CTSO – was alles scheiße ist

Angebot in die Runde: ich sammele und kommentiere hier alle Vorbehalte und verlinke den Beitrag permanent rechts im Menue. Das Datum in Klammern gibt an, wann der Punkt zuletzt behandelt wurde. Wenn ich etwas vergessen habe: her damit.

#Was alles scheiße ist

  1. Der Kurs (17.10.21)
  2. Das Q3-Ergebnis (17.10.21)
  3. Negative Studien: Schädler, REMOVE, Freiburg, Zürich (17.10.21)
  4. Der Kostenapparat mit 200 Mitarbeitern (17.10.21)
  5. Die Guidance in Sachen Umsatzentwicklung (vor/nach August) (17.10.21)
  6. Die Volatilität der Umsätze (17.10.21)
  7. Die großen Vorbehalte in großen Teilen der Ärzteschaft (17.10.21)
  8. Fehlende Insider-Käufe (17.10.21)
  9. Refresh2 und die fragliche Erfolgsaussicht von rein intraoperativen Studien (17.10.21)
  10. Die Kursanfälligkeit in Sachen Shortselling und Optionsverfallstermine (MaxPain) (17.10.21)
  11. Restrisiko, dass die Blutverdünnerstudie scheitert (17.10.21)
  12. Fehlendes und/oder unterschiedliches Verständnis, wann und wie der Adsorber funktioniert (17.10.21)
  13. Bessere Konkurrenz? (17.10.21)
  14. Fehlender Studien-Fokus? (17.10.21)
  15. Fehlende FDA-Zulassung (17.10.21)
  16. Andere Investments sind viel besser (17.10.21)
  17. Die elende Garnix-Rechthaberei (17.10.21)
  18. Fehlende Katalysatoren (17.10.21)
  19. Retrospektive Studien vs RCTs (17.10.21)
  20. Das Management ist doof (17.10.21)
  21. Garnix hat die rosarote Brille auf und ist nicht ernst zu nehmen (17.10.21)
  22. Und was ist mit den Patenten? (17.10.21)

Ad 1 – Der Kurs – 17.10.21: da kann man aktuell nichts schönes dran finden. Wer möchte, kann hier befürchten, dass es auf 2019er Tiefstkurse zurückgeht, weil man in 2019 beim Umsatzzuwachs vergleichsweise auch geschwächelt hat. Die Performance der letzten fünf Jahre ist verheerend:

Ad 2 – Das Q3-Ergebnis – 17.10.2021: Konsenserwartung war bei knapp 12 Mio USD. Meine persönliche Erwartung war mit 15 Mio USD noch viel höher. Mit 9,7 Mio USD verfehlt man die Erwartung also locker um mehr als 2 Mio Euro. Ich behaupte, dass das primär dem hervorragenden Q3 2020 geschuldet ist, in dem man seinerzeit um knapp 80 % YOY gewachsen ist. Sollte 2021 – wie angekündigt – kein Umsatzwachstum YOY ausweisen, dann muss das aber trotzdem kein Weltuntergang sein. Siehe: https://garnixoderguru.com/2021/10/16/ist-ctso-ausgereizt/

Ad 3 – Negative Studien: Schädler, REMOVE, Freiburg, Zürich – 17.10.21: Alle Studien haben nach meinem Dafürhalten eine Gemeinsamkeit: der Einsatz des Adsorbers war jeweils zeitlich begrenzt und schlimmer: nicht angepasst auf die hämodynamische Entwicklung. Schädler kann man im Sinne eines Herantastens ans Thema sicher entschuldigen: der Adsorber wurde in der Frühzeit (2007) erstmal nur ausprobiert und jeweils sechs von 24 Stunden eingesetzt. REMOVE stand für die Hypothese, dass man die Hämodynamik quasi präventiv mit einem rein intraoperativen Einsatz positiv beeinflussen kann. Freiburg kann ich persönlich nichts abgewinnen, weil man hier um den Effekt der „Second Hits“ bereits wusste. Gleiches gilt für Zürich. Meine Hypothese: kein Mensch käme auf die Idee, einen katecholamin- oder antibiotikapflichtigen Patienten nach Schema F nicht mehr zu behandeln bzw. einen Behandlungszyklus abzubrechen. Es gibt sogar Hinweise, dass gerade ein solches Verhalten einen Second Hit begünstigt. Wir haben mit Brouwer, Kogelmann, Innsbruck, Bochum valide Studien, die mit fast 800 Patienten aus meiner Sicht alle vier negativen Studien pulverisieren.

Ad 4 – Der Kostenapparat mit 200 Mitarbeitern – 17.10.21: Geschmacksfrage und Abwägung zwischen Profitabilität und Wachstumsgeschwindigkeit. Schwanke hier selbst. Einerseits würde man schwarzen Zahlen Shortsellern das Wasser abgraben, andererseits macht es – nicht zuletzt für die Patienten – Sinn, mit maximaler Geschwindigkeit an der Studien- und Vertriebsfront voran zu kommen. Wunsch hier wäre ein Headcount-Freeze und Zurückhaltung bei den Boni und Gehaltssteigerungen.

Ad 5 – Die Guidance in Sachen Umsatzentwicklung (vor/nach August) – 17.10.21: Der Track-Record beim Thema Guidance ist gruseligst. Von wegen Inflection-Point. Alles Quatsch. Ich unterstelle, dass Juli 2021 so stark war, dass man den Aktionären was Gutes tun wollte mit der Guidance Anfang August. Ging schwer nach hinten los. Ich sehe zwei Optionen: A. Flucht nach vorn mit maximaler Transparenz und Offenlegung aller Umsätze quasi in Echtzeit (so ein bisschen analog zu den Tradezahlen und Handelsvolumina bei Lang & Schwarz) oder B. Schnauze halten bzw. nur noch von realisierten Umsätzen sprechen. Ich fände Option A spannend, weil sie von einem gewissen Selbstvertrauen zeugen und tendenziell die riesige Kursvolatilität rausnehmen würde. Wöchentliche oder monatliche Zahlen aus den Studien wären hier auch nicht schlecht. Ehrlich gesagt habe ich dabei keine Ahnung, ob das irgendwer sonst macht und wie die SEC das fände.

Ad 6 – Die Volatilität der Umsätze – 17.10.21: wird uns weiter begleiten, einfach weil es wirklich saisonale Effekt und Stockorders gibt, die das ganze Bild aktuell um locker 30 % verschieben können. Vielleicht wäre hier in Ad 5 skizzierte Transparenz ein Ausweg.

Ad 7 – Die großen Vorbehalte in großen Teilen der Ärzteschaft – 17.10.21: Frage: wie viel Beachtung verdienen aktuell Ärzte, die keine Anwendungserfahrung haben und auf den Tag warten, dass der Adsorber beispielsweise in den Leitlinien steht? Antwort: keine. Ja, man braucht RCTs und Leitlinienaufnahme. Dauert noch. Frage: wie viel Beachtung verdienen Anwender, die den Adsorber kennen aber mutmaßlich falsch einsetzen (siehe Ad 3): alle. Bin da auch optimistisch: so schwer ist das alles nicht nachzuvollziehen – es heißt einfach HämoDYNAMIK und nicht HämoSTATIK.

Ad 8 – Fehlende Insider-Käufe – 17.10.21: Hätte nix dagegen, wenn der Vorstand regelmäßig(er) zuschlägt.

Ad 9 – Refresh2 und die fragliche Erfolgsaussicht von rein intraoperativen Studien – 17.10.21: hier hat man wohl alles selbst in der Hand. Die Studie in die Kursschwäche hinein abzubrechen? Schwierig. Finde Tabula Rasa immer gut – aber jetzt gerade nicht so richtig. Vielleicht gelingt aber auch eine positive Überraschung? Es gab schon ein paar Indizien, dass intraoperativer Einsatz Vorteile haben kann.

Ad 10 – Die Kursanfälligkeit in Sachen Shortselling und Optionsverfallstermine (MaxPain) – 17.10.21: Flucht nach vorne mit maximaler Transparenz bei den Umsätzen – siehe ad 5?

Ad 11 – Restrisiko, dass die Blutverdünnerstudie scheitert – 17.10.21: Im wesentlichen basieren die RCTs auf dieser Studie aus Hamburg

Und der Aussage der Studienleitung: „Die intraoperative Anwendung der CytoSorb-Hämoadsorption bei Patienten unter Ticagrelor- oder Rivaroxaban-Behandlung, die sich einer Notfalloperation am offenen Herzen unterziehen, ist eine sichere und wirksame Methode zur Verringerung von Blutungskomplikationen und zur Verbesserung der postoperativen Ergebnisse.

Das ganze ist keine Raketenwissenschaft. Der Nachweis, dass Ticagrelor und Rivaroxaban entfernt werden ist prinzipiell erbracht. Die theoretischen Behandlungsvorteile im Rahmen einer Notfall-OP sind schlüssig. Die Asklepios-Studie mit 55 Patienten liegt auf dem Tisch. Nach allem, was man hört, ist das Verfahren bei Asklepios Standard of Care.

Könnte also klappen – auch wenn ich mich scheue, hier irgendeinen Prozentwert dranzupappen, wie ich es eigentlich gerne tun möchte. Ob bei einem Fail die Lichter ausgehen? Glaube ich nicht und kommentiere ich bei der rosaroten Brille.

Ad 12 – Fehlendes und/oder unterschiedliches Verständnis, wann und wie der Adsorber funktioniert – 17.10.21: Dauert einfach noch, bis alle Hypothesen abgearbeitet sind. Der REMOVE-Fail könnte hier schon der Durchbruch sein: welche Schlüsse zieht die Studienleitung (Prof. Donest). Wie geht Freiburg mit den hervorragenden Ergebnisses des CTC-Registers um? Wie geht Zürich mit der Innsbruck-Studie um? Wann wird Kogelmann verstanden und gewürdigt?

Ad 13 – Bessere Konkurrenz? – 17.10.21: aus meiner Sicht hat man Zeit- und/oder Kostenvorteile. Im übrigen sind die Studienergebnisse nicht übertragbar. Wenn man sich die PubMed-Statistiken anschaut: CytoSorb ist Market Maker und das Anwendervertrauen dürfte einen Unterschied machen.

Ad 14 – Fehlender Studien-Fokus? – 17.10.21: Schließe mich da DrKangaroo an und würde sagen, dass Dr. „Makis“ hier Struktur und Fokus reingebracht hat. Sobald ich im Lotto gewinne, spendiere ich hier noch einen FDA-RCT in Sachen akutes Leberversagen. Und, nein, nicht weil ich selber saufe. Höchstens wegen Fettleber.

Ad 15 – Fehlende FDA-Zulassung – 17.10.21: Ja, wäre gut und ist in Arbeit.

Ad 16 – Andere Investments sind viel besser – 17.10.21: In den letzten – sagen wir – fünf Jahren? JA! Um mich mal festzulegen: abgerechnet wird spätestens am 28.08.2024 – so Harry Haller mäßig. 🙂

Ad 17 – Die elende Garnix-Rechthaberei – 17.10.21: Bin für Vorschläge offen. Kann aber ein genetisches Problem sein.

Ad 18 – Fehlende Katalysatoren – 17.10.21: Tja, der Fokus ist gesetzt: die Blutverdünnerstudie. 5 von 21 study locations rekrutieren Stand heute. Der erste Patient ist durchgeschleust. Sobald das irgendwie Sinn macht, gibt es hier ein Dashboard dazu. 120 Patienten / ca. 20 Study Locations = 6 Patienten pro Krankenhaus. Bei nur einem Patienten pro Monat, könnte das Ding Mitte nächsten Jahres durch sein bzw. in die Auswertung gehen, sagt der naive Optimist in mir. Schauen wir mal.

Ad 19 – Retrospektive Studien vs RCTs – 17.10.21: Ich persönlich kann an retrospektiven – gerne auch monozentrischen Studien – NICHTS doof finden, Laborwerte sind Laborwerte, Outcomes sind Outcomes und monozentrisch ist gut, weil anzunehmenderweise die Prozesse ähnlicher sind als in multizentrischen Studien. Bin übrigens nicht der einzige, der RCTs als Goldstandard in Frage stellt. Aber lassen wir das.

Ad 20 – Das Management ist doof – 17.10.2021: Berechtigte Frage: die Eignung von Medizin-Männern als CEO. Schwebendes Verfahren, würde ich sagen.

Ad 21 – Garnix hat die rosarote Brille auf und ist nicht ernst zu nehmen – 17.10.21: Können wir diskutieren, nachdem sich irgendwer – außer mir – INHALTLICH näher mit den Studien auseinandergesetzt hat und mir das dann immer noch vorwirft. Warnung: als Reservemunition habe ich immer noch ein paar intime Emails von Anwendern auf Lager. 🙂

Ad 22 – Und was ist mit den Patenten? – 17.10.21: Habe die alle mal gelesen. Bisschen was läuft ab, andere Dinger halten noch 10+ Jahre. Mit Cytosorb XL könnte man noch mal frische 20 Jahre bekommen. Ist nicht meine Hauptsorge.

6 Kommentare zu „CTSO – was alles scheiße ist“

  1. Lieber Garnix,

    ich mag Deine Schreibe und fühle mich gut unterhalten. Deshalb lese ich immer mal wieder mit, obwohl ich mich nicht ganz von dem pump-and-dump-Gedanken bei Dir lösen kann.

    Medizinisch hat der Adsorber bisher in keiner „echten“Studie einen signifikanten Nutzen bewiesen.

    Warum werden nur diese nahezu anekdotischen Anwenderstudien gemacht?

    Warum schafft es der Vertrieb nicht, das Produkt in den Markt zu bringen? Der deutsche Krankenhausmarkt wird inzwischen durch Einkaufsverbünde bestimmt, die 70% des Marktes abdecken (Helios, Sana-Einkaufsgemeinschaft, Prsopetalia…). Wer den Zentraleinkauf nicht überzeugt, wird keinen nennenswerten Fuß in die Tür kriegen.

    Inzwischen ist auch soviel Zeit ins Land gegangen, dass ich auch über die Restlaufzeit des Patentes nachdenke.

    Hast Du nicht auch das Geisterfahrergefühl? Ein Geisterfahrer? Tausende Geisterfahrer!

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  2. Hallo, Karl.

    Alles gut: Gedanken sind frei. Auch PumpDumpGedanken. 🙂

    In der Annahme, dass für dich nur RCTs als „echte“ Studien zählen und 772 Sepsis-Patienten aus der Kogelmann (502), Brouwer (116), Innsbruck (84) und Bochum-Studie (70) nur anekdotischen Wert haben und dass retrospektive Studien im Kontext der neuen MDR als Nachweis erlaubt sind: was ist zu tun? Alle anzeigen wegen Scharlatanerie? Extra-Frage: monozentrische retrospektive labordatenbasierte Studien verbieten? Und wenn ja, warum genau noch mal? Danke!

    Vertrieb: Laut Klinikführer Stand 2019 war man in 296 deutschen Krankenhäusern am Start. Natürlich in allen Unikliniken und unter anderem in 10 Helios-Kliniken und 11 Asklepios Kliniken. Meines Wissens müsste man aktuell in über 90 % ALLER kardiologischen Chirurgien vertreten sein. Update auf Stand 2020 müsste im Februar 2022 verfügbar sein.

    Geisterfahrergefühle? JA! 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Guten Tag Garnix,

    296 Kliniken bei noch fast 2000 in D ist nicht besonders beindruckend.

    Bei Asklepios und Helios gibt es die sog. 80/20-Regel. 80 Prozent müssen über den Standard eingekauft werden und 20% dürfen selbst entschieden werden.

    In D gibt es – je nach Statistik – zwischen 21.000 und 27.000 Intensivbetten. Nach meinem Verständnis wird der Adsorber nur bei weniger als 10 % der Betten eingesetzt. Natürlich kann man jetzt sagen, dass nur kardiologische und hochspezialisierte ITS in Betracht kommen, aber dann wäre der tam echt klein und der BC geht aus diesem Grunde nicht auf.

    BG

    Karl

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