Die Oxford Studie

Eins vorweg: die Autoren der nachfolgend zitierten Studie haben keine Selfies von sich im Fitness-Studio gemacht – jedenfalls sind keine der Studie beigefügt. Und fast schlimmer: es wird auch noch übers Klima gesprochen.

Skepsis ist also wie immer angezeigt.

https://www.pnas.org/content/early/2016/03/16/1523119113

Weil ich gerade faul bin, anbei die Zusammenfassung der Studie auf Deutsch durch die Albert Schweitzer Stiftung:

„Eine […] Studie der Universität Oxford kommt zu dem Schluss: Würde sich die Weltbevölkerung pflanzlich(er) ernähren, könnte das Millionen von Menschenleben retten und die Emissionen von Treibhausgasen drastisch reduzieren. Auch die wirtschaftlichen Gründe für eine Ernährungsumstellung werden in der Untersuchung untermauert.

Die Forscher beleuchteten in ihrer Studie drei verschiedene Ernährungsweisen und untersuchten, wie sich diese bis zum Jahr 2050 auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt und die Wirtschaft auswirken würden – immer verglichen mit einem Referenzszenario, das auf einer Prognose der Vereinten Nationen zur Entwicklung unserer Konsumgewohnheiten basiert, die insbesondere von einem steigenden Konsum von Tierprodukten in den Entwicklungsländern ausgeht.

Untersucht wurden die Auswirkungen von folgenden Ernährungsumstellungen:

  • Umsetzung von Empfehlungen wie denen der Weltgesundheitsorganisation (gewisse Mengen an Obst und Gemüse, weniger rotes Fleisch),
  • vegetarische Ernährung,
  • vegane Ernährung.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch sowie ein geringer Verzehr von Obst und Gemüse sind laut der Untersuchung wichtige Faktoren, die zu einem früheren Tod, Übergewicht und der Entstehung von chronischen, nicht ansteckenden Krankheiten wie z. B. Diabetes führen können.

Die Ergebnisse der Studie zeigen den enormen Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit. Demnach würde eine Ernährung, die den weltweiten Empfehlungen folgt, bis 2050 den Tod von 5,1 Millionen Menschen pro Jahr verhindern. Bei einer vegetarischen Ernährung wären es 7,3 Millionen Menschen, und würden sich alle Menschen vegan ernähren, dann würden sogar jährlich 8,1 Millionen weniger Menschen sterben.

Auswirkungen auf die Umwelt

Eine vegane Ernährungsweise hat außerdem die positivsten Auswirkungen auf den Klimawandel. Die heutige Ernährung ist laut der Studie für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich; bis zu 80 % davon werden mit der Tierhaltung in Verbindung gebracht. Ernährten sich die Menschen rein pflanzlich, würde dies die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 70 % reduzieren. Eine den globalen Empfehlungen folgende Ernährung würde lediglich zu einer Reduzierung um 29 % führen und eine vegetarische Ernährung immerhin zu einer Reduzierung um 63 %.

Finanzielle Auswirkungen

Die Studie beleuchtet auch, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die verschiedenen Ernährungsweisen haben könnten. Demnach würden durch eine Änderung der Ernährungsweise im Hinblick auf Gesundheits- und Betreuungskosten sowie Kosten, die auf den Verlust von Arbeitskraft zurückgehen, 700 Milliarden bis 1 Billion US-Dollar pro Jahr eingespart werden. Auch die durch die veränderte Ernährung reduzierten Treibhausgasemissionen hätten einen enormen Effekt auf die Wirtschaft: Die Einsparung kann hier laut der Untersuchung bis zu 570 Milliarden Dollar betragen.

Fazit

Marco Springmann von der Universität Oxford betont, dass die dargestellten Vorteile ein starkes Argument dafür seien, mehr Programme zu finanzieren, die eine gesündere und umweltfreundlichere Ernährungsweise fördern: »Um den Auswirkungen des Ernährungssystems auf den Klimawandel zu begegnen, braucht es mehr als nur technologische Veränderungen. Eine gesündere und umweltbewusstere Ernährungsweise kann ein großer Schritt in die richtige Richtung sein.«

Zu ergänzen wäre noch, dass großflächig umgesetzte Ernährungsumstellungen nicht nur Menschenleben retten können, sondern auch das Potenzial haben, viele Milliarden Tiere zu verschonen.“ (https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/oxford-studie-vegane-ernaehrung-rettet-leben)

Garnix-Senf: Das Delta von verhinderten ernährungsbedingten Todesfällen zwischen einer „Umsetzung von Empfehlungen wie denen der Weltgesundheitsorganisation (gewisse Mengen an Obst und Gemüse, weniger rotes Fleisch)“ und einer „vegane[n] Ernährung“ liegt laut der Oxford-Studie bei 3 Millionen Menschen pro Jahr. Die Studie ist aus dem Jahr 2016 und macht Hochrechnungen bis ins Jahr 2050 – sagen wir also für einen Zeitraum von 34 Jahren. Macht dann mal eben einen Unterschied von 102 Mio ernährungsbedingten Todesfällen zwischen der vermeintlich optimalen Ernährung laut WHO und einer veganen Ernährungsweise.

Muss man das glauben?
Oxford hört sich komisch an. Irgendwie. Nee.

Wenn man das liest, könnte man annehmen, dass einen eine vegane Ernährung nicht unmittelbar dahinsiechen und sterben lässt?
Joa. Vielleicht.

Sollten ALLE Menschen idealerweise wissen, wie es um ihre Ernährung bestellt ist und hin und wieder mal ein Blutbild machen und komische Sachen wie Fettsäurestatus, Homocystein, Vitamin B12 und D, Zink, Selen und Ferritin (Eisenspeicher) im Blick haben und überprüfen lassen und ggf. einen Mangel mit entsprechenden Nahrungsergänzungen substituieren – unter anderem, weil jeder Jeck irgendwie auch anders ist?
Wäre cool!

Könnte dann eine vegane Ernährung tatsächlich die gesündeste der Welt sein?
Hmm.

Und wenn man noch ein Selfie draufpacken würde?
Tja. Dann…

Und wenn dem so ist, wie moralisch ist es dann, jede Stunde rund 6,9 Mio Tiere abzuschlachten?
Nicht schon wieder! Und bloß keine Fotos und Videos mehr! Jeder kann machen, was er will. Und irgendwelchen Trends hinterherlaufen geht schon mal gar nicht.

Auge

 

 

14 Kommentare zu „Die Oxford Studie“

  1. Sorry, ohne Selfie glaube ich Dir kein Wort. 😦
    Oder ist das mit dem Auge eins?

    Tierische Grüße von der Ente

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  2. Es gibt einen recht bekannten Angler, der nutzt seinen Youtube-/Facebookkanal jeden Sonntag für eine Missionarspredigt. Megaätzend – noch schlimmer als du, und da kann man sich was drauf einbilden 🙂

    Aber jeder soll sein Steckenpferd haben – egal obs der predigende Pfarrer oder der predigende Garnix ist, zumindest stehen deine Auslassungen nicht diametral gegen die Wissenschaft wie die vom angelnden Laienprediger…

    Wie gehts dem Auge?

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  3. Moin Garnix,
    Im letzten Absatz hast du vergessen zu schreiben: „Mimimi, die pösen Veganer, die wollen mir alle meine Steaks verbieten, mimimi!“
    Grüße vom Känguru

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  4. Hallo, Slowroller.

    Auge ist viel besser aber noch nicht wieder richtig gut. Danke der Nachfrage!

    Petri Heil,
    Garnix

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  5. Moin, Känguru.

    Und: „Eh alles Heuchler, die Veganer. Wenn die so richtige Veganer wären, würde die ja auch keine falschen Burger essen.“

    🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  6. Jetzt bin ich total verwirrt! Erst kürzlich gegenteiliges an anderer Stelle gesehen, das ganze sogar untermauert mit Selfie. Hier nun Oxford. Wem soll ich glauben?

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  7. Hallo, Rüdiger.

    Ich schlage folgendes Vorgehen vor:

    1. An anderer Stelle 90 Sekunden lang das Speisequark-Magerstufen-Bild mit Bildunterschrift „Lebensmittelparadies“ auf der Netzhaut wirken lassen
    2. Kurze Pause
    3. Dann hier mal fünf Minuten von Video zu Video hüpfen: https://www.kinderworld.org/videos/dairy-industry/
    4. Eine Nacht drüber schlafen
    5. Kurz mal „im Herzen googeln“
    6. Rausfinden, ob und wofür du dich interessierst – also so im Kontext: Ethik, Gesundheit, Umwelt
    7. Falls dich eins der Themen interessiert: noch mal melden, dann gibt es mehr Infos

    Viele Grüße
    Garnix (der nachwievor nicht in den Himmel kommt, weil er früher viele Tiere im väterlichen Wald liquidiert hat)

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  8. Hey Garnix,

    danke für den Link, ich hab mir mal ein paar Videos dort angesehen und finde die Bilder ziemlich schockierend. Sowas will man natürlich nicht unterstützen. Die Frage die ich mir stelle ist, ob man dazu unbedingt vegan sein muss? Reicht es nicht aus auf Bio Produkte umzusteigen?

    Unabhängig davon sollte man auch nicht pauschalisieren, nicht jeder Milchbauer geht so vor. Zufälligerweise hatte ich mal eine Freundin deren Vater Milchbauer war, ein herzensguter Mensch. Der Hof war 1a in Ordnung, keine der in den Videos dargestellten Praktiken wurde auch nur ansatzweise betrieben, und es handelte sich nicht um einen Bio Betrieb.

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  9. Hallo, Rüdiger.

    Pauschalisieren ist, glaube ich, okay, wenn man damit locker mehr als 90 % der Realität abdeckt.

    @Milch: bitte mal nachschauen, warum, wann und wie eine Kuh Milch gibt (zum Beispiel hier: https://www.tagesspiegel.de/wissen/aha-warum-gibt-die-kuh-staendig-milch/1212464.html). Damit du deinen Speisequark essen kannst, müsser ganz üblicherweise die Kälber von ihren Müttern getrennt werden. Sonst saufen sie dir nämlich die Milch weg.
    Falls du Kinder hast, die von deiner Frau gestillt wurden, bitte mal nachfragen, wie deine Frau die Idee fände, von der Geschlechtsreife bis in den Tod zu jeder Zeit künstlich befruchtet zu sein, jeden Tag Milch zu geben, die Babies innerhalb von 72 Stunden weggenommen zu bekommen und nach rund fünf Kuhjahren ausgmergelt in den nächsten Schlachthof zu kommen.
    Gerne auch den Herzensguten mal fragen, was so mit den Kälbern passiert (hier ein Beispiel aus der Schweiz: https://www.kinderworld.org/videos/dairy-industry/baby-cows-slaughter-dairy-industry/).
    Auch schön – eine zertifizierte Bio-Schlachterei in Oldenburg: https://www.kinderworld.org/videos/meat-industry/organic-meat-germany/

    Meine Meinung: es war, ist und bleibt unmoralisch, derartiges Leid zu verursachen, wenn es so leicht es, das alles sein zu lassen.

    Viele Grüße
    Garnix

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  10. Alternative zu Kinderworld.org kann man sich auch „echte“ kritische Lektüre anschauen, kritische Berichte schauen, die statt nur nach rechts auch mal nach links schauen oder schlicht mal die Höfe in der Umgebung besuchen. (da kommt die Milch für den Quark nämlich großteils her)
    Minitiös gesammelte Schock-Videos kann ich in jedem Kontext liefern, nur wäre dann der Aufschrei groß. Wenn man sich den Schwachsinn anschaut, den Herr Yourofsky in seiner „viralen“ Rede von sich lässt, ist das eben nur billigste Polemik.

    Sorry, aber mirzuliebe (das isn Argument, oder? 😉 ): Gibts nicht andere Quellen, die von der Sinnhaftigkeit einer zumindest fleisch- und milchreduzierten Ernährnung zu überzeugen wissen? Diese tut es kaum.

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  11. Hi, Slowroller.

    Also: es gibt in dem Kontext tierproduktfreies Leben drei Diskussionsfelder. Für die Narzissten ist es die Gesundheit bzw. die Ernährung, für die Moralisten die Ethik und für die Ökomäuse die Umwelt. In der Annahme, dass Ethik jetzt nicht ganz oben auf deiner Agenda steht und du an einen humanen Bio-Tod glaubst: der bequeme Einstieg in das Gesundheit/Ernährungsthema ist „What the Health“ und in das Umweltthema „Cowspiracy“. Beides Filme, die man irgendwo kostenlos im Netz finden sollte.

    Um das noch mal deutlich zu machen, ich komme aus der Moralisten- und Ethik-Ecke. Bin gleichzeitig aber angenehm überrascht, wie viele nicht ethischen Probleme eine tierproduktfreie Welt in Rekordzeit lösen könnte.

    Viele Grüße
    Garnix

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  12. Ich hab mir gerade den Graslutscher Artikel durchgelesen. Ein Punkt war, dass oft die Alternative nicht bedacht wird (der Beyond Burger schädigt die Umwelt, der echte Burger tut dies aber noch mehr, weshalb der Beyond Burger umwelttechnisch relativ besser ist).

    Jedes Lebewesen wird irgendwann sterben. Welcher Tod ist jetzt der bessere? Kurzer Elektroschlag oder vom Wolf grausam gerissen werden oder tagelanges krankheitsbedingtes Dahinsiechen?

    So gesehen kommen die Kühe / Ziegen in den Schlacht-Videos relativ gut weg.

    Und jetzt bitte Shitstorm 🙂

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  13. Moin Garnix!
    Deine drei Punkte sind keine: Ich kann nämlich problemlos mit tierischen Produkten gesund leben und ohne ungesund. Ich kann auch mit tierischen Produkten ethisch korrekt (was ist das eigentlich?) leben – und als Veganer nicht. Ich kann mit tierischen Produkten einen deutlich besseren ökologischen Fußabdruck haben als so mancher Veganer mit seinem Superfood aus Übersee.

    Natürlich muss man alle von dir genannten Punkte bedenken und ins Auge fassen. Die vorgezogene Erkenntnis bzw. das was uns Kinderworld oder die beiden von dir genannten Propagandafilme (der Ausdruck ist nichtmal böse gemeint – aber beide überspitzen um einem Zweck zu dienen) uns sagen wollen, ist schlicht extrem einseitig. Mit einem solch extremen Polarisieren bezweckt man nämlich am Ende genau das Gegenteil.

    Der beste – und meiner Meinung nach einzig erfolgversprechende – Weg ist es, sowohl als Gesetzgeber aber auch als Verbraucher Maß zu halten und sich selbst Regeln und Technologien geben, die dieses ermöglichen. Es wäre so dermaßen einfach OHNE sinnlose Dinge wie hohe Mehrwertsteuern auf Fleisch, die Auswirkungen auf Tierwohl, Umwelt und Körper zu verbessern, indem man einfach die Regelungen als allgemeingültig erklärt, die viele Menschen wohl befürworten würde OHNE gänzlich auf Fleisch verzichten zu müssen. Wenn jegliches Fleisch nach Neuland-Kriterien (www.neuland-fleisch.de) produziert werden würde, dann wären wir schon ein riesiges Stück weiter. Durch solche Gesetze/Regelungen würde auch der Preis steigen müssen was sich dann wiederum positiv auf den Konsum auswirkt. Und ja: Ich kann mit derart unethischer „ich-muss-das-Vieh-ja-trotzdem-töten“ Argumentation nicht allen (Totschlag-)Kriterien (witziger Wortwitz, zufällig) entsprechen, damit muss man dann aber umkönnen.

    Schönen Feierabend in die Runde 🙂

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