Erziehungsexperimente

Meine Tochter ist auf einem rund fünfhundert Jahre alten Gymnasium in einem Reichen-Ghetto, das bei allen möglichen Schulwettbewerben antritt und oft ziemlich gut abschneidet. Die Schule ist ein Tipp von Wippie, einem Vater von drei erwachsenen Töchtern, die alle da ihr Abitur gemacht haben. Größere Teile der Quandt-Sippe sind/waren auch da.

Sie ist in der achten Klasse und hat von mir den groben Wunsch mitbekommen, in Klassenarbeiten die Note 2 anzupeilen. Für den Fall, dass sie eine 1 schreibt, empfehle ich ihr, weniger zu lernen. Für den Fall, dass sie eine 3 oder schlechtere Noten schreibt, gilt: nächstes mal ein bisschen mehr Zeit zu investieren.

Nebenbei: für die erste 6, die sie in einem der Hauptfächer in einer regulären Klassenarbeit schreibt, habe ich ihr 1.000 Euro versprochen. Davon abgesehen gibt es in Verbindung mit Schulleistungen überhaupt kein Geld – auch nicht zum Zeugnis oder so.

Theorie: die Schule ist ein Marathon, bei dem es besser ist, die Kräfte zu schonen. Spitzenleistungen dann gerne und lieber zum Ende hin.

Irgendwo hier im Blog müsste ich das annäherungsweise schon mal so beschrieben haben.

Zwischenstand: sie ist völlig angstfrei, entspannt, selbstbewusst und experimentiert damit, Lernzeiten immer weiter zu reduzieren und darauf zu vertrauen, dass sie sich relevante Inhalte irgendwie automatisch im Unterricht aneignet. Gestern wurde sie als eins von zehn Kinder aus einem Topf mit 400 Kindern von den Lehrern für einen Englischwettbewerb ausgewählt. Ist freiwillig – und sie ist frei in ihrer Entscheidung, da mitzumachen oder nicht. Falls sie mitmacht, würde sie sich den dritten Acht-Stunden-Tag pro Woche einhandeln. Sie überlegt noch, wird aber wahrscheinlich absagen. Freut mich übrigens sehr, dass sie in Englisch, Spanisch und Französisch richtig gut unterwegs ist.

Nächstes Erziehungsexperiment: arbeiten. Challenge dazu: wenn sie es schafft, sobald und so lange sie 14 ist, 1.000 Euro zu verdienen, bekommt sie von mir einen kräftigen Bonus obendrauf. Bedingung: die Arbeitgeber dürfen nicht aus dem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis stammen.

Theorie: es müsste ihr Selbstvertrauen stärken, zu wissen, dass sie, wenn irgendwas passiert, immer darauf vertrauen kann, aus eigener Kraft zu überleben.

Was sie noch nicht weiß: die nächste Challenge wartet schon. Sobald sie das Angestelltendingsda gemeistert hat, schauen wir mal, ob sie auch irgendeine Selbstständigkeit hinbekommt.

Derweil macht sie ohne mein Zutun ein Vermögen auf Kleiderkreisel, weil sie auf einen reichen Fundus abgelegter Edelklamotten aus ihrem maximalkonsumverseuchten Umfeld zurückgreifen kann.

Einen Praktikumsplatz hat sie sich selbst bei einer Party im Bekanntenkreis der Rotarier-Großeltern beim krassesten Bauträger in der Gegend überhaupt aufgerissen. Tochter: „das mit den Immobilien ist ja nicht sooo schlecht“.

Wenn man sie nach Sparquoten und finanzieller Unabhängigkeit fragen würde, müsste sie sowas sagen wie: mindestens 50 % und mit Anfang 30 wäre gut.

3 Kommentare zu „Erziehungsexperimente“

  1. Alter Schwede, ich wohne in Büdingen. Das wäre ja quasi umme Ecke.
    Dachte, Guru lebt in der Schweiz?!
    Ich checks nicht. Ist aber auch wurscht. 😀
    Der Blog ist auch so obergeil.

    Danke lieber Guru!

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