Die (vegane) Weihnachtsedition 2019

Die Weihnachtsvorbereitungen im Garnix-Umfeld fangen immer schon im Oktober an. Mutti hat Geburtstag, zieht Bilanz, wird schwermütig und melodramatisch.

Mutti: „Ich will niemanden sehen.“

Garnix: „Kann ich verstehen, aber als dein Lieblingskind würde ich gerne deinen Lieblingsenkel und ein bisschen (veganen) Kuchen einpacken und wenigstens eine halbe Stunde mit dir auf der Couch sitzen und dir zum Geburtstag gratulieren.“

Mutti: „Das geht nicht gegen meine Enkelin.“

Garnix: „Achso. Gegen wen denn sonst?“

[Laaaange Pause]

Garnix: „Dann mach ich dir einen Vorschlag. Wir kommen vorbei, werfen den veganen Kuchen über den Zaun und winken ein bisschen. Und vielleicht darf ja dann sogar dein Enkel kurz ins Haus? Ich könnte zur Not draußen warten und mich hinterm Baum verstecken, dass ich die Optik nicht so störe.“

Mutti: „Genau davon rede ich! Du bist immer so zynisch.“

Garnix: „Jaja. Wir haben dieses Drama jedes Jahr. Ist mir zu doof. Wir kommen einfach vorbei und entweder du machst auf oder eben nicht.“

In der folgenden Nacht bekomme ich eindringlichste Whatsapp-Nachrichten, unter gar keinen Umständen aufzutauchen. Mutti hätte die Tabletten-Dosis schon erhöhen müssen und mehr Tabletten kann man gar nicht nehmen.

Prinzipiell gibt es gar keinen Streit. Mutti dämonisiert mich einfach gerne, lädt sich gegen Bezahlung ihre Ex-Schwiegertochter ein, sitzt lieber mit ihr auf dem Sofa und lästert sich so durch den Tag.

Jeder wie er mag. Ist jetzt auch nicht so, dass mir irgendwer in meinem Elternhaus Lebenslust und -impulse entgegenschleudert. Oder mir eine Frage zu meinem Leben stellt. Oder Interesse heuchelt. Betretenes Schweigen können wir aber. Nur dafür und auch sonst, setze ich mich nicht mehr vor einen Gänsebraten.

Meine Tochter wird Weihnachten und Silvester in der Wüste verbringen. Und das kam so: die vermögenden Ex-Schwiegereltern haben ihrem Sohn ein (teures) Auto geschenkt. Zum Ausgleich bekommt die Ex-Frau einen Urlaub spendiert. Freilich ohne Mitspracherecht, dafür aber mit den über alles geliebten Eltern. Tochter kommt mit und hat mir Fotos von den Hotels und Wüstenzelten gezeigt. Müssten so 40 – 50 k€ sein, die die da zu viert verballern.

Freundin ist mit ihren Kindern bei ihren Schwestern.

Garnix ist Weihnachten und Silvester alleine zu Hause bzw. hängt mit dem besten Freund und Ex-Barmann ab. Und arbeitet. So „digital office“ mäßig.

Hatte heute mein erstes Appraisal nach meinem Downgrade. Mein neuer Chef hat sich von meiner Begeisterungsfähigkeit anstecken lassen, sagt er. An den Leistungen gäbe es objektiv nichts rumzudeuteln. Und gefragt, ob und für wie viel ich bleibe, hat er auch. Ganz feine Antennen, der Mann.

Derweil habe ich zwei konkrete Stellen im 30-km-Radius im Auge und habe die Unterlagen dafür rausgeschickt. Ich glaube, ich kann das empfehlen: immer schön ein, zwei neue Stellen am Köcheln haben.

Und sonst so? Mich beschäftigt nachwievor die intergalaktische Frage, ob Vernunft, Einsicht, Empathie die Oberhand behalten oder besser: zurückgewinnen. Klingt jetzt komisch: aber ich freue mich sehr, sehr, sehr über jeden Otto und alle Kängurus, die irgendwann ähnliche Schlüsse ziehen. Hat Weihnachtsgeschenkecharakter für mich.

Danke für alles und schöne Feiertage in die Runde!

(Rechtschreibtipp für mich: Sylvester Stallone und Silvester Alone)

 

2 Kommentare zu „Die (vegane) Weihnachtsedition 2019“

  1. Ach ja… ich habe auch so komische Familie. Da kann man nichts machen und das treibt einen in den Wahnsinn, wenn man nicht den Riegel vorschiebt. Prinzipiell kann sich ja jeder so unglücklich machen wie er will, nur warum dann nicht die anderen in Ruhe lassen, das ist so der K(n)ackpunkt, oder?
    Egal.
    Als Lektüre empfehle ich „Shatterdays“ von Harlan Ellison.
    Und wünsche viel Glück und Erfolg bei der Jobsuche.
    Silvester allein zuhaus mach ich seit Jahren, weil ich es seit Jahren nicht gebacken kriege, mich um etwas zu kümmern, und wegfahren mich ankotzt, weil es zu Silvester alle machen, es dreimal so voll, fünfmal so teuer und zehnmal so nervig ist.

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  2. Hallo, andreapur.

    „In vivo“ ist das in Ruhe lassen innerhalb der Familie, wie du richtig bemerkst, der Knackpunkt. Ich habe selbst mal den Kontakt drei Jahre abgebrochen. So richtig, richtig gut, ist das halt auch nicht.

    Danke für die Lektüreempfehlung!

    Viele Grüße
    Garnix

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