Der unvermeidliche Dr. K.

Dr. Markus Krall, den ich sehr schätze, vorgestern im Interview.

Wird nicht passieren, aber ich werde mich immer fragen, ob man den Euro mit folgendem Ansatz noch hätte retten können.

Lagarde sitzt am Schreibtisch, als ihr auffällt, dass sie schon zwei Monate nix mehr gegessen hat. Urplötzlich packt sie ein Heißhunger auf Bratkartoffeln mit Spiegelei. Vielleicht aber auch auf Grüne Soße. Ich kenne sie ja nicht. Jedenfalls dackelt sie rüber zur Frankfurter Küche. Klar, wer da sitzt: der Weidmann mit seinem Puffbruder Dr. K., beide vor einem hessischen Tiramisu auf Apfelweinbasis mit Dessert-Löffel im Anschlag.

Weidmann: „Na, du alte Strandhaubitze, setz dich doch.“

Lagarde: „Scheiße, nicht mein Tag.“

Lagarde setzt sich.

Dr. K.: „Na, Draghi-Briefing überstanden? Schön mitgeschrieben?“

Lagarde: „Mal nicht so zickig, Grinsebacke.“

Weidmann: „Kennst du seine Youtube-Videos?“

Lagarde: „Oh, Putain. Ich wollte nur ein paar Bratkartoffeln.“

Weidmann: „Die Banken werden Ende nächsten Jahres kippen, du dumme Nuss. Ehrlich! Das ist nicht gut.“

Lagarde: „In der Annahme, dass unser Treffen kein Zufall ist, was sollen wir machen, wenn es eh keine Rettung mehr gibt?“

Dr. K.: „Erstmal die Draghi-Zettel wegwerfen.“

Weidmann: „Dann eine Pressekonferenz. Markus schickt dir ein paar Slides, die den drohenden Untergang der Banken illustrieren. Die hältst du dann in der PK in die Luft und sagst: ’nix gegen die Spaghettifresser, aber wir ziehen jetzt mal andere Saiten auf. Es ist systemwichtig, dass die europäischen Banken wieder eine Geschäftsgrundlage bekommen. Per morgen gibt es daher keine Negativzinsen mehr. In sechs Monaten heben wir die Zinsen von 0 auf 0,5 % an. Danach folgen für fünf Jahre weitere Zinssteigerung in Höhe von 0,5 % pro Jahr – jeweils zum 1. Januar eines neuen Jahres. Wir sind zuversichtlich, dass dieser Plan den Banken eine faire Chance bietet, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen und einen größeren Crash zu vermeiden. Die auf fünf Jahre angelegte Rückführung in eine normalisierte Geld- und Zinspolitik bietet dabei sowohl Anlegern als auch Kreditnehmern die notwendige Transparenz und Planbarkeit für ihre weiteren Überlegungen und Aktivitäten. Gleiches gilt für die Länder der EU. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.'“

Lagarde: „Kannst du mir das per Whatsapp schicken?“

Weidmann: „Klar. Und deine Bratkartoffeln gehen auf uns.“

Lagarde: „Na gut.“

Dann kommen die Bratkartoffeln mit Spiegelei und grüner Soße in einem Extra-Schälchen. Und alles wird gut.

ps_
Von wegen, ich weiß: nichts von dem Futter da ist vegan. Aber das regeln wir auch noch.

13 Kommentare zu „Der unvermeidliche Dr. K.“

  1. Hallo, monkeyofaustria.

    In Vorbereitung auf die Krise wollte ich gerade 25.000 Dosen Ravioli bestellen.
    Dosen-Ravioli als Assetklasse werden meiner Meinung nach schwer unterschätzt.
    Man kann sie zum Beispiel Plünderern an den Kopf werfen. Oder zu einem Häusschen
    stapeln und darin wohnen. Oderoderoder. Meint: Wette geht in Ordnung.

    Viele Grüße
    Garnix

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  2. @garnix
    Was wird denn deiner Meinung nach passieren? Vor sich hin wurschteln bis in alle Ewigkeit ohne dass eins der im Video genannten „Schreckensszenarien“ eintritt?

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  3. Hallo, Friedhelm.

    Danke für die Frage. Meine Gedanken springen dazu im Dreieck von

    a. Homms hin und wieder vorgetragener Sklerose-Angst japanischer Güte (ewiglanges Dahinsiechen)
    b. Dr. Kralls Banken- und Zombiekrise samt Katharsis
    c. Durchwurschteln (Methadon bzw. Negativzinsen für alle und alles)

    Konkret zu Dr. Krall: ja, die Banken sind in einer Existenzkrise (siehe Meldungen zu Commerz- und Deutscher Bank). Große Frage, kann man das Ruder noch rumreißen – so a la 40 – 50 % der Filialen schließen? Wenn wir die Abfindungshöhen kurz ausklammern und unterstellen, dass hier radikalst Stellen abgebaut werden und dass die Banken gleichzeitig die Zinsen – unabhängig von der EZB- in Mini-Schritten erhöhen, könnte es gefühlt und haarscharf vielleicht gut gehen.

    Meine Bauchgefühlwahrscheinlichkeiten:

    a. 25 %
    b. 35 %
    c. 40 %

    Viele Grüße
    Garnix

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  4. Interview Juni 2019 Hr. Markus Krall mit Gold.de:


    „Jetzt werden wir mal indiskret: Sind Sie privat in Gold investiert?“

    Antwort Hr. Krall:
    „Mein liquides Vermögen ist noch ziemlich überschaubar (!), nachdem meine Frau und ich vier Kinder großgezogen haben. Es ist mehr Bildungsgold als elementares Gold im Hause Krall vorhanden.“

    https://www.gold.de/artikel/interview-dr-markus-krall/

    Hr. Markus Krall ist 57 Jahre alt und wohnt in Deutschland, dass nach seiner Meinung bald untergeht. Nach eigener Aussage bisher kein nennenswertes allokierbares Vermögen vorhanden. (was sich mit dem Verkauf seines Bauernfänger-Buches nun vielleicht endlich ändert).

    –> Erstes Glaubwürdigkeits-Axiom:
    Vertraue niemandem, der auf dem entsprechenden Gebiet keine Erfolge ausweisen kann.

    Wieso soll jemand betreff Vermögensallokation auf Hr. Krall hören, der selbst trotz knapp 30 Berufsjahren kein allokalierbares Vermögen hat? Als Interviewer wäre ich an dieser Stelle lachend aus dem Studio gelaufen.

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  5. @Maschinist
    Deinem Axiom stimme ich zu.
    Falls Krall jedoch ein Goldverbot befürchtet, wäre es doch unklug, den Goldbesitz heraus zu posaunen, zumal jede andere Antwort eh nicht nachprüfbar wäre.
    Ich verstehe die Kritik auch nicht, weil er von keinem „nennenswerten allokierbarem Vermögen“ spricht, eine Situation, die jeder Anleger mit Immobilienvermögen kennt.
    Viel interessanter sind doch Überlegungen zu seinem im Video beschriebenen Szenario. Das sollte man nicht einfach als Bauernfängerei abtun, weil es viele Experten auch nicht tun, wie man täglich zweimal auf
    https://think-beyondtheobvious.com/
    nachlesen kann.

    Gefällt 1 Person

  6. … ODER… Dr. K. lügt, um ggf. im Fall einer Staatenpleite nicht zwangsenteignet zu werden. Ich meine, sowas soll ja vorkommen…

    Abgesehen davon, finde ich keinen groben Schnitzer in seiner Argumentationskette. Und vermutlich (um nicht zu sagen hoffentlich) liegt genau hier der Fehler: Wir leben in einer hoch komplexen Welt, in der sich Ursache und Wirkung nicht einfach in einer simplen Ablauflogik aufreihen lassen. Und dass er seine Prognose derart exakt datiert, mutet in der Tat nach Bauernfängerei an.

    Ich setze auf Möglichkeit a. und gehe ebenfalls mit einer Linsensuppe (zur Not auch ohne Bockwurst) ins Rennen.

    Gefällt 1 Person

  7. @ArtVandelay

    Warum sich Krall auf einen Termin festlegt, ist mir auch nicht klar. In diesem Video ja sogar auf eine ganze Terminkette: Für Deflation > Inflation > neue Währung. Immer nur Monate dazwischen …

    Wenn es nur nach Deutschland gehen würde, wäre Szenario a) ziemlich sicher, denn die deutsche Bevölkerung ist ähnlich leidensbereit wie die japanische.
    Bei den Südeuropäern liegt das sicher noch einmal ganz anders, siehe Frankreichs gelbe Westen.
    Auch wegen der Schwäche der deutschen Politik ist Kralls Szenario keinswegs unwahrscheinlich, und m.E. auch nachvollziehbar hergeleitet.

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  8. Haha, lustiger Kommentar vom Maschinisten, habe ich wie immer gerne gelesen. „Bildungsgold“ ist ja eine köstliche Ausrede! Schweigen soll ja auch Gold sein… Allerdings würde ich selbsternannten Untergangspropheten wie diesem Herrn Krall auch dann kein Wort glauben, wenn er zum Selfie mit einem Klumpen Gold posieren würde (Kleiner Seitenhieb, sorry ;-)).
    Glaubwürdiger wäre er in meinen Augen, wenn er z.B. den letzten Crash pünktlich vorausgesagt hätte. Habe selbst noch nie etwas von dem Herrn gelesen oder gesehen, daher gerade mal gegoogelt. Immerhin macht er ja scheinbar ganz konkrete Vorhersagen für nächstes Jahr. Dann können wir die Aussagen ja schon bald überprüfen, ihn danach für voll nehmen oder weiter ignorieren.
    @ garnixoderguru:
    Wenn Du einem Untergangsszenario 35% Wahrscheinlichkeit einräumst, bist Du vielleicht falsch investiert?

    Liebe Grüße, die Ente

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  9. Rohstoff-Senf..

    Mut, das ist es was Herr Krall hat, eine seltene Tugend heutzutage und mit Skin-In-Game, meint das auf die Haut setzten seiner Reputation. Eine solche kann v. a. in seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Berater essenziell sein.

    Mut, auch vor allem im Hinblick auf das Nennen eines Zeitraums auf Mitte-Ende 2020, für den Eintritt des „Crashs“. Weiterhin spricht er von einer nicht unerheblichen Wahrscheinlichkeit für den Eintritt des propagierten, aber nicht davon, dass es doch nicht anders kommen kann.

    Der finanzielle Erfolg seiner Bücher dürfte, trotz teils Besteller-Status in absoluten Zahlen „überschaubar“ sein.

    Grüße

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  10. Liebe Ente,

    ganz manchmal wünschte ich, du würdest mehr lesen als komische Axiome.
    Ansonsten: fühle mich relativ wohl mit meinem Investment – danke der Nachfrage. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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