine starke Volatilität durch Saisonalität, Stock-Orders und Währungsschwankungen gegeben hat, ist kein Geheimnis. Ob man vor diesem Hintergrund aufgrund eines rückläufigen Quartalsergebnisses alles in Flammen aufgehen sehen muss, glaube ich nicht. Und wenn der Gesamtumsatz 2021 auf 2020er Niveau stagniert, dann darf man erwähnen, dass 2020 mit 73 % Umsatzwachstum herausragend gut war und dass eine Stabilisierung daher per se nicht des Teufels ist.

Guter Zeitpunkt herauszuarbeiten, was CTSO in den letzten Jahren umsatztechnisch geleistet hat. Der folgende Chart soll das illustrieren.

Die Linien stehen für Wachstumssimulationen von 2015 bis 2021-Q3 bzw. für 20, 25, 30, 40, 50% und das reale Wachstum. Dabei wird der Umsatz auf Basis des 2014 Jahresergebnisses jeweils aggregiert.

CTSO hat in dieser Betrachtung seit 2014 einen Gesamtumsatz von 142 Mio USD erwirtschaftet. Bei einem Wachstum von 50 % p.a. bzw. 10,668 % sequentiell pro Quartal wäre man bei einem aggregierten Umsatz von 48 Mio USD gelandet (dunkelblaue Linie). CTSO hat in dieser Betrachtung mit knapp 100 Mio USD ordentlich „vorgearbeitet“, was aus meiner Sicht gelegentliche Konsolidierungsphasen erklären kann.

CTSO nach EINEM schwachen und enttäuschenden Quartal vor diesem Hintergrund per se als ausgereizt anzusehen, erscheint mir verfrüht bis hysterisch, wobei ich mir und meiner ersten Reaktion das auch selbst zuschreiben muss.

Merke: gelegentliche Konsolidierungsphasen auf hohem Niveau stehen nicht notwendigerweise für die Apokalypse.

Die Dosis macht das „Survival“?

Die Uniklinik Bochum hat mal untersucht, ob es beim septischen Schock einen Unterschied macht, wie viel Blut man mit Cytosorb reinigt.

Es wurden drei Cluster gebildet. Die Überlebenswahrscheinlickeit im Cluster A mit 6 Litern pro Kilogramm Körpergewicht landet bei unter 40 % Überlebensrate. Cluster C mit >= 13 Litern landet bei über 80 % Überlebensrate.

Quelle: https://www.researchsquare.com/article/rs-86728/v1

Wer früher stirbt…

lebt länger ewig.

Oder: was für eine Scheiße. Oder: mein armes Herz.

Die Basis für meinen Optimismus rund um Q3 war:

  1. Dr. Chan, der CEO, im August: “We expect continued strong growth in core underlying non-COVID sales with at least 30% year-over-year growth in the second half of 2021 as well as at least 30% year-over-year growth in the full year core underlying non-COVID product sales.”
  2. Die kolportierten Penetration-Rates in Sachen Blutverdünner bzw. Kardiochirurgie.
  3. Die relative Gewissheit, dass es ein zweites Breakthrough-FDA-Approval im Oktober geben wird.

Meine Q3-Erwartung von rund 15 Mio war bei einem Ergebnis von 9,7 Mio USD maximal daneben.

Nicht gut. Da kann einem das Herz schon mal quietschen und die Lust vergehen. Was macht man an so einem Abend und am Folgetag? Hände über dem Kopf zusammenschlagen, paar (Rest-)Haare ausreißen, die Pressemitteilungen fünfmal lesen, irgendeinen Quatsch in Excel eintragen und rumrechnen, sich im Bett rumwälzen, viel fluchen und pseudokruppmäßig husten, höchtens drei Stunden schlafen, morgens um 6.30 Uhr Richtung Uniklinik fahren, um da die Freundin für eine OP-Voruntersuchung abzuliefern, ins Büro gehen, noch mal die Pressemitteilungen lesen, halbgare Gedanken machen, versuchen, Bürokram zu erledigen, in Vorbereitung auf einen beruflichen Drei-Stunden-Workshop ausgiebig stöhnen, einen Mitarbeiter trösten, dessen Vater im Sterben liegt, Freundin vom Krankenhaus abholen und wie ein geprügelter Hund nach Hause fahren, zwischendurch 17.500 Aktien zu 6,6x USD verkaufen und zum Börsenschluss 10.000 Stück zu 6,14 USD wieder zurückkaufen.

Zentraler Baustein meines Investment Cases war das Umsatzwachstum. In den letzten 32 Quartalsergebnissen ist der Umsatz Year-Over-Year gewachsen. Diese Serie ist in Q3 gerissen.

Nebenbei und lustigerweise kommt dann der Case of the Week reingeflattert und dokumentiert, was der Adsorber kann – beispielsweise im Kontext einer schweren Endokarditis:

Schlussfolgerung

  • Die Verwendung von CytoSorb führte in diesem Fall einer Patientin mit Endokarditis (Staph. epidermidis) der Aortenbioklappe mit Abszesshöhle im Bereich der links-koronaren Klappentasche und Endokarditis der nativen Mitralklappe mit postoperativem kardiogenem und septischem Schock zu einer deutlichen und stetigen Verbesserung der kritischen Situation der Patientin vor allem durch die Stabilisierung der Hämodynamik und eine Kontrolle der Entzündungsreaktion
  • In diesem Fall profitierte die Patientin dabei nicht nur von einem intraoperativen Einsatz von CytoSorb, sondern die Blutreinigungstherapie wurde postoperativ auf Intensivstation fortgeführt
  • Grundsätzlich ist anzumerken, dass CytoSorb neben einer Unterstützung der Modulation der Hyperinflammation auch zusätzlich positive Effekte durch direkte Elimination von Bakterientoxinen von häufigen Endokarditis-Erregern wie Staphylokokkus aureus haben kann
  • Die Kombination aus kardiogenen und septischen Schock und akutem Nierenversagen konnte durch den Einsatz der CytoSorb Technologie hervorragend kontrolliert werden und hat damit laut Ärzteteam vermutlich den Verlauf des Patienten entscheidend mitbeeinflusst
  • CytoSorb war in diesem Setting einfach und sicher anzuwenden“

Quelle: https://literature.cytosorb-therapy.com/infoitem/use-of-cytosorb-in-a-patient-with-endocarditis-of-the-aortic-valve-with-an-abscess-in-the-area-of-the-left-atrial-appendage-and-endocarditis-of-the-native-mitral-valve?lang=de

Was werde ich tun?

  1. Maximal genervt sein, dass die Umsatzserie gerissen ist.
  2. Mich 20x fragen für wie wahrscheinlich ich eine FDA-Zulassung im Blutverdünnerkontext halte – und die 2 – 5 Mio USD Umsatz, die zum Konsens bzw. zu meiner Schätzung fehlen, in Relation dazu sehen.
  3. Penibelst alle Webinare bzw. Anwender verfolgen.
  4. Hoffen, dass das Herzquietschen demnächst aufhört.
  5. Bisschen die Schnauze halten, was die Aktie betrifft.

Dank meiner Swingtradinggeschichten und trotz der Verluste auf den aktuellen Bestand von 179 k€ müsste ich mir erst bei unter 4 USD Gedanken machen, was meinen Leverage betrifft. Hätte da aber auch eine Idee.

Wäre schön, wenn uns diese Kursregionen erspart blieben. Vielen Dank vorab, allerliebster Superman.

Ansonsten gilt das Lebensmotto von Pfarrer Assmann. Pfarrer Assmann machte es wie Pfarrer Nolte. Und der machte es, wie er wollte.

Und wenn doch alles schief geht, darf sich mein Arbeitgeber die nächsten 18 Jahre über einen topmotivierten Mitarbeiter freuen. Und für den Fall, dass das Herzquietschen schlimmer wird, gilt der alte Militärpfarrerspruch:

Wer früher stirbt, lebt länger ewig.

Oder so.

CTSO

Henning:
„Warum sieht denn der Markt dieses große Potenzial dann nicht? Das müsste man ja dann auch im Kurs sehen. Ist ja nicht so dass du dies erst seit ein paar Wochen oder Monaten voraus sagst.“

Gute Frage. Lass mich ausholen, bevor ich mit „ich weiß es nicht“ ende.

Wenn ich meine aktuellen Anschaffungsdaten anschaue: der älteste Kauf datiert auf den 06.03.2018.

Anbei eine Aufstellung der Anschaffungsdaten nach Jahren

2018: 15.645 Aktien
2019: nix
2020: 26.301 Aktien
2021: 120.554 Aktien

De facto habe ich wohl schon Ende 2017 ein paar Stücke gekauft. Die Bestände unterlagen aber immer einer gewissen „Dynamik“. Allein 2021 habe ich bislang rund 117.000 Euro Gewinne aus Swingtrades versteuern müssen, wobei ich Swingtrades prinzipiell doof finde. Aber wenn man hier und da vielleicht doch mal einen vermeintlichen Informationsvorsprung hat, kann man doch schwach werden.

Ziemlich absehbar war dieses Jahr auch die Kursentwicklung im Umfeld von Verfallstagen, sprich „Max Pain“.

Wie auch immer: unterm Strich habe ich alle Gewinne reinvestiert und die Position trotz erheblicher Steuerzahlungen ausbauen können. Die aktuell günstigsten Stücke im Depot habe ich übrigens im März 2020 für 4,30 Euro eingesammelt und wäre überhaupt nicht traurig, die Dinger beim nächsten größeren Swingtrade loszuwerden, falls es mir trotz Steuern und dank der Marktverwerfungen gelingt, die Position noch weiter auszubauen.

Insgesamt hätte ich nie gedacht, dass ich die Position in solche Höhen hochschrauben kann. Bin derzeit mit 1,23 Mio USD investiert und fühle mich damit recht wohl.

Ich lebe in der Annahme, eine bessere Wissenstiefe zu haben als der Markt. Was ich irgendwo im Netz an Wissen zu CTSO teile, entspricht bei weitem nicht – weder in Umfang noch Tiefe – meinem Wissensstand. Ich kann aus Gründen der Diskretion nicht alles teilen. Und ob das einfach nur Größenwahn ist, ich einen Dachschaden habe oder ob das stimmt, wird die Zeit zeigen.

Dass ich mich dabei oft weit, weit aus dem Fenster lehne, ist klar. Ein Beispiel: vor, während und nach einer wichtigen Studie aus Freiburg habe ich mich als erster mit den Studienbetreibern angelegt und wurde dafür schwer getadelt. Nach mir haben dann unter anderem Prof. Ince, Prof. Hayanga und Dr. Nierhaus die Studie völlig und teilweise noch drastischer als ich demontiert. Meine Befürchtungen in Sachen REMOVE und einem intraoperativen Einsatz gehen locker zwei Jahre zurück.

Die Lage wirkt immer wieder mal verheerend und man braucht schon einen stabilen Magen UND eine abnormale Wissenstiefe, um da mit einer größeren Position an Bord zu bleiben. Ich kann jeden verstehen, der das nicht tut, ohnmächtig wird und die Flinte ins Korn wirft. Wirklich! Das ist ein harter Ritt.

Was will ich sagen?

  1. Manchmal bleibt selbst mir die Spucke weg. Der Kursverlauf und die Nachrichtenlage sind teilweise katastrophal.
  2. Die Kraft und die Geduld wenn es rumpelt, wirklich genau hinzuschauen haben nicht so viele und schon gar nicht „der Markt“.
  3. CTSO ist mitnichten über den Berg: man könnte als nächstes auf den Gedanken kommen, alle rein intraoperativen Studien abzubrechen.
  4. Von STAR-T/D abgesehen, wäre das dann vermeintlich eine Bankrotterklärung an der Studienfront. Und ob und wann dann irgendwer endlich sagt, dass man analog zu Antibiotika- oder Vasopressorenbehandlungen den Adsorbereinsatz NICHT nach drei oder fünf Adsorbern abbricht und ENDLICH auf die individuelle Hämodynamik abstellt und entsprechende Studien startet, ist unsicher und langwierig.
  5. Alles, was aktuell konkret für CTSO spricht, ist eine Umsatzentwicklung, die ordentlich ist aber keine Bäume ausreißt und die Blutverdünner-FDA-Fantasie.
  6. Ob und wann CTSO „fliegt“? Ich weiß es nicht.

Ich will ein Kind von Dr. Nierhaus

Ich habe es meiner Freundin schon gestanden: WENN ich noch mal ein Kind will, dann nur von Dr. Nierhaus.

Dr. Nierhaus, den ich als die rechte Hand von Prof. Kluge (Leitlinienchef Covid-19) bezeichnen würde, hat kürzlich und vorab ein paar Slides aus einem RCT – CYTOCOV – aus Hamburg gezeigt, der Adsorber kam hier jeweils fünf Tage lang bei schwersten Covid-Erkrankungen zum Einsatz:

Das Bild zeigt die Überlebensdauer der Cytosorb- und Kontrollgruppe im Vergleich.

Fragen in die Runde:

1. Wer wäre – im Fall der Fälle – lieber in der Cytosorb-Gruppe?
2. Wer in der Cytosorb-Gruppe hätte über Tag 5 hinaus noch gerne weitere Adsorber angeklemmt haben wollen?