Eindrucksvoller Fall aus Frankfurt

Der Patient in nachfolgendem Fall ist letztlich leider verstorben. Nichtsdestotrotz sehr beeindruckend, wie man auch im Fall einer schwersten Sepsis, den Patienten ganz passable Chancen ermöglichen kann.

Summary

CoW 42/2019 – Dieser Fall berichtet über einen 30-jährigen männlichen Patienten (bekannte Vorerkrankungen: HIV und Hodgkin-Lymphom), der während seines stationären Aufenthalts zur Chemotherapie mit fieberhaftem Infekt, Leukopenie und Verschlechterung seines klinischen Allgemeinzustandes auf die Intensivstation verlegt wurde.

 

Fallbeschreibung

  • In der Nacht entwickelte der Patient binnen weniger Stunden das Vollbild eines fulminanten septischen Schocks mit ausgeprägter hämodynamischer Instabilität und extrem hohem Katecholaminbedarf (Noradrenalin 6,2 mg/h, Adrenalin 1 mg/h)
  • Bei bestehender Hypotonie wurde der Patient im Rahmen der Sedierung zur notwendigen Intubation aufgrund einer respiratorischen Insuffizienz drucklos und in der Folge reanimationspflichtig. Ein Wiedereinsetzen eines stabilen Spontankreislaufs konnte erst nach 30 Minuten erreicht werden, dazwischen bestand wiederholte Reanimationspflichtigkeit
  • Beginn der antiinfektiven Therapie mit Linezolid, Meropenem, Voriconazol, Ciprofloxiacin und Metronidazol
  • Zunächst Pausieren der anti-retroviralen HIV Medikation, erst im Verlauf Fortführung mit Emtricitabin/Tenofoviralafenamid sowie Dolutegravir nach Rücksprache mit der Infektiologie der Uniklinik Medikation
  • Deutlich erhöhte inflammatorische Parameter (CRP 475 mg/l, PCT 416 ng/ml, bei Leukopenie) zeigten einen ausgeprägten hyperinflammatorischen Zustand an
  • Im Verlauf dann Beginn einer anti-viralen Therapie mit Ganciclovir infolge des Nachweises eines Cytomegalievirus
  • Zudem wies der Patient eine schwere metabolische Azidose auf (Laktat 34 mg/dl)
  • Aufgrund des schwersten septischen Schocks mit ausgeprägter hämodynamischer Instabilität sowie eines beginnenden oligurischen Nierenversagens wurde die Behandlung mit einer Kombination aus kontinuierlicher Nierenersatztherapie (CRRT) und CytoSorb-Hämadsorption gestartet

Behandlung

  • Insgesamt 11 aufeinanderfolgende Behandlungen mit CytoSorb über eine Gesamtbehandlungszeit von 9 Tagen (erste 3 Behandlungen über 12 Stunden, Folgebehandlungen 4-11 über jeweils 24 Stunden)
  • CytoSorb wurde in Kombination mit CRRT (Prismaflex, Gambro) eingesetzt und im kontinuierlichen venös-venösen Hämodialfiltrations-Modus (CVVHDF) betrieben
  • Blutfluss:150 ml/min
  • Antikoagulation: Citrat
  • CytoSorb Adsorber Position: post-Hämofilter

Messungen

  • Vasopressorbedarf
  • Inflammatorische Parameter
  • Renale Parameter
  • Laktat 

Ergebnisse

  • Im Zuge der CytoSorb Behandlung kam es zu einer eindrucksvollen Verbesserung seiner hämodynamischer Situation. Innerhalb eines Tages konnte die Adrenalin-Gabe beendet und eine deutliche Senkung des Noradrenalinbedarfs erreicht werden. Im Verlauf konnte die Noradrenalingabe  deutlich reduziert und schließlich zum Ende der CytoSorb Behandlungen vollständig beendet werden
  • Weiterhin resultierte die Behandlung in einer raschen und nachhaltigen Kontrolle des hyperinflammatorischen Zustandes einhergehend mit einer konsekutiven Reduktion der Entzündungsparameter. Innerhalb von 10 Tagen sanken die CRP Plasmakonzentrationen von 475 auf 30 mg/l und die PCT Levels von 416 ng/ml auf 1 ng/ml
  • Unter der kombinierten Behandlung aus CRRT und CytoSorb konnte das Fortschreiten des akuten Nierenversagens gestoppt werden und die Nierenfunktion erholte sich bei wieder einsetzender Diurese und Normalisierung der Retentionsparameter in den folgenden Tagen vollständig
  • Ebenfalls wurde eine Resolution der schweren Hyperlaktatämie beobachtet, wobei die Plasmalaktatwerte innerhalb von 6 Tagen von 24 auf 8 mg/dl gesenkt werden konnten
  • Ein beginnendes ARDS und eine disseminierte intravasale Koagulopathie zeigten sich im Verlauf unter der kombinierten intensivmedizinischen Behandlung einschließlich CRRT und CytoSorb rückläufig, es kam nur zu einem geringen und transienten Anstieg der Leberwerte

Patienten Follow-Up

  • Im Anschluss an die adjuvante CytoSorb-Therapie kam es zu einer vollständigen Regeneration der Organfunktionen, der Patient war katecholaminfrei und zeigte keine Anzeichen erhöhter Infektwerte
  • Gleichwohl gestaltete sich die Aufwachphase nach Reduktion der sedierenden Medikamente als schwierig
  • Im Zuge der Verlegung für die weitere Therapie seiner beiden malignen Grunderkrankungen sowie seiner schweren infektiologischen Erkrankung in die Uniklinik Frankfurt wurde mittels Magnetresonanztomographie ein schwerer hypoxischer Hirnschaden diagnostiziert
  • Nach Rückverlegung auf die Intensivstation des Bethanien Krankenhauses Frankfurt aufgrund fehlender Therapiekonsequenz wurde die weitere Therapie nach Rücksprache mit der Familie eingestellt und der Patient verstarb

Schlussfolgerungen

  • Bei diesem Patienten mit schwerem septischem Schock im Rahmen einer Knochenmarksdepresssion nach Chemotherapie resultierte die kombinierte Behandlung mit Standardtherapie, CRRT und CytoSorb-Hämoadsorption in einer raschen Stabilisierung der Hämodynamik mit Verbesserung der metabolischen Azidose, einer Kontrolle der Entzündungssituation und einer Verhinderung eines anhaltenden Nierenschadens
  • Laut Ärzteteam trug die kombinierte extrakorporale Therapie einschließlich CytoSorb zu einer raschen Beherrschung des schwersten septischen Schockzustandes bei. Vor dem Hintergrund der rasanten Verschlechterung und der schlechten Prognose hat der frühe Einsatz von CytoSorb vermutlich nennenswert zum Überleben des Patienten in der Akutphase beigetragen
  • CytoSorb war in Kombination mit CRRT sicher und einfach anzuwenden und es traten keine gerätebedingten Nebenwirkungen auf

2 Kommentare zu „Eindrucksvoller Fall aus Frankfurt“

  1. Hallo Garnix,
    Heute gelesen bei deinem Kollegen von intelligent investieren:
    „…Bleiben Sie dran und sehen Sie zu, was passiert. Solange die ursprünglichen Bedingungen weiterhin gültig sind oder sich sogar verbessern – und Sie werden in einigen Jahren über die Ergebnisse erstaunt sein.«
    (Peter Lynch)
    Da musste ich an CTSO denken.

    Kaufst du aktuell auch noch nach?
    Leider wurden die 4 Dollar letzte Woche nicht ganz erreicht…

    Grüße
    Windsurfer

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  2. Hallo, Windsurfer.

    Würde gerne auf 60.000 Stück aufstocken. Mal schauen. Große Eile scheint aber erstmal nicht geboten zu sein: egal, wie gut die Nachrichtenlage ist, der Kurs reagiert nicht nachhaltig. Hypothese; die Firma muss wieder auf den alten Wachstumspfad mit +50% zurück. Q3 scheint kein Kracher zu werden, wenn man Chan gestern in dem Investoren Call zugehört hat. Bin für Q3 also neutral. Für Q4 halbwegs und für 2020 sehr bullish.

    Fühlt sich nicht immer so an – aber wird schon. Jedenfalls habe ich, der ich NIE träume, schon dreimal von astronomischen Kursen geträumt – wollte (im Traum) sogar Kerzen für die Shorties besorgen. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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