Ist CTSO ausgereizt?

In Beantwortung von Kommentaren.

Ich zitiere Dich mal eben: „Alles, was aktuell konkret für CTSO spricht, ist eine Umsatzentwicklung, die ordentlich ist aber keine Bäume ausreißt und die Blutverdünner-FDA-Fantasie.“
Nun wächst da gar nichts mehr beim Umsatz. Der 2021-er Umsatz wird allenfalls gleich hoch wie der aus 2020. Selbst das treue Deutschland bestellt die Dinger nicht mehr nach und der Umsatz wird hier rückläufig.
Ein Investmentcase muss irgendwann aufgehen. Das tut dieser hier nicht. Für Dich seit vier langen Jahren nicht…

Jeder Jeck / Investor ist anders: mit einem Investment in eine Firma ohne echte Umsätze und Anwenderfeedback und damit mit reinen Zulassungsphantasien fühle ich persönlich mich nicht wohl. Wiederbestellraten und steigende Umsätze sind in diesem Kontext von größter Bedeutung, weil sie ein für mich notwendiges Indiz sind, dass das Produkt mutmaßlich funktioniert und Nachfrage besteht.  

Nach satten 32 Quartalen ist das YOY-Sales-Wachstum zum ersten Mal rückläufig. Schauen wir uns die Zahlen genauer an:

Die drei schlechtesten YOY-Zuwächse waren:

1. 2021-Q3:       -13,1% (nach 2020-Q3: 78,9 %)
2. 2019-Q1:       3,2 % (nach 2019-Q1: 70,8 %)
3. 2015-Q3:       3,8 % (nach 2014-Q3: 406,9 %)


Man darf hier feststellen, dass ein Enttäuschungspotential logischerweise dann am größten ist, wenn das Vorjahresquartal überdurchschnittlich gut war. Wenn wir auf die Jahre 2015 bis 2020 abstellen, können wir eine CAGR von rund 46 % ableiten.

Folgt man diesen Zahlen, dann wäre es in einer ganzheitlichen Betrachtung kein Beinbruch, wenn hier einzelne Quartale nach herausragenden Quartalen im Vorjahr schwächeln. Wenn man jetzt an dieser Stelle nicht auf 2020-Q3, das mit 78,9 % YOY-Wachstum herausragend gut war, referenziert, sondern sich auf 2019-Q3 bezieht, ergibt sich folgendes Bild

2019-Q3: 5,7 Mio USD
2021-Q3: 8,9 Mio USD

das ist dann eine CAGR von immerhin 25 %.

Dass es schon vor Covid eine starke Volatilität durch Saisonalität, Stock-Orders und Währungsschwankungen gegeben hat, ist kein Geheimnis. Ob man vor diesem Hintergrund aufgrund eines rückläufigen Quartalsergebnisses alles in Flammen aufgehen sehen muss, glaube ich nicht. Und wenn der Gesamtumsatz 2021 auf 2020er Niveau stagniert, dann darf man erwähnen, dass 2020 mit 73 % Umsatzwachstum herausragend gut war und dass eine Stabilisierung daher per se nicht des Teufels ist.

Guter Zeitpunkt herauszuarbeiten, was CTSO in den letzten Jahren umsatztechnisch geleistet hat. Der folgende Chart soll das illustrieren.

Die Linien stehen für Wachstumssimulationen von 2015 bis 2021-Q3 bzw. für 20, 25, 30, 40, 50% und das reale Wachstum. Dabei wird der Umsatz auf Basis des 2014 Jahresergebnisses jeweils aggregiert.

CTSO hat in dieser Betrachtung seit 2014 einen Gesamtumsatz von 142 Mio USD erwirtschaftet. Bei einem Wachstum von 50 % p.a. bzw. 10,668 % sequentiell pro Quartal wäre man bei einem aggregierten Umsatz von 48 Mio USD gelandet (dunkelblaue Linie). CTSO hat in dieser Betrachtung mit knapp 100 Mio USD ordentlich „vorgearbeitet“, was aus meiner Sicht gelegentliche Konsolidierungsphasen erklären kann.

CTSO nach EINEM schwachen und enttäuschenden Quartal vor diesem Hintergrund per se als ausgereizt anzusehen, erscheint mir verfrüht bis hysterisch, wobei ich mir und meiner ersten Reaktion das auch selbst zuschreiben muss.

Merke: gelegentliche Konsolidierungsphasen auf hohem Niveau stehen nicht notwendigerweise für die Apokalypse.

9 Kommentare zu „Ist CTSO ausgereizt?“

  1. Danke für die beruhigenden Darstellungen und Worte. Noch liegen die 6.000 Stückchen sicher im Depot.
    Dieser Artikel hat dazu beigetragen, dass sie dänisch mindestens 3-6 Monate tun.
    Geduld wird irgendwann belohnt und dann überholen wir die ETF Anhänger wieder auf der linken Spur mit einem Porsche GT2. Hoffentlich dann aber mit mehr Reichweite als der Porsche, sonst ist Erden wir bei der nächsten Tanke wieder eingeholt.
    Grüße
    Alter schwede

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  2. Gerne, Alter schwede. 🙂

    2014 habe ich im Berufsverkehr nach Feierabend eine Straßenbahn mit dem Auto gerammt. Mein Auto hatte einen Totalschaden und die Straßenbahn konnte nicht weiter fahren. Dann sind ca. 200 Straßenbahnpassagiere ausgestiegen und an mir vorbeigelaufen. Das beste Kommunikationstraining, das ich je hatte. 🙂

    Erinnert mich ein bisschen an die Situation hier mit 80 „Gemeinde-Mitgliedern“, die inzwischen ALLE im Minus sein dürften.

    Tja. Wäre ganz schön, wenn wir die Kurve noch kriegen.

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Man sagt ja, nichts sei älter als die Zeitung von gestern. Am Markt ist wohl nichts älter als das vergangene Wachstum. Gehandelt wird ja die Zukunft.
    Wieder schaue ich durch die Investorenbrille und sage, dass wenn eine Wachstumsstory erst einmal gebrochen ist, dies in der überwiegenden Mehrheit der Fälle einen bleibenden Schaden hinterlässt. Dieser Schaden meint die Sicht des Marktes auf die Aktie und damit einhergehend nachhaltig veränderte Bewertungsmultiples.
    Klingt es nicht auch nach einem Marketing-Trick, dass das Management jetzt zwischen Umsätzen bezüglich Covid und den restlichen Umsätzen unterscheidet, um den Rückgang etwas besser verkaufen zu können? Das sind so Spielereien und Änderungen in der Präsentation, die mir pauschal nicht gefallen. Ich glaube, dass die das gar nicht real differenzieren können, aber sie nutzen es für die Darstellung.
    Ich kann mir auch vorstellen, dass Nutzer mit der Anwendung des Filters eben nicht zufrieden waren. Vor dem Hintergrund eines Umsatzrückgangs sollte man so eine naive Herleitung in Erwägung ziehen.
    Dein bunter Graph oben ist nett, lebt aber – wie Du weißt – von sehr guten Anfangserfolgen, die aber auf der Basis kleiner absoluten Zahlen erzielt wurden. Du kannst ihn ja mal in Q1 2019 beginnen lassen. Dann sieht er wohl deutlich anders aus. Mich würde dieser Graph jedenfalls nicht beruhigen.

    Ich investiere ja weniger monothematisch als Du und kenne woanders Wachstum, dass auf konstant hohem Niveau, wie an der Schnur gezogen abgeliefert wird. Das ganze passiert auch noch auf einem viel höheren Niveau der absoluten Zahlen. Die Guidances sind ziemlich präzise und auf den üblichen Beat and Raise bei jedem Earnings Call ist (beinahe) Verlass. Klar ist das bei SaaS-Unternehmen aufgrund der subskriptionsbasierten Umsätze einfacher, aber das gehört eben auch zur Qualität dieser Unternehmen.
    Es bleibt für mich bei dem Problem, dass mir CTSO zu viele Fragezeichen liefert und es eben viele gute Alternativen für ein Investment gibt. Natürlich bieten Fragezeichen Risiko und wo mehr Risiko ist, kann auch mehr Rendite sein. Jedoch auch mehr Scheitern…

    Ist CTSO überhaupt noch der Liebling der deutschen Sepsis-Forschung (falls sie es je waren)? Wird da nicht auch sehr mit ExThera Medical geflirtet? Prof. Herwig Gerlach sitzt jetzt im Aufsichtsrat von ExThera… Deren Filter filtert Zytokine und pathogene Keime. Sind die Keime jetzt die zusätzliche Schaumparty aus Deiner Klassensprecher-Metapher?
    Wieder ein Fragezeichen mehr für mich…

    Ich ziehe mir lieber den nächsten Earnings Call von Datadog rein. Oder DocuSign, The Trade Desk, Sea, ASML, Semler… Da fühlt man sich wohler, als bei CTSO. Sorry…

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  4. Hi, Kuma.

    ExThera ist seit 2007 am Start. Von 2016 bis 2019 hat man ganze 15 Patienten durch EINE Safety Evaluation geschleust.
    Bei PubMed gibt es aus 14 Jahren ganze 5 Beiträge.

    Zum Vergleich: von 2008 bis 2021 finden sich 393 Beiträge zu Cytosorb bei PubMed.

    Du bist aber nicht der erste, der ExThera als das Ding ansieht: https://www.wallstreet-online.de/diskussion/1150520-201-210/diskussion-zu-cytosorbents-corporation#beitrag_68515260

    Viele Grüße
    Garnix

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  5. Nee nee, ich weiß im Grunde nichts über die. Aber im Prinzip erzählen die ja schon, wir sind Cytosorb plus Keime. RCT ist wohl auch am Start.
    Habe mich nur gewundert, was der Gerlach da macht, der ja in punkto Sepsis kein unbeschriebenes Blatt ist.

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  6. Tach in die Runde, lese hier schon sehr lange mit und habe CTSO fest auf der Watchlist.
    Garnix Problem ist nicht neu. Du hast eine hohe emotionale Bindung zu CTSO. Da musst du höllisch aufpassen, eigentlich ein Kardinalfehler. Börse ist nicht nur Fakten/Zahlen/Inhalt, Börse ist in aller erster Hinsicht Psychologie/Stimmung/Umfeld.
    Für steigende Kurse braucht es mehr Käufer als Verkäufer. Das Thema in Garnix-Qualität zu verstehen wird keiner hinbekommen. Die technische Analyse/Charttechnik ist miserabel (wenn die 6 in den folgenden Tagen fällt, bleibt die 4) und die zarte Übernahmephantasie ist längst vom Winde verweht.
    Aus Erfahrung kommen dann vermehrt Durchhalteparolen und der Schrei nach einer offensiveren PR-Arbeit.
    Alles schon erlebt und alles andere als positive Zeichen, die einen Einstieg schmackhaft machen.
    Im Moment für mich ein Kauf bei 4, oder bei Bruch der 8 nach oben.
    Gott zum Gruße

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