Fair-Value-Modelle vs Whatsapp

Rohstoffinvestor schreibt:

„Vorweg, ich halte sehr viel von den Kollegen bei Zacks. S&P Global Market Intelligence kommt derzeit auf ca. 3,40 USD nach Diskontierten Cash Flow, obwohl deren Datenqualität Marktführend ist oder sein soll, ist diese wohl bei kleineren Market Cap nicht immer die beste oder aktuellste.“

Meine Meinung zu Fair-Value-Modellen, die hier irgendwo auch schon verewigt wurde: jeder sollte so lange rumlesen, bis er zu einem Unternehmen X eigene Annahmen treffen und daraus einen eigenen Fair Value berechnen kann. Ist ungefähr so schwer und kompliziert wie einen Preis für eine Wohnung oder ein Haus zu berechnen. Wenn ich wirklich kaufen (oder verkaufen) will, muss ich so lange Informationen sammeln, bis ich eine möglichste plausible Position einnehmen kann.

Das ist so das Minimum, was ich als Investor tun muss. Geht noch mehr? Beispiele.

Florian Homm beschreibt in einem seiner Bücher, wie er seinerzeit Werft-Mitarbeitern der Bremer Vulkan als vermeintlicher Schiffsingenieur aufgelauert hat. Darüber hinaus hat er gerne fähige Investigativ-Journalisten eingestellt, die jeden Sachverhalt 30mal umgedreht haben und dazu Tag und Nacht am Telefon hingen und Leute interviewt haben. Am Ende war für ihn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit klar, was mit der Werft passieren würde.

Ein Endor-Investor hat sich relativ kostenintensiv Zugang zu Zoll-Frachtlisten verschafft und wusste damit sehr früh, wie viel Ware in die USA geliefert wurde. Seine darauf aufbauenden Annahmen waren furchtbar falsch, aber zumindest die Idee war interessant.

Man könnte Speditionen bestechen und Warenein- und ausgänge ermitteln.

Bei kleinen Klitschen immer gut: den CEO anschreiben. Manchmal verplappern die sich. Selbst schon erlebt.

Und wie sieht das juristisch aus? Erstmal ein paar zwei Definitionen:

„Der Begriff der Insiderinformation wird durch Art. 7 MMVO definiert. Hiernach handelt es sich um eine präzise Information über einen Umstand, der einen Bezug zu einem Wertpapieremittenten aufweist. Ferner muss die Information der Öffentlichkeit unbekannt sein sowie den Kurs des Wertpapiers erheblich beeinflussen können.“

Hier noch, wann das ganze zum „Insidergeschäft“ und unzulässig wird:

„Ein Insidergeschäft liegt nach Art. 8 Absatz 1 MMVO vor, wenn jemand Finanzinstrumente kauft oder verkauft und hierbei eine Insiderinformation nutzt. Ein Verwenden liegt vor, wenn die Anlageentscheidung des Insiders durch die Information beeinflusst wird. Unzulässig ist somit beispielsweise das Kaufen oder Verkaufen eines Finanzinstruments nach Kenntniserlangung von einer Insiderinformation, die einen Bezug zu diesem Instrument aufweist. Anders als unter Geltung von§ 14 WpHG zählen nach Art. 8 Absatz 1 Satz 2 MMVO auch Stornierung und Änderung eines Auftrags in Bezug auf ein Finanzinstrument als Verwenden einer Insiderinformation. Sobald der Insider also Kenntnis von einem Umstand erlangt, verpflichtet ihn dies zum Stillhalten in Bezug auf das betroffene Finanzinstrument, bis der Umstand öffentlich bekannt wird.“

Mein unmaßgebliche Einschätzung:

  • die Homm’schen Recherchen hatten tendenziell keinen wirklich präzisen Informationscharakter und müssten somit klar gehen
  • Zoll-Frachtlisten sind wenn auch kostenpflichtig öffentlich zugänglich / geht klar
  • Spedition bestechen und präzise Waren Ein- und Ausgänge organisieren -> dürfte illegal sein
  • CEO verplappert sich und verrät Insiderinformationen -> darf nicht verwendet werden, da unzulässig

Und ich so wegen CTSO?

Der Löwenanteil des Umsatzes wird in Deutschland gemacht. „Wir“ sind Pionier-Anwender und haben die Anwendungsinfos dieses amerikanischen Unternehmens quasi vor der Haustür rumliegen. So ein paar Ärzte, die vom Krankenbett berichten können, lassen sich da irgendwie schon auftreiben. Ich beispielsweise unterhalte aktuell drei Whatsapp-Chats mit Ärzten (2 x Kardio, 1 x Intensiv). Müsste juristisch unbedenklich sein (kein präziser Informationscharakter bzw. ähnliche Inhalte wie die öffentlich zugänglichen Case-Studies).

Überhaupt sind die öffentlich zugänglichen Fallbeschreibungen ein eldoradomäßiger Traum. Man muss den Kram nur lesen und hat – meiner Meinung nach – 90 km Vorsprung vor den gemeinen Aktien-Dumbos und Quantottos.

Und was bringt das dann so kursmäßig?

Ha! Der war gut.

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