Zwist and Shout

Ich bin ja nicht nur Garnix, ein halbgarer Rechthaber, ich bin ja auch ein (geschiedener) Beziehungsexperte, der seit sechs Jahren in einem Konstrukt mit Freundin, insgesamt fünf Kindern, zwei Vollzeitjobs, spannender Verwandtschaft und zu jeder Zeit mit drei bis vier Millionen Alltagsproblemen zu tun hat.

Zwischenfazit: es ist immer irgendwas los und die Möglichkeiten, sich rund um die Uhr über irgendwas aufzuregen oder zu jammern gehen ins Unendliche. Und das wird dann wieder zum Problem: the Circle of Jammerei. Iiiiiirgendwann, wenn man sich zum 72.000 Mal im Kreis gedreht hat, ist das nicht mehr so sexy. Und dann jammert man, weil man immer jammert – auch wenn das Jammern absolute – und spezieller – therapeutische Berechtigung hat. Und, ja, auch: Unterhaltungswert. Die Jammerei als Beziehungs- und Lebenskit? Auf jeden Fall.

Aber wie wir wissen: die Dosis macht das Gift. Es braucht die richtige Balance. Zwischen berechtigter Jammerei, Demut, Zuversicht und Ach-scheiß-egal.

Nur wie will man das hinbekommen, wenn jeder zu unterschiedlichen Zeiten ein unterschiedliches Bedürfnis nach Jammerei hat? Der eine ist gerade und aus Versehen im Zen-Status, während die andere nach einem Hammer sucht, um damit Schädel einzuschlagen. Oder so.

Ganz einfach.

  1. Man lädt eine Mind-Map-Software runter – ist xMind noch kostenlos?
  2. Man bittet die beteiligten Personen um ein bisschen ihrer Zeit und sagt sowas wie: „was geht dir gerade auf die Eier und wo siehst du, äh, Optimierungspotential und wie könnte man das umsetzen?“
  3. Den ersten „Achleckmichdoch“-Widerstand muss man aushalten und ihm begegnen: „alles, was dich gerade unglücklich macht, tragen wir in eine Mind Map ein, die wir ZWIST AND SHOUT nennen. Du bist eingeladen, alles loszuwerden. Von mir aus einmal die Woche – ernsthaft und ausführlich, um ansonsten so ein bisschen durchzuatmen und ‚guten Sachen‘ Raum zu geben.“
  4. Wenn dann die Frage kommt „Was denn für gute Sachen?“ schnappt die Falle zu: wenn es gerade keine oder nicht so viele gibt, wird es höchste Eisenbahn, die Jammerei zu kapseln und zumindest zu versuchen, ein paar Resourcen für jammerfreie Themen freizusprengen.
  5. Das A&O – das Projekt muss nach irgendwas klingen: ZWIST AND SHOUT.
  6. Und wenn alles im Sand verläuft? Hup-hup rufen und (kurz) mit dem Wohnmobil abhauen.

Well, shake it up, baby, now
Zwist and shout
Come on, come on, come, come on, baby, now
Come on and work it on out
Well, work it on out, honey
You know you look so good
You know you got me goin‘ now
Just like I knew you would

5 Kommentare zu „Zwist and Shout“

  1. Hey Garnix,

    Jammern ist im Grunde immer unnütz. Hin und wieder erwische ich mich auch dabei, aber es macht überhaupt keinen Sinn sich diesem Zustand hinzugeben.

    Vielleicht ist der Podcast „Achtsamkeit leben“ von Peter Beer etwas für Dich. Dort gibt es in Kürze eine geführte Meditation für inneren Frieden und innere Zufriedenheit. Es klingt vielleicht ein wenig esoterisch und der Autor von dem Podcast ist für mich auch ein wenig zu esoterisch. Ich werde die geführte Meditation allerdings einmal ausprobieren.

    Erst heute hatte ich eine Begegnung mit einem E-Roller Fahrer, von der pöbelnden Schicht, auf dem Bürgersteig und einer Schulklasse die dort in geordneter zweier Reihe entlang ging. Ich habe die Klasse im übrigen begleitet und es richtete sich der Arm Gottes wie Diego ihn nennen würde und blockierte den von Kindern belegten Weg. Ich konnte mich beherrschen und das Gepöbel der Schabe ignorieren. Mein Arm blieb selbstverständlich die ganze Zeit wie ein Felsen stehen und ist keinen Mikrometer gewichen. Zu gerne hätte ich die Rollerfahrt als terroristischen Akt gedeutet und die Person in einem Wimpernschlag handlungsunfähig gemacht. Kurze Zeit danach wurde der Fahrer von weiteren Personen angesprochen, da er im Anschluss noch immer auf dem Bürgersteig gefahren ist. Vermutlich hat er wenig später eine angemessene Strafe für sein Handeln erhalten. Von mir allerdings nicht.

    Bei den Rollerfahren und Fahrradfahrern auf dem Gehweg könnte mir Meditation hin und wieder gut tun. Ist mir oft nicht begreiflich wie man bei Vorhandensein eines 2-3 m (tatsächlich!) breiten Radweges auf dem Bürgersteig fährt. Und dann auch noch an Leuten vorbeifährt oder klingelt.

    Gefällt mir

  2. Hi, Kiev.

    Ohne Jammerei würden wir auf einen Schlag 96 % der Kunst, Literatur und Musik einbüßen. Und von wegen Achtsamkeit: wenn wir hier jemanden (aus gutem Grund) richtig scheiße finden, kann es vorkommen, dass die Person sowas wie einen Mini-Altar bekommt – auf dem Balkon mit Kerzen und sowas. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix (kein Altarbauer – dafür Lustigmacher)

    Gefällt mir

  3. Hi Garnix,

    Bei Deinem Zwischenfazit sehe ich zumindest die Möglichkeit mit einem anderen Blickwinkel die Chance auf mehr empfundenes Glück zu erhöhen. Es ist immer möglich sich über etwas aufzuregen. Zeitgleich kann man auch immer Dankbar für Alles sein was einen bereits heute umgibt. Dein Depot ist in der letzten Zeit ordentlich eingebrochen und ich würde ebenfalls den CTSO Kurd höher und eine schnellere positive Entwicklung sehen. Andererseits hast Du ein sehr großes Depot aufbauen können. Das war doch eine hervorragende Leistung auf die Du stolz und dankbar sein kannst. Wenn die Grundeinstellung stimmt kann man natürlich immer scherzend jammern. Aber nur mit dem absoluten Wissen über die Nichtigkeit des Ärgernisses. Ansonsten führt es zu einer schlechteren Stimmung und damit unumgänglich zu nicht so guten Gesprächen mit Deinen Liebsten wie Du sie mit besserer Grundstimmung führen könntest.

    Ich kann nicht beurteilen inwiefern weniger Jammern die Kunst beeinträchtigen würde. Vielleicht würde es heute noch Nirvana oder Amy Winehouse geben? Vielleicht würde es dann aber auch kaum Jemanden interessieren. Kann ich nicht beurteilen.

    Gefällt mir

  4. Bislang habe ich diesen Blog mit einer Mischung aus gleichgültiger textueller Konsumlust gepaart mit Voyeurismus (inkl. Sadismus in Form einer unbegründbaren Schadenfreude beim temporären [?!] Fehlschlag einer Einzelaktienstrategie) aufgenommen. Völlig plötzlich (i.S.v. unerwartet) überrollt mich jetzt dieser konkrete Plan für ein sehr relevantes Thema, und gibt mir direkte Impulse. DANKE.

    Gefällt mir

  5. Hi, Dipl.-Investeur.

    Gerne. Das mit dem „Hup, hup“ klappt am besten, wenn man in Frieden leben will. 🙂

    Viel Erfolg und viele Grüße
    Garnix

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: