Meine pädagogischen Fähigkeiten als Moralapostel und Teilzeitmessias

Ja, nicht so gut bestellt damit. In der Regel bezeichne ich alle in weniger als drei Minuten als Empathiekrüppel, schüttele verächtlich den Kopf, denke heimlich „was für’n elender Idiot“ und verlasse die Szenerie.

Die anderen Moralapostel sind da viel schlauer und wissenschaftlicher unterwegs – hier die drei Graslutscher zum Beispiel:

Alles super. Aber ich habe die Nerven dazu nicht. Sobald ich König von Deutschland bin, rufe ich erstmal bei Frau Klöckner an.

König: „Na, haste fünf Minuten?“

Klöckner: „Gerade drei Stunden mit Nestle telefoniert, aber ja.“

König: „Ich will dich ins Fernsehen bringen.“

Klöckner: „Geil.“

König: „Erstmal so vier Wochen, non stop. Livestream und so. Aber richtig ’naturnah'“

Klöckner: „Geil.“

König: „Mit Fortsetzungen.“

Klöckner: „G-e-i-l.“

König: „Also konkret. Wir fangen beim Milchvieh an. Du kommst in den Stall. Einmal Zwangsbesamung, Anbindehaltung und schön an die Melkmaschine. Das mit der Melkmaschine ist noch ein bisschen früh so am Anfang der Schwangerschaft. Aber der Lerneffekt ist dadurch viel höher. Die meisten denken, dass eine Kuh einfach so Milch gibt. Das wird ein Hallo, wenn der Milcheimer leer bleibt!“

Klöckner: „Äh?“

König: „Geht ja nur vier Wochen. Im ersten Teil. Dafür gibt’s auch den Livestream. Jeden Tag Übertragungen in die Tagesschau mit Interview. Die schönsten Bilder bei Instagram und so.“

Klöckner: [Hüstel]

König: „Nach zehn Monaten kommt dann die Fortsetzung. Nachwuchs wird abgeführt und kommt in einen Bio-Schlachthof – schön mit anderen glücklichen Bio-Kälbern. Das muss man natürlich gut vorbereiten, die Zuschauer wollen da sicher abgeholt werden. So von wegen ‚wir sind doch keine Viecher‘. Ich denke da an eine Live-Schalte. Du – wieder in Anbindehaltung – könntest was aus Wikipedia referieren.

‚Der Mensch (Homo sapiens, lateinisch für „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“) ist nach der biologischen Systematik eine Art der Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen, die zur Ordnung der Primaten und damit zu den höheren Säugetieren gehört.

Die Höheren Säugetiere oder Plazentatiere (Eutheria; Placentalia meist nur wenn die Kronengruppe gemeint ist) bilden wie die eierlegenden Kloakentiere (Protheria) und die Beuteltiere (Metatheria) eine Unterklasse der Säugetiere (Mammalia). Die Höheren Säuger sind die artenreichste Gruppe – zu diesem Taxon zählen rund 94 Prozent der rezenten Spezies – und auch hinsichtlich des Körperbaues und der Lebensräume die vielfältigste der Säugetiere (1135 von 1229 Gattungen).‘

Na, was sagste? Das wäre halt gut, den Leuten ins Bewusstsein zu rufen, dass wir eben doch Viecher sind. Vielleicht nennen wir die Serie auch so: Von Säugetier zu Säugetier.

Bei den Schlachthofbildern bleiben wir trotzdem schön zurückhaltend. Bisschen traurige Musik drunter legen. Rest bleibt der Phantasie überlassen. Man muss es ja auch nicht übertreiben. Danach Blende. Nach der Schwangerschaft ist vor der Schwangerschaft. Meint: Zwangsbesamung numero 2. Blende, Kamera auf einen halbvollen Milcheimer. Dann irgendeinen Bauern einblenden, der auf Knöpfe an der Melkmaschine drückt und den Daumen nach oben streckt.“

Klöckner: „Äh?“

König: „Müssen dann halt mal schauen, wie lange du durchhältst. Vier, fünf Jahre sind so die Norm, bevor eine Kuh umkippt. Aber sehen wir dann noch. Na, Mausezahn, was sagste? Kannst ja noch mal drüber schlafen.“

Klöckner: „Ich bin da jetzt kein Experte, aber gibts inzwischen nicht hundert Sorten Pflanzenmilch? Könnte man da nicht vielleicht…“

Opa und die Peaky Blinders

Meinem Vater geht’s nicht so gut. Es quietscht überall – wie sich das für Pflegestufe 3 gehört. Drei Dialyse-Termine pro Woche nerven auch. Er ist Jahrgang 1943. Sein Vater, mein Opa, war Jahrgang 1900 und ist 1971 mit und an Nierenproblemen gestorben. Immerhin hat er ihn schon mal überlebt.

Bevor mein Vater Fahrzeugbau studiert und Stellenangebote von Porsche und BMW abgelehnt hat, um den väterlichen Karosseriebau mit zwanzig Mitarbeitern zu übernehmen, hat er eine Ausbildung zum Karosseriebauer als Landes- und Bundessieger abgeschlossen.

Um ihn aufzuheitern und weil es mich interessiert hat, stellte ich ihm vor ein paar Wochen die Frage: „wie stolz war dein Vater auf dich? Wie habt ihr das mit dem Landes- und Bundessieger gefeiert?“

Er hat die Frage nicht verstanden. „Ich weiß nicht, was du meinst.“

Garnix: „Naja, wenn mein Kind Erfolg hat, würde ich mich freuen und feiern. Du nicht?“

Vater: „Nee. Das war nicht so.“

Seine Mutter ist früh gestorben und das Portrait meines Opas, das in der Firma neben den Urkunden meines Vaters hing, lief bei mir so ingesamt unter dem Oberbegriff: „Todesblick“.

Blöderweise haben meinen Vater und ich diesen Blick geerbt. Wenn wir normal in die Gegend gucken, denken alle „uiuiui, was ist denn mit denen los?“

Ein großes Hurra auf den transgenerationalen Todesblick.

Was ich von meinem Vater wusste: Opa war relativ früh in der NSDAP, jahrelang Ortsgruppenleiter, später in Russland ein Sägewerk und 200 Mann befehligt und Brücken und sowas gebaut. Lange in russischer Kriegsgefangenschaft und später dann im Rahmen der Entnazifizierung zehn Jahre Berufsverbot bekommen.

Meine Themen sind ja schon länger sowas wie

  • Empathiebehinderungen
  • Recht auf Wegsehen
  • „Feinstofflichkeit“
  • Transgenerationale Traumata
  • Allgemeine Irrationalität und allgemeiner Wahnsinn
  • Leichtigkeit vs Todesblick

Die Welt ist zweifelsohne verrückt. Da liebt und hat jemand Pferde, rettet einen griechischen Hund und füttert diesem voller Inbrunst kleingehacktes Hottehü in Dosenform.

Wenn ich mit meiner Mutter über die Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung rede, zitiert sie die Buchenwald-Begrüßungsformel: „Jedem das Seine“

Die Pandemien der letzten hundert Jahre gehen im Kern auf abartigste Tierhaltungsthemen zurück und es gab meines Wissen noch nicht EINE Diskussionssendung irgendwo, die das thematisiert hat.

So in Art und im Zweifel noch dümmer und noch schlimmer. Aber jetzt gucken wir erst mal nach dem Todesblick.

Ausgangspunkt: wie muss man als Vater (Opa) so drauf sein, wenn der Sohn beruflich schwerstens abräumt, ohne auf den Gedanken zu kommen, eine Runde zu feiern?

#Ortsgruppenleiter

„Das Fundament der Diktatur: die NSDAP-Ortgruppen von 1932 – 1945.“ -gibt’s bei Amazon. Ab Seite 316 steht da, dass primär die Ortsgruppenleiter Deportationen vorbereitet haben. Treffer.

Mein Vater wurde nach dem Krieg jahrzehntelang in seiner „Hood“ gefragt, ob er mit dem Ortsgruppenleiter verwandt ist – „ZwinkerZwinker, war ein guter Mann“.

Ich fürchte, dass die Zwinker-Zwinker-Menschen nicht unbedingt jüdischen Glaubens waren.

#Bundesarchiv

Anmeldug bei https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/ – geht relativ schnell und man hat den ersten Zugriff. SA, SS und NSAP-Akten muss man dann aber doch und. ggf. kostenpflichtig anfordern. Und ein paar Formulare ausfüllen.

#Peaky Blinders

Frisurentechnisch hätte Opa auch bei den Peaky Blinders anheuern können:

Ich bekomme also seine NSDAP-Kartei. Er war Sturmführer bei der NSKK. „Das NSKK folgte der rassenideologischen Doktrin der NSDAP und nahm nur Personen mit Ariernachweis als Mitglieder auf. Während des Zweiten Weltkrieges war das NSKK im Rahmen der Umsetzung und Legitimierung des Generalplan Ost in großem Ausmaß an den Deportationen von Juden und dem Holocaust beteiligt.“

#ADAC Gründungsmitglied oder Judenexporteur

Das Bundesarchiv weiß es nicht so genau. Anfrage beim Landesarchiv läuft: 220 Seiten Entnazifizierungsakten sind angefordert.

#Enkeljustiz

Habe ich das Recht oder die Pflicht auf Hinsehen oder Wegsehen? 1925 erschien „Mein Kampf“ wurde seinerzeit viel gelesen und besprochen. Hitler beschrieb die Juden als Parasiten und Krankheitserreger, die, wenn man sie nicht entschieden bekämpft, ihr Wirtsvolk umbringen würden. Außerdem unterstellt Hitler den Juden, durch Förderung der Prostitution bewusst die Syphilis zu verbreiten. Hab das selber nicht gelesen – steht so bei Wikipedia.

Die Frage, ob man im Lager der Weißen Rose oder in der SA gelandet wäre, lässt sich nur hoffnungsschwanger beantworten. Und führe uns nicht in den Abgrund.

In drei, vier Wochen dürfte ich seine Unterlagen von 1946 bis 1949 bekommen – wiegesagt 220 Seiten. Bin jetzt erstmal ergebnisoffen und drücke uns karmatechnisch die Daumen, dass alles nicht allzu schlimm war – opamäßig.

Meine Eltern haben keinen Bock, dass ich das aufwühle und wollen nix davon wissen. Ist okay, glaube ich. Oder auch nicht.

Ich glaube eher: es lohnt sich hinzuschauen, seine Lehren zu ziehen und idealerweise transgenerationale Scheiße aufzulösen.

Und was sagt Anne Frank?

„Wie wundervoll, dass niemand einen einzigen Moment warten muss, bevor er anfängt, die Welt zu verbessern.“

Ansonsten gilt:

Falsch #1

Die beste Freundin meiner Freundin hat gerade einen zehnjährigen Hund aus einer Tierheim-„Todeszelle“ in Griechenland gerettet. Der Hund wird jetzt von Leichenteilen ernährt. Diese Leichenteile stammen von Tieren, die nicht weniger empfindungsfähig sind als selbiger Hund.

Fun Fact: sie ist ein großer Pferde-Fan, hat eigene Pferde, die sie genau so liebt wie den Hund. Dass Fury oft in Hundefutterdosen landet, ist, denke ich, kein Geheimnis.

Wer selbst Viecher hat und sich Sorgen macht, ob eine vegane Ernährung funktioniert, bitte schön:

Lasse der Freundin jetzt für 50 Euro alle möglichen veganen Sorten Hundefutter liefern und bin gespannt, ob es Klick macht.

Covid-19 in Indien / Fundraiser

„As friends, we never thought we will be organizing a fundraiser for our dear friend Purushothaman Raghunath(34) who now needs help.

Being the sole breadwinner of his family, Purushothaman is hardworking and a responsible family man. He supports his parents and his wife Eswari is a house wife and she needs to be mentally and financially strong to support him now. His beautiful daughter Prarthana(5) is waiting for her dad to recover. He is employed in an IT sector and all his co-workers know him as a very supportive and friendly person.

Purushothaman tested positive for the COVID-19 in mid April 2021 and his health quickly deteriorated. Given the current situation in Chennai, with great difficulty his family found a hospital with a ventilator facility and after a few days of treatment there, his health still declined and he needed a ECMO (Extracorporeal Membrane Oxygenation) device to keep him alive. He was shifted to Dr. Rela Institute & Medical Centre, Chennai where he is currently treated with ECMO Support. He is on ECMO support for a week and at this point of time, we are not sure of how long will the ECMO support continue and if he needs a cytosorb therapy treatment as his inflammatory marker levels have increased. He needs to continue in ICU for monitoring once he is back on ventilator support. The treatment costs have crossed the maximum limits of insurance.The family has exhausted all their savings by now and still not sure how much it would cost for the treatment as there is no clear path of recovery at this point.

In this critical time for Purushothaman and his family, we are raising this GoFundMe to support his out of pocket medical expenses. We request you to keep Purushothaman and his family in your prayers. We are grateful for any contribution. No contribution is small. Thank you for supporting.

  • Total Medical expenses Apr 20th – Apr 28th – 25,665 USD [Bill Attached]
  • Expected Medical Expenses per day – 2500 USD
  • Anticipated Hospitalization Period – 4 – 5 weeks“

Quelle: https://www.gofundme.com/f/help-purushothaman-recover-from-covid?utm_campaign=p_cp_url&utm_medium=os&utm_source=customer

Recht auf Wegsehen

Der große Denker und Philosoph Jakob Augstein hat mal sein Recht auf Wegsehen erklärt. Kontext waren damals Fotos syrischer Kinder.

„Aber wer tote und verwundete Kinder in den Dienst seiner Zwecke stellt, macht sich des Missbrauchs schuldig – ganz gleich, wie gut die Absichten sind. Es geht um den Missbrauch der Kinder und um den Missbrauch unserer Gefühle. Hört auf damit!“

Quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-die-bilder-von-toten-kindern-und-die-krise-des-mitleids-kolumne-a-1114489.html

Jetzt mal so unter uns und Butter bei die Fische: der Holocaust wäre doch auch nur halb so schlimm ohne die ganzen Bilder. Und würde uns die Wurst nicht auch viel besser schmecken, ohne die unseligen Tierrechtsaktivisten, die RÜCKSICHTSLOS auf unserer Gefühlsorgel spielen wollen?

„Jedes Bild ist eine Inszenierung. Und wer ein totes Kind zeigt, zeigt hundert andere nicht und nimmt wohl oder übel an einer Hierarchisierung der Opfer teil.“

Genau und überhaupt: was ist mit den Bildrechten – haben die Trändendrüsenterroristen überhaupt eine Genehmigung dafür? Und außerdem: schon auf den Galeeren hatte es mindestens zehn Prozent Freiwillige.

„Wenn man mir Bilder von toten Kinder zeigt, mache ich von meinem Recht auf Wegsehen Gebrauch.“

Danke, Jakob Augstein. Bahnbrechend. Drängt sich da nicht gleich eine Erweiterung des Grundgesetzes auf?

Art 0

(1) Das geistige und moralische Wohlempfinden des Menschen ist unantastbar.
(2) Das Deutsche Volk wünscht sich ungestörte Leichtigkeit, Lebensfreunde und sinnliche Genüsse ohne moralinsaure Vorhaltungen von Tränendrüsenterroristen in Wort, Schrift oder Bild.
(3) Schwarzbraun ist die Haselnuss, Schwarzbraun bin auch ich, bin auch ich, Schwarzbraun muss mein Mädel sein, gerade so wie ich, Falleri juwi juwi wi ja ha ha, Falleri juwi juwi wi ja ha ha, Falleri juwi juwi wi ja ha ha, Falleri juwi juwiwi

Wenn wir schon dabei sind: wer braucht denn eigentlich noch die Schwurbelei der ganzen anderen komischen Artikel?

Und Albert Einstein, den Oberschwurbler, texten wir einfach um:

„Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen zeigen.“

Viel besser so. Gute Absichten, am Arsch!

Ausflugtipps #1

Naa, Freunde? Auch manchmal gestresst? Corona, Arbeit, Kinder? Alles ein bisschen viel und ein bisschen stressig? Warum nicht mal eine Landpartie? Die Cordhose und die Wanderschuhe anziehen, die Kinder einpacken und raus aus der Stadt und rein in die Natur. Den Rüssel durchlüften und auf einem schönen Bauernhof die Seele baumeln lassen. Einem richtigen Bauern bei der Arbeit zugucken oder gleich mal mit anpacken. Raus aus dem Alltag und raus aus dem Stress. Wie wär’s mit MacPom? Ruhig den Kindern mal zeigen, wo ein Schnitzel so herkommt und gleich mal selbst ausprobieren, wie man es weich klopft. Das Reisemagazin, Der Spiegel, hat da was schönes ausgegraben.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/nottoetungen-in-der-schweinemast-qual-fuer-den-profit-a-1290250.html

Konsumtribunal

Ende Mai ist das Wohnmobil für eine Unterboden- und Hohlraumkonservierung angemeldet. Kosten: rund 3.000 Euro.

Rationale: Fahrzeugbasis ist ein Fiat Ducato. Die Dinger werden als Lieferfahrzeuge üblicherweise in sechs oder sieben Jahren runtergeritten und haben von Sekunde 0 an Rostprobleme. Das Wohnmobil (ohne Mopped nach Autarkieumbau) hat einen Anschaffungspreis von rund 115.000 Euro. Jährliche Fahrleistung soll sich im Bereich von 10.000 – 12.000 km bewegen und ich hätte gerne, dass das Wohnmobil 15+ Jahre hält. Gerne auch 20 Jahre. Habe hier aber keine Erfahrung. Aufbau ist GFK/Alu. Wenn die Möbel schlapp machen, jage ich zur Not einen Schreiner durch.

Frage in die Runde: machen die 3.000 Euro Sinn?

Als frugaler Hedonismusverweigerer und Sparquotenperversling hätte ich hier gerne Zuspruch oder auch Ablehnung. Do-it-Yourself-Hinweise sind schwierig: habe mehrerere linke Hände. Und, ja, der Preis ist hoch – aber Ausführung und Material wären toll.

Bitte um Feedback. Wer möchte kann hier in den Kommentaren seine nächste größere Anschaffung auch verteidigen und erklären.

Faust vs Cryptoprinz – mit einem Vorwort von Dr. David Hasselhoff

Dem engeren Umfeld, also mir selbst und meiner Freundin, habe ich angedroht und versprochen, mich neu zu erfinden. Die Bangkirai-Terrasse im freistehenden Einfamilienhaus überwunden. Die meisten Schlachten geschlagen. Jetzt braucht’s eine neue Richtung.

Das stimmt so auch wieder nicht. Die Freundin möchte nach Abschluss aller Reproduktionsarbeiten einfach an Bord des Wohnmobils klettern, mehrere Säcke Bücher lesen, Waldseen durchschwimmen, pantheistisch friedvoll Globulis einwerfen und Gin Tonic saufen. Also mehr so entspannt und pathosfrei.

Während sie frei ist von jeder Großmannssucht, wurschtele ich immer noch durchs Unterholz mit den großen Fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum. Mit dem Wohnmobil am Baggersee – wirklich?

Alles alter Mumpitz? Schauen wir mal nach.

Einsatz Dr. Hasselhoff:

„One morning in June
some twenty years ago
I was born a rich man’s son
I had everything that money could buy,
but freedom I had none“

Damit ging die große Reise fürn Herrn Hasselhoff los. Erstmal das Gefieder auftoupieren, eine Badehose für Kleinkinder organisieren und dann ab an den Strand. Warum denn nicht? Blöd halt, dass Kameras dabei waren.

Davon kann sich keiner erholen. Irgendwas macht der Minipli unwiederbringlich kaputt. Das ist wie mit Mainz und den Mainzern. Oder mit Köln und den Kölnern. Wer einmal in der Nähe war, wenn die Fasching und Karneval gefeiert haben, kann die alle nicht mehr ernst nehmen. Da hilft dann nur noch Alkohol und hier und da mal ein Burger.

Erste Frage: ist man, also ich, längst und unwiderruflich verloren? Nein! Bin nicht aus Köln, nicht aus Mainz, habe keinen Minipli und vernünftige Badeshorts. Glück gehabt.

Nächster Proband: Dr. Faust. Weg von der Minibadehose und dem Minipli. Hin zum ondulierten, brennscherenmäßigen Verstand, der mit knappen Worten und nebenbei das ganze Problem des Christentums raushaut.

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Ist das auch erledigt.

„Heinrich Faust zieht eine selbstkritische Lebensbilanz. Er ist beruflich und privat durch und durch unzufrieden: Als Wissenschaftler fehle es ihm an tiefer Einsicht und brauchbaren Ergebnissen und als Mensch sei er unfähig, das Leben in seiner Fülle zu genießen.

Lösungsversuch: Knicki-Knacki mit einem Hotbabe 9 bis 10, wie Alexander Raue sagen würde. Dass das nicht die Antwort auf alle Fragen ist und im größten Kuddelmuddel endet, ist klar.

Zwischenstand: Minipli und Promotion = nicht gut.

Was und wer bleibt denn da jetzt noch als Vorbild und als Gegenentwurf für einen frugalistischen Hedonismusversager und Sinnsucher wie mich?

Ich weiß es nicht. Aber ich bleibe am Ball und schenke dem Schlachtermeister, Nuttenpreller und Cryptoprinzen derweil einen Daumen nach oben. Aber nur bis ich es besser weiß!

Hurra, ich lebe noch?


„Was ließen wir nicht über uns ergehn
Ach einerlei, der Kelch ging noch einmal an uns vorbei
Wir leben noch
Hurra! Wir leben noch!“

Das mit dem „wir“ ist so nicht mehr ganz richtig: Milva, La Rossa, hat es vor ein paar Tagen mit 81 Jahren und nach langer Krankheit aus der Kurve getragen.

Woher kennt man Milva? Dieter Thomas Heck? Keine Ahnung.

Und sonst so?

Mein Anzughosen- und Sockenproduzent, Pierre Cardin, hat’s auch hingerafft.

Diego Maradona, Karl Dall, Gotthilf Fischer, Udo Walz, Sean Connery, Herbert Feuerstein, Eddie van Halen, Birol Ünel, Fips Asmussen, Gottlieb Wendehals, Rüdiger Nehberg und Christo haben alle zwischenzeitlich ihr Bündel gepackt, sind vom Hof geritten und müssen nie mehr zum Zahnarzt. Ja, Willi Herren auch.

Merke: großer Männerüberschuss in der Liste, die Lebenszeit ist endlich, der Tod ist sicher – frei nach Norbert Blüm (auch abgekratzt).

Alles nix neues, alles abgenudelt? Jaja. Aber mit 48 Jahren und Etzlichem muss man jeden Schwung mitnehmen. Bisschen Todesangst belebt ja auch.

Was noch?

Viktoria, das Wohnmobil, ist vor 281 Tagen in mein Leben getreten. Wir sind (fast) unzertrennlich. Habe locker 200+ Tage inklusive Winter im Wohnmobil gelebt. Bis dato: allet schönchen.

Ich fürchte, dass alle Pläne und Vorstellung aufgegangen sind. Bis auf ein aufblasbares Kanu ist die Ausstattung komplett. Autarkielevel ist gut. Limitierender Faktor ist Wasser. Aber mit ein paar Extra-Trinkwasserkanistern muss ich locker zwei Wochen niemanden sehen. Mit Wasserpumpe und irgendeinem Gewässer in der Nähe, wären wir dann bei Lebensmitteln als limitierenden Faktor. Dafür gibt es aber Vorräte. Bin Großkunde von „Löwenanteil“. Und ein Mopped samt Fahrradkurierrucksack zum Rumkurven und Einkaufen gibt’s auch noch.

Wie man auf dem letzten Foto erkennen kann: die Freundin ist auch manchmal dabei und hat sogar einen eigenen Löffel.

#Tochter – WG-Projekt ist leider gescheitert. Idee war gut. Umsetzung nicht so. Lebt wieder und lieber bei ihrer Mutter. Corona + Schule + Pubertät = schwierig.

#CTSO – alles wie gehabt: bin schwer investiert und vom Kursverlauf genervt.

#Networth – war schon mal besser, steht und fällt weitgehend mit CTSO.

#Job – 100 % Womo-Office. Dank 5G-Flat klappt das erstaunlich gut. Inklusive wichtiger globaler Mandate und großer Aufmerksamkeit auf mein berufliches Tun.

#Vegan – unverändert. Alle nicht veganen Freundschaften sind quasi aussortiert. Ethik und Moral sind für mich und nachwievor schwer verhandelbar.

#Fixkosten – neben Kindesunterhalt, Abschreibung des Wohnmobils und Versicherungsgedöns liege ich monatlich inzwischen so bei 500 Euro Geldbedarf.

  • 300 Euro Lebensmittel / Essen
  • 100 Euro Freizeit (inkl. Netflix, Youtube Premium und so Zeug)
  • 100 Euro Mobilität

So. Jetzt ist es raus: mein heimliches Ziel war es immer, den Frugalisten-Oliver als dekadenten Protzer bl0ß zu stellen. Voila.

#Pläne – die Entschlackung greift langsam. Ich weiß und werde los, was nicht mehr passt. Das ist gut. Das Leben wird friedlicher und einfacher und freier. Sogar mit Job. Ein bisschen Drama ist und war immer. Und der Bedarf nach drei Salto Mortale pro Woche lässt nach. Lieber schön im Lamzac Fatboy 3.0 den Alabasterastralkörper baumeln lassen. Sag ich mal so. Bis ich was anderes sage.

Und ihr so?