Sicherheit vs Rendite II

Ich tue mich schwer, mein Sicherheitsbedürfnis in der jetzigen Lebensphase in Zahlen auszudrücken. Konkret in der Anzahl der Jahre, die ich vom Sicherheitspuffer leben kann – bei ca. 30 k€ Kosten p.a. (geparkt wird das Polster wegen Dr. Krall und der EZB in Staatsanleihen, die in Fremdwährungen notieren – so die Idee). Was ist für mich heute die richtige Asset-Allokation?

Zunächst: was sind meine Parameter, die für mich hier reinspielen?

  • Unterhalt / Ausbildung meiner Tochter
  • Empfundene Lebensqualität mit aktuellem Job
  • Job-Sicherheit des aktuellen Jobs
  • Chancen, neuen Job zu ergattern

Was für mich nicht reinspielt: irgendwelche Erbschaften oder Rentenansprüche. Alles gruselig oder zu weit weg und dadurch zu abstrakt.

#Tochter – macht 2023 Abi (+/-) und ich fühle mich für maximal vier bis fünf Jahre Ausbildungssponsoring verantwortlich. Also noch acht Jahre, die ich grob mit 1.500 Euro pro Monat kalkuliere = 1.500 x 12 x 8 = 144.000 Euro – aufgerundet 150.000 Euro.

#Empfundene Lebensqualität im aktuellen Job – schwierig, viele kleine anstrengende Scharmützel, gefühlt muss ich zu viel „schlucken“ – zwei Jahre würde ich aber noch hinbekommen

#Job-Sicherheit des aktuellen Jobs – auch nicht so. Zwei Jahre müssten noch drin sein. Mit viel Glück dann eine Abfindung plus Arbeitslosengeld. Zwei Jahre bei 60.000 Sparquote p.a. sind 120.000 Euro plus rund 30.000 Arbeitslosengeldanspruch: macht grob 150.000 Euro (= 5 Jahre Puffer). Abfindung lasse ich in dieser Betrachtung mal außen vor – zu ungewiss.

#Chancen neuen Job zu ergattern – wenn Lagarde vor der Frankfurter Küche am Marterpfahl festgeknebelt wird, keine Ahnung. Irgendwann, irgendwie, irgendwas wird schon gehen. Zur Not als Toyboy meiner Freundin.

Zwischensumme: So lange ich unterhaltspflichtig bin (acht Jahre), müsste ich mit 30k€ p.a. ganz gut hinkommen, sagt mein Haushaltsbuch.

8 Jahre x 30.000 Euro = 240.000 Euro

Machen wir es kurz und runden den Krempel auf 300.000 Euro auf und stellen die Hypothese auf, dass das für mein Sicherheitsbedürfnis heute passt. Von diesen 300k€ ziehen wir jetzt wieder 150 k€ ab, die ich in der Betrachtung oben noch aus dem aktuellen Job rauslutschen kann.

Meint:

  1. Sollte die Protokollierung samt Kaufpreiszahlung klappen, werde ich rund 150 k€ in drei – fünf Staatsanleihen packen.
  2. Was dann nach Schuldenbegleichung an Cash übrig ist, werde ich in WUM-Kracher investieren, sofern ich welche finde, die mir gefallen. Ob CTSO aufgestockt wird, hängt dann von der Situation ab. Bei 3,50 USD oder so, könnte ich schon schwach werden, wenn ich gleichzeitig beispielsweise rausfinde, dass man Helios geknackt hat (https://garnixoderguru.com/2020/02/04/helios-kliniken-geknackt/). Bin leider ein Stückzahlenfetischist und die Verlockung, sagen wir, 100.000 Aktien zu haben, ist irrational groß. Wäre gut, wenn ich diesen Fetisch ablegen könnte.
  3. Alles was dann an Cash reinkommt, polstert das Polster in Form von Staatsanleihen auf, die übrigens so 1 – 2,5 % Coupons haben (brutto).

Fertig.

Man merkt: so richtigrichtig ausgereift ist das Thema noch nicht, aber ich setze jetzt mein Unterbewusstsein auf die Feinheiten an. Die grobe Richtung steht. Was ich daran mag: klare Trennung der zwei schizophrenen Wünsche „Sicherheit“ und „Rendite“. Keine Nebelkerzen-Dividendenstrategie. Bestmögliche theoretische Sicherheit durch Staatsanleihen-Mix außerhalb des Euro-Raums. Bestmögliche theoretische Rendite durch WUM-Kracher. Keine komische Vermischung der beiden diametral entgegengesetzten Wünsche. Dass mir dann quasi egal sein kann, ob und wie die EZB die Leute weiter enteignet und Zombies züchtet, nehme ich dabei gerne als Bonus mit.

Ich könnte jetzt einen Staatsanleihen-Guru gebrauchen, sehe aber auch kein Problem, hier das Risiko mit breiter Streuung abzumildern. Abgesehen davon ist mein Ex-Trauzeuge Staatsanleihen-Spezialist. Ich sag dann Bescheid, was es geworden ist, WENN wiegesagt der Hausverkauf wirklich über die Bühne geht.

Nachtrag:
Wenn ich wieder ein bisschen mehr Luft habe, könnte ich mir auch vorstellen, bei den Total-Return-Ottos ein bisschen mitzuspielen und hierfür in meiner Asset-Allokation eine Spielecke einzurichten:

  • Non-Euro-Staatsanleihen –  für die Paranoia und die Unterhaltsverpflichtungen
  • WUM-Kracher – für die Rendite
  • Total-Return-Experimente erstmal im kleineren Rahmen – für die geistige Beweglichkeit

12 Kommentare zu „Sicherheit vs Rendite II“

  1. Bzgl. Krall fand ich diesen Thread ganz interessant: https://www.wertpapier-forum.de/topic/54883-empfehlungen-von-dr-markus-krall-wie-umsetzen/page/4/

    Wichtige Aussage: „Er tut so, als könne er den Verlauf eines komplexen Systems vorhersagen. Dabei negiert er alle Variablen und bricht Sachverhalte auf die einfachsten (scheinbaren) Kausalitäten herunter. Damit lässt er die Komplexität des Systems vollkommen außer acht. Seine Aussagen scheinen logisch zu klingen, aber nur, weil er Komplexität entfernt. Im Grunde das gleiche Prinzip wie in jeder Verschwörungstheorie.“

    Und speziell den Post von „Assassin“ auf Seite 5. Klingt sehr danach, als wären sämtliche Theorien von Krall auch 2005 schonmal dagewesen.

    Generell glaube ich keinem Crash-Propheten, der ohne „Skin in the Game“ irgendwelche Szenarien entwirft. So einer sollte schon richtig viele Puts im Spiel haben, am besten naked. Wenn es dann 20/21 nicht aufgeht, dann tut’s halt richtig weh. Sonst bleibt es risikoloses Geschwätz, das im besten Fall ordentliche Rendite abwirft.

    Gleiche Schiene fährt Crash-Prophet Marc Friedrich. Nur, dass der noch einen bekloppten Fond hat, den er verscherbeln will. 1,6% Managementgebühr, 3% Ausgabeaufschlag und ganz uneigennützige 7,5%(!) Performance-Fee. Das macht er natürlich alles nur für den Kapitalerhalt und im besten Interesse der Anleger. Performance pro Jahr praktisch nicht-existent.

    Bleibt die Frage (die wir uns alle stellen): Wohin mit der Kohle? Mein Depotwert liegt bei 450K und ich hab 150K Cash rumliegen. Auch, weil mir die Märkte subjektiv zu hoch sind und ich viel zu irrational unterwegs bin. Dadurch hab ich auf die ca. 4% verzichtet, die selbst der langweilige MSCI ACWI dieses Jahr schon hingelegt hat.

    Man könnte auch die Theorie aufstellen: Bis zur Wiederwahl von Trump geht hier gar nix den Bach runter. Im Gegenteil. Da sind nochmal 10-20% drin. Da stinkt halt jede Staatsanleihe ab gegen. Könntest also auch alles in nen breiten Index stecken und dann kurz vor oder kurz nach der US-Wahl in Gold umschichten. Das hat zumindest 2008/2009 für einige Zeit ordentlich Rendite gebracht.

    Liken

  2. Du musst mal etwas gegen Deine Paranoia tun.

    https://www.atypischstill.com/allgemein/propaganda-style-crash-propheten?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=propaganda-style-crash-propheten

    Einerseits einem politisch rechten Verschwörungstheoretiker glauben und andererseits in einem Risiko-Small-Cap mit Verlust hängen, das möglicherweise schon illiquide ist und kurz vor der Insolvenz steht (Zombie?), passt irgendwie nicht zusammen.
    Sofern das doch zusammenpasst, liegt das nicht an der strikten Trennung von Risiko und Rendite, sondern an Deinem Kopf. (Sorry, aber Du magst ja etwas Gegenwind…)

    WUM-Kracher: Ansatz nachvollziehbar und sinnvoll; Klumpenrisiko CTSO gehört aber verkleinert und nicht vergrößert (auch wenn das in Deinen Ohren nicht ankommt, ist das die sinnvollste Überlegung für Deine Finanzen überhaupt)
    Staatsanleihen: Vom Sicherheitsgedanken nachvollziehbar, aber in der von Dir angedachten Höhe eine Renditebremse.
    Total-Return-Experimente: Du hast schon genug experimentiert.

    Mir fehlt der Topf in der Mitte. Meiner Meinung nach sind langfristig die Mega-Tech-Caps die sicherste Anlageform, die gleichzeitig auch eine mehr als aktzeptable Rendite bringt. Das ist der letzte Wirtschaftskreislauf in dem Tech-Aktien als potentiell unsicherer im Vergleich zu anderen Aktien gelten. Software is eating the world. Keiner kann sein Geschäftsmodell so skalieren, keiner kann Produkte so frei und ohne Beschränkungen verkaufen, noch dazu im Abomodell und keiner kann über die Cloud einen Service bieten, ohne sich vom Bürostuhl entfernen zu müssen.
    Und was wird einer Firma passieren, die mit gigantischen Cashreserven in eine Krise gerät? Sie wird gestärkt aus der Krise wieder herauskommen.
    Der Topf in der Mitte wäre eine langweilige Investition in Microsoft, Alphabet, Amazon, Visa, Mastercard, Alibaba etc.
    Für mich wäre das auch ein Punkt für die Sicherheit.

    Liken

  3. Hallo zusammen.

    Auf die Gefahr hin, dass alle Leser dieses Beitrags mich augenrollend als Hobby-Crash-Propheten abtun, wage ich doch einmal einen Vorstoß: In Anbetracht einer globalen Pandemie finde ich es fast schon blauäugig seine Zukunft über längere Zeiträume zu planen. Dabei spiele ich weniger auf die gesundheitlichen Tragödien (ich denke nicht nur die Ausbreitungsgeschwindigkeit, auch die Letalität wird maßlos unterschätzt) an, die mit dem COVID-19 auf uns zukommen könnten, sondern vielmehr auf die wirtschaftlichen Konsequenzen. Ich gehe sogar soweit, dass uns der größte Schwarze Schwan bevorsteht, den wir zu Lebzeiten erleben werden. Und die Börsen zeigen derzeit mE ein sehr verzehrtes Bild. Und irgendwann werden die Notenbanken (Repo + QE) auch nicht mehr gegensteuern können. Ich hoffe, ich irre mich, bin da aber geringer Hoffnung. Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Videos von Peak Prosperity zu diesem Thema anzuschauen. Ich finde, wir werden heutzutage durch Politik und Mainstream-Medien viel zu sehr besänftigt als mit Tatsachen versorgt. Das Regierungsoberhaupt Singapurs hat neulich einmal gezeigt, dass es auch anders geht. Wenn ich mir dagegen einen Spahn anhöre, bekomme ich wieder Puls…

    @Kuma: Im verlinkten Artikel wird lediglich die Glaubwürdigkeit der Crash-Propheten untergraben, indem (im Falle Friedrich und Weik) vergangene Prognosen auf ihr Eintreffen untersucht wurden und (im Falle Krall) der Werdegang angezweifelt wird, als dass sie auf die konkreten aktuellen Argumente eingehen. Ohne zu behaupten, dass die Vorhersagen fundiert sind, ist dieser Ansatz mE der falsche Weg.

    Liken

  4. @ArtVandelay
    Es ist nicht verkehrt zu „besänftigen“. Oftmals ist es sogar genau richtig. Es ist auch eine sehr alte Tradition.
    Ich persönlich habe ein Bedürfnis nach Frieden, damit verbundener persönlichen Sicherheit und einem angenehmen Zusammenleben mit anderen Personen, das von Solidarität und humanistischen Werten geprägt ist. So im Großen und Ganzen ist das in Deutschland noch gegeben. Auf jeden Fall ist der Zustand besser, als er vor 100 oder 50 Jahren war.
    Das die bestehende Zivilgesellschaft immer wieder bedroht wird, ist klar. Sie kann durch Faschisten zerstört werden oder auch durch eine Pandemie.
    Besänftigung einer (bildungsfernen?) Masse ist in den Zeiten von News-Overflow und Fake-News vielleicht wichtiger, als es jemals war.

    Wenn Du das Gefühl hast, der Markt sei derzeit irrational, dann teile ich dieses Gefühl durchaus. Was macht man aber mit dieser Erkenntnis? Sich gegen den Markt stellen? Sicher nicht, denn das bringt keine Rendite.

    Deine Einschätzung, dass Herr Spahn kein Musterbeispiel von Kompetenz ist, teile ich auch. Ich kann mir andere Politiker wünschen, aber sicher ist nur, dass es auch noch Blödere gibt. Man kann leider nur mit den Mädchen tanzen, die auf der Disco sind.

    Die schlussendlich einzige Absicherung, die man hat, ist die persönliche Arbeitskraft. Entfällt diese, ist es die menschliche Solidarität.
    Mein Geld im Markt brauche ich nicht. Wenn es mir Rendite bringt – fein. Wenn es durch einen Systemcrash vernichtet wird, dann kann ich es sowieso nicht verhindern. Dann stehen aber Herr Krall und Konsorten auch nicht besser da. Da bin ich mir sehr sicher.

    Viel Glück mit Deinen Entscheidungen!

    Liken

  5. 1500 im Monat für die Prinzessin auf der Erbse?? Wie soll die eigentlich einen Antrieb bekommen selbst was gebacken zu kriegen?

    Liken

  6. Hallo Bald-Ja-Vielleicht-Doch-Guru(s),

    als stiller Leser muss ich zunächst ein großes Lob für diesen Blog aussprechen. Schaue jeden Tag rein und freue mich über jeden Eintrag von dir und in den Kommentaren. Macht weiter so! 🙂

    Einen Teil meiner Anlagen in Anleihen halte ich in einem EM Bond ETF, der in US-Dollar notiert und (fast) monatlich ausschüttet:
    https://www.de.vanguard/web/cf/professionell/de/produktart/detailansicht/etf/9664/BOND/overview
    Könnte das für dich eine Option sein?

    Besten Gruß
    Horst

    Liken

  7. Ich kann diesen Vanguard auch empfehlen. Habe den seit Anfang 2018 laufen und immer wieder mal etwas zugekauft. Hat die „Delle“ im Dez. 2018 mit Bravour gemeistert und läuft stetig weiter hoch (gibt ja auch nur wenig Alternativen). Die monatliche Dividende ist auch beruhigend für die Seele.
    Was Deinen Hauskauf betrifft, ich habe mich im Dezember auch von einer vermieteten Immo getrennt (nach ca. 15 Jahren). Einfach nur Ballast abwerfen und das Leben vereinfachen… hat was.

    Liken

  8. Hallo, horst.

    Vielen Dank. Freut mich, dass dir das Blog gefällt. Ich finde es auch gut. 🙂

    Dein Bond ist auf jeden Fall eine Option – auch dafür vielen Dank! Komme drauf zurück.

    Viele Grüße
    Garnix

    Liken

  9. Hallo, SeePaddler.

    Danke für deinen Kommentar.

    #Ballast: meine Freundin hat inzwischen verstanden, warum ich mir als Geburtstagsgeschenk mal einen Müllcontainer gewünscht habe.

    Viele Grüße
    Garnix

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s