AMD

Papa erzählt wieder vom Krieg. Alle paar Jahre gucke ich nach, was aus Ex-Freundinnen und Ex-Investments geworden ist. Voila.

„Ab August 1999 bot AMD mit dem Athlon den damals schnellsten x86-Prozessor der Welt an. Der Athlon war auch der Prozessor, der zuerst die prestigeträchtige Grenze von einem Gigahertz (GHz) Taktfrequenz überschritt.“

War damals ein ziemliches Rennen mit Intel: wer baut den ersten Gigahertz-Prozessor. Das AMD-Ding wurde in Dresden gefertigt. Ich hatte jemanden im Reinraum stehen, der mich mit Informationen versorgte, wie es so läuft.

Seinerzeit wusste ich ALLES über AMD, schrieb mir mit dem AMD-Chefentwickler und sowas. Los ging es, schätze ich, 1997 oder 1998. Ich war bullish – auch wenn die Volatilität brutal war. Intel war maximal dominant. Heute ist AMD so um die 110 Mrd USD wert. Damals war das eine Klitsche. Ich besorgte mir einen sündhaft teuren Zugang zur CBOT, bastelte mir irgendein Handelssystem und wurde sowas wie ein Swingtrader und Miniflashboy, als es den Begriff noch gar nicht gab.

Mit Erfolg: ich schloss 61 aufeinanderfolgende Handelstage mit vier-, teilweise fünfstelligen Gewinnen ab. 30 bis 50 % des Handelsvolumens liefen über mein Thinkpad in Frankfurt. Ich war wochenlang von der Welt isoliert, saß nur vorm Rechner. Zwischendurch verliebte sich die Chefin von Pizza-Am-Turm in meine Pizzabestellstimme. Ich konnte offensichtlich sexy „Pizza Diavolo“ sagen. Als ich eine halbe Mio zusammengeklöppelt hatte, gingen mir Kraft und Lust aus – ich hatte nur noch Kopfschmerzen. Die Serie war mir unheimlich – das war brutal viel Geld und als alter Knauser ließ ich keinen Handelstag aus. Gondeln auf Reserve. Muss so Juli/August 1999 gewesen sein, als ich im Hinblick auf den bevorstehenden Gigahertz-Launch 500.000 in Optionsscheine der Citibank „investiert“ habe. War ein Fehler: ich hätte bei den Aktien bleiben sollen. Die halbe Mio zerbröselte ziemlich schnell. Und es klingt wahnsinnig und doof: aber ich war irgendwie befreit, ging raus in die Welt und feierte sehr ordentliche Parties – auch ohne viel Geld. Irgendwann nachts lief ich zum ersten Mal höchstpersönlich bei Pizza-Am-Turm ein. „Eine Pizza Diavolo, bitte.“ Ich wurde auf der Stelle erkannt und angelächelt. Alles war gut.

Moral: keine Derivate kaufen, manchmal ein Päusschen machen, Pizza auch mal persönlich organisieren.

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