Mutti, Frau Fresenius und Dr. Tschän

Gestern rief mich meine Mutter an.

Mutti: „Na, der Zütto-Kurs ist aber scheiße.“

Garnix: „Janee, das sind Kaufkurse, weisste.“

Meine Mutter, die Teile ihres Geld von einem professionellen Vermögenverwalter betreuen lässt, den ich vor knapp 20 Jahren ausgesucht habe und der ganz gut ist, hat so eine gaaaanz leicht sadistische Ader.

Mutti: „Naja, wer soll die denn kaufen? Die kacken doch nur ab. Fliegen die nicht bald aus dem Nasdaq raus?“

Garnix: „Magst du mich nicht lieber nach den letzten Fallstudien fragen und ob der Kram funktioniert?“

Mutti: „Nee. Bei dem Kurs ist mir das doch egal.“

Nach 30 Minuten hin und her kam raus, dass sie ein paar Fallstudien gelesen hat und glaubt, dass der Adsorber funktioniert, sich aber non-stop fragt, warum das nicht bei Stern-TV oder sonstwo im Fernsehen berichtet wird.

Garnix: „Die machen das schon gut. Die grasen nach und nach alle Anwendergruppen ab. Die medizinische Faktenlage ist halt auch noch leider ein bisschen dünn – jedenfalls für Skeptiker. Die Firma ist auf eine funktionierende und vernetzte Anwendergemeinde angewiesen, die selber behandeln ja keine Patienten. Und man kann die nicht alle durchs Unterholz prügeln. Das braucht einfach ein bisschen Zeit. Vor allem, weil es in den letzten Jahrzehnten über 100 Sepsis-Studien gab, die alle krachend gescheitert sind. Was sagt denn dein Bauch? Funktioniert das Ding?“

Mutti: „Glaube ja. Aber was ich auch nicht verstehe: wenn ich die Frau Fresenius wäre, dann würde ich die Klitsche doch kaufen.“

Garnix: „Was würdest du denn bezahlen? Wir machen ein Spiel. Du bist die Frau Fresenius, ich bin Dr. Chan.“

Frau Fresenius: „Ich biete 600 Mio USD und denke, das ist mehr als fair.“

Dr. Tschän: „Liebe, Frau Fresenius. Wir haben unseren Umsatz in den letzten sechs Jahren vervierundzwanzigfacht. Vom Wachstums- bzw. Marktpotential her, können wir die nächsten zehn bis zwölf Jahre um 50 – 70 % wachsen. Und das bei Brutto-Margen um die 80 %. Wir bauen zunehmend eine große und gute Anwendergemeinde auf, die die Therapieansätze immer weiter verbessert. Selbst ohne FDA-Zulassung können wir Bäume ausreißen. Mit 600 Mio USD sind sie nicht mal in der Nähe dessen, was ich als Verkaufspreis sehe. Trotzdem danke für das Angebot.“

Frau Fresenius: „Alles schön und gut – aber unterm Strich ist es schon noch eine Klitsche. Letztes Angebot: 1,2 Mrd USD.“

Dr. Tschän: „Die eine Milliarde schaffen wir aus eigener Kraft. Dann können wir uns gerne noch mal zusammensetzen.“

Und was soll das jetzt? Mutti hat so gut wie alle ihre Immobilien für die Hälfte gekauft. Keiner kauft günstiger ein als sie. Die 1,2 Mrd USD von ihr sind daher schon mal ganz gut. 🙂

 

 

2 Kommentare zu „Mutti, Frau Fresenius und Dr. Tschän“

  1. Ich habe auch mal gegründet und nach einigen Jahren einen Deloitte-Preis gewonnen für eine Umsatzsteigerung um das zweiundsechzigfache. Die Zahl der Preisträger, die danach mal einige Zeit hinter Gittern verbringen musste, ist übrigens ansehnlich. Profitabilität fand ich wichtiger, aber dafür bin ich wohl zu sehr old-school.

    Und Frau Fresenius muss den Laden ja nicht kaufen. Es genügt ja, ein paar Leute abzuwerben, ein Konkurrenzprodukt zu entwickeln und sich für einen Patentstreit zu rüsten. Muss ja nicht in den USA sein.

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