Warum ETFs doch doof sind

ETF sind super attraktiv, weil sie

  • vergleichsweise extrem günstig sind
  • keine Mühe machen
  • auf lange Sicht alle aktiven Investoren schlagen

Kann man alles belegen und hört sich super an. Oder vielleicht sogar zu gut? Klingt so ein bisschen wie abnehmen mit Schokosahnetorte ohne Sport. Oder Abitur, Master und Promotion ohne zu lernen. Und jetzt? Vielleicht ein bisschen mit den Kritikern befassen?

Michael Burry stört sich daran, dass passives Investieren zunehmend den Preisfindungsprozess aushebelt. Nachdem die Zentralbanken die Preisfindung des Kreditmarktes zerstört haben, wir alle Geld nachgeschmissen bekommen und für Immobilien Mondpreise zahlen und mit riesigem Leverage in Aktien investieren, imitieren die Passiv-Anleger den ganzen Vorgang und schütten den Aktienmarkt – quasi ohne jede Selektion – mit Geld zu und befeuern hier zunehmend eine immer größer werdende Blase.

Entwicklung des weltweit in ETFs verwalteten Vermögens von 2005 bis 2020
(in Milliarden US-Dollar)

Der Gesamtwert aller Aktien müsste aktuell so bei 100 Billionen USD liegen. Ende diesen Jahres schätze ich den Gesamtwert aller ETFs auf rund 10 Billionen USD – mit stark steigender Tendenz wie der Chart oben zeigt.

Die Aktienkurse werden bestimmt durch die zunehmende Liquidität und nicht durch Fundamentaldaten.

Nächstes Problem:

Das Phänomen des Passivinvestment ist zunehmend losgelöst vom eigentlichen Aktienhandel. Wo früher im Kino vielleicht 50 Leute irgendwelche B-Movies angeschaut haben, sitzen heute 100.000 Leute in der selben Vorstellung.

Aha. Soso. Und jetzt? Mein Wunsch: die Kommers, Finanzwesire und Money Pennies setzen sich noch mal hin, schauen alle das nachfolgende Video und leisten dann Abbitte.

Alle nachsprechen: „Passives Investieren klingt gut, ist aber nicht gut. Es ist primär dummes Geld, das zunehmend zu Marktverwerfungen führt und notwendiges und vernünftiges Market Making aushebelt. Passives Investieren begründet und befeuert systemische Marktprobleme und trägt das Potential in sich, den Aktienmarkt und so ziemlich alle Emittenten bzw. Banken auszuradieren. Insgesamt leider doof: ist dann doch wie jeden Tag Schokosahnetorte essen. Irgendwann platzt man und hat eine Riesensauerei.“

Nächstes Mal: wann Goldbesitz mit der Todesstrafe bedroht war.

16 Kommentare zu „Warum ETFs doch doof sind“

  1. Alte, aber immer noch gute, Analyse: https://www.gerd-kommer-invest.de/daemonisierung-von-etfs/

    „Das Zusammenbruchargument (Systemrisiko) läuft deswegen ins Leere, weil es Asset Manager (Fondsgesellschaften) mit Banken verwechselt, also den fundamentalen rechtlich-ökonomischen Unterschied zwischen Großbanken – die in der Tat Systemrisiken darstellen können – und Asset Managern durcheinanderbringt.“

    Laut deiner eigenen Statistik im Artikel prognostizierst du maximal einen ETF Marktanteil von 10% in den nächsten Jahren am Aktienmarkt. Ich würde mir da eher sorgen über die anderen 90% machen, welche ja (auch wie du) in vielen Fällen mit Kredithebel Aktien gekauft haben.

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  2. Moin,

    Ich weiß net recht, nur weil MEHR Geld von ETFs im Laufe der Jahre verwaltet wird, heißt das aber nicht, dass der Marktanteil auch relativ gestiegen ist, oder?
    Davon ab, wird der Großteil doch von Instis und nicht von Privaten gehalten.
    Das Video vermittelt aber eher den Eindruck, dass der Markt durch Privatanleger überschwemmt wird, Stichwort Blase.
    Und wer sagt denn, dass auch alle aus dem Kino rennen wollen? Es wird wie in jedem Crash sein, dass jene, die halten am Ende gut dastehen. Im Coronacrash war ja offenbar auch genug Liquidität da, oder ist bekannt, dass irgendwer seine ETF-Shares nicht loswurde?
    Und ETFs mit CDO/CBOs zu vergleichen, halte ich für gewagt. Die hatten doch n ganz anderen Hintergrund UND Verquickung, Stichwort Rating und Rating der CDO-Pakete plus deren Absicherung bzw. Versicherung durch AIG.

    Und seine Resümee ist unsinnig: Kaufen soll ich ETFs nur, wenn ich die Risiken verstehe, nachdem er mir 10 Min erklärt hat, dass ETFs quasi Hokuspokus sind?!

    Und zum Youtuber an sich:
    Das Thumbnailing der Videos ist mal plumpestes Click Baiting.

    LG.
    PS: Probier unbedingt die Sattel-Energie-Balls

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  3. Hi, Henning.

    Die Kommer-Analyse bleibt tunnelblickmäßig und verfehlt das Thema. Er schreibt beispielsweise:

    „In einer Börsenkrise mit dann naturgemäß reduzierter oder austrocknender Liquidität kann dieser Sachverhalt in der Tat vorrübergehend zu einer extremen Ausweitung der Geld-Brief-Spannen von ETFs führen, Divergenzen zwischen ihrem Kurs und dem errechneten Net Asset Value bis hin zu ihrer kompletten Aussetzung vom Handel. Ja und? Zum einen wird das in einer solchen Situation für die besagten exotischen „Underlyings“ außerhalb der ETFs in ähnlicher Weise gelten und – noch wichtiger – dieses Phänomen betrifft auch konventionelle, aktive Investmentfonds, Immobilienfonds (die notorisch dafür sind), sogar Geldmarktfonds und letztlich die gesamte Verbriefungsindustrie („Asset Backed Securities“) einschließlich deutscher Pfandbriefe. Der gigantische immobilienbezogene ABS-Markt („CLOs“ und „CDOs“) ging in der Krise 2008/2009 aus diesem Grund durch ein Nahtoderlebnis, von dem er sich bis zum heutigen Tage nicht völlig erholt hat. [3] Mit anderen Worten: Hier wird ETFs etwas vorgeworfen, was für mehr oder weniger alle kollektiven Investmentvehikel gilt und etwas, das vermutlich eine unvermeidliche Begleiterscheinung von Börsenkrisen ist.“

    Er fühlt sich und „seine“ ETFs offensichtlich persönlich angegriffen und reklamiert, dass andere Assets teilweise ja genau so doof sind. Das ist keine brauchbare Antwort, die irgendwas am Sachverhalt ändert, dass ETFs zunehmend dazu beitragen, die Preisfindung und das Market Making auszuhebeln und inflationäre bzw. blasenmäßige Tendenzen zu beschleunigen. Die Antwort wie sinnvoll es ist, das zu befördern und zu pushen, bleibt er schuldig.

    Weiter schreibt er: „Zu allererst muss man festhalten, dass der globale Marktanteil von passivem Investieren (ob mit traditionellen Indexfonds oder ETFs) nicht bei 20% oder 25% liegt, sondern bei wahrscheinlich unter einem Prozent – und das gut 40 Jahre nachdem der erste Indexfonds aufgelegt wurde.“

    Das ist halt vier Jahre her. Sieht inzwischen eher nach 10 % aus und scheint extrem zu steigen. (Ich habe nix von maximal 10 % geschrieben.)

    Viele Grüße
    Garnix

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  4. Hi, JC83.

    Für mich schrammst du am Thema vorbei, sorry. Es geht nicht darum, ETF-Privatanleger zu dämonisieren. Wenn man hier irgendwen dämonisieren will, dann am besten gleich alle. Ist wie früher in der Schule bei der Schülersprecherwahl in der Aula.

    Kandidat 1: „Ich bin immer für euch da!“
    Kandidat 2: „Ich bin nicht nur immer für euch da, ich sorge auch für schnelles und kostenloses WLAN!“
    Kandidat 3: „Mache ich alles auch, aber bei mir gibt es noch jeden Tag für jeden einen kostenlosen Muffin!“
    Kandidat 4: „Alles auch. Plus jeden Freitag eine Schaumparty mit Petting-Garantie.“
    Kandidat 5: „Alles auch. Aber alles in Bioqualität mit Koboldantrieb!“
    Kandidat 6: „Alles auch plus finanzielle Freiheit für alle!“

    Was ich sagen will: wir sind alle egoistisch, dumm und faul und lassen uns gerne belügen.
    Sachzusammenhänge oder irgendwelche systemischen Risiken sind per se doof und nervig.
    In der Übersetzung: offensichtlich bevollmächtigen wir die Politik die Aufgabe der Zentralbanken zu verdrehen und die Schaumparty laufen zu lassen.

    Inwieweit es jetzt moralisch oder verantwortlich ist, in Verkennung offensichtlicher systemischer Risiken, Bücher und Seminare bzw. passives Investieren zu verkaufen und damit seinen Teil dazu beizutragen, das Handeln der Zentralbanken quasi nachzuahmen und einen Systemabsturz zu beschleunigen, darf natürlich jeder selbst entscheiden.

    Viele Grüße
    Garnix

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  5. Hi Garnix, ob es jetzt 8% oder 10% nächstes Jahr sind, macht mir weniger sorgen. Wenn es in 10 Jahren dann 25% sind, auch jetzt noch nicht. Wer weiß was dann ist. Ein großer Teil der ETF Investitionen kommt von institionellen Investoren, welche sich sicherlich auch signifikant anders verhalten als Privatinvestoren.

    Aber wie du selbst schreibst:
    “ Nachdem die Zentralbanken die Preisfindung des Kreditmarktes zerstört haben, wir alle Geld nachgeschmissen bekommen und für Immobilien Mondpreise zahlen und mit riesigem Leverage in Aktien investieren, imitieren die Passiv-Anleger den ganzen Vorgang und schütten den Aktienmarkt – quasi ohne jede Selektion – mit Geld zu und befeuern hier zunehmend eine immer größer werdende Blase. “

    Im Sinne einer Risikoanalyse würde ich mir halt eher Sorgen um die 90% machen (die teilweise gehebelten Investitionen in Aktien) als über die 10% (die teilweise gehebelten Investitionen in ETFs). Wenn ich in deiner Situation wäre, dann noch mal besonders (gehebeltes Investment in eine/wenige Einzelaktien).

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  6. Ich schramme am Thema vorbei, obwohl ich Argumente liefere, warum ich das so sehe, während du mit einer Schülersprechermetapher um die Ecke kommst? 😉

    Und zum Thema Zentralbanken: Das kann stimmen bzw. schiefgehen, muss es aber nicht, ergo sind, wenn überhaupt, ETFs gar nicht das Problem, sondern die Geldflut.

    Wenn es deshalb crasht, betrifft es sowieso ALLE Assets, auch den Häusermarkt, und natürlich auch Einzelaktien, und damit wieder den Einzelaktienanleger, der unzureichend diversifiziert ist. Von daher bin ich da tiefenentspannt.

    VG

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  7. Hi, Henning.

    #Wer weiß was dann ist

    Das ist halt die Schokosahnetortenhaltung. Ein Stückchen geht noch. 🙂

    #Leverage

    Da sind wir uns einig: ist böse. Was mich betrifft: ich brauche das, um nicht dreimal die Woche zu kündigen. Bisschen Leverage diszipliniert mich.

    Viele Grüße
    Garnix

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  8. Hi, JC83.

    Die ETFs sind nicht DAS Problem, aber sie sind EIN Problem, das größer wird und
    ein systemisches Risiko verstärkt. Dafür gebe ich dir recht, dass es quasi alle
    Assets betreffen wird.

    Viele Grüße
    Garnix

    Gefällt mir

  9. Ich sehe nicht, dass ETFs ein Problem sind. Aktienmärkte wurden auch in der Vergangenheit schon durch zu- oder abnehmende Liquidität beeinflusst. Die Tür bei illiquiden Assets ist immer gleich klein, ob die Flüchtenden dann aktive oder passive Anleger sind, ist egal. Und wenn sich tatsächlich absurde Preisbildungen ergeben, dann ist das ja gerade eine Chance für aktive Anleger. Es wird immer wieder Boom- und Bustphasen an den Börsen geben. Sicherlich werden beim nächsten Crash auch viele ETF-Anleger kalte Füße bekommen die jetzt vom seit ca 10 Jahren steigenden S&P 500 verwöhnt wurden und deshalb die falsche Annahme treffen, dass ETFs nicht stark fallen können. Von stärkeren Kursausschlägen werden Hochrisikofokusinvestoren wahrscheinlich weniger überrascht 😉
    Aber Diversifikation ist für den Großteil der Anleger eine gute Sache, die sich durch ETFs kostengünstig erreichen lässt.

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  10. PS: Zitat Rezension“In seinem neuen Buch zeigt Friedrich, wie Anleger von den gravierenden Veränderungen profitieren können, die unser Finanz-, Wirtschafts- und Gesellschaftssystem derzeit durchläuft. In dem gut recherchierten Buch nimmt der Autor (…) kein Blatt vor den Mund.“
    Fondsprofessionell

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  11. Hi, Tiffy.

    Bank for International Settlements (BIS): „Sudden and large investor withdrawals triggered by market events or counterparty risk concerns can also lead to funding liquidity risk. This risk can propagate through the investment banking function, which might take for granted the access to cheap funding through the swap arrangement with the ETF sponsor. The cheap funding is secured by marketing a tradable index portfolio through the ETF sponsor, but not charging investors adequately for the liquidity option that they have been granted. Swap providers do not take into account the effect this can have on aggregate liquidity risk, which is an externality to them. Because ETF redemptions will require cash to be delivered against collateral assets that might be illiquid, market-making activities could be severely hampered, as funding these assets might take priority. The collapse of funding for individual financial intermediaries could then reinforce funding stresses for the financial system as a whole.“

    Quelle: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1859246

    Wall Street Journal: „“Now is the time to be asking the hard questions about ETFs,” his fellow commissioner Kara Stein told an audience at Harvard Law School in November, adding that in stressed markets ETFs “break down in ways that we do not completely understand.”“

    Quelle: https://www.wsj.com/articles/should-you-fear-the-etf-1449457201

    SZ: „Am 24. August passierte, was gar nicht passieren dürfte: Börsengehandelte Indexfonds verloren weitaus mehr als die Aktienkörbe, die sie möglichst genau abbilden sollen. Experten rätseln über die Ursachen.“

    Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/etf-flash-crash-was-fuer-ein-montag-1.2720552

    Am Ende wird Michael Burry wieder recht haben. Kann aber noch dauern.

    Viele Grüße
    Garnix

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  12. Hi, Tiffy.

    Sorry, das war gerade am Thema vorbei. Ich war wieder bei ETFs, und du noch bei Marc Friedrich: generell. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  13. Hallo garnix, nee, schon gut, meine Frage nach MF mag Dir vielleicht auch offtopic vorgekommen sein, aber ich finde es immer toll, wenn jemand komplexe Sachverhalte für Dummies erklären kann und hatte mich nur gefragt, ob er es vielleicht für Bestseller-Polemik missbraucht oder Dinge zu sehr vereinfacht. Letztendlich deckt sich seine Beurteilung (Markt isse kaputt aus diversen Gründen, rein in commodities und Bitcoin) aber auch glaube ich mit Deiner ETF Einschätzung (Finger weg weil dekadent)? Parallele vielleicht etwas weit hergeholt aber naja, egal, war nur spontane Assoziation:)

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