Katecholamine

In einem anstehenden Cytosorb-Anwendertreffen im Dezember ist einer der Agendapunkte: „Bedeutung der Hämodynamik und Konsequenzen hoher Katecholamindosierungen“

Wie die meisten hier wissen dürften, reduziert der Einsatz des Adsorbers den Bedarf an Katecholaminen in allen bekannten Fallstudien quasi in Rekordzeit.

Kurz zur Wirkung: die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin, Dobutamin stehen als Medikamente zur Verfügung. Sie werden in der Intensiv- und Notfallmedizin verabreicht. Indikationen sind unter anderem die Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation), Schockzustände und schwere allergische Reaktionen.

Adrenalin: steigert Blutdruck und Herzfrequenz
Noradrenalin: steigert vor allem den Blutdruck, nicht so sehr die Herzfrequenz
Dobutamin: steigert die Muskelverkrampfungsfähigkeit

Plastischer: die Patienten sind derart schockbelastet, dass der Blutdruck abschmiert. In der Folge sind Organe sauerstoffunterversorgt und der Patient geht über die Wupper. Mit den Katecholaminen versucht man hier gegenzusteuern bzw. den Blutdruck wieder anzukurbeln.

Bei Springermedizin.de kann man nachlesen: „Katecholamine als vasopressorisch und inotrop wirksame Substanzen gehören zu den am häufigsten in der Intensivmedizin eingesetzten Medikamenten. Ziel dieser Übersicht ist es, neben den physiologischen Grundlagen einer Katecholamintherapie besonders auch die Risiken darzustellen, die sich aus einer unkritischen und übermäßigen Gabe dieser Substanzen ergeben können.

Ungünstige Wirkungen
Im Mittelpunkt steht dabei eine durch eine adrenerge Überstimulation ausgelöste Schädigung des Herzens. Es gibt deutliche Hinweise dafür, dass bei schwerer Herzinsuffizienz, bei Myokardischämien sowie im kardiogenen und septischen Schock speziell der Einsatz von Katecholaminen mit stärkerer β-adrenerger Wirkung (Adrenalin, Dobutamin, Dopamin) ungünstige Wirkungen haben kann. Als einfacher Risikomarker für eine kardiale Schädigung ist dabei eine Tachykardie anzusehen.“

Das ganze ist also mit Nebenwirkungen verbunden. Und davon nicht zu knapp:

  • alle führen in höherer Dosis zu Herzrhythmusstörungen (arrhythmogen)
  • alle sind in hoher Dosis giftig für das Herz-Kreislauf-System (kardiotoxisch)
  • Noradrenalin wirkt in hoher Dosis kreislaufzentralisierend (die „Peripherie“ wird potentiell unterversorgt)

Das hier lässt sich dazu auch noch finden: „Bei der Katecholaminanwendung zur Kreislaufstabilisierung in der Intensivmedizin ist auf eine sehr gleichmäßige Zufuhr in den Körper zu achten, da sonst erhebliche Druck- und Herzfrequenzspitzen, bzw. (bei Unterbrechung der Zufuhr) Blutdruck- und Herzfrequenzabfälle auftreten können. Die gleichmäßig langsame Zufuhr wird üblicherweise mit Spritzenpumpen durchgeführt. Eine invasive Blutdruckmessung über einen arteriellen Zugang und EKG-Überwachung ist unabdingbar, da diese Stoffe ein erhebliches arrhythmogenes Potential haben (d. h. Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern auslösen können). Bei der Anwendung kann es zu Herzinfarkten und Hirnblutungen durch zu hohen Blutdruck kommen.“

Alles andere als lustig – aber bislang alternativlos. Spannend auch, dass es für den Einsatz von Katecholaminen bislang nur anekdotische Evidenz aber keine randomisierten Kontrollstudien gibt.

Ein wunderbarer Präzedenzfall für Cytosorb?

Randomisierte Studien sind ethisch VERBOTEN, wenn und sobald man mit hinreichender Sicherheit davon ausgehen kann, dass die Kontrollgruppe massiv schlechtere Überlebenschancen hat.

Bei Wikipedia steht: „Die Wirksamkeit der Katecholamine beim kardiogenen Schock ist bisher nicht eindeutig belegt. Auch sonst beruht der Einsatz der Katecholamine in der Intensivmedizin meist lediglich auf Erfahrung. Randomisierte Vergleichsstudien fehlen, da die Katecholamine bereits vor der verbreiteten Akzeptanz der Kriterien der wissenschaftlichen, nachweisorientierten Medizin zur Verfügung standen und ihre Anwendung oft als einziger Weg erscheint, das Überleben zu sichern, weshalb sich viele Studienarten aus ethischen Gründen verbieten.“

Und wo ist jetzt der rote Faden?

1. Wir haben hunderte Hinweise respektive anekdotische Evidenz, dass der Adsorber die Hämodynamik in nullkommanix und im Gegensatz zu Katecholaminen OHNE Nebenwirkungen wieder gerade biegt.

2. Bei der bereits vorhandenen anekdotischen Evidenz kann ich mir persönlich und mit Verweis auf Beispiele aus der Medizingeschichte sehr gut vorstellen, dass sich der Adsorber in verschiedenen Bereichen auch ohne RCTs durchsetzen wird. Und jetzt? Die Kursentwicklung der letzten 15 Monate ist ein schlechter Witz. Das wahre Umsatzpotential ist überhaupt noch nicht abzusehen. Manchmal braucht es etwas Geduld. Und so ein bisschen was tut sich ja derweil auch. Anbei die Verbreitung des Adsorbers in Deutschland und einigen seiner Nachbarländer von 2013 bis 2018:

b1

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