Garnix, der Ex-Liebeskasper

Auf besonderen Wunsch heute leichte und seichte Kost.

Wer meinen Sex-Ratgeber Teil 1 und 2 gelesen hat, würde annehmen, dass das ganz gut läuft mit der horizontalen Liebe. (Siehe https://garnixoderguru.com/2017/06/03/sex/ und https://garnixoderguru.com/2017/07/03/sex-ii/)

Und, ja, läuft. Danke. Eines meiner wenig bekannten Lebensziele: ich wollte, dass mir eine Frau einen Porsche schenkt – rein wegen meiner sexuellen Leistung. Auch um das schlechte Porsche-Image aufzupolieren, weil man Porsche-Fahrern ja komische Sachen nachsagt. Naja, und ich mag Powerslides.

Da ich jetzt schlecht über Tina schreiben kann – hauptsächlich weil sie gegen meinen ausdrücklichen Wunsch, wie ich fürchte, hier heimlich mitliest (hat neulich „PömmPömmPömm“ gerufen) und weil das ja auch noch ein laufendes Verfahren ist, schreibe ich eben von ihrer Vorgängerin – und das selbstverständlich nur aus Leumundsgründen und um ein bisschen Farbe im Hintergrund zu verteilen.

Nennen wir sie K. Passt gut, weil sie Filmschaffende ist und an Kinofilmen arbeitet. Attraktive Frau aus Berlin, gut in Schuss, nicht lebensunerfahren, hatte sogar mal was mit einem Schwarzen, zwei Jahre jünger als ich.

Jetzt muss man wissen, dass ich grundsätzlich nur antrete, um alle vorherigen Erfahrungen auszuradieren, neue Räume zu öffnen, Begriffe gänzlich neu zu definieren und neue Maßstäbe zu setzen. Schwierig, sowas alles zu schreiben, wenn man so bescheiden und zurückhaltend ist wie ich. Zwinkersmiley. Aber hilft ja nix, wenn man aufgefordert wurde, mal einen Schwank aus dem Schrank zu holen. Immerhin handele ich oft in edler Absicht, wie wir gleich noch erleben…

K. war in Frankfurt, vermeintlich um ihre jurastudierende Nichte zu besuchen. Tinder-Match am Donnerstag. Date zwei Tage später im Seven Swans (heute, soweit ich weiß, das einzige vegane Sterne-Restaurant weit und breit).

K. riecht und sieht gut aus. Während uns Kimberley Unser, die vom Gault-Millau irgendwann zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt wurde und mit der ich an anderer Stelle höchstpersönlich mal bis zwei Uhr nachts zusammen gekocht habe (naja, ich habe damals einen Hirschrücken zerhackt, ist aber verjährt), was leckeres zusammenbruzzelt, erzählt mir K., dass ihr Ex, ein großer Manager und Ultratriathlet, just an unserem Date-Samstag die Nachfolgerin geheiratet hat.

Scheiß lange Schachtelsätze. Noch mal kurz in Bullet-Points:

  • K. ist optisch und olfaktorisch gut in Schuss
  • Wir sind im Restaurant
  • K.s Ex hat an diesem Tag ihre Nachfolgerin geheiratet

Garnix: „Verstehe. Und die gemeinsame Tochter ist bei ihm und feiert mit?“

K.: „Ja.“

Garnix: „Und er hat dich für die Neue verlassen?“

K.: „Ja.“

Garnix: „Und sie ist knapp 20 Jahre jünger als du?“

K.: „Ja.“

Garnix: „Dann rufen wir jetzt mal den Garsong und spülen das Sodbrennen mit Champagner weg. Ich habe nämlich gute Nachrichten für dich.“

K: „Klingt gut. Was genau sind das denn für Nachrichten?“

Garnix: „Ist ein bisschen angeberisch, wenn ich das jetzt schon so in den Raum stelle. Aber in etwa zwölf Stunden musst du zentrale Begriffe in deinem Leben ganz neu besetzen und definieren.“

K.: „Achja? Welche denn so?“

Garnix: „Intensität, Orgasmus, Sex. Sowas.“

K.: „Oh mein Gott. Hast du dir mal zugehört? Ist das dein Ernst, was du da so loslässt?“

Garnix: „Ist in Wahrheit noch viel schlimmer. Fünf Euro, dass du auch ein minibisschen ohnmächtig wirst.“

K.: „Kann es sein, dass du der größte Schwätzer aller Zeiten bist?“

Garnix: „Das oder ein Wahlverwandter von Rocco Siffredi. Aber einer an den guten Tagen. Sehen wir dann noch. Erstmal ein Schlückchen Champagner auf den Schreck.“

K.: „Und ich dachte, die Perversen sind alle in Berlin. Ich glaube, ich will nach Hause.“

Garnix: „Vergessen, dass dein Ex heute geheiratet hat?“

K.: „Scheiße, stimmt.“

Nach einem leckeren Essen ging’s in die Rote Bar, die so auf Berlin und die 1920er Jahre macht. Man muss klingeln. Alles sehr konspirativ..

K.: „Wenn Deutschland ein Organismus bzw. ein Mensch wäre: ich glaube, Berlin wäre der Bauch, Frankfurt der Kopf.“

Garnix: „Und was ist mit Darmstadt und vor allem mit Pforzheim?“

K.: „Du bist doof.“

Garnix: „Wenn du sagen willst, dass Frankfurter schlauer sind als Berliner: auf jeden Fall. Gab sogar mal eine Studie dazu, dass die absolut klügsten Köpfe – also so formal IQ-mäßig – leider nicht in der Medizin oder Politik sondern im Finanzwesen landen. Also New York und so. Und Frankfurt auch ein bisschen. Geht leider immer nur ums Geld. Aber nicht heute Nacht. Höchstens um fünf Euro.“

Blende. Soll doch die Fanatasie sich die Details ausmalen. Nur so viel: Begriffe mussten neu definiert werden und irgendjemand meinte, ohnmächtig geworden zu sein. Und noch jemand hat fünf Euro gewonnen aber nie bekommen.

Was will der Künster – mit Verweis auf den Titel – sagen? Jetzt dreht sich nämlich das Blatt noch!

Bis einschließlich zum Ende meiner Ehe 2008 und damit bis ins hohe Alter von 36 oder 37 war ich vorwiegend ein unerträglicher Liebeskasper. Größte Teile meines damaligen Lebens habe ich damit zugebracht, irgendwelche Frauen anzuschmachten, sie zu idealisieren und ihnen hunderte Jahre lang den Hof zu machen und, wenn es dann aus Versehen mal geklappt hat, sie buchstäblich auf Händen zu tragen. Ganz schlimm und widernatürlich. Für alle Beteiligten. Und Begriffe neu definieren musste da auch keiner.

Alles vermutlich zurückzuführen auf Fehlinterpretationen meinerseits von Themen wie Gleichberechtigung, Augenhöhe und Dominanz. Traurigerweise dachten und denken alle meine engen männlichen Freunde heute noch so: gute Jungs, die spätestens in ihren 20er Jahren falsch abgebogen sind – gegen ihre Natur.

Und jetzt nicht falsch verstehen oder besser: ein dreifaches Hoch auf erfolgreiche, selbstständige, kluge, selbstbestimmte, starke Frauen, von denen es gottseidank genug gibt. Aber kein Mensch will idealisiert oder angeschmachtet werden. Zumindest nicht länger als drei Minuten. Sonst schlafen einem nur die Füße ein. Und noch ganz andere Sachen leider auch.

Der große Philosoph und Denker, Til Schweiger, wurde, als er noch wesentlich jünger war, mal zum Thema „Liebeskummer“ interviewt.

TS: „Habe ich nie verstanden, werde ich nie verstehen. Wenn mich jemand doof findet, habe ich doch keinen Bock den gottweißwie vom Gegenteil zu überzeugen. Und wenn mich jemand nicht will, ist das halt so. Man will ja auch niemanden am Baum festbinden oder so.“

War jetzt frei zitiert und meint: Liebeskummer ist die größte Zeitverschwendung überhaupt. Irgendjemandem ernsthaft nachzustellen, der erstmal nix von einem will oder vergeben ist, ist bescheuert bis geisteskrank. Braucht man nicht; wer das hier liest und gerade unglücklich verliebt ist: sofort aufhören. Kostet wertvolle Zeit und macht nullkommanull Sinn.

Goethe und Werther hin oder her –  und ich habe lange drüber nachgedacht – der Punkt geht an Til Schweiger.

Übrigens: ich war mit K. zwei Jahre zusammen. Und, ja, auch für den Fall unserer Trennung: sie hat versprochen, mir einen Porsche zu schenken. Wegen herausragenden und begriffsverändernden sexuellen Leistungen. Jetzt muss nur noch ihr nächster Film ein größerer kommerzieller Erfolg werden. Kann mir auch vorstellen, dass Tina die Versicherung übernimmt.

5 Kommentare zu „Garnix, der Ex-Liebeskasper“

  1. Tina weiß vom Blog und Du hast den ausdrücklichen Wunsch, dass Sie es nicht liest?? Entweder ist sie sehr vielbeschäftigt oder der Sex muss wirklich gut sein. Ansonsten denke ich, es ist mit gemeinsamen (gerne auch schmutzigen) Hobbys wie mit der Verdauung, je weniger Kopf man sich drum macht, desto besser.
    Themawechsel. Du bist vor size Zero Tinchen schon in vegane Restaurants gegangen? Kommentar musst Du natürlich nicht freigeben aber /das/ würde ich weglassen. Ansonsten Sex sells! Danke für den Schwank aus Deinem Leben.

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  2. Hallo, Käptn Blaubart,

    Mein direktes Umfeld weiß, dass ich ein bisschen schreibe, dass das autobiographisch ist und dass ich das gerne für mich behalten möchte. Die Öffentlichkeit im Blog ist dabei was anderes: ich kenne hier niemanden persönlich – von daher passt das für mich und bietet mir eine ganze gute Spielwiese. Tina beispielsweise hat mir versprochen, das zu respektieren und hat gleichzeitig eine Erklärung dafür, dass ich mich hier und da zurückziehe und wie wild lostippe. Sie glaubt, es tut mir gut.

    Seven Swans war damals noch nicht vegan (ist sechs Jahre her). Warum sollte ich das weglassen?

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Ja, sorry, hatte nur fälschlicherweise kurz geglaubt, dass die Chronologie nicht hinhaut. Ist aber ohnehin zu korinthenkackerig, da ich die Schreibe einfach gerne lese und CTSO tut es ja ohnehin keinen Abbruch:))

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  4. Hi, Paul.

    Gaaanz ruhig mit die Pferde. Erstmal den Liebeskasper verdauen. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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