FU-Falle

REIN hypothetisch: mal angenommen, ich wäre unabhängig, weil ich bis an die Grenzen des menschlichen Leistungsvermögens fleißig war und mit 49 Jahren finanziell die Kurve bekomme. Mit der letzten Kraft wird die seit drei Jahren in der Schublade wartende Kündigung rausgeholt und abgeschickt. Alles ist geregelt.

Der Termin beim Hypnose-Heinz und die „Anti-Knecht-Therapie“ sind gebucht. Die Füße warten schon auf ein ausgedehntes Badesteg-Baumeln im Wasser. Die besten Russen und Franzosen liegen faul rum und wollen wieder mal gelesen werden: in einem frisch bezogenen Wohnmobilbett mit elektrisch verstellbarem Kopfteil mit Blick auf irgendein Gewässer. Kühl-/Gefrierkombi und Heckgarage voll mit Proviant. Und (nach dem Baumeln) sind die Füße frisch eingecremt.

Klingt gut, oder? Noch bevor „50“ auf der Uhr steht, ins Unterholz abbiegen.

Ist aber eine Falle und scheitert an Details. Zum Beispiel an den Eltern. Wenn die das rausfinden, erkennen die in unter einer Sekunde das Einsparpotential: wozu braucht man einen Gärtner, wenn man einen nichtsnutzigen Sohn hat, der nichts zu hat und offensichtlich zur Faulheit neigt. „Du kannst ja auch mal…“ wird dann in Neonlettern ans Haus genagelt. 200 Meter Hecke schneiden, 5.000 m² Rasen und 70.000 Tannenzapfen p.a. wollen geschnitten, gemäht und aufgesammelt werden.

Merke: gaaaaaaaaanz genau überlegen, ob die Eltern wirklich wissen müssen, wie fleißig und sparsam man war.

Noch viel komplizierter wird es aber mit der Freundin, die v-i-e-r Kinder hat, einen Vollzeitjob und selber nicht genug Kohle, um zu kündigen. Die Gefahr, als Koch, Putzmann, Chefeinkäufer und Kinderfahrer eingespannt zu werden, schätze ich konservativ auf 100 %. Die Vornamensänderung beim Standesamt in „kannst du mal“ ist nur noch Formsache. Kündigung geheim halten? Schwierig.

Alles schwierig. Immer.

6 Kommentare zu „FU-Falle“

  1. Der Fluch der Freiheit. Dann doch lieber geknechtet wie die Tiere im Zoo die mit der Wildniss nicht zurechtkommen 😉

    Ich komme vorbei und schmeiss Dir ein paar Bananen in Dein Gehege… eh, Wohnmobil 😉

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  2. Hab mich ja auch immer gegen Einfamilienreihenhaus, Kerl und Kinder gesträubt, als ich noch aktiv war. War aber mehr so aus Prinzip/ irgendein verschwiemelter Glaubenssatz (ja nicht spiessig sein). Mittlerweile denke ich: what‘s wrong with Einfamilienhaus – irgendeinen Sinn jenseits seiner selbst sollte man im persönlichen Reifungsprozess irgendwann vielleicht doch finden. Nur berufsjugendlich sein ist auf Dauer auch langweilig. Und wenn der Stall Deiner Partnerin bei Dir fahrtechnisch vielleicht nicht den megabrutpflegetrieb auslöst dann vielleicht so ein russisches junges Huhn mit Hausfrauqualitaeten nehmen und eigene Fußballmannschaft züchten? Ich glaub Du wärst vielleicht ganz Ok so als Stallvater. Sorry, nur twocents von außen betrachtet.

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  3. Ps: alternativ hochrechnen, wieviele Jahre der aktuelle Stall noch durchgefüttert werden muss, bei genügend Rückstellungen dann Freundin & co mit alimentieren.

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  4. Hi, Bibi.

    Die Fußballmannschaftzucht sollte abgeschlossen sein. Vier von fünf Nachwuchsspielern (12 – 17 Jahre alt) werden von ihrem Vater ganz ordentlich alimentiert. Eine Nachwuchsspielerin (16) steht auf meiner Payroll. Russinnen mit Kinderwunsch müssen sich anderweitig orientieren, fürchte ich.

    Bleibt die Frage, ob man seinen Lebensabschnittspartner alimentiert und freikauft von der Erwerbstätigkeit. Im Affekt bei üppigem Networth vielleicht schon. Würde nur nix ändern, weil zwei der insgesamt fünf Kinder schätzungsweise noch eine durchgehende etwa fünfjährige Anwesenheit erfordern.

    Gretchenfrage: Berufsjugendlicher mit Hippiefrisur und Tinder-Pro-Profil auf Weltreise oder noch fünf Jahre im Popel und Haare Palast. Tendenz: keine Lust aufs Berufsjugendtum – aber fünf Jahre können ganz schön lang sein, wenn man auf die 50 zusteuert und die Lebensabenteueruhr laut tickt.

    Viele Grüße
    Garnix

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