Apple & Amazon

Mit zarten elf Jahren bekam ich einen Apple II geschenkt. Mein erstes Computerspiel war „Karateka“ und wenig geeignet, deswegen computersüchtig zu werden. Datenbanken zu bauen, fand ich irgendwie besser. Apple hatte damals schon ein gutes und vor allem teures Image. Ein 5,25 Zoll Diskettenlaufwerk kostete 1.000 DM. Selbst ich altes Schnöselkind wusste, dass das Apothekenpreise waren und Apple einen ausgewachsenen Dachschaden hat.

Für mich hat sich an dieser Wahrnehmung nie etwas geändert. Qualität war in Ordnung aber das Image-Bohei samt der kranken Preise ging mir schwer auf den Sack.

In der Konsequenz folgte der Umstieg in die nicht Apple-Welt. Sollen sich andere verarschen und gehirnwaschen lassen.

Trotz aller Innovationsstärke: seine Kunden mit doppelten Preisen auszunehmen, ist falsch und in meiner kleinen Welt unmoralisch. Ergo: ich kaufe weder Aktien noch Produkte dieser Firma. Dass iPhone, das mir mein Arbeitgeber stellt, behandele ich stiefmütterlich und fühle mich mit Android zehnmal wohler.

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Kommen wir zu Amazon. Los ging das ganze Online-Shopping für mich mit einem deutschen Online-Buchhändler so im Jahr 1995. Da gab es Amazon noch gar nicht. Der deutsche E-Commerce-Star hieß Ulrike Stadler mit ihrem ABC-Online-Buchhandel, der einen grandiosen Service bot. Ich hatte alle Bibliotheken und stationären Buchhandlungen durch, brauchte regelmäßig neuen Stoff und war hochzufriedener Kunde von Frau Stadler. 1998 hat sie ihren Laden für so um die 30 Mio DM an Amazon verkauft. Ich fand das scheiße. Ich wollte keinen Gemischtwarenladen und dachte, dass die den Servicelevel nie halten können – auch wenn sie sich Mühe geben. Für viele Jahre lag ich falsch: Amazon machte einen guten Job. Die Kundenzufriedenheit stand im Fokus und das Serviceniveau war angenehm hoch. Man vernetzte die Kunden untereinander mit Produktbewertungen, hatte passable Preise, extrem kurze Lieferzeiten und eine hohe Kulanz im Fall von Problemen. Meint: ich war zufrieden und Großbesteller mit bis zu 150 Bestellungen pro Jahr. Meine Zweifel waren verflogen. Fast.

Letzten Sonntag habe ich bei Amazon mein neues Handycover bestellt, ohne vorher die Preise zu vergleichen. Kosten: 30 Euro. Hatte noch einen Gutschein und überhaupt: passt schon. Bei der Bestellung wurde ich wie üblich gefragt, ob ich die Lieferung dank Prime-Abo nicht vielleicht schneller möchte. Früher war das nach meiner Beobachtung ein Fake-„Angebot“. Die Ware kam auch ohne Prime-Abo am nächsten bzw. am übernächsten Tag. Passte aber für mich. Mit ein bisschen Verarschung kann ich leben. Ist aber nicht mehr so.

Wenn meine Beobachtungen stimmen, verzögert Amazon den Versand inzwischen gezielt und bewusst. Und da fängt die Unterstellung „Dachschaden“ und „Arschlochtum“ bei mir dann an. Konsequenz: ich werde meine Amazon-Bestellungen auf ein Minimum reduzieren und mein Zeug schön woanders ordern – günstiger und schneller (25 Euro für das Handydings mit Lieferung am nächsten Tag).

Vielleicht bin ich ja auch nur eine alte Mimose, aber ich habe für zehntausende Euro bei Amazon bestellt und die zerstören hier vorsätzlich und mutwillig eine bis 2003 zurückreichende Kundenbeziehung. Will sagen: Dachschaden.

Keine Ahnung, ob und wann andere Kunden so was merken oder ob ich nur empfindlich bin, aber ich will nicht an solchen Unternehmen beteiligt sein.

11 Kommentare zu „Apple & Amazon“

  1. Ich bestelle seit einiger Zeit schon weniger bei Amazon. Aber aus anderen Gründen. Wenn es geht, unterstütze ich lieber lokale Geschäfte.

    Ab und zu bestelle ich Geschenke bei Amazon, wenn die Personen eine Wunschliste haben oder wenn man sich mit mehreren auf ein Produkt einigt und ich es dann bestelle.

    Ansonsten ist das extrem wenig geworden, was ich dort bestelle.

    Hauptsächlich noch Amazon Kindle ebooks.

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  2. Ich bin ein Bisschen stolz darauf, dass ich tatsächlich noch nie etwas über Amazon bestellt habe:)

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  3. Ich bin leider auch nicht bei Amazon investiert. Ich dachte immer die Aktie wäre zu teuer, sie war es nicht…
    Hinterher ist man meist schlauer. Auch heute denke ich mir wieder, dass das Papier überbewertet ist und kaufe nicht. Mal sehen ob es diesmal stimmt.

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  4. Hallo, Stockpicker.

    Guter Mann. Ist schon verheerend, was Amazon mit unserer Einzelhandelsinfrastruktur und damit mit vielen kleineren und mittelgroßen Innenstädten so angestellt hat.

    Viele Grüße
    Garnix

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  5. Hallo, Stockpicker.

    Wenn du dich irgendwann für Wachstumswerte interessieren solltest, Stefan Waldhauser hat da mit seiner High-Growth-Investing-Strategie schön vorgearbeitet. Kann ich empfehlen. Strategie ist hier beschrieben: https://aktien.guide/high-growth-investing/strategie

    Ganz witzig dass auf der gleichen Seite auch die Levermann-Punkte berechnet werden und die beiden Strategien völlig konträr sind.

    Viele Grüße
    Garnix

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  6. Hallo Garnix,

    Ist aber auch übel wie sich der Einzelhandel da selber in den Fuß schießt.. ich höre schon eine ganze Weile den Kassenzone und gelegentlich den exciting commerce Podcast (ohne mit der Thematik beruflich zu tun zu haben). Oft sehr interessante Vorgehensweisen und Geschäftsmodelle, die zeigen, dass der stationäre Einzelhandel sich in eine echte Sackgasse gefahren hat und dort innovative Ideen meist völlig fehlen. Das muss man schon auch denen in die Schuhe schieben. Amazon ist im E Commerce aber auch nicht sonderlich beliebt.. und viele Themen können sie zum Glück mit ihrer Technologie nicht abdecken.
    Versuche aber ebenfalls mittlerweile, Amazon so weit wie möglich zu vermeiden. Mit Galaxus kommt da zb gerade ein interessanter Laden für (ich glaube aktuell nur) Technikzeug nach Deutschland.

    Mit Bezug auf die Aktienauswahl ist das aber auch alles ziemlich kompliziert.. es gibt in neuen Bereichen (wie zb aktuell food delivery) immer viele verschiedene Player und man kann nie so richtig sagen, wer sich durchsetzt. Und mit einem Fonds wie dem GLORE ist man dann auch schon MSCI-World-ähnlich unterwegs und holt sich nur hohe Kosten dazu. Dann lieber value tech, liegt mir irgendwie mehr.. 🙂

    Viele Grüße, daniel

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  7. Ah vergessen: ich bin mir mittlerweile auch sicher, dass Amazon die Lieferungen von nicht Prime Kunden absichtlich verzögert, das ist schon echt dreist!

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  8. Hallo, daniel.

    Hatte das neulich schon mal in einem Kommentar erwähnt: unbedingt mal bei Stefan Waldhauser und seiner High Growth Investing Strategie nachlesen. Schöne Ansätze und einen bombastischen TrackRecord seit 2016 hat er, der Kollege.

    Viele Grüße
    Garnix

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  9. Sein Blog ist schon abonniert, danke für den Tip!! Wie auch bei anderen Anbietern reicht mein „verwaltetes“ Vermögen (darf man sicher noch gar nicht so nennen) jedoch bei weitem noch nicht, solche monatlichen Premium Angebote zu nutzen.. daher bleibe ich Mal bei der interessanten Blog Lektüre.. 🙂

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