Katecholamine II

Wenn man meinen Ausführungen zu Katecholaminen glaubt, könnte man sich eventuell noch die Frage stellen, was ich mit „reduziert der Einsatz des Adsorbers den Bedarf an Katecholaminen in allen bekannten Fallstudien quasi in Rekordzeit“ konkret meine und wie sich das quantitativ so darstellt.

Ich mach’s mir dazu mal einfach und verweise schlicht auf den aktuellen Case of the Week:

Summary

CoW 47/2019 – Der folgende Bericht beschreibt den Fall einer 31-jährigen Patientin, die mit der Diagnose Peripartum-Kardiomyopathie aus einem peripheren Haus ins Medanta Hospital verlegt wurde.

Fallbeschreibung:

  • Im auswärtigen Krankenhaus hatte sich die Patientin einem Kaiserschnitt unterzogen, gefolgt von der Entwicklung von hohem Fieber und verminderter Diurese bis hin zur Anurie. Aufgrund zunehmender Atemnot musste sie dann intubiert und mechanisch beatmet werden (PEEP 14 mmHg, FiO2 von 0,7). Darüber hinaus wurde bereits hier eine Katecholamintherapie zur hämodynamischen Stabilisierung notwendig
  • Bei Aufnahme ins Krankenhaus benötigte die Patientin hochdosierte Vasopressor-Unterstützung (Noradrenalin 2 µg/kg/min, Vasopressin 0,3 IE/h) und so wurde sie zur weiteren Überwachung und Behandlung direkt auf die Intensivstation verlegt
  • Beginn der intravenösen Antibiotikatherapie mit Meropenem, Teicoplanin und Polymyxin-B sowie Einleitung einer supportiven medikamentösen Therapie
  • Darüber hinaus wurde aufgrund des anhaltenden Nierenversagens eine Nierenersatztherapie in Form einer Sustained Low-Efficiency-Dialyse (SLED) initiiert
  • Deutlich erhöhte Bilirubin- (18 mg/dL) und Leberwerte (GOT 480 U/L, GPT 273 U/L) zeigten zusätzlich ein Versagen der Leberfunktion an
  • Auch wurde mit einer Thrombozytentransfusion zur Behandlung ihrer schweren Thrombozytopenie (34×103/µL) begonnen
  • Die Diagnose lautete puerperale Sepsis nach Kaiserschnitt am unteren (Uterus-)Segment mit septischem Schock und Multiorgan-Dysfunktions-Syndrom (MODS)
  • Mit der Rationale, die kritische Situation im Kontext des septischen Schocks mit schwerer hämodynamischer Instabilität und Multiorganversagen zu stabilisieren, entschied man sich dazu, am ersten Tag nach Aufnahme einen CytoSorb-Adsorber in den laufenden Dialysekreislauf zu integrieren

Behandlung:

  • Die Patientin erhielt eine Behandlung mit CytoSorb über 8 Stunden
  • CytoSorb wurde in Verbindung mit SLED (Multifiltrate, Fresenius Medical Care) verwendet
  • Blutfluss: 120 ml/min
  • Antikoagulation: keine
  • CytoSorb Adsorber Position: prä-Hämofilter

Messungen:

  • Hämodynamische Stabilisierung und Katecholaminbedarf
  • Entzündungsreaktion
  • Nierenfunktion
  • Leberfunktion
  • Respiratorische Parameter

Ergebnisse:

  • Nach Abschluss der CytoSorb-Behandlung hatte sich die hämodynamische Situation stabilisiert, begleitet von einer Reduktion des Katecholaminbedarfs (Noradrenalin 0,05 µg/kg/min), während die Vasopressinunterstützung bereits während der Behandlung eingestellt werden konnte
  • Kontrolle der hyperinflammatorischen Reaktion angezeigt durch eine Normalisierung der Thrombozyten- (127 x103/µL) sowie der Leukozytenzahl
  • Die Kreatinin-Plasmalevels sanken nach der Behandlung sukzessive auf 1,10 mg/dL einhergehend mit Anzeichen einer Regeneration der Nierenfunktion
  • Während der Behandlung konnten die Gesamtbilirubinspiegel signifikant reduziert werden und erreichten schließlich Werte von 0,8 mg/dL
  • Auch die Beatmungsparameter verbesserten sich nachweislich (Verminderung des FiO2 auf 0,4 und eine Reduktion des PEEP auf 6 mmHg)

Patienten Follow-up:

  • Im weiteren Verlauf konnte die Noradrenalin-Infusion reduziert und schließlich vollständig beendet werden
  • Nach der Behandlung mit CytoSorb war eine weitere Dialyse-Sitzung erforderlich, da die Nierenfunktionstests nach wie vor eine leichte Beeinträchtigung zeigten
  • Die Patientin konnte am vierten Tag nach Aufnahme auf Intensivstation extubiert und anschließend auf nicht-invasive BiPAP-Unterstützung umgestellt werden
  • Die Röntgen-Thoraxaufnahme zeigte einen Rückgang der bilateralen Infiltrate
  • Schließlich wurde die Patientin am Tag 7 auf die Normalstation verlegt und 5 Tage später nach Hause entlassen

Schlussfolgerungen:

  • Die Behandlung mit CytoSorb bei dieser Patientin mit puerperalem septischem Schock und Multiorganversagen nach Kaiserschnitt mit anschließender Peripartal-Kardiomyopathie war mit einer signifikanten Verbesserung der Hämodynamik, einer Kontrolle der Entzündungsreaktion sowie einer Verbesserung der Nieren- und Leberfunktion assoziiert
  • CytoSorb erscheint als eine vielversprechende Therapie zur Verhinderung eines Fortschreitens des Organversagens und zur Behandlung der Sepsis
  • Die Anwendung von CytoSorb war sicher und einfach möglich, ohne dass Nebenwirkungen während oder nach der Behandlung beobachtet wurden
Mein Kommentar:
Bei dieser Patientin konnte der Noradrenalin-Bedarf nach einer achtstündigen Cytosorb-Behandlung um den Faktor 40 reduziert werden.
Geht, oder?

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