Screw the box

Das Wurst-Worst-Case-Szenario.

Wenn möglich würde ich gerne meiner Tochter die Ausbildung finanzieren. Läuft es weiter wie bisher, macht sie mit 17 Abitur und studiert dann vermutlich Richtung Lehramt. Das wären dann noch so sieben bis acht Jahre und unterm Strich so um die 150.000 Euro an Kosten für mich.

Sollte es meine finanzielle Situation erlauben, bekommt sie danach und quasi lebenslänglich 5 – 10 k€ p.a. zum Geburtstag bzw. zu Weihnachten. Kann schon sein, dass das Quatsch ist, aber ich würde es ihr gönnen, und es sollte ihr auf ihrem Weg zur FU etwas helfen.

Falls ich ausfalle, stehen Omas und Opas Gewehr bei Fuß. Und so weit ich die Lage überblicke, stehen alle Schlange, ihr zum 18. Geburtstag ein Auto vor die Tür zu stellen. Nach meinem Dafürhalten wird es ein Seat Mii, den ich spendieren würde.

Eine sehr feudale Studentenwohnung gibt es auch bereits – dank ihrem Immobilien-Mogul-Opa. Mitten in der Stadt, gerade frisch renoviert und möbliert – mit knapp 14. Schlüssel dazu hat sie und pennt dort schon manchmal mit ihren Freundinnen. Wenn ich ob ihrer Butze allzu ungläubig meinen Frugalisten-Blick auspacke, versucht sie mich mit dem Verweis auf den Aldi in Wurfweite und auf ihre Verkaufserfolge bei Kleiderkreisel zu trösten. Die ausgemusterten Hermes-Halstücher der Oma gehen weg wie warme Semmel.

Wird spannend, wie das ausgeht. Sie weilt gerade auf Malle, hole sie morgen vom Flughafen ab und lasse mir von der insulanen Sterne-Gastronomie berichten.

Unterdessen bringt mir Tina illegal ausgemusterte Lebensmittel mit. Wir kochen quasi unser eigenes Süppchen. Wenn man uns beobachten würde, käme niemand auf die Idee, dass wir zusammen im Monat locker 14 k€ netto haben. Ich bin inzwischen relativ sicher, dass wir zu zweit mit einem bezahlten Wohnmobil mit etwa 50 Euro pro Tag über die Runden kämen. Ohne irgendwas zu vermissen. Im Gegenteil.

Verrückte Welt.

7 Kommentare zu „Screw the box“

  1. Hallo, Würstchen.

    30 Tage x 50 Euro = 1.500 Euro pro Monat für zwei Personen im Wohnmobil für Essen, Trinken, Treibstoff, Maut, ggf. Stellplatz, Strom, Gas, Wasser, Bücher und ein bisschen Kultur ist vielleicht nicht Hardcore aber schon in Ordnung, denke ich. Vor allem, wenn man bedenkt, wie viel ich früher so ausgegeben habe. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  2. Hi Garnix,

    bzgl. deiner Tochter und den materiellen Zuschüssen: Wie gehst du mit einem evtl. auftretenden Rich Kid Syndrom um?

    Ich habe selbst einige Nachkommen sehr reicher Familien kennengelernt, die mir meist sympatisch waren, aber durchweg Selbstfindungs- und Motivationsprobleme hatten. Sie waren alle (auch in ihren 20igern und 30igern) von ihren Eltern abhängig, auch weil sie sich des sicheren Netzes bewusst waren. Zudem suchten alle nach übermäßig nach Bestätigung, da ihre Eltern soetwas wie ein heiliges Vorbild waren, das sie selbst nicht erreichen konnten.

    Mir stellt sich die Frage bei meinen Kindern auch. Wieviel von unserem Wohlstand lassen wie ihnen zukommen? Wieviel fördert, wieviel schadet?

    Viele Grüße,

    Christian

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  3. Hi, Christian.

    Meine Tochter ist umzingelt von Menschen, die noch nie Geld verdient oder gearbeitet haben. Eine Bekannte hat tasächlich eine Klingel, von der sie reichlich Gebrauch macht, um einem Thailänder, der ihr rund um die Uhr zur Verfügung steht, irgendwelche Aufträge zu erteilen. Der Onkel meiner Tochter kann die Ausstattungsliste von Porsche auswendig aufsagen. Ihr Opa hat einen Fetisch, nur in die teuersten Restaurants zu gehen. Alles sehr verdreht und verzerrt. Und keiner aus dieser Brut ist wirklich frei oder glücklich. Immerhin taugen durch die Bank alle als abschreckende Beispiele dafür, wie man es besser nicht macht.

    Von der 6.000-Euro-Zahnspange abgesehen hatte und habe ich derzeit eigentlich noch keinen Grund, mir Sorgen zu machen. Von einem guten Handy und Notebook abgesehen, hat sie so gut wie nie Lust, auch nur einkaufen zu gehen. Teure Marken sind ihr egal oder findet sie doof. Und für die elend teure Spange habe ich sie zwei Stunden argumentieren und rechnen lassen. Unter anderem sollte sie die 4 % Regel auf die 6.226,26 Euro anwenden und schätzen, wie viele von 100 Kindern diese komische Spange bekommen (ihre Antwort: „vielleicht 1 von 100“). Wenn sie jemand nachts aufwecken würde und zum Thema Sparquote befragen würde, bin ich sehr sicher, dass sie sowas wie „mindestens 50 %“ sagen würde.

    Mache ich mir Sorgen? Vielleicht ein minibisschen. Hätte es gerne gesehen, dass sie auf die reguläre Spange switched und dafür mit mir eine Taschengelderhöhung verhandelt. Kann sie aber auch verstehen, weil dieses sauteure Schienengedöns wohl deutlich unauffälliger und angenehmer zu tragen ist.

    Hat sie zu viel Geld? Ich gebe ihr so viel Taschengeld, dass sie bei einer Sparquote von 50 % etwa das Taschengeld ihrer beste Freundin übrig bleibt. Was ich leider null im Griff habe ist, wie viel Geld ihr die Omas und Opas so nebenbei zustecken. Außerdem macht sie ein Vermögen mit dem Verkauf irgendwelcher Hermes-Tücher, die ihre Oma aussortiert.

    Unterm Strich wird man sehen müssen, wie sich die Sache entwickelt. Die Einflussmöglichkeiten werden jedenfalls weniger und weniger.

    Viele Grüße
    Garnix

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  4. Hi, MrM.

    Glaube ja. Hatte aber Tränen in den Augen, stand unter Schock und habe stark gezittert, als man mir den Kostenvoranschlag zur Begleichung überreichte.

    Viele Grüße
    Garnix

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