Robert Betz

Eigentlich sollte der Beitrag „Loslassen“ heißen. Allein: ich kann das Wort nicht mehr hören. Ich wollte mit einem Zitat in der Art:

„Wenn Du etwas loslässt, bist Du etwas glücklicher. Wenn Du viel loslässt, bist Du viel glücklicher. Wenn Du ganz loslässt, bist Du frei“ Ajahn Chah

loslegen und dann dazu übergehen, was man alles so loslassen könnte. Bin aber gerade bockig und schlage vorher noch ein paar Haken durchs Unterholz.

Aus mir unerklärlichen Gründen haben so gut wie alle Freundinnen in meinem Leben Robert Betz gelesen, der auch auf mich eine große Wirkung hat: mir dreht sich der Magen um, wenn nur der Name fällt. Für mich der Inbegriff der Nervigkeit, wobei ich ihn tatsächlich nur von 15 Minuten Hörbuch kenne. Hat mir gereicht. Ich gehe so weit zu sagen, dass er noch deutlich nerviger ist als der Großpsychologe Freiheitsmaschine. In meiner fehlbaren Ferndiagnose ist er die denkbar schlechteste Kopie von Byron Katie, mit der ich mich lange beschäftigt habe und die auf der Top3-Liste der Menschen ist, mit der ich eine Runde saufen würde. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, das nachfolgende Video ist ein Kracher…

(Ja, die Untertitel nerven.)

Wenn mir jetzt irgendein Kommentar nahe legt, es mal mit Rosenberg und seiner gewaltfreien Kommunikation zu versuchen: habe ich zweimal gelesen. Ich fürchte, ich war mit zu vielen Diplom Sozialarbeiterinnen, Psychodramaleiterinnen, Psychologinnnen und Berlinerinnen zusammen und habe jeden Scheiß gelesen, der da so in den Wohnungen rumlag.

In Wahrheit: Byron Katie und Rosenberg sind schon ganz gut.

Es folgt ein Extra-Schwenk.

Der Hund, der mich durch meine Adoleszenz begleitet hat, hieß Nico. Ein mittelgroßer getigerter Deutsch-Kurzhaar mit größtmöglicher Jagdpassion und superhundartigen Kräften. Wildschweine waren seine erklärten Todfeinde. Insbesondere nachdem ihm eine Rotte Wildschweine in dunkler Nacht den Bauch aufgeschlitzt hatte. Sobald irgendwo ein Wildschwein in der Nähe war, wurde er zum Hunde-Hulk.
Ansonsten: der freundlichste Hund auf der Welt. Naja. Bis auf die Sache mit den Pudeln. Pudel fand er auch nicht gut. Oder aber: er hatte quasi tierischen Spaß, so einen Pudel zu beuteln. Vielleicht weil die Pudellocken dann so schön hin und her wedelten? Ich habe ihn sogar mal gefragt, was er gegen Pudel hat. Mehr als einen verständnislosen leicht angewiderten Blick, bekam ich nicht aus ihm raus: wie kann man Pudel nicht scheiße finden?

Nur gut dass ich damals noch nicht The Work kannte, eine Methode jeden Kack zu überwinden.

Garnix: „Ist es wahr, dass Wildschweine und Pudel scheiße sind?“

Nico: „Das ist nicht dein Ernst. Die Frage ist ja schon scheiße.“

Garnix: „Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass es wahr ist, dass Wildschweine und Pudel scheiße sind?“

Nico: „Ich kann dir mit absoluter Sicherheit in den Arsch beißen, wenn du nicht aufhörst mit dem Drecksgelaber.“

Garnix: „Wie reagierst du und was passiert, wenn du den Gedanken hast, dass Wildschweine und Pudel scheiße sind?“

Nico: „Geht mir sehr gut damit. Fühlt sich richtig an.“

Garnix: „Was wärst du ohne den Gedanken, dass Wildschweine und Pudel scheiße sind?“

An der Stelle spätestens hätte er mich in den Arsch gebissen. Bin auch relativ skeptisch, ob ich ihn zum Veganer hätte machen können.

Also gut, reicht. Zurück zum Thema: Loslassen. Loslassen ist gut. Der Zitate-Typ hat recht.

Beispiele.

  1. Mit einer 14jährigen Tochter hat man exakt noch zwei Aufträge: nachts, wenn die letzte U-Bahn fährt, unaufällig und U-Bahn-nah parken und: schön loslassen. Whatever will be will be.
  2. Zwei Wochen vor dem 47. Geburtstag: den Gedanken, dass man, warum auch immer, ausgebootet wurde, seine Schmalspur-Karriere gegen die Wand gefahren hat und ab sofort als Angestellter jedes Jahr weniger verdienen wird, zu- und danach gleich wieder loslassen.
  3. Den Gedanken, dass JEDER Mensch, der mit einem Mindestmaß an Mitgefühl und 15 Minuten Zeit gesegnet ist, um sich einschlägige Quellen im Internet anzuschauen, unmöglich weiter Fleisch essen kann: loslassen.
  4. Jede Form der Melodramatik: loslassen

Nur ganz kurz noch – von wegen Melodramatik: falls Jörn Leogrande hier irgendwann vorbeischaut, bitte melden. Alter Zeiten eingedenk und so. Für die, die nicht Jörn Leogrande heißen, nachfolgend ist sein Buch verlinkt:

Jenseits der Feinde, nahe dem Meer

https://books.google.de/books?id=xgsNyFgpaiIC&pg=PP1&lpg=PP1&dq=jenseits+der+feinde+nahe+dem+meer&source=bl&ots=Efsd0FOqh0&sig=ACfU3U2hmPsfSbqFMMylp3SvQtNgdkzHTA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjF0Ojm1fvjAhULxYUKHUsoBTAQ6AEwAXoECAkQAQ#v=onepage&q=jenseits%20der%20feinde%20nahe%20dem%20meer&f=false

18 Kommentare zu „Robert Betz“

  1. Wow. Byron link. Anstrengend aber aus gegebenem Anlass im Moment sehr hilfreich.

    Ansonsten: loslassen? Nein, neu justieren. Ohne jetzt zynisch klingen zu wollen. Fünf Jahresprognose: früher oder später gesundheitliche Probleme (die hoffentlich nicht allzu sehr ins Auge gehen, bist ja ein Schlauer, der den Schuss hören sollte), anschließend Umorientierung, Neudefinition von finanzieller Unabhängigkeit, mittelmäßig arbeitsintensive selbstständige Beratertätigkeit, nebenbei erstes Buch, Hass auf alle künftigen Schwiegersöhne in spe (der dann auch wiederum äußerst unterhaltsam im zweiten Buch verarbeitet wird, die Enkel reißens raus, irgendwann entschlummerst du sanft und glücklich zahnlos lächelnd Hand in Hand mit Tina im Lafuma Liegestuhl, Laptop auf den Knien).
    Kannst du hier im Blog nicht mal eine Wettfunktion einrichten;)?

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  2. Persönliche Erfahrung hat meine Sicht auf berufliche Niederlagen vollkommen geändert. Mit 28, als Mitgründer eines kleinen, aber erstaunlich erfolg- und ertragreichen Unternehmens, hat mich bequemes Aas der Flow gepackt. Entgegen jeder Gewohnheit habe ich mich mit Arbeit und Erfolg identifiziert, und mein Leben voll in den Dienst dieser Sache gestellt. Finanziell erfolgreich, mental komplett überfordert, Streit über Ausrichtung und Wachstum, gesundheitlich abschüssig.

    Eines morgens aufgewacht, gemerkt, so kann ich nicht weiter. Losgelassen, meinen Anteil verkauft. Vom Geld erste Eigentumswohnung gekauft und renoviert. An die eigene Decke geguckt. Als das Geld aufgebraucht war, mit 38 Job als Angestellter auf unterster Stufe der Hühnerleiter im unbeliebten Größtunternehmen angetreten.
    Und?
    Gemerkt, das war die beste Entscheidung meines Lebens:
    Keinerlei Überforderung. Jedes Ergebnis löst freudige Überraschung aus. Vor allem Prozesse, aber auch Einstellung der Kollegen bremsen jeden Enthusiasmus – Heldentum ist nicht erwünscht. Arbeitsteilung, sich sagen hören: „Dafür bin ich nicht zuständig“. Innere Kündigung als professionelle Trennung von Arbeit und Leben.
    Ergebnis?
    Die einzige Herausforderung im Großunternehmen war die Vermeidung jeden Aufstiegs. Kein Elend hat mich berührt, „ohne jede Aussicht auf Erfolg, zu versuchen, die Welt [dort] zu verändern“. Standbein. Keine Depressionen. Vollste Konzentration auf privates Glück, Entspannung und Gesundheit. Entspanntes Leben führt zu entspanntem Investieren. Kaum Excel. Tanzbein.
    Fazit?
    Persönliche Grenzen vor dem Untergang eingestanden. Ein Leben gefunden, dass ich gerne und locker bis zum Ende meiner Tage geführt hätte. Zum Glück gibt es in Großunternehmen viele Controller, die überflüssiges Personal zielsicher orten und mit Handschlag entfernen. Danke.
    Endgültig frei. Erst mit 59, weil nicht geplant. Noch’n bisschen Zeit für Quatsch. Freunde gehen, Kind bleibt (Aufgabe), Wohneigentum gibt Halt.

    Beste Grüße vom Silberrücken
    FFriend

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  3. Hallo, Effer.

    @Bruno: Bruno übt sich als Jagdhund, zwickt ALLE in die Waden und treibt sie vor sich her. Die Einschätzung des Züchters, dass er gemütlich und ruhig ist, sorgt inzwischen für größte Heiterkeit. Eltern wirken überfordert.

    @Prognose: klingt ganz nett. So in etwa stelle ich mir das auch vor. Mit insgesamt fünf Kindern ist für Unterhaltung gesorgt. Alternativ: als Sugardaddy mit 15 Mio Networth (CTSO = 300 USD), Drogenproblemen und einem Weltreisemobil um die Welt – immer mit so ein, zwei Russinen an Bord. Habe in diese Richtung auch schon mal mit Tina verhandelt, wäre ja auch ganz gut fürs Blog. Sie findet es aber doof.

    @Wettfunktion: sind alles seriöse Aktienanleger hier. Da ist das nicht so gut.

    Viele Grüße
    Garnix

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  4. Hallo, FFriend.

    Danke für deine Schilderung. Freut mich für dich, dass du die für dich richtigen Schlüsse gezogen hast.
    Die „Dynamik“ in Großunternehmen kann ich so unterschreiben. Üblicherweise noch begleitet von diversen
    Outsourcing-Maßnahmen. Wenn du dann nicht im Headquarter sitzt und die Strategie selbst vorgibst,
    läuft die Uhr. Meine und die meiner Kollegen läuft jedenfalls. Wir haben Wetten laufen, wann welcher
    Bums zugemacht wird. Und unsere Trefferquoten werden jedes Jahr besser.

    Zu mir persönlich: selbst wenn die mir den den Bonus zusammenstreichen, bleibt ein sehr stattlicher
    Stundenlohn für den ungefähr eine ganze Fußballmannschaft im Burgerking zum Burgermachen antreten müsste.

    Was aber doch zwickt: der Blick zurück auf so viel Geschachere, Leerlauf, Irrwege und die eigene Käuflich- und
    Bequemlichkeit.

    Viele Grüße
    Garnix

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  5. Sind da schon wieder die shorties am Gange?
    5,37 Dollar das Stück…
    Da kommt man schon in Versuchung.
    Also unter 5 kann ich einfach nicht anders.

    Gute Nacht
    Windsurfer

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  6. @Daniel:
    Die beiden haben fechten einen Krieg um Magerquark vom Discounter aus. Außerdem findet der Maschinist es nicht so toll das Leute mit CTSO ihre Altersvorsorge aufs Spiel setzen. Verstehe ich gar nicht, wo das doch ne sichere Dache ist, dass der Kurs bald bei 300 ist. 😉
    Grüße
    Windsurfer

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  7. Wir machen das nur wegen der Klickzahlen. Hintenrum wird gekuschelt, und wir fahren zusammen Mofa und grillen Schweinenackensteaks.

    Gefällt 1 Person

  8. Ich meinte natürlich: rühren zusammen einen leckeren Speiseerdbeerquark. Hatte mich vertippt. Sorry.

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  9. @Maschinist / garnix

    Ihr habt das Potenzial Euch in die Reihe großer Männerpaare einzureihen. Ernie und Bernd, Dick und Doof, Bud Spencer und Terence Hill, Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge usw.

    Geteiltes Leid ist halbes Leid. Selbst bei CTSO < 5 USD.

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  10. Hallo, Windsurfer.

    Letzte Verschwörungstheorien lauten: Vorstand deckt sich mit Optionen und Gratisaktien ein, irgendwelche dunklen aber beauftragten Gestalten drücken den Kurs, um das bald anstehende Übernahmeangebot mit 30+ USD etwas üppiger aussehen zu lassen.
    Keine Ahnung, ob das Wunschdenken oder ein Schreckensszenario ist. Aber so ein bisschen Psychofolter ist der Kursverlauf seit rund einem Jahr schon.

    Viele Grüße
    Garnix

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  11. Hi, Tom.

    Ernie und BERND finde ich besser. Zumal ich auch schon wüsste, wer wer wäre.

    Viele Grüße
    Ernie

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