Ein Herz für (Bonzen-)Kinder und osteuropäische Entspannungstherapeutinnen

Fremdvermietete Immobilien prinzipiell nie verschenken oder vererben. Immer schön den Kindern verkaufen.

Die meisten begüterten Rentner, die ich so kenne, haben ein Berliner-Testament. Heißt: Ehemann beerbt Ehefrau oder umgekehrt. Hier und da nutzt man die 400 k€ Schenkungsfreibeträge alle zehn Jahre um die Kinders zu versorgen. Kann man machen, ist aber (meistens) grunddoof, wenn es um fremdvermietete Immobilien geht.

(Beispiel-)zahlen bitte – so sähe ein typisches Steuerschicksal aus:

Anmerkungen:

  1. Die Schabulzkes haben die vermieteten Immobilien für 1,2 Mio Euro vor 15 Jahren erworben.
  2. Die Kaltmieteinnahmen liegen bei 150.000 Euro p.a.
  3. Alle Beteiligten zahlen 42 % Steuern
  4. Schenkungstermine waren irgendwie nervig und sind im Tagesstress untergegangen

Knapp 1,2 Mio Euro sind futschi. Eine Menge Holz. Dafür könnte man 2.400 Mal in der FKK-Oase zur Entspannungstherapie für jeweils 500 Euro antreten – hat man mir gesagt.

Jetzt Trick 17. Onko und Onka verkaufen die Mietimmobilie an ihren einzigen und damit ultimativen Lieblingssohn, Enricko.

Die Erbschaftssteuer sinkt um rund 800.000 Euro. Geht. Aber es kommt noch besser:

  1. Der Verkauf erfolgt in einem solchen Setup grundsteuerfrei.
  2. Die Abschreibung kann nun frische 50 Jahre mit 2 % auf den aktuellen Kaufpreis von 3 Mio Euro vorgenommen werden.
  3. Onko und Onka haben die Bude mit 2 % auf 1,2 Mio Euro abgeschrieben.

Vor dem Verkauf errechnet sich folgendes Onko + Onka Nettoeinkommen:

Haus wird jetzt zu satten 3 Mio an den Sohn verkauft, der den gleichen Steuersatz hat – aber jetzt eine frische Abschreibung für 50 Jahre mit 2 % auf den aktuellen Kaufpreis von 3 Mio vornehmen darf:

Tata. Die höhere Abschreibung resultiert in deutlich mehr Netto. Hurra!

Übrigens: die 3 Mio Euro Kaufpreis werden von einem Profi-Steuerberater finanzamtskompatibel in eine Rente umgerechnet, die abgaben- und steuerfrei vom Filius an die Eltern bezahlt wird. Idealerweise haben die Eltern also noch eine gewisse Restlebenserwartung – aber geht schon irgendwie.

Nebenbei: ohne Verkauf hätten Onko, Onka und Enricko die Mietimmobilie noch 35 Jahre zu 2 % auf 1,2 Mio Euro absetzen können – hätten also noch 840.000 Euro mit 42 % absetzen können – hätten also 352.800 Euro gespart.

Durch den Verkauf kann Enricko satte 50 Jahre zu 2 % auf 3 Mio Euro absetzen. Enricko kann so 2,1 Mio Euro mit 42 % absetzen und effektiv 882.000 Euro sparen – noch mal gut eine halbe Mio Euro mehr im Sack.

Und was ist mit der Schenkung?

Schenkung (pro Elternteil 400.000 Euro) schön für die selbstbewohnte Immobilie ohne Abschreibunsgmöglichkeit oder für Cash/Depot einsetzen.

Die Erbschaftssteuer ist um über 1 Mio Euro gesunken – alles ohne Stiftungs- und GmbH-Gedöns. Hinzu kommt gut eine halbe Mio effektiv weniger Steuern über den neuen Abschreibungszeitraum.

Geht, oder?

Ich kenne ihn nicht persönlich, habe nix mit ihm zu tun, überlege wegen ihm aber noch auf Steuerberater umzusatteln: die Idee ist von Prof. Juhn geklaut, den man u. a. auf Youtube findet.

Hinweis: die Kaufpreisumrechnung in eine rechtssichere Rentenzahlung würde ich wirklich von einem Profi vornehmen lassen.

Kuhdrücker

Vor dem nächsten Burger King Besuch.

Erstens – dieses Video anschauen:

Zweitens – ein Rebel Whopper ohne Käse und ohne Mayonnaise dafür mit Barbecue-Sauce bestellen. Wer Hunger hat: Pommes mit Ketchup dazu. Und wer noch mehr Hunger hat: der Neuner Plant Based Nuggets mit zweimal Curry Sauce – schließt den Magen. Sollte alles vegan sein.

Hup, hup

Seit ich Wohnmobileigentümer bin, rufe ich regelmäßig „hup, hup“ in irgendeine Menschenrunde und bin 15 Minuten später on se road. Fehlt nicht mehr viel zum Rotationseuropäer.

Außerhalb des Wohnmobils passt mein irdischer Besitz in ein kleines Fach eines Kleiderschranks in der Wohnung meiner Freundin. Den meisten Platz nimmt da (noch) ein Hängeregister ein, in dem ein paar notarielle Urkunden und ein paar vermeintlich wichtige Dokumente verwahrt sind. Das allermeiste ehemalige Papierzeug ist längst in meiner 1 TB Dropbox – hauptsächlich Fotos.

Die Eigentumsverhältnisse sind übersichtlich geworden:

  • 1 x Wohnmobil
  • 1 x Mopped
  • 1 x Klapprampe
  • 2 x Motorradhelm
  • 1 x bester Kurierrucksack der Welt von Ortlieb fürs Mopped
  • 1 x Smartphone
  • 2 x Notebook (1 x davon beruflich)
  • 1 x Tablet
  • 2 x Kopfhörer (1 x Kabel, 1 x Bluetooth)
  • 1 x Bluetoothbox
  • 2 x Powerbanks (gute)
  • 1 x Notebooktasche
  • 3 x Ladekabel
  • 8 x Shorts (inkl. 3 Badeshorts)
  • 5 x Jogginghosen
  • 15 x T-Shirts kurz
  • 15 x T-Shirts lang
  • 20 x Unterhosen/Shorts
  • 10 x Socken
  • 2 x Crocs
  • 1 x Turnschuhe
  • 1 x Herrenschuhe
  • 1 x Anzugshose
  • 5 x Oberhemden
  • 3 x Freizeithosen (Jeans und so)
  • 3 x Jacken
  • 4 x Bettwäsche (ich habe im Womo zwei Queensize-Betten)
  • 1 x Zahnbürste
  • 1 x Bürste
  • 1 x Zahnpasta
  • 1 x Deo
  • 1 x Duschzeug
  • 1 x Shampoo
  • 6 x Handtüchter
  • 1 x Ventilator
  • 1 x Pad-Kaffeemaschine (braucht die Freundin)
  • 1 x Milchaufschäumer (braucht die Freundin)
  • 1 x Staubsauger und ein bisschen Putzzeug
  • 4 x Lamzac/Fatboy-Dinger
  • 1 x Grill
  • 1 x Klapptisch
  • 4 x Klappstühle
  • 1 x Wäscheständer
  • 10 x Bücher (wichtiges Zeug zum immer wieder lesen)

An (Koch-)Geschirr habe ich ein Minimum. Lebensmittel und Vorräte reichen immer so für zwei Wochen. Trinkwasser hält auch so zwei Wochen (sind 230 Liter gesamt). Wobei ich nachwievor Mineralwasser trinke und einfach ein paar Getränkekisten in der Heckgarage habe. An Gas habe ich immer 44 kg dabei (4 Flaschen), die so rund vier Monate reichen. Strom gibt es über die Solaranlage bzw. Ladebooster bzw. Lithiumakkus bzw. über den Wechselrichter, der für 2.000 Watt Dauerbelastung ausgelegt ist.

Alles in allem und je nach Zählweise dürfte ich meine Besitztümer von > 10.000 auf < 250 reduziert haben. Wobei dieser Minimalismus völlig ungeplant und quasi nebenbei passiert ist.

Ausgangspunkt für alles war die No-Limit-LTE bzw. 5G-Flatrate der Telekom, die nachwievor gut bis sehr gut funktioniert. Wie meine Tochter vor Jahren festgestellt hat: zu Hause ist da, wo man das WLAN-Kennwort hat.

Ist das was für jeden? Weiß ich nicht. Ich hatte und habe autistische Tendenzen – so von wegen hundert Jahre im Bett liegen und niemanden sehen. Die Quasi-Wohnsitzlosigkeit lockert den „Autismus“ etwas auf. Man ist per se mehr in Bewegung. Und die Flexibilität entspannt auch. Falls ich doch mal ins Büro muss und keinen Bock auf die Pendelei habe, parke ich das Womo um die Ecke. Wenn ich meine Eltern besuche, kann ich die Nerverei meiner Mutter dank Rückzugsmöglichkeit besser dosieren. Praktisch ist das Wohnmobil natürlich auch für Alkoholiker: der jeweilige Heimweg ist drastisch verkürzt.

Und finanziell? Keine Ahnung. Alles in allem stecken jetzt so 125.000 Euro in dem Projekt. Projektkosten hängen auch davon ab, ob man eine Wintertauglichkeit bzw. Doppelboden braucht. Ansonsten schaue ich, dass die Fahrleistung im Sinne einer langen Erhaltungsdauer im Rahmen bleibt. Ohne mich dabei großartig einzuschränken, schaue ich, dass ich pro Jahr nicht mehr als 12.000 km auf den Tacho packe. Wird man dann sehen müssen, wie lange die Bude hält. Tippe auf 15 und hoffe auf 20 Jahre. Gegenrechnen kann man mehr oder weniger die Miete oder verpasste Kapitalerträge aus Wohneigentum, in meinem Fall gebe ich auch deutlich weniger für Urlaub aus (Hotel, Flug) und wir sparen auch deutlich bei Kurztripps in irgendwelche Wellness-Schuppen: Trick 17 – wir buchen uns als Tagesgäste in die teuersten Spas ein, parken&schlafen im Womo um die Ecke und schlurfen dann in Badesachen ein paar Meter bis zum Pool. Solche Wochenenden haben früher ohne Womo locker einen Tausender gekostet. Theoretisch und in Verbindung mit dem Mopped in der Heckgarage spart man sich auch ein Auto.

Verpflegung/Kochen klappt übrigens wirklich gut, Stauraum ohne Ende, großer Kühlschrank mit Gefrierdings und ein Hochleistungsgasherd, der alles in nullkommanix wegbruzzelt.

Platzverhältnisse: aus meiner Autistensicht mit Sozialphobie – alleine null Probleme und zu zweit, wenn man sich mag, wirklich okay -Bedingung hier: zwei Betten und zwei Türen zwischen den beiden Betten.

An laufenden Kosten:

  • Versicherung mit Vollkasko, Diebstahlersatz mit Neupreisen – so 750 Euro p.a.
  • Steuer: 280 Euro p.a.
  • Reifen: gleiche Preise wie bei Mittelklasse-PKWs
  • Inspektion: alle zwei Jahre bei irgendeinem Fiat-Händler, sollte preislich auch human sein
  • TÜV: das Womo ist auf 4,5 Tonnen zugelassen. Ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr bedeutet das jedes Jahr TÜV – muss man dann sehen, wie nervig und teuer das ist
  • Diesel-Verbrauch: ich fahre sehr entspannt und liege so bei 9 – 11 Liter.
  • AdBlue: 18 Liter sollten so 6.000 km halten

Wenn man die Anschaffungs- bzw. Abschreibungskosten ausblendet, halte ich es für realistisch mit 1.000 – 1.500 Euro zu zweit in so einem Ding unterwegs zu sein und zu leben. Macht pro Kopf 500 – 750 Euro.

Wie lange kann man das machen? Weiß ich auch nicht. Bis einem was besseres einfällt? Man kann das ja auch kombinieren: Grundstück irgendwo am See pachten/mieten/kaufen oder zwischendurch mal für ein Jahr nach Koh Samui abhauen und die ganze eingesparte Kohle hier rauskloppen:

Schön mit Masseur(in) und Koch. 🙂

Hat jemand einen besseren Plan – so preisleistungsmäßig?

Sochen

Bester Freund ist gerade 50 geworden. Pfui, ist das alt. Immerhin sieht er jünger aus und hat Dates mit einer Frau, die 25 Jahre jünger ist. Ohne zu bezahlen, glaube ich. Also jedenfalls nicht so mit Geldübergabe.

„Wenn der damit durchkommt, kann ich dann auch noch so ne junge Freundin haben?“ fragte ich da direkt mal bei meiner Onka nach. Ich sag‘ mal so: aua und eher nicht.

Der beste Freund hat sich aber auch besser gehalten als ich, verdient besser und will eventuell noch in die Nachzucht einsteigen. Brauche ich ja nicht mehr. Aber ich habe auch noch Optionen!

Zum Beispiel. Kommerzialisierung der Corona-Speckfalten-Silberfischzucht. Die Idee kommt von der Original-Onka:

Ansonsten arbeite ich gedanklich noch an einer neuen Version von mir. Bisschen geschmeidiger, weniger bissig, weniger direkt, weniger beleidigend, weniger wuchtig und gerne auch weniger pfundig. Aber das wird wohl nix mehr, sagt die Freundin, die ich ab sofort und nienienie mehr Onka nennen darf.

Meine Frage, ob dem Alter und dem Blick in den Abgrund nicht immer mit Humor zu begegnen ist, wurde verneint.

Was tun? Schweigen wäre super. Macht immer einen guten Eindruck. Ist aber langweilig. Empathie wäre auch super. Bei genauem Hinsehen aber meistens schwierig, wenn uns eine Kuh menschlich und moralisch haushoch überlegen ist:

Zwischendurch – auf der Trenntoilette – gedenke ich der Worte Marcel Reich-Ranickis: “Man kann einen Garten nicht düngen, indem man durch den Zaun furzt.”, hadere etwas mit dem CTSO-Kurs und verzweifle möglichst CO2-neutral und lächelnd über den Lauf der Welt. Wenn das nicht klappt: im Gefrierfach des Wohnmobils liegt immer eine Flasche Gin-Tonic mit eingebauten Eiswürfeln.

Opa II

Heute kamen die Unterlagen. Heidewitzka, Herr Kapitän. Legen wir los mit ein paar eidestattlichen Erklärungen:

Die Ortsgruppe, die er geleitet hat, dürfte zu den „judenreichsten“ Ortsgruppen überhaupt gehört haben. Nach allem, was ich gelesen habe (rund 200 Seiten) gab es nullkommanull Beschwerden aus der jüdischen (oder nicht-jüdischen) Bevölkerung. Jakob Sprenger bat ihn, Kreisleiter zu werden. Hat Opa abgelehnt. Genau wie eine hoch dotierte Stelle in den Hermann Göring Werken. Bevor es mit später mit den Deportationen losging, hat er auf einen möglichen Unabkömmlichkeitsstatus verzichtet und ist freiweillig und lieber an die Front gegangen (erst zur Wehrmacht und nach einer Verletzung zur Organisation Todt). Dass er Ariernachweise gefälscht hat, rechne ich ihm hoch an.

Er ist 1900 geboren, war bis zum 29. Lebensjahr völlig unpolitisch, fand nach vier Jahren Arbeitslosigkeit Gregor Strasser (ab 18:10) gut, trat in die NSDAP ein und war dafür insgesamt viereinhalb Jahre in Internierungs- und Arbeitslagern.

Kein Georg Elser – aber, so wie es aussieht, ein ganz anständiger Mensch – und nebenbei und laut Schreiben von Daimler Benz aus Stuttgart ein begnadeter Techniker.

Meine pädagogischen Fähigkeiten als Moralapostel und Teilzeitmessias

Ja, nicht so gut bestellt damit. In der Regel bezeichne ich alle in weniger als drei Minuten als Empathiekrüppel, schüttele verächtlich den Kopf, denke heimlich „was für’n elender Idiot“ und verlasse die Szenerie.

Die anderen Moralapostel sind da viel schlauer und wissenschaftlicher unterwegs – hier die drei Graslutscher zum Beispiel:

Alles super. Aber ich habe die Nerven dazu nicht. Sobald ich König von Deutschland bin, rufe ich erstmal bei Frau Klöckner an.

König: „Na, haste fünf Minuten?“

Klöckner: „Gerade drei Stunden mit Nestle telefoniert, aber ja.“

König: „Ich will dich ins Fernsehen bringen.“

Klöckner: „Geil.“

König: „Erstmal so vier Wochen, non stop. Livestream und so. Aber richtig ’naturnah'“

Klöckner: „Geil.“

König: „Mit Fortsetzungen.“

Klöckner: „G-e-i-l.“

König: „Also konkret. Wir fangen beim Milchvieh an. Du kommst in den Stall. Einmal Zwangsbesamung, Anbindehaltung und schön an die Melkmaschine. Das mit der Melkmaschine ist noch ein bisschen früh so am Anfang der Schwangerschaft. Aber der Lerneffekt ist dadurch viel höher. Die meisten denken, dass eine Kuh einfach so Milch gibt. Das wird ein Hallo, wenn der Milcheimer leer bleibt!“

Klöckner: „Äh?“

König: „Geht ja nur vier Wochen. Im ersten Teil. Dafür gibt’s auch den Livestream. Jeden Tag Übertragungen in die Tagesschau mit Interview. Die schönsten Bilder bei Instagram und so.“

Klöckner: [Hüstel]

König: „Nach zehn Monaten kommt dann die Fortsetzung. Nachwuchs wird abgeführt und kommt in einen Bio-Schlachthof – schön mit anderen glücklichen Bio-Kälbern. Das muss man natürlich gut vorbereiten, die Zuschauer wollen da sicher abgeholt werden. So von wegen ‚wir sind doch keine Viecher‘. Ich denke da an eine Live-Schalte. Du – wieder in Anbindehaltung – könntest was aus Wikipedia referieren.

‚Der Mensch (Homo sapiens, lateinisch für „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“) ist nach der biologischen Systematik eine Art der Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen, die zur Ordnung der Primaten und damit zu den höheren Säugetieren gehört.

Die Höheren Säugetiere oder Plazentatiere (Eutheria; Placentalia meist nur wenn die Kronengruppe gemeint ist) bilden wie die eierlegenden Kloakentiere (Protheria) und die Beuteltiere (Metatheria) eine Unterklasse der Säugetiere (Mammalia). Die Höheren Säuger sind die artenreichste Gruppe – zu diesem Taxon zählen rund 94 Prozent der rezenten Spezies – und auch hinsichtlich des Körperbaues und der Lebensräume die vielfältigste der Säugetiere (1135 von 1229 Gattungen).‘

Na, was sagste? Das wäre halt gut, den Leuten ins Bewusstsein zu rufen, dass wir eben doch Viecher sind. Vielleicht nennen wir die Serie auch so: Von Säugetier zu Säugetier.

Bei den Schlachthofbildern bleiben wir trotzdem schön zurückhaltend. Bisschen traurige Musik drunter legen. Rest bleibt der Phantasie überlassen. Man muss es ja auch nicht übertreiben. Danach Blende. Nach der Schwangerschaft ist vor der Schwangerschaft. Meint: Zwangsbesamung numero 2. Blende, Kamera auf einen halbvollen Milcheimer. Dann irgendeinen Bauern einblenden, der auf Knöpfe an der Melkmaschine drückt und den Daumen nach oben streckt.“

Klöckner: „Äh?“

König: „Müssen dann halt mal schauen, wie lange du durchhältst. Vier, fünf Jahre sind so die Norm, bevor eine Kuh umkippt. Aber sehen wir dann noch. Na, Mausezahn, was sagste? Kannst ja noch mal drüber schlafen.“

Klöckner: „Ich bin da jetzt kein Experte, aber gibts inzwischen nicht hundert Sorten Pflanzenmilch? Könnte man da nicht vielleicht…“

Opa und die Peaky Blinders

Meinem Vater geht’s nicht so gut. Es quietscht überall – wie sich das für Pflegestufe 3 gehört. Drei Dialyse-Termine pro Woche nerven auch. Er ist Jahrgang 1943. Sein Vater, mein Opa, war Jahrgang 1900 und ist 1971 mit und an Nierenproblemen gestorben. Immerhin hat er ihn schon mal überlebt.

Bevor mein Vater Fahrzeugbau studiert und Stellenangebote von Porsche und BMW abgelehnt hat, um den väterlichen Karosseriebau mit zwanzig Mitarbeitern zu übernehmen, hat er eine Ausbildung zum Karosseriebauer als Landes- und Bundessieger abgeschlossen.

Um ihn aufzuheitern und weil es mich interessiert hat, stellte ich ihm vor ein paar Wochen die Frage: „wie stolz war dein Vater auf dich? Wie habt ihr das mit dem Landes- und Bundessieger gefeiert?“

Er hat die Frage nicht verstanden. „Ich weiß nicht, was du meinst.“

Garnix: „Naja, wenn mein Kind Erfolg hat, würde ich mich freuen und feiern. Du nicht?“

Vater: „Nee. Das war nicht so.“

Seine Mutter ist früh gestorben und das Portrait meines Opas, das in der Firma neben den Urkunden meines Vaters hing, lief bei mir so ingesamt unter dem Oberbegriff: „Todesblick“.

Blöderweise haben meinen Vater und ich diesen Blick geerbt. Wenn wir normal in die Gegend gucken, denken alle „uiuiui, was ist denn mit denen los?“

Ein großes Hurra auf den transgenerationalen Todesblick.

Was ich von meinem Vater wusste: Opa war relativ früh in der NSDAP, jahrelang Ortsgruppenleiter, später in Russland ein Sägewerk und 200 Mann befehligt und Brücken und sowas gebaut. Lange in russischer Kriegsgefangenschaft und später dann im Rahmen der Entnazifizierung zehn Jahre Berufsverbot bekommen.

Meine Themen sind ja schon länger sowas wie

  • Empathiebehinderungen
  • Recht auf Wegsehen
  • „Feinstofflichkeit“
  • Transgenerationale Traumata
  • Allgemeine Irrationalität und allgemeiner Wahnsinn
  • Leichtigkeit vs Todesblick

Die Welt ist zweifelsohne verrückt. Da liebt und hat jemand Pferde, rettet einen griechischen Hund und füttert diesem voller Inbrunst kleingehacktes Hottehü in Dosenform.

Wenn ich mit meiner Mutter über die Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung rede, zitiert sie die Buchenwald-Begrüßungsformel: „Jedem das Seine“

Die Pandemien der letzten hundert Jahre gehen im Kern auf abartigste Tierhaltungsthemen zurück und es gab meines Wissen noch nicht EINE Diskussionssendung irgendwo, die das thematisiert hat.

So in Art und im Zweifel noch dümmer und noch schlimmer. Aber jetzt gucken wir erst mal nach dem Todesblick.

Ausgangspunkt: wie muss man als Vater (Opa) so drauf sein, wenn der Sohn beruflich schwerstens abräumt, ohne auf den Gedanken zu kommen, eine Runde zu feiern?

#Ortsgruppenleiter

„Das Fundament der Diktatur: die NSDAP-Ortgruppen von 1932 – 1945.“ -gibt’s bei Amazon. Ab Seite 316 steht da, dass primär die Ortsgruppenleiter Deportationen vorbereitet haben. Treffer.

Mein Vater wurde nach dem Krieg jahrzehntelang in seiner „Hood“ gefragt, ob er mit dem Ortsgruppenleiter verwandt ist – „ZwinkerZwinker, war ein guter Mann“.

Ich fürchte, dass die Zwinker-Zwinker-Menschen nicht unbedingt jüdischen Glaubens waren.

#Bundesarchiv

Anmeldug bei https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/ – geht relativ schnell und man hat den ersten Zugriff. SA, SS und NSDAP-Akten muss man dann aber doch und. ggf. kostenpflichtig anfordern. Und ein paar Formulare ausfüllen.

#Peaky Blinders

Frisurentechnisch hätte Opa auch bei den Peaky Blinders anheuern können:

Ich bekomme also seine NSDAP-Kartei. Er war Sturmführer bei der NSKK. „Das NSKK folgte der rassenideologischen Doktrin der NSDAP und nahm nur Personen mit Ariernachweis als Mitglieder auf. Während des Zweiten Weltkrieges war das NSKK im Rahmen der Umsetzung und Legitimierung des Generalplan Ost in großem Ausmaß an den Deportationen von Juden und dem Holocaust beteiligt.“

#ADAC Gründungsmitglied oder Judenexporteur

Das Bundesarchiv weiß es nicht so genau. Anfrage beim Landesarchiv läuft: 220 Seiten Entnazifizierungsakten sind angefordert.

#Enkeljustiz

Habe ich das Recht oder die Pflicht auf Hinsehen oder Wegsehen? 1925 erschien „Mein Kampf“ wurde seinerzeit viel gelesen und besprochen. Hitler beschrieb die Juden als Parasiten und Krankheitserreger, die, wenn man sie nicht entschieden bekämpft, ihr Wirtsvolk umbringen würden. Außerdem unterstellt Hitler den Juden, durch Förderung der Prostitution bewusst die Syphilis zu verbreiten. Hab das selber nicht gelesen – steht so bei Wikipedia.

Die Frage, ob man im Lager der Weißen Rose oder in der SA gelandet wäre, lässt sich nur hoffnungsschwanger beantworten. Und führe uns nicht in den Abgrund.

In drei, vier Wochen dürfte ich seine Unterlagen von 1946 bis 1949 bekommen – wiegesagt 220 Seiten. Bin jetzt erstmal ergebnisoffen und drücke uns karmatechnisch die Daumen, dass alles nicht allzu schlimm war – opamäßig.

Meine Eltern haben keinen Bock, dass ich das aufwühle und wollen nix davon wissen. Ist okay, glaube ich. Oder auch nicht.

Ich glaube eher: es lohnt sich hinzuschauen, seine Lehren zu ziehen und idealerweise transgenerationale Scheiße aufzulösen.

Und was sagt Anne Frank?

„Wie wundervoll, dass niemand einen einzigen Moment warten muss, bevor er anfängt, die Welt zu verbessern.“

Ansonsten gilt: