Moralische Dilemmata

Dilemma Nummer 1
Mein Vater bricht sich beim Brunorauslassen einen Wirbel, hat starke Schmerzen, braucht eine OP, die ihm vom Anästhesisten gut zwei Wochen verwehrt wird, weil seine Nierenwerte zu beschissen sind. Nach gefühlt hundert Infusionen heute dann die OP. Er liegt derzeit auf der Intensivstation und wir drücken ihm die Daumen, das er möglichst schnell wieder auf die Beine kommt, um sich dann im Zweifel erneut von Bruno über den Haufen rennen zu lassen. Das Thema Nierenspende ist aber erstmal vertagt. Er muss jetzt erstmal wieder fit werden. Und Dialyse ist zumindest auch eine Option.

Dilemma Nummer 2
Der Plan war, am kommenden Samstag mit meiner Tochter für acht Tage nach New York zu fahren. Flüge und ein 80 m² Apartment unmittelbar am Central Park sind gebucht und bezahlt. Heute frage ich die ExF per Whatsapp, ob sie uns zum Flughafen bringen kann und erhalte eine Audio-Antwort, die komisch klingt. Irgendwas von wegen einer kleineren OP am Zwerchfell, während wir in New York sind.

Garnix: „Alles klar, keinen Streß, drücke die Daumen!“

ExF: „Ich möchte nicht, dass unsere Tochter das alles mitbekommt. Wissen nur meine Eltern.“

Garnix: „Was genau soll unsere Tochter nicht mitbekommen? Dass du operiert wirst?“

ExF: „Ja, genau. Belastet sie nur unnötig.“

Garnix: „Aber sie weiß doch, dass du eine OP brauchst.“

ExF: „Das mit dem Zwerchfell weiß sie. Von der Bauchspeicheldrüse weiß sie nichts.“

Garnix: „Also. Wenn ich dich richtig verstehe, hast du was ernstes mit der Bauchspeicheldrüse und die OP ist geplant für die Zeit, in der wir nicht da sind. Richtig? Falls dem so ist: ich an Stelle unserer Tochter wäre gerne in deiner Nähe, wenn du eine schwere OP hast. Wie ginge es dir an Stelle von [Tochter]?“

ExF: „Es ist meine Entscheidung und fertig.“

Garnix: „Ich weiß nicht genau, was du hast und wann du operiert wirst. Nach deinen Aussagen gehe ich jetzt aber davon aus, dass es sehr ernst ist. Ich verstehe, dass du [Tochter] schützen willst und finde das grundsätzlich immer gut, [Tochter] vor irgendwas bis möglichst allem zu schützen. Auf der anderen Seite: [Tochter] ist reif und klug und hat ein Recht zu erfahren und selbst zu entscheiden, was sie in so einer Situation tut (New York oder in deiner Nähe bleiben). Bitte sprich mit [Tochter], sag‘ ihr was Sache ist. Und wenn es dein Wunsch ist, dass [Tochter] trotzdem fährt, kannst du ihr das auch sagen. Die Entscheidung liegt dann aber bei [Tochter]. Nicht bei dir und nicht bei mir. Alles andere ist ein riesiger und im Zweifel nie mehr wieder gut zu machender Vertrauensbruch. Im Zweifel will sie dir einfach Beistand leisten. Ihr das zu verwehren, ist falsch. Sie ist kein kleines Kind mehr.“

Sieht so aus, als müsste ich die Urlaubskosten abschreiben. Tina ist anderweitig beschäftigt. Vielleicht fahre ich auch alleine. Oder klappere noch ein paar alte russische Telefonnummern ab.

Dass Eddie im April gestorben ist, dass ich, während mein linkes Auge so gut wie rausgefallen ist, degradiert wurde und dass CTSO mittelschwer abkackt, hatte ich erwähnt, oder? Läuft.

4 Kommentare zu „Moralische Dilemmata“

  1. Wir machen den „Club der grauen Tristesse“ auf.

    Bei mir läuft überhaupt nichts. Noch nicht mal das Regenwasser ab. So viel zum Thema „intelligentes Bauen in Afrika“.

    Neues (gebrauchtes) Allradauto hängt im Zoll fest und wird nicht freigegeben (wozu habe ich Dienstleister beauftragt, damit ich damit nichts zu tun habe?!), ein (jetzt) ehemaliger Mitarbeiter hat Geld unterschlagen durch gefälschte Rechnungen, für ne Strecke von (geplanten) 60 km haben wir insgesamt 20 Stunden gebraucht mit dem Auto weil es 450 km Umweg wurden (habe ich schon erwähnt dass ich die marode deutsche Infrastruktur liebe?!).

    Ansonsten kommst Du vorbei, dann lernst Du leiden ohne zu jammern.

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  2. Hi Garnix,

    da du es nun weißt, würdest du es deiner Tochter im Urlaub verschweigen. Das würde sie wahrscheinlich als Vertrauensbruch auffassen. Es deiner Tochter ohne Zustimmung deiner ExF zu sagen, würde euer Verhältnis verschlechtern. Ich würde wahrscheinlich versuchen, auf die ExF einzuwirken, so dass sie es doch erzählt. Erzählt sie es nicht, wäre es die Wahl zwischen zwei schlechten Optionen – mit der Frage: „welche ist besser?“. Oder deine Tochter findet es selbst raus, mit etwas Hilfe.

    Viele Grüße,

    Christian

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