Der heilige Gral & Iron Mans Hasen

Ich bin seit 655 Tagen CTSO-Aktionär. Die letzten 296 Tage davon im Sinkflug. Hier und da kann da mal ein Fragezeichen aufflackern. Was man vielleicht übersehen oder ob man einfach einen kompletten Dachschaden mit seiner Einschätzung hat.

Zeit für eine Mini-Checkliste.

1. Habe ich mich ausreichend informiert?

Die CTSO-Beiträge hier stehen maximal für die Hälfte des Aufwands, den ich mit diesem Investment betreibe. Wenn Wim Toelke, Wum und Wendelin noch leben würden, könnte ich mir ein Zubrot verdienen. Im Ernst: ich habe nicht nur alles gelesen, ich belästige auch regelmäßig Journalisten und andere arme Menschen in diesem Kontext. Antwort: ja!

2. Schätze ich die Bedeutsamkeit der Firma und des Adsorbers falsch ein?

Der Verdacht liegt nahe. Von wegen Betriebsblindheit, Prinzip Hoffnung und so was. Vorgestern war ich auf einer Party im Freundeskreis eingeladen. Es waren zwei Ärzte da. Eine Kardiochirurgin (yes!) und ein Assistenzarzt aus der größten Unfallklinik weit und breit. Die beiden kannten sich nicht, und ich habe ihnen jeweils in einem Einzelgespräch aufgelauert. Die Kardiochirurgin war mir vorher gänzlich unbekannt. Den Assistenzarzt kenne ich schon ein bisschen länger aber nicht wirklich näher. Verhältnis ist so neutral.

Gespräch 1 mit der Kardiochirurgie. Erstmal ködern.

Garnix: „In welcher Klinik arbeitest du?“

KC: „[geheim – aber ziemlich renomierte Klinik]“

Garnix: „Krass. Super!“

KC freut sich.

Garnix: „Kennst du das Herzzentrum Bad Oeyenhausen und was hältst du von denen?“

KC: „Die sind super.“

Garnix: „Haben letztes Jahr 84 Herzen transplantiert. Platz 1 in Europa.“

KC: „Ja. Wirklich krass!“

Garnix: „Warst du zufällig auf der kardiochirurgischen Cytosorbents Anwendertagung in Wiesbaden dieses Jahr? Oeyenhausen war auch da.“

Zu dem Zeitpunkt hat sie angebissen. War danach wie Fassangeln. So mit großen Augen und vielen Ideen unter anderem für ihre beiden Doktoranden.

KC: „Mega spannend. Warum weiß ich nix davon?“

Garnix: „Nicht so schlimm. Jetzt weißt du es ja. Sind auch erst so 850 Krankenhausstationen weltweit, die die Dinger einsetzen. Wenn du mir deine Nummer gibst, schicke ich dir alle Infos, die du brauchst.“

Meine Tochter nickte anerkennend, als KC mir ihre Nummer zusteckte.

Danach Wirkungsverstärkung durch Rückzug.

Tochter: „Warum gibt die dir ihre Nummer?“

Garnix: „Entwicklungshilfe. Denke, ich habe ihr und ihrer Klinik gerade ein paar Adsorber verkauft und Themen für zwei Doktorarbeiten geliefert.“

Tochter: „Die ist voll abgegangen.“

Garnix: „Liegt nicht an mir. Die ist mit so einem Fitnesstrainer zusammen. Und ich bin gerade ziemlich moppelig. Liegt am Adsorber.“

Kleines Päusschen, Schlückchen Mojito für die Nerven und die gute Laune vorm Anschleichen an den nächsten Kunden.

Garnix: „Na, darfst du schon Doktor spielen?“

AA: „Naja. Wenn du die Promotion meinst, nee.“

Garnix: „Heute ist dein Glückstag.“

Er arbeitet in DER Unfallklinik. Ich erzähle ihm von Ratten, denen man den Schädel eingeschlagen hat und wechsele geschmeidig zu Myoglobin und Rhabdomyolyse.

AA: „WIESO WEISS ICH NIX DAVON? WIESO WEISS NIEMAND IN MEINEM KRANKENHAUS DAVON?“

Garnix: „Wissen noch nicht so viele. Die erweiterte Zulassung für Bilirubin und Myoglobin-Adsorbtion kam erst letztes Jahr.“

AA: „Ah. Und wieso weißt du das?“

Garnix: „Zufall. Manchmal denke ich auch, dass Ärzte so ein bisschen konservativ, eitel und lesefaul sind. Also jetzt nicht alle. Aber so 95 %.“

AA: „Ach, komm. Hier ist meine Handynummer. Schick‘ mir deine Quellen.“

Garnix: „Gerne.“

AA: „Ist dir klar, dass du mir gerade DEN HEILIGEN GRAL erklärt hast, wenn das stimmt und so funktioniert?“

Garnix: „Bei jeder zweiten Fallstudie bekomme ich Gänsehaut.“

AA: „Okay. Ich lese mich so zwei, drei Tage ein, dann spreche ich mit meinem Chef. Danke dir!“

Garnix: „Kein Problem. Ich schicke dir alles. Wenn du Fragen hast, gerne.“

Zurück zur Tochter.

Tochter: „Was hast du mit dem gemacht? Der war so aufgeregt. Dachte dem fallen die Augen raus.“

Garnix: „Nur ein paar Adsorber verkauft.“

Tochter lacht und wir bestellen noch eine Runde.

Garnix: „Wenn mich nicht alles täuscht, haben wir heute drei Promotionsthemen gestiftet und perspektivisch einen Sack voll Menschenleben gerettet.“

Tochter: „Du musst für CTSO arbeiten. Die fressen dir aus der Hand. Gibt’s gar nicht.“

Garnix: „Jedenfalls bin ich nicht der einzige Idiot, den man mit dem Thema einfangen kann. Komm mir vor wie so ein Apostel.“

Mehr Ärzte waren leider nicht da. Dafür wurde ich in die Partypläne meiner Tochter eingeweiht, die heute auf die Hasen von Iron Man in einem der krassesten Häuser Frankfurts aufpassen soll. Iron Man ist samt Familie im Urlaub. Putzfrau hat frei. Tochter hat die Schlüssel. Poolparty galore. Aber nicht weitersagen. Nebenbei praktiziert sie Multitasking: sie verdient Geld für die Challenge mit Hasenpflege und hat sich gleich ein bisschen Spaß dazu organisiert. Gutes Kind.

7 Kommentare zu „Der heilige Gral & Iron Mans Hasen“

  1. Da frag ich mich doch wieder, was der Cytosorb Vertrieb so treibt? Klar, zwei Personen stellen jetzt keine verlässliches Bild dar, aber man wundert sich schon. Bin nach wie vor für einen Jobwechsel Richtung Cytosorb! Davor aber bitte ankündigen, dann gönne ich mir eine erste Position 😉

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  2. Hallo, SK.

    Ich denke ernsthaft, dass Dr. Steiner vor dem Hintergrund, dass die Kunden ja quasi noch Forschungsarbeit miterledigen, einen tollen Job macht und bei Gelegenheit mal einen veganen Fresskorb oder sowas verdient. Die Studienlage ist einfach noch zu wackelig, um gottweißwie (also wie ich) aufzutrumpfen. Anlocken, einbinden, Vertrauen aufbauen und langfristig zusammenzuarbeiten, heißt, denke ich, seine Devise. Und die ist goldrichtig, weil die Widerstände (halb-)berechtigt einfach groß sind.

    Wie an anderer Stelle erwähnt: mehr als 140 Events stehen dieses Jahr auf der Agenda. Da kann man nicht meckern. Währenddessen gedeiht und blüht die Literaturdatenbank und die REMOVE-Studie ist in vollem Schweinsgalopp.

    Wird schon. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Hi,

    glaube ich habs mal irgendwo schon erwähnt. Mache ja derzeit eine Ausbildung (noch 3 Monate) zum GuK an einer Uniklinik in Bayern. Habe mich in den letzten Monaten viel umgehört. Keine Sau kennt den Adsorber. Das ist echt der Wahnsinn. Die einzigen die ihn kennen waren die Leute aus der Dialyse/Nephrologie… Natürlich kann das in 1 oder 2 Jahren ganz anders aussehen. Patienten mit entsprechenden Indikationen gibt es jedenfalls reichlich…

    Viele Grüße

    Nero

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  4. Hi, Nero.

    Danke für die Info! Bleibt spannend, ob, wann und wie ein breiter Durchbruch gelingt. Viel Erfolg mit deiner Ausbildung!

    Viele Grüße
    Garnix

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  5. Hallo Garnix,
    Wer hat den flowtex Kommentar gelöscht? Ich sehe keine Parallelen, es wundert mich nur etwas, dass der plötzlich weg ist…
    Grüße
    Windsurfer

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  6. Hallo, Windsurfer.

    Meinungsdiktatur. Nachdem ich mir die letzten acht Hubertus-Kommentare noch mal durchgelesen habe, meine ich, dass er gerne woanders weiterkommentieren kann. Aber hier nicht mehr. War mir zu doof.

    Viele Grüße
    Garnix

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