Freitod vereitelt

Selbstmordkandidaten sollten „CTSO-Krankenhäuser“ besser meiden:

Summary

CoW 21/2019 – Dieser Bericht beschreibt den Fall einer zuvor gesunden 27-jährigen Frau ohne vorbestehende chronische pharmakologische Therapie, die nach beabsichtigter Einnahme von 15 g Quetiapin (fünfzig 300 mg Tabletten) im Rahmen eines Selbstmordversuchs in die Notaufnahme eines peripheren Krankenhauses eingeliefert wurde.

Fallbeschreibung

  • Sie wurde sediert, intubiert, mechanisch beatmet und direkt auf die Intensivstation des Maggiore-Krankenhauses (Bologna) verlegt
  • Bei Aufnahme präsentierte sie sich mit einer moderaten Sinustachykardie und Laktatazidose (Laktatspiegel 3,5 mmol/l), gleichwohl zeigte sie weder eine Nieren- oder Leberfunktionsstörung noch eine Thrombozytopenie
  • Nach Kontaktaufnahme mit dem Giftinformationszentrum wurde sie mittels Kristalloid-Hydratation, Gastrolusis, Aktivkohle, Abführmittel sowie einer Diuretika-Therapie behandelt
  • Nach zwischenzeitlichem Absetzen der Sedierung nach 12 Stunden zeigten sich keine neurologischen Beeinträchtigungen abgesehen von einer starken motorischen Unruhe
  • Aufgrund der extrem hohen Quetiapin-Plasmakonzentration (1850 µg/l ca. 24 h nach Einnahme, therapeutischer Spiegelbereich 70–170 µg/l), begleitet von persistierender Tachykardie (QTc-Zeiten noch normwertig) und der Laktatazidose wurde beschlossen, die Sedativa-Therapie erneut zu starten sowie eine CytoSorb-Hämoperfusion in Kombination mit einer Hämodiafiltrationsbehandlung (CVVHDF) durchzuführen, um eine rasche Reduktion der Quetiapin-Plasmakonzentration zu erreichen

Behandlung

  • Zwei aufeinanderfolgende Behandlungen mit CytoSorb für eine Gesamtbehandlungsdauer von 48 Stunden (24 Stunden pro Behandlung)
  • Cytosorb wurde in Kombination mit CRRT (Prismaflex, Baxter) im CVVHDF-Modus verwendet
  • Blutflussrate: 200 ml/min
  • Antikoagulation: Citrat
  • CytoSorb-Adsorberposition: post-Hämofilter

Messungen

  • Quetiapin-Plasmaspiegel

Results

  • Nach 12 Stunden Behandlung konnten die Quetiapin-Spiegel bereits von 1850 auf 648 µg/l reduziert werden (Entfernungsrate 65%). Anschließend wurde wiederum ein Anstieg der Quetiapin-Plasmakonzentration beobachtet, woraufhin mit der zweiten CytoSorb-Behandlung begonnen wurde. Einen Tag nach Abschluss der zweiten Behandlung konnte kein Quetiapin mehr im Plasma nachgewiesen werden

Patienten Follow-Up

  • Die Patientin konnte 96 Stunden nach Beginn der CytoSorb-Therapie extubiert werden
  • Sie zeigte keine Zeichen von Unruhe mehr (jedoch anhaltende Verwirrung) und war hämodynamisch stabil mit leichter Tachykardie, die in den folgenden Stunden verschwand
  • Nach 7 Tagen wurde sie klinisch stabil von der Intensivstation auf die Allgemeinstation verlegt und wenig später in die psychiatrische Anschlussbehandlung entlassen

Schlussfolgerungen

  • Dies ist eine der ersten veröffentlichten Behandlungserfahrungen zur Anwendung der Hämoadsorptionstherapie nach einer Überdosierung von Quetiapin
  • Die Verwendung von CytoSorb führte zu einer schnellen und effizienten Entfernung von Quetiapin aus dem Blut und zur Stabilisierung einer kritischen Situation
  • Um das Verhalten im Hinblick auf das extensive Verteilungsvolumen dieser Substanz zu verstehen, sind weitere in-vivo-Studien erforderlich

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