Warnung!

Vielen Dank an nilspower für seinen gestrigen Kommentar.

Nilspower schreibt:

„Bin gerade über diesen Post gestolpert und musste an euch denken.
https://www.joshuakennon.com/gt-advanced-technologies-bankruptcy/
Eine kleine Warnung nicht mit Geld auf das man angwiesen ist zu spekulieren.
CTSO finde ich persönlich ja auch spannend und will auch niemandem grundsätzlich davon abraten, aber es ist ein one trick Pony mit entsprechenden Risiken.“

Der verlinkte Artikel ist sehr empfehlenswert und beschreibt am konkreten Beispiel wie man als Aktionär über Nacht alles und mehr verlieren kann. Einer der Betroffenen kommentiert die Vorgänge wiederum wie folgt:

I’m one of the guys ‚featured‘ in this article. Many of us knew this was a calculated risk, it wasn’t gambling just because we lost, it was gambling because of the concentration of our portfolios that we had. I broke a cardinal rule that no equity would represent 40% of my portfolio. I was willing to accept a 50% loss from my basis because I believed in the company long term. Go listen to the conference calls, the CEO lied repeatedly to investors. It’s my fault I lost the money but I was investing in what I believed to be a truly unique opportunity. Every day small business owners put their life savings on the line to start a company. When they succeed we call them geniuses and when they fail we say that is expected. They went ‚all in‘ just like the shareholders like myself who did their DD and were lied to. I truly have learned from the experience, I’m done with individual securities. I averaged an annual return of 33% for 5 years before this happened, I should have cashed in my chips, I was greedy and I learned my lesson. Thanks for the open autopsy.“

Ein sehr drastisches und plastisches Beispiel, wie „die Sache“ leider auch ausgehen kann, wenn man sich zu sehr an einen Investmentcase klammert. An die Kollegen, die hier mitlesen und Einzelaktieninvestments betreiben: BITTE unbedingt den Artikel lesen und dann ERNSTHAFT mit sich in Klausur gehen, wie viel Prozent seines Networths man einem Totalverlust aussetzen sollte, ohne dabei ernsthaft Schaden zu nehmen.

Das ist kein Kindergeburtstag hier und die Gefahr, dass einem alles um die Ohren fliegt, ist nicht von der Hand zu weisen.

13 Kommentare zu „Warnung!“

  1. Ich frage mich immer noch, warum CTSO entgegen eines positiven Markt Momemtums weiter verliert.
    Entweder liegt der garnix falsch oder die Wall Street.

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  2. Einer der wertvollsten Momente meines Lebens war, mit Ende 20 die Hälfte meines Depots mit so einer Geschichte zu verlieren. Börsenschluss Freitag 10 Euro, Börseneröffnung Montag 2 Euro:

    https://freiheitsmaschine.com/2016/08/21/wie-der-maschinist-sein-halbes-vermoegen-an-der-boerse-verlor-und-warum-das-eines-der-besten-dinge-ist-die-ihm-je-passiert-sind/

    Der Lerneffekt war jeden damaligen Cent wert. Und das deshalb, weil mir diese Summe damals einerseits sehr hoch vorkam aber in der 2019 er Wirklichkeit nun nur wenige aktuelle Monatsnettolöhne ausmachen. Durch diese frühen unglaublichen Schmerzen habe ich danach zwar noch viele weitere Dummheiten begangen aber nie mehr eine, die die Hälfte meines Vermögens hätte kosten können.

    Wie im Beginn Deines Links stand: „Der Investor mit den knapp $800.000 mit 45 Jahren Lebensjahren hatte schon gewonnen“. Es war der totale Wahnsinn für eine mögliche Extrarendite diese Lebensersparnisse zu verspielen. Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass man nach einem solchen Schicksalsschlag emotional nie mehr richtig auf die Beine kommt.

    Die Aussicht darauf, weitere 20 Jahre zwanghaft angestellt zu sein um eventuell wieder auf die gleiche Summe zu kommen, nachdem man mit sich selbst und der Familie um einen herum schon schon ganz andere Pläne gemacht hatte!

    Das allerschlimmste ist, andere die man liebt und mag dort hineingequatscht zu haben.

    –> Unsagbare Hölle – Schlimmer als nie Vermögen gehabt zu haben.

    Take care!

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  3. @Rohrkrepierer: Alles hängt vom weiteren Umsatzwachstum ab.

    Das aktuelle Businessmodell von CTSO lautet:

    – Nimm 10 Euro von den Aktionairen und verkaufe davon ein Produkt.

    – Von diesen 10 Euro kommen aktuell 3 Euro zu CTSO zurück und 7 Euro landen neben Gehalt für den Vorstand und die Angestellten hauptsächlich in der Mülltonne.

    – Damit weitere Filter verkauft und das Gehalt für das Management bezahlt werden kann, werden laufend neue Aktien ausgegeben, die das Ergebnis für die Altaktionäre verwässern.

    – Es gibt Umsatzbereiche bei denen sich diese Rechnung so stark verbessern kann, dass kein Geld mehr in der Mülltonne landet, sondern mehr als 10 Euro zu CTSO zurückkommt und das ganze sehr profitabel werden würde.

    Um diesen Zustand zu erreichen, muss der Umsatz möglichst schnell möglichst stark wachsen, bevor das Geld ausgeht, bevor die Patente auslaufen, bevor andere viel größere Player die Patente umgehen oder vielleicht auch die Erkenntnis kommt, dass die Wirksamkeit nur im Bereich des Placebo Effektes liegt(?).

    Langsam zu sein bedeutet für die aktuellen Aktionäre also das Gleiche wie zu scheitern. Ich habe keine Ahnung was dabei herauskommt und ich bezweifle, dass das zum aktuellen Zeitpunkt jemand kann. Es geht hier um Wahrscheinlichkeiten.

    Als abschließenden Gedanken:
    Selbst wenn das Scheitern absehbar ist, würde es für einen Vorstand Sinn machen, das aktuelle Modell möglichst lange laufen zu lassen, weil ein Vorstand auch nur ein Angestellter ist. Der Chef dieses Vorstandes sind die Aktionäre und je länger diese Glauben desto länger fließt das Gehalt.

    Schönen Tag

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  4. Hallo, Maschinist.

    Also noch mal: ich habe verstanden, dass du deinen Erweckungsmoment nach einem 20.000 Euro-Verlust samt Kotzerei hattest. Demzufolge hast du einen schwachen Magen, du möchtest diversifizieren und nicht mehr ins Risiko gehen als nötig. Finde ich gut. Mach das.

    >– Von diesen 10 Euro kommen aktuell 3 Euro zu CTSO zurück und 7 Euro landen neben Gehalt für den Vorstand und die Angestellten hauptsächlich in der Mülltonne.

    Dass du hier ein Unternehmen, das für meine Begriffe und nach Aussage von Ärzten Menschenleben rettet, quasi als Selbstbedienungsladen des Vorstands diffamierst und behauptest, dass dessen Umsätze ansonsten „hauptsächlich in der Mülltonne“ landen, ist vor dem Hintergrund, dass das Geld in Millionenhöhe in Forschung und die Finanzierung medizinscher Studien investiert wird, zu kurz gegriffen, damit unsachlich und, wenn du mich fragst, auch unverschämt.

    Viele Grüße
    Garnix

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  5. Ich fühle mich mit Max 5% meines Vermögens ganz wohl. Der Artikel erinnert mich aber wieder daran, dass ich nicht darüber hinausgehen sollte. Danke!
    Gruß
    Windsurfer

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  6. Lieber garnix,
    über die Ostertage habe ich mir einmal die Mühe gemacht, sämtliche Deiner Blogeinträge zu lesen. Hoch unterhaltsam, danke dafür!
    Ich versuche mich hier auch einmal als Mahner, passend zum Thema des Blogeintrags. Frei nach Heiko Mell – „sie tun es immer wieder“. Dein Vermögen als Student hast Du verspielt, bei CTSO bist Du auf dem besten Wege dies kreditgehebelt zu wiederholen. „Der Spieler“ von Dostojewski sollte auch auf die Lektüreliste Deiner Tochter, denke ich.
    Unabhängig vom Risiko, dass Du hier eingehst: Mich würde interessieren, was aus Deiner Sicht die nächsten 5 Jahre von den letzten 10 Jahren unterscheiden wird. CTSO ist ja schon lange man Markt und „rocket science“ scheint der Filter nicht zu sein.
    Beste Grüße
    Erstrechtnix

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  7. Lieber Erstrechtnix,

    vielen Dank – auch für die Frage zu CTSO.

    1) Startpunkt für mich ist 2013. Hintergrund: nach erteilter CE-Zulassung in Europa hat man im zweiten Halbjahr 2012 erste Umsätze gemacht. Ich bin ein skeptischer Mensch und Unternehmen, die kein Produkt am Markt haben, kein Umsatzwachstum und keine ordentliche Brutto-Marge nachweisen können, scheiden für mich als Investments aus.

    2) Rocket Science: die ersten drei Jahre nach meiner Zeitrechnung haben sich die Kunden Zeit gelassen, die Grenzen des Adsorbers auszuloten. Die Hämodynamik ist ein weites Feld und die Sorge, dass man im Adsorbtionsbereich von 5 – 60 kDa auch „gutes Zeug“ wegadsorbiert, war sicher berechtigt. Üblich war es damals, den Adsorber bei Patienten mit mindestens 40 kg Körpergewicht und nur jeweils sechs von 24 Stunden einzusetzen. Am nächsten Tag hat man dann die inflammatorischen Parameter neu bestimmt und festgestellt: bringt nix das Ding – die Werte waren immer noch hoch oder sogar höher als zuvor.
    Heute ist man deutlich weiter und klemmt das Ding rund um die Uhr sogar bei Babies mit deutlich weniger als 10 kg an. Letzter Stand ist es, den Adsorber alle zwölf Stunden zu wechseln. Vielleicht als Info für dich: in so gut wie allen kritischen medizinischen Situationen kann es zu „Überschussreaktionen“ des Körpers – messbar an verschiedenen inflammatorischen oder toxischen Parametern – kommen, die die Organe nach und nach oder auch mal sehr schnell kollabieren lassen. Tendenziell werden aber nur überschüssige „Spitzen“ an inflammatorischen Parametern wegadsorbiert – die grundsätzliche erwünschte Immunreaktion bleibt beim Einsatz des Adsorbers erhalten, während sich die Hämodynamik stabiliisert und beispielsweise kapilläre Mikrothromben abgebaut werden. Mit anderen Worten: die Blut- und Sauerstoffversorgung der Organe wird sicher- oder wieder hergestellt. Die Biokompatibilität und auch die Qualität der Beads ist dabei offensichtlich gut. Meint: man kann zur Not auch 20 Adsorber hintereinander einsetzen, wenn das nötig sein sollte.

    3) Das Umsatzwachstum liegt von 2013 – 2018 bei 70,4 % p.a. bei steigender Brutto-Marge von aktuell 74 % (wandert auf die 80 % zu) Ist das gut? Wenn man weiß, dass es die Möglichkeit einer Kostenerstattung in Deutschland erst seit etwa Mitte 2017 gibt, dass die Mehrzahl der Ärzte skeptisch-konservativ bis phlegmatisch ist, dass es nachwievor keine große randomisierte Kontrollstudie gibt, würde ich sagen: sehr gut. In den letzten zwölf Monaten hat man den Kundenstamm übrigens um rund 40 % ausgebaut – siehe: https://garnixoderguru.com/2019/03/28/ctso-anwender-in-mittel-europa-2013-2018/

    4) 2018 wurde die Zulassung erweitert. Das Ding kann jetzt in Europa offiziell auch für die Adsorbtion von Bilirubin und Myoglobin eingesetzt werden. Kontext sind hier schwere Leber und Traumaschäden. Insgesamt gibt es mehr als ein Dutzend Indikationen, bei denen ich und auch der ein oder andere Arzt, den Adsorber für die „ultima ratio“ halten. Umsatzpotentiale sind immer mit Vorsicht zu genießen – aber hier geht schon was.

    5) 2019 und 2020 laufen zwei wichtige große Studien, eine davon – mit 250 Patienten im Bereich der Kardiochirurgie (Endokarditis) wird komplett durch deutsche Steuergelder finanziert. Im Februar 2019 hat der wissenschaftliche Beirat nach den ersten 50 Patienten (28 CTSO / 22 Kontrollpatienten) empfohlen, die Studie fortzuführen. Aktuell dürfte man bei 160+ Patienten sein. Wichtiger Hinweis: der Adsorber wird in dieser Studie nur intraoperativ eingesetzt. Das ist für mich inzwischen nicht mehr „Stand der Technik“ und stimmt mich für das Ergebnis nicht so wirklich optimistisch. Sei’s drum. Die andere Studie ist eigenfinanziert kostet so um die 12 Mio Dollar und macht gute Forschritte – ist mit 400 Patienten aber langwierig. Vor 2021 wird es nach dem heutigen Stand kein FDA-Approval in den USA geben.

    Ganz viele andere Aspekte lasse ich hier aus Zeitgründen weg und komme zu so was wie einem Fazit.

    Warum ich überhaupt investiert bin: weil ich alle Studien gelesen haben und relativ sicher bin, dass das Ding, wenn man es richtig einsetzt, ein Geschenk für die Medizin bzw. die Patienten ist. Weil die Umsätze zulegen (Year-Over-Year haben die letzten 26 Quartale zugelegt – sequentiell Quartal zum Vorquartal immerhin in 21 von 26 Quartelen), weil die Bruttomarge passt, weil das Umsatzpotential riesengroß ist, weil man mit der Cytosorb-Literature-Database und den Anwendertreffen ein tolles Kundennetzwerk aufbaut und aus vielen anderen Gründen (Übernahmephantasie, HemoDefend, CytsorbXL usw).

    Vielleicht noch zu meiner Investitionshöhe: in meinem Angestelltendasein verdiene ich grob 100 Euro die Stunde. Wenn wir mal davon ausgehen, dass ich alles in allem rund 1.000 Stunden in die Recherche gesteckt habe, kannst du vielleicht verstehen, warum ich hier nicht mit 20.000 Euro oder so was am Start bin.

    Viele Grüße
    Garnix

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  8. Lieber Garnix, danke für die ausführliche Antwort. Ich drücke die Daumen, ein Gewinn für die Welt wäre es.

    Erstrechtnix

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  9. Hi, inventivedog.

    Sorry, es wird keinen „flamewar“ geben. Ist alles streng diktatorisch hier und die gröberen Arschgeigen werden weggefiltert. Wenn ich das nicht mache, komme ich mir sonst vor wie auf der Arbeit.

    Lustigerweise landen so gut wie alle Maschinisten-Posts erstmal automatisch und ohne mein Zutun im Spam-Ordner. Ich muss den Kram dann tatsächlich händisch rausfischen.

    So nett bin ich!

    Viele Grüße
    Garnix

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