„Ich will nach Hause“

Das ist mein Mantra. In Wahrheit will ich gar nicht nach Hause. Eher so im Wohnmobil immer weiter fahren. Hauptsache nicht nach Hause und nicht im Kreis. Und auf gar keinen Fall zur Arbeit!

Mein Mantra kommt mehrfach täglich zum Einsatz. Mein engster Mitarbeiter wurde heute infiziert: wenn man bei seinem Gemurmel genau hinhört, will er auch nach Hause.

Meine Tochter, die neulich im Queen-Film war, kann ihr Mantra sogar intonieren: „Mammmaaaaaaaaaaaa, uhhuhuhu“

Auch ganz gut. Manchmal darf man sein Mantra ja auch wechseln. Heute habe ich nach zwei Meetings auffe Zeche laut „impertinente verkackte undankbare Drecksschweindrecksau“ gerufen.

Allein: das Mantra kann noch so schön sein, eine Hilfe ist es nicht.

Nächste Woche fängt mein neuer Chef an. Wenn ich ihm einen Rat geben sollte:

1. Jeder Direct Report muss sich quasi um seinen Posten neu bewerben, dabei brauchbare KPIs und eine nachvollziehbare Roadmap fürs laufende Jahr vorstellen – das ganze innerhalb von 24 Stunden.

2. Wenn der Kram, der ihm nach 24 Stunden vorgelegt wird, scheiße ist, sagen, dass das keine Basis für eine Zusammenarbeit und Weiterbeschäftigung ist und man in 12 Stunden gerne ein ordentliches Konzept sehen will.

3. Wenn der Kram nach 12 Stunden wieder nix taugt, würde ich fragen, wie der Kollege zu „Mobility“ steht und ob er freiwillig geht.

4. In der Annahme, dass der ganze Vorstand ausgetauscht werden muss: drei Wellen planen und mit dem schwächsten Drittel anfangen.

5. Danach: klare Verantwortlichkeiten, Due Dates und Stati für alles, was in Steerings besprochen wird und einer Handlung bedarf.

6. Besuch und Beobachtung der Direct Reports im Fronteinsatz bzw. während der Bearbeitung einer Problemstellung in einer Gruppe.

7. Mindestens monatliche 1:1 Meetings mit den Direct Reports – Agenda: mindestens eine Erfolgsmeldung, die zahlenbasiert nachvollziehbar ist, mindestens ein zu bearbeitendes Problem, das gerade in Bearbeitung und Behebung ist (nachvollziehbar).

8. Devise: Probleme, die im Scope der Direct Reports sind, werden zeitnah, nachhaltig und zahlenbasiert gelöst. Ein „guter“ Manager, der auf einen Bonus hoffen darf, löst im Jahr zehn ernstzunehmende Probleme.

9. Die Direct Reports sollen so effektiv sein, dass die reguläre Arbeitszeit ausreicht, um zwischendurch auch mal einen gemeinsamen Abstecher in die FKK Oase zu machen oder mit den Kolleginnen halt zum Hot-Yoga-Kurs.

10. Die Direct-Reports lesen oder schauen jede Woche ein Buch, einen Artikel oder ein Video, das/der/das dann gemeinsam bei Mojitos besprochen wird.

Fertig.

Fun Fact: als zum vorletzten Mal die COO-Stelle ausgeschrieben war, gab es vier Bewerber, die alle innerhalb von vier Wochen ein Konzept für ihre Rolle erarbeiten sollten. Der spätere COO, der wohlwollend gerechnet über die Kompetenz von drei Metern Feldweg verfügte, griff kurzerhand zum Hörer und beauftragte die nächstbeste Unternehmensberatung, ihm auf die Schnelle und für schlanke 50k€ (Firma zahlt) ein Konzept zu erarbeiten. Das Konzept wurde dann erfolgreich von ihm aufgesagt, aber inhaltlich nie verstanden.

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