Wofür ich gerne Geld ausgebe

Gestern auf einem zweistündigen Barfußspaziergang mit meiner Tochter durch den Wald – mit wichtigen Themen:

  • Partyereignisse vom letzten Freitag (was lief gut, was schlecht)
  • Partystrategie für den nächsten Freitag (was tun, wenn der Onkel auftaucht)
  • Crush-Strategien
  • Freundschaft
  • Konsum

Nur ganz kurz:

  • Party war gut mit minimalem Verbesserungspotential, was den Umgang mit dem Eigentum der Großeltern betrifft
  • Onkel hat so einen Sagrotan-Fimmel – besser nicht einweihen und hoffen, dass er nicht vorbeikommt
  • Immer schön über Bande spielen: Crush von jemandem anderen einladen lassen, wenn man selbst zu doof ist

@Freundschaft & Konsum:

Tochter leiht bester Freundin auf täglicher Basis Geld für Cafeteria, Bus- und U-Bahnfahrten und Burger-Orgien. Hat oft Außenstände von mehr als 100 Euro. Rückzahlungsmoral der Freundin eher schwierig.

Garnix: „Kenne ich! Die Lösung klingt paradox. So wie Feuer mit Feuer bekämpfen. Mein Tipp: weg vom Kleinklein und nur noch große Beträge verleihen. Mit 17/18 wurde ich ständig von einer Person angepumpt, die mir sehr wichtig ist. Neinsagen, war doof. Rückzahlung dann gar nicht oder in unbrauchbarer Währung – uninteressante Bücher und so. Es sah so aus, als würde das nie mehr aufhören, weil die Person nicht mit Geld umgehen konnte. Gespräche waren nutzlos. Eines Tages brauchte die Person unbedingt und schnell viel Geld. Viel meint: 500 Mark. Das war 1990 oder so und wir waren jung. Alte Leihebeträge standen noch offen. Ich wusste, dass das Kleinklein ein Leben lang weitergehen würde und dass die Person insbesondere einen großen Betrag niiiie zurückzahlen würde. Meine Ansage: du bekommst die 500 Mark und wir reden nie wieder über Geld und ob ich dir aushelfen kann. Hat geklappt. Und hat mir, davon bin ich felsenfest überzeugt, viel Geld gespart.“

Tochter: „Hmmm.“

Garnix: „Man hilft Freunden, wenn man das kann. Auch mal mit Geld. Aber nur bis zu einem gewissen Grad und üblicherweise nicht open end. Killt auch die Freundschaft. Von wegen Augenhöhe und so.“

Tochter: „Du hast mich mit deinem Spar-Trip irgendwie angesteckt. Keine Lust mehr, sinnlos Geld rauszuhauen.“

Garnix: „Frag mich mal. Wofür gibst du denn gerne Geld aus?“

Tochter: „Ganz ehrlich? Für garnix, wenn ich ehrlich bin. Diese finanzielle Unabhängigkeit ist schon eine krasse Nummer. Habe übrigens auch meinen ersten Job. Die Mama geht in so ein Thai-Massage-Studio. Die Frauen da brauchen alle Deutschunterricht. Wegen Einbürgerung oder irgendwas.“

Garnix: „Du willst den Bonus abräumen?“

Tochter: „Und ob!“

Hintergrund: wenn sie es schafft im 14. Lebensjahr 1.000 Euro von fremden Leuten zu verdienen, bekommt sie von mir einen satten 4.000 Euro Bonus obendrauf.

Garnix: „Ach du Scheiße!“

Tochter: „Außerdem werde ich Hunde ausführen und als Babysitter arbeiten. Knüpfe schon Kontakte. Eventuell kann ich nach dem Praktikum auch irgendwas für den größten Immobilienotto hier im Umkreis machen.“

Garnix: „Scheiße!“

Tochter lächelt zufrieden.

Garnix: „Du kannst deiner Freundin übrigens vorschlagen, dass ihr gemeinsam Zeitungen austragt und das Geld gemeinsam verballert.“

Tochter: „Schon gefragt. Sie hat keinen Bock auf sowas. Wofür gibst du denn gerne Geld aus?“

Garnix: „Momentan für garnix. Mein größtes Vergnügen ist es derzeit, kein Geld auszugeben und Schulden abzubauen. Ich nehme immer ein Schuldenkonto ins Banking4-Visier und überweise buchstäblich jeden Cent in die Richtung. Sonderkosten wie deine 6.300 Euro Zahnspange oder 4.000 Euro für die Hausrenovierung nerven mich maximal. Bin derzeit im Prinzip auch zu geizig für die 30 Euro Massagekosten pro Woche, obwohl meine Schultern im Arsch sind. Habe noch nicht rausgefunden, wie ich damit umgehe. Tendenziell: alles möglichst in einer Summe bezahlen und nicht mehr dran denken. Ist aber schwierig, wenn das alle Excel-Prognosen zerbröselt.“

Irgendwas ist immer, wenn man nicht als Single in der Mongolei lebt und Ziegen hütet. Apropos. Nach der letzten Folge von „The Grand Tour“ ertappe ich mich bei dem Gedanken, die Mongolei auf die Reiseliste aufzunehmen. Richtig schön da.

ps_
Von wegen barfuß: ihre Schuhe haben gedrückt, ich war solidarisch. Und Tina behauptet, dass Barfußspaziergänge total gesund sind.

4 Kommentare zu „Wofür ich gerne Geld ausgebe“

  1. Führen durch Vorbild – scheint zu fruchten 😉 Bei mir scheiterts noch an der einfachen Formel „Spare im Lot, dann hast du in der Not“ am Beispiel von Fruchtgummi und Smarties – aber das klappt bei Dreijährigen nur bedingt (also garnicht).

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  2. Hi, Slowroller.

    In meiner Familie heißt das: spare in der Not, dann hast du Zeit.

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. “Milliardäre sind Leute, die auch einmal als ganz gewöhnliche Millionäre angefangen haben.” (Jerry Lewis)

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