Hup, hup

Seit ich Wohnmobileigentümer bin, rufe ich regelmäßig „hup, hup“ in irgendeine Menschenrunde und bin 15 Minuten später on se road. Fehlt nicht mehr viel zum Rotationseuropäer.

Außerhalb des Wohnmobils passt mein irdischer Besitz in ein kleines Fach eines Kleiderschranks in der Wohnung meiner Freundin. Den meisten Platz nimmt da (noch) ein Hängeregister ein, in dem ein paar notarielle Urkunden und ein paar vermeintlich wichtige Dokumente verwahrt sind. Das allermeiste ehemalige Papierzeug ist längst in meiner 1 TB Dropbox – hauptsächlich Fotos.

Die Eigentumsverhältnisse sind übersichtlich geworden:

  • 1 x Wohnmobil
  • 1 x Mopped
  • 1 x Klapprampe
  • 2 x Motorradhelm
  • 1 x bester Kurierrucksack der Welt von Ortlieb fürs Mopped
  • 1 x Smartphone
  • 2 x Notebook (1 x davon beruflich)
  • 1 x Tablet
  • 2 x Kopfhörer (1 x Kabel, 1 x Bluetooth)
  • 1 x Bluetoothbox
  • 2 x Powerbanks (gute)
  • 1 x Notebooktasche
  • 3 x Ladekabel
  • 8 x Shorts (inkl. 3 Badeshorts)
  • 5 x Jogginghosen
  • 15 x T-Shirts kurz
  • 15 x T-Shirts lang
  • 20 x Unterhosen/Shorts
  • 10 x Socken
  • 2 x Crocs
  • 1 x Turnschuhe
  • 1 x Herrenschuhe
  • 1 x Anzugshose
  • 5 x Oberhemden
  • 3 x Freizeithosen (Jeans und so)
  • 3 x Jacken
  • 4 x Bettwäsche (ich habe im Womo zwei Queensize-Betten)
  • 1 x Zahnbürste
  • 1 x Bürste
  • 1 x Zahnpasta
  • 1 x Deo
  • 1 x Duschzeug
  • 1 x Shampoo
  • 6 x Handtüchter
  • 1 x Ventilator
  • 1 x Pad-Kaffeemaschine (braucht die Freundin)
  • 1 x Milchaufschäumer (braucht die Freundin)
  • 1 x Staubsauger und ein bisschen Putzzeug
  • 4 x Lamzac/Fatboy-Dinger
  • 1 x Grill
  • 1 x Klapptisch
  • 4 x Klappstühle
  • 1 x Wäscheständer
  • 10 x Bücher (wichtiges Zeug zum immer wieder lesen)

An (Koch-)Geschirr habe ich ein Minimum. Lebensmittel und Vorräte reichen immer so für zwei Wochen. Trinkwasser hält auch so zwei Wochen (sind 230 Liter gesamt). Wobei ich nachwievor Mineralwasser trinke und einfach ein paar Getränkekisten in der Heckgarage habe. An Gas habe ich immer 44 kg dabei (4 Flaschen), die so rund vier Monate reichen. Strom gibt es über die Solaranlage bzw. Ladebooster bzw. Lithiumakkus bzw. über den Wechselrichter, der für 2.000 Watt Dauerbelastung ausgelegt ist.

Alles in allem und je nach Zählweise dürfte ich meine Besitztümer von > 10.000 auf < 250 reduziert haben. Wobei dieser Minimalismus völlig ungeplant und quasi nebenbei passiert ist.

Ausgangspunkt für alles war die No-Limit-LTE bzw. 5G-Flatrate der Telekom, die nachwievor gut bis sehr gut funktioniert. Wie meine Tochter vor Jahren festgestellt hat: zu Hause ist da, wo man das WLAN-Kennwort hat.

Ist das was für jeden? Weiß ich nicht. Ich hatte und habe autistische Tendenzen – so von wegen hundert Jahre im Bett liegen und niemanden sehen. Die Quasi-Wohnsitzlosigkeit lockert den „Autismus“ etwas auf. Man ist per se mehr in Bewegung. Und die Flexibilität entspannt auch. Falls ich doch mal ins Büro muss und keinen Bock auf die Pendelei habe, parke ich das Womo um die Ecke. Wenn ich meine Eltern besuche, kann ich die Nerverei meiner Mutter dank Rückzugsmöglichkeit besser dosieren. Praktisch ist das Wohnmobil natürlich auch für Alkoholiker: der jeweilige Heimweg ist drastisch verkürzt.

Und finanziell? Keine Ahnung. Alles in allem stecken jetzt so 125.000 Euro in dem Projekt. Projektkosten hängen auch davon ab, ob man eine Wintertauglichkeit bzw. Doppelboden braucht. Ansonsten schaue ich, dass die Fahrleistung im Sinne einer langen Erhaltungsdauer im Rahmen bleibt. Ohne mich dabei großartig einzuschränken, schaue ich, dass ich pro Jahr nicht mehr als 12.000 km auf den Tacho packe. Wird man dann sehen müssen, wie lange die Bude hält. Tippe auf 15 und hoffe auf 20 Jahre. Gegenrechnen kann man mehr oder weniger die Miete oder verpasste Kapitalerträge aus Wohneigentum, in meinem Fall gebe ich auch deutlich weniger für Urlaub aus (Hotel, Flug) und wir sparen auch deutlich bei Kurztripps in irgendwelche Wellness-Schuppen: Trick 17 – wir buchen uns als Tagesgäste in die teuersten Spas ein, parken&schlafen im Womo um die Ecke und schlurfen dann in Badesachen ein paar Meter bis zum Pool. Solche Wochenenden haben früher ohne Womo locker einen Tausender gekostet. Theoretisch und in Verbindung mit dem Mopped in der Heckgarage spart man sich auch ein Auto.

Verpflegung/Kochen klappt übrigens wirklich gut, Stauraum ohne Ende, großer Kühlschrank mit Gefrierdings und ein Hochleistungsgasherd, der alles in nullkommanix wegbruzzelt.

Platzverhältnisse: aus meiner Autistensicht mit Sozialphobie – alleine null Probleme und zu zweit, wenn man sich mag, wirklich okay -Bedingung hier: zwei Betten und zwei Türen zwischen den beiden Betten.

An laufenden Kosten:

  • Versicherung mit Vollkasko, Diebstahlersatz mit Neupreisen – so 750 Euro p.a.
  • Steuer: 280 Euro p.a.
  • Reifen: gleiche Preise wie bei Mittelklasse-PKWs
  • Inspektion: alle zwei Jahre bei irgendeinem Fiat-Händler, sollte preislich auch human sein
  • TÜV: das Womo ist auf 4,5 Tonnen zugelassen. Ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr bedeutet das jedes Jahr TÜV – muss man dann sehen, wie nervig und teuer das ist
  • Diesel-Verbrauch: ich fahre sehr entspannt und liege so bei 9 – 11 Liter.
  • AdBlue: 18 Liter sollten so 6.000 km halten

Wenn man die Anschaffungs- bzw. Abschreibungskosten ausblendet, halte ich es für realistisch mit 1.000 – 1.500 Euro zu zweit in so einem Ding unterwegs zu sein und zu leben. Macht pro Kopf 500 – 750 Euro.

Wie lange kann man das machen? Weiß ich auch nicht. Bis einem was besseres einfällt? Man kann das ja auch kombinieren: Grundstück irgendwo am See pachten/mieten/kaufen oder zwischendurch mal für ein Jahr nach Koh Samui abhauen und die ganze eingesparte Kohle hier rauskloppen:

Schön mit Masseur(in) und Koch. 🙂

Hat jemand einen besseren Plan – so preisleistungsmäßig?

3 Kommentare zu „Hup, hup“

  1. Hi, Domi.

    Ehrlich gesagt habe ich so viel Wäsche dabei, dass ich in einem Jahr noch nie in irgendeine Verlegenheit kam, die Wäsche woanders als in der Wohnung meiner Freundin oder bei meinen Eltern zu waschen.

    Präventiv habe ich aber schon ein paar Supermärkte ausgekundschaftet, die auf dem Parkplatz (regengeschützt) Mietwaschmaschinen und Trockner haben. Da könnte man dann 12 bis kurioserweise 18 Kilo Wäsche auf einmal waschen und dann auch relativ schnell trocknen.

    Alternativ kannst du auf vielen Campingplätzen waschen. Wenn man sich davor ekelt, ginge auch sowas: https://www.amazon.de/dp/B08CRQ1SD6/ref=sspa_dk_detail_6?psc=1&pd_rd_i=B08CRQ1SD6&pd_rd_w=0rFT6&pf_rd_p=b9377742-1edc-4d5e-b680-070f2360d891&pd_rd_wg=rExle&pf_rd_r=GKZ692BSJGCQVSEYZMY1&pd_rd_r=4128a09b-b1c9-453e-bf26-cb03c865a326&spLa=ZW5jcnlwdGVkUXVhbGlmaWVyPUEyR05INjExTkRMSUdEJmVuY3J5cHRlZElkPUEwNDIxOTkwM0E5TEVYWjFMSTZOSSZlbmNyeXB0ZWRBZElkPUEwMDM3MTQ4MzNCSFkxUFRXT0Q0SyZ3aWRnZXROYW1lPXNwX2RldGFpbCZhY3Rpb249Y2xpY2tSZWRpcmVjdCZkb05vdExvZ0NsaWNrPXRydWU=

    Was man vielleicht noch erwähnen kann: nach vielen Jahren mit gebügelten Hemden und doofen Anzugshosen, liebe ich verkrumpelte T-Shirts und Shorts. Also gebügelt wird bei mir eher nix mehr.

    Viele Grüße
    Garnix

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