Ein typisches Wochende

… im Leben des mittelalten Garnix.

Zwischenstand. Sonntag, 16.15 Uhr.

Anruf der Tochter in der Nacht zu Sonntag. So gegen Mitternacht. Tochter weint.

T: „Ich kann nicht schlafen. Die Mama hat sehr merkwürdigen Besuch. Die Wohnung ist eindeutig zu hellhörig. Bitte hol‘ mich ab.“

Ich nehme Tina in den Arm, behaupte, alles wieder gut zu machen, und werfe sie raus. Prioritäten sind kompassmäßig wichtig. Sonst explodiert alles. Entführung der Tochter. Selbstgemachte Burger nachts um eins, danach Rückenkraulen und wogenglättende Gespräche bis vier Uhr morgens.

Sonntag, acht Uhr morgens.

Die Eltern stehen mit ihrem Bus vor der Tür. Mutti hängt an allen Scheiben im Erdgeschoß und inspiziert mit Fernglashändehaltung alle Räume zunächst äußerlich. Morgenappel nach dem Einlass und weitere Kontrollgänge im Haus. Ich bleibe souverän. Also äußerlich und so gut das mit geballten Fäusten eben geht. Abfahrt nach zehn Minuten Putz- und Lebenstipps. Richtung: Ex-Frau, die sich eingeladen hat, die Jagdhunde-Welpen anzuschauen.

Zwei Stunden im VW-Bus mit Oma, Opa, Ex und Tochter Richtung Hundis. So müssen sich Reichsparteitage angefühlt haben.

Züchter war besorgt wegen des Alters des vermeintlich neuen (Hunde-)Führers. Was wird mit dem Hund, WENN… Meine Eltern bedanken sich für die tolle Frage und lügen aus allen Rohren. So von wegen: sie hätten schon mit Jungjägern aus dem engeren Umfeld tausend Gespräche geführt. Mein Vater hat dann noch einen draufgelegt und erklärt, dass er den Hund nächstes Jahr auf mehreren Jagdhundeprüfungen führt, was relativ utopisch ist. In Wahrheit kann er nicht mal zur nächsten Pizzeria an der Ecke laufen. Alles sehr schräg und beunruhigend.

Zur Feier des Tages lade ich die ganze Sippe dann ins Balagan ein, meinem israelischen Lieblingsrestaurant. Opa stöhnt: gut dass Uropa tot ist mit seinen vegan-judophilen Nachkommen. Und dafür durch die Scheiße in Russland gerobbt oder zumindest robben lassen. Kurioserweise schmeckt das Essen, während alles andere in sich und für alle Beteiligten individuell zusammenfällt.

Oma erzählt derweil von einem Westernclub in der Gegend.

Ex: „… und die spielen da Cowboy und Indianer?“

Garnix: „Nee, nee. Cowboy und Veganer.“

Keiner lacht. Oma übernimmt das Stimmungsruder und verkündet nicht ohne Stolz, auf der Rückbank während der Fahrt unter einer Decke mehrfach in einen Eimer gepisst zu haben. Ihrer Meinung nach deutlich besser, im Auto in so einen Eimer zu pissen, als auf komische Toiletten an Raststätten zu gehen. Irrenhaus galore.

Während ich die Bedienung bitte, mich zu adoptieren oder wenigstens mit mir abzuhauen, mache ich mir Sorgen um meine geistigen Gesundheitszustand. Wenn es stimmt, dass die eigene Psyche aus Puzzleteilchen der fünf Menschen besteht, mit denen man so abhängt, bekomme ich große Angst.

Zurück im eigenen Häusschen, bereit für ein tausendjähriges Mittagsschläfchen und Träumen von Alaska, Eisschollen und Einsamkeit.

2 Kommentare zu „Ein typisches Wochende“

  1. Hallo, EF.

    Tina ist toll. Deshalb nennt sie sich ja auch: There Is No Alternative. Hat zum Muttertag wieder schwer abgeräumt. Ist aber auch wirklich eine gute Mutter. Irgendwo neulich gelesen, dass man sich einen Partner suchen soll, der besser ist als man selbst und dann darauf hoffen muss, dass er es nicht so schnell mitbekommt. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s