Mein Ostern 2019

Das Wissen meiner Firma ist aktuell in 58.326 Datenfeldern gespeichert. Es gibt zwei Personen in meiner Firma, die mit diesen Daten in vertretbarer Zeit und mit vertretbarem Aufwand arbeiten können. Ein ziemlich genialer Doktor in Mathe, mit dem ich die Datenlandschaft initial vor ein paar Jahren aufgebaut habe, und ich, der zurückhaltende und bescheidene Garnix, der mit IT per se nix am Hut hat.

Aber wenn man mit dem richtigen Business Case in mein Büro kommt, hat man ganz gute Chancen, zwei Stunden später mit der Lösung seines Problems wieder abzuziehen. Schatten-IT galore. Wenn ich anbeiße, werfe ich den Beamer an, schnappe mir meine Funktastatur und Maus, begebe mich vor einer Leinwand in so eine halbe Liegeposition und baue vor den Augen meiner Auftraggeber die Lösung zusammen. Und weil der Mathe-Doktor keinen Bock mehr auf seine Kollegen hat, habe ich inzwischen das von mir angepeilte Image: großes aber leider alternativloses Arschloch.

Effizienz: Geschwindigkeit x Qualität

In der letzten Woche saßen unabhängig voneinander Vertreter aus drei Abteilungen bei mir. Alle wollten Schaden von der Firma abwenden. 1 x 400.000 Euro, 1 x 200.000 Euro und 1 x 40.000 Euro. Insgesamt acht Kollegen, die ihr Problem mehrheitlich nur mit ihrer Gestik und Mimik schildern können. Naja, Grunzlaute waren auch dabei.

Für die Lösung des 400.000 Euro Problems habe ich satte 50 Stunden meiner Osterfeiertagszeit geopfert. Privat und von zu Hause im Bett. Hauptsächlich weil es mir Spaß gemacht hat und mir die Kollegen gesagt haben, dass die Jungs von der IT sie nicht verstanden haben und erfahrungsgemäß zwei Jahre für eine mediokre Lösung brauchen, die nur 50 % der Anforderungen abdeckt. Die 200.000 Euro-Lösung habe ich live in 40 Minuten zusammengestrickt. Satte zwei Stunden musste ich für das 40.000 Euro Problem verballern. Fun fact: ich verdiene in 2019 weniger als in 2018. Und die 50 Stunden Osterarbeitszeit sieht und bezahlt niemand.

Nebenbei habe ich letzte Woche noch drei Charity-Projekte abgeschlossen. Charity meint: ohne Impact. In schwachen Momenten vergesse ich auch mal „nein“ zu sagen. Außerdem war ich an vier Abenden essen, habe Tochter und Ex-Frau zum Flughafen gebracht, mir ein Mehrfamilienhaus angesehen, zehn Podcasts gehört, ein Buch gelesen, viel Musik gehört und für meine Mutter drei Geschäftsbriefe geschrieben. Ein Orgasmus für die Freundin und ein paar Telefonate konnte ich auch noch unterbringen.

Gerade rief „Mutti“ an: „Und, biste faul?“
Garnix: „Jo. Muss auch mal sein.“

Und es fühlt sich wirklich so an. Die Zeit, in der man produktiv ist und an irgendwas schraubt, was einen interessiert, ist ganz gut investiert. Der Plan: wenn ich es schaffe, alle halt- und nutzlosen Arschgeigen ohne Impacts aus meinem Büro fernzuhalten, bekomme ich auf meine alten Tage meinen Lebensekel vielleicht doch noch in den Griff.

Kann ja sein. Ich sag‘ dann Bescheid.

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