Cytosorbents: Quartalsergebnisse

Heute Abend gegen 22.45 werden die Q1 Ergebnisse veröffentlicht. Bevor ich mit Bauchgefühlen loslege, anbei die Historie aller verfügbaren Quartalsergebnisse:

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Nach einer CE-Zulassung für Europa ging es in 2012-Q3 los mit den Sales-Umsätzen. Grants bzw. Fördermittel fallen in dieser Darstellung bewusst unter den Tisch: wir sehen reine Sales-Umsätze.

Der Zeitraum 2012-Q3 bis 2018-Q4 ergibt eine Historie von 26 Quartalsergebnissen. Year-Over-Year waren 100 % der Quartalsergebnisse besser als das jeweilige Vorjahresergebnis. Beim sequentiellen Sales-Zuwachs von Quartal zu Quartal waren 81 % der Quartalsergebnisse besser als das jeweilge direkte Vorgängerquartal. Meint aber auch: es gab fünf Quartalsergebnisse, die schlechter waren, als das vorherige Quartal.

Die Nerven hätte man sehr gut in der Periode von 2014-Q3 bis 2015-Q3 verlieren können, weil es in 2014-Q4 und 2015-Q1 jeweils deutlich und zweimal in Folge zurückging mit dem Salesumsatz. So weit ich das rekonstruieren konnte, wurde damals der Vertrieb neu aufgestellt.

Was will der Künstler sagen? Das Abstellen auf sequentielles Quartalswachstum hätte in fünf Quartalen zum Verkauf führen können, obwohl die Bude insgesamt ganz ordentlich wächst:

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In der Tabelle oben weise ich die Compound Annual Growth Rate aus, die von 2013, dem ersten vollen Umsatzjahr, bis 2018 bei 70 % liegt. In den letzten drei Jahren (2016 – 2018) bei 35 % und im letzten Jahr bei 51 % liegt.

Weiterhin weise ich die Saisonalität der Umsätze aus: Q1 ist hierbei „traditionell“ das schwächste Umsatzquartal: das durchschnittliche sequentielle Wachstum der letzten drei Jahre in Q1 lag bei nur 3  %. Starke sequentielle Quartale sind tendenziell Q2 (17 %) und Q4 (18 %).

Viel mehr als ein grober Anhaltspunkt ist das aber nicht, weil das ganze durch Umstände wie zum Beispiel Stock-Orders „verfälscht“ werden: es gibt Krankenhäuser, die auf einen Schwung 250 – 300 Adsorber bestellen. Das ganze mal ca. 900 – 1.000 USD. Da kann das Pendel mal in die eine oder andere Richtung ausschlagen.

Und wie ist so der intergalaktische Sales-Trend?

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Das erste Bild oben ist ganz freundlich: die Richtung stimmt. Das zweite Bild zeigt, dass wir im rollierenden Year-Over-Year Sales-Growth auf Quartalsbasis ein bisschen in die Knie gehen. Dagegen stehen aber auf Jahresbasis die 50 % Wachstum 2018 vs 2017.

Viel mehr als zahlenbasierte Kaffeesatzleserei ist das hier alles nicht. Wie der Rest des Jahres läuft, weiß kein Mensch. Meine zahlenbasierte Erwartung für heute Abend bzw. Q1 2019 sind 5,59 Mio USD an reinen Salesumsätzen, weil das einer sequentiellen Steigerung von 3,1 % zu Q4 2018 entspräche und damit zum Trend der letzten drei Jahre passen würde.

Unterm Strich stehen wichtigere Fragen – wie zum Beispiel

1. Funktionieren die Produkte (aktuell: Cytosorb, bald: HemoDefend, Cytosorb XL)?
2. Gibt es einen Markt für die Produkte und wie groß ist dieser?
3. Wie tief ist der Burggraben und welche Margen kann man durchsetzen?

@1: Großer Indizienprozess mit 700+ (Fall-)Studien in einem schwierigen, wenn nicht dem schwierigsten medizinischen Studiengebiet überhaupt: Sepsis / SIRS / Multiorganversagen. Annabella, unsere „Gemeinde-Krankenschwester“, die den Adsorber in ihrem Krankenhaus regelmäßig im Einsatz sieht, schreibt: „Ach ja, die Filter sind in regem Gebrauch, funktionieren wie immer gut, aber bei uns gibt es die Dinger nicht als Ultima Ratio sondern zack zack, immer ran damit.“

Gut dass es auch solche Krankenhäuser gibt, vermute aber dass 80 % der Medizinier das Ding ohne große randomisierte Studien nicht anfassen würden. Und vor 2020 wird da in Sachen große Studie nicht viel passieren.

Meint: hier ist jeder selbst gefragt, sich eine Meinung zu bilden.

@2: Wunsch wäre: man wartet nicht, bis die Leber und die Nieren kollabieren und klemmt einen Adsorber viel früher als Stand-Alone-Lösung an, sobald das Blutbild Hinweise auf eine starke inflammatorische Reaktion zeigt – beispielsweise IL-6 > 2.000 pg/ml. Die Immunreaktion bleibt grundsätzlich erhalten, die Antibiotika wirken weiter und bleiben normal dosiert und die Hämodynamik ist zu jederzeit stabil – meint: keine Ischämie, keine Nekrosen, kein Multiorganversagen.

Das wird genau so vereinzelt übrigens schon in Krankenhäusern praktiziert. Ziel: CTSO kommt weg davon, „Wunder- und Verzweiflungswaffe“ zu sein und erst jenseits von gut und böse eingesetzt zu werden. Wenn das nur halbwegs so kommt, ist der Markt RIESIG. Um eine Zahl zu nennen: allein in Deutschland darf man von 400 bis 1.500 Mio USD Umsatzpotential ausgehen. Aber auch hier gilt: bitte selber recherchieren und alles kritisch hinterfragen und das Phlegma und den Widerstand nicht unterschätzen.

@3: Vielleicht das wichtigste „Kapital“ von CTSO ist derzeit die Vernetzung der Anwender und die Bereitstellung hunderter (Fall-)Studien bei den verschiedensten Indikationen.

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Letztlich ist CTSO derzeit auf eine wagemutige, neugierige und progressive Anwendergemeinde angewiesen, die sich gegenseitig befruchtet. Wenn man sich die Vielzahl der Indikationen im Snapshot oben anschaut: das ist ein weites Feld, das man sich aber gemeinsam und Schritt für Schritt erarbeitet.

Wenn jetzt irgendwelche Chinesen kommen und behaupten, dass ihr Adsorber viel besser sei: darum geht es gar nicht so wirklich – zumindest geht es auch immer darum, „biokompatibel“ zu sein und die Hämodynamik nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das Vertrauen, dass die Biokompatibilität bei CTSO-Adsorber passt, baut sich nach meiner Beobachtung mehr und mehr in der Anwendergemeinde auf. Meint: man baut sich hier einen deutlichen und jahrelangen Vertrauensvorsprung auf, der bares Geld wert ist.

Kurz: vom Kurs abgesehen habe ich derzeit nix zu meckern. Melde mich heute Abend noch mal mit den Zahlen.

5 Kommentare zu „Cytosorbents: Quartalsergebnisse“

  1. Kam kein Update mehr von dir, aber die Zahlen sehen ja nicht so doll aus, oder? 4,577M revenue sales wären ja ein deutliches Minus gegenüber Q4… Übersehe ich was, Dollar/Euro?

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  2. Hi, Daniel.

    Bin gegen 21 Uhr eingepennt und gerade erst wieder aufgewacht. Kommentar kommt gleich. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Hallo Garnix,
    nicht schlimm.. hatte die Befürchtung, du betrinkst dich nach den Zahlen 😉 bin gerade mit -6h Zeitverschiebung unterwegs. Wäre sonst auch nicht extra wach geblieben.
    VG, daniel

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  4. Hallo, Daniel.

    Für den rituellen Selbstmord habe ich ja vielleicht noch einen bisschen Zeit.

    Viele Grüße
    Garnix

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