Nota bene

18 Tage meines verpfuschten und verhuschten bald 47jährigen Lebens habe ich in einem Wohnmobil verbracht. Meint: ich weiß so gut wie nix über das Leben im Wohnmobil und reime mir hier dazu einfach so Zeug zusammen. Nicht dass ihr das alles ernst nehmt.

Was fehlt im Wohnmobil?

1. Mopped. Irgendwie finde ich immer einen Parkplatz – sogar in Biarritz. Aber halt nicht direkt da, wo ich will. Das Ding aus dem Video MUSS rein in die Heckgarage oder auf den Moppedträger.

Reicht für zwei Personen. Und dann wird direkt im jeweiligen Stadtzentrum geparkt. Kostenlos natürlich.

2. Wechselstromrichter. Die USB-Ladedinger und die Powerbank hatten alle nicht genug Spannung, um mein Dell XPS 13 Notebook zu laden. Gibt wohl auch so ein 12V Ladeding für den Zigarettenanzünder aber optimal ist das nicht. Also: Wechselstromrichter, Lithium-Akku und eine Solaranlage wären gut.

3. Mehr LTE-Downloadvolumen. In meinem Telekom XL-Dingsbums sind aktuell in allen europäischen Ländern 30 GB LTE Downloadvolumen inkludiert. Reicht nicht. Schon gar nicht mit Teenagertochter an Bord. Also braucht man noch einen WLAN-Router und so ein paar 100GB SIM-Karten (kosten jeweils 19,95 Euro in Frankreich). Am Internet zu sparen ist möglich aber nicht schön.

4. Mehr Frischwasservolumen und Außendusche. Als alter Beachgammler und/oder Surfer klebt immer irgendwo Sand. Wenn man den nicht im Bett haben will, wären 180 Liter Frischwasser besser als 120 Liter. Spricht für Hymer. Außendusche in der Heckgarage wäre auch schön.

5. Klimaanlage wäre cool [Achtung, Wortspiel]. Die brauchen aber alle so um die 2400 Watt. Schwierig. Eventuell tun es auch ein/zwei Ventilatoren. Da gibt es sehr gute, die nur 40 – 45 Watt brauchen.

Gibt es zu zweit sowas wie eine Privatsphäre im Wohnmobil?

Meine Tochter hat zum ersten Mal über mein Schnarchen gemeckert. Ich bin daraufhin ins Hubbett gezogen, das mit Tür und Vorhang vom Queensizebett der Tochter getrennt wurde. Einmal sind wir uns so 15 Stunden im 7,49 m Wohnmobil aus dem Weg gegangen. Fanden wir beide gut. Zumal ich wie seinerzeit Heidi in den Bergen drei Dachfenster links, über und rechts von mir und meinem Hubbett gefeiert habe. Dank meines schwarzen Yogagürtels habe ich vom Hubbett aus sogar die alten Beine aus dem Dachfenster in die frische französische Atlantikluft gestreckt. Hat mir gefallen und mir Mut gemacht, dass ich als alter Grantler Tina während eines längeren Aufenthalts im WOMO ausweichen kann – so bei Regen oder Meinungsverschiedenheiten.

Und sonst?

  • Lange Strecken verlieren ihren Schrecken, weil man jederzeit ein Päusschen machen und sich ins Bett werfen kann – zum Beispiel mit veganen Neopolitaner Waffeln aus dem Aldi, einem eisgekühlten OSaft aus dem Gefrierfach und ein paar Bares für Rares Videos auf Youtube (keine Ahnung, warum, aber die Sendung entspannt mich) – wenn man alles richtig macht, fühlt man sich überall zu Hause. Apropos: einmal haben wir auf dem Parkplatz einer sehr rustikalen französischen Kirche geparkt und wurde von Halleluja-Gesängen der Samstagabendmesse geweckt – très charmant
  • Die Kunst besteht ein bisschen darin, einen Platz zu finden, auf dem man mit gutem Gefühl die Seitenfenster aufmachen kann und für ein bisschen Durchzug sorgt – also ohne Spannern oder französischen Narkosespezialisten zum Opfer zu fallen. Tipp: enge Feldwege in weitläufigen Lavendelfeldern
  • Gut: man muss nicht mehr im Kreis fahren und immer wieder an den Ausgangspunkt (Hotel oder so) zurückkehren. Man fährt einfach immer weiter. Jede 8. Abbiegung rechts und jede 3. links.
  • Blöd bis gut: das Ding hat unendlich viel Stauraum – wir haben nicht mal 20 % der mitgenommenen Klamotten genutzt und hatten insgesamt so viel dabei, dass man schon wieder suchen und überlegen musste, wo was ist.
  • Kochen: kurze Wege zum Kühlschrank, der mit über 140 Litern Volumen riesig ist. Man frisst auch nicht sooo viel, weil die Pfanne viel kleiner ist als das Monsterdings zu Hause
  • Dusche/WC: geht durch das „Raumbad“ – man trennt den Wohnraum mittels Tür einfach von Dusche und WC ab. Eventuell könnte man über eine Trenntoilette nachdenken. Aber das passt so oder so.

Was weiß ich nicht übers Wohnmobil?

Keine Ahnung, wie die Günstigen (Sunlight, Carado) so im Winter sind: ob man die warm bekommt, wie viel Kondenswasser entsteht und so was. Würde Sinn machen, das noch rauszufinden. Günstig meint: so 60 k€. Nicht so günstig, dafür winterfest – meint: 110 k€.

Kann man darin wirklich leben?

Die letzten paar Tage habe ich arbeitskompatibel geparkt – sowas wie S-Bahnhof, Sportplatz und auch mal im Garten des Wochenendhauses meiner Eltern, das mir als Homebase vorübergehend mal versprochen worden war.

Die Kiste ist super gemütlich. Unterm Strich: wenn irgendwo eine passable Matratze mit möglichst frisch gewaschner Bettwäsche auf mich wartet, bin ich dabei und finde alles super. Na gut: so ein OSaft aus dem Gefrierfach mit ein paar Eisstückchen dazu, darf auch sein. Und Internet. Naja, und die Waffeln.

Und der Sex?

Fast vergessen: habe auch Tina besucht. Bin sie (fast) nicht mehr los geworden. Wollte gleich mit mir abhauen. Klappt.

Und jetzt?

Lese weiter die Promobil, bin wahrscheinlich auf der nächsten Caravan-Messe Ende August, stottere ein paar Schulden ab und lege im Herbst und/oder im Frühjahr noch mal eine Hausverkaufsrunde ein, bei der ich den Preis etwas niedriger ansetze. Dann schauen wir mal.

Alternativ: heute hat mir ein Headhunter eine vermutlich interessante Stelle in Süddeutschland angeboten. Wir verhandeln die Woche ein bisschen und je nach dem wie gut das Angebot ist und wie impulsiv ich gerade bin, geht’s von mir aus auch im Wohnmobil demnächst nach Süddeutschland.

2 Kommentare zu „Nota bene“

  1. Danke für deinen Bericht. Ich habe dieses Jahr auch ein Wohnmobil testen können. Aus meiner ursprünglichen „Camping ist scheisse“ Einstellung, hat sich einer der erholsamsten Urlaube entwickelt.
    Allerdings haben wir das Wohnmobil weniger mobil genutzt. Wir haben nur einmal den Platz gewechselt. Die Toskana war zu schön 🙂

    Jedenfalls bin ich immer wieder überrascht, wie wenig Platz doch nötig ist, um sich gut zu fühlen. Die viele Zeit in der Natur war auch ein Traum.

    Ich beobachte weiterhin deinen sehr spannenden Weg.
    Viele Grüße
    Schwaberle

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  2. Hallo, Schwaberle.

    Danke dir. Das mit dem Wohnmobil hätte ich vor drei Jahren noch für mich und für immer ausgeschlossen. Angefangen mit dem Thema hat übrigens meine Tochter vor etwa sechs Jahren. Wir können beiden nicht mehr rekonstruieren, wieso: aber irgendwann fing sie quasi aus dem Nichts an, von Bürstner Wohnmobilen zu erzählen. Sie bestand darauf, dass wir uns so ein Ding mal anschauen. Ich fand die Vorstellung schrecklich, bin ihrem Wunsch aber nachgekommen und konnte sie während der Besichtigung aber überzeugen, dass so ein Haus am Meer mit Pool schon besser sei. Danach hat das Thema geruht. Über den Umweg Katamaran landete ich dann irgendwann doch wieder bei Wohnmobilen.

    Bin selbst ein großer Toskana-Fan. Ein Freund der Familie hatte in der Nähe von Florenz eine riesige Villa geerbt, lag tagsüber ausschließlich im Bett und las Comics. Als ich ihn mal in den Ferien besuchte, verriet er mir seinen Aufreißer-Trick: wenn er einsam war, besuchte er Italienisch-Kurse in Florenz, die überwiegend mit attraktiven Sekretärinnen aus europäischen Metropolen besetzt waren. Die waren immer ganz beeindruckt, wie schnell er italienisch lernte. Selbstlos bot er dann Nachhilfe an.

    Schön, dass es euch gefallen hat! 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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