Ethische Investments

In den Kommentaren zum nachfolgend verlinkten Artikel wird die Frage aufgeworfen, welche Unternehmen unter im weitesten Sinne ethischen Aspekten investierbar sind.

Dass bei diesem Thema – analog zur Ernährung – immer so eine Tendenz besteht, „oberlehrerhaft moralisierend“ zu klingen, wird nicht verschwiegen.

„Findet man bei jedem Unternehmen was zu meckern? Ja, bestimmt. Aber manche haben eben etwas, was ich als schlecht empfinde, als Geschäftsmodell verinnerlicht. In so einem Fall mag ich persönlich da einfach kein Geld reinstecken.“ schreibt der Kommentator.

http://www.intelligent-investieren.net/2012/02/grundsatze-nach-festungen-ausschau.html#more

Ich werfe vor diesem Hintergrund mal ein paar Bälle in die Luft, ohne das Thema für mich abschließend durchdrungen zu haben.

Gehen wir mal von meinem idealen Investment bzw. Unternehmen aus.

Das ideale Unternehmen ist eines,

  • dass die Welt besser macht,
  • dass ein großes Potential hat,
  • dass tolle Leute beschäftigt und
  • für das ich sehr gerne selbst arbeiten würde

Konkret: ich habe meine Tochter um Erlaubnis gebeten, bei CTSO anzuheuern. Viel mehr als ein Abtasten war das nicht. Ich verdiene ganz gut und bin jetzt auch kein Fanatiker, der Tochter, Freundin und alles stehen und liegen lässt. Meint: ich will/kann/darf noch nicht, weil das ohne einen Umzug nicht zu bewerkstelligen wäre. Hätte ich Lust? Hell Yeah! Ich halte es für ein riesiges Privileg, an einer Sache und mit Leuten zu arbeiten, die die Welt ein Stückchen voranbringen.

Dass ich mein engeres Umfeld nebenbei manipuliere und zum Verkauf ihrer Rüstungsaktien motiviere, ist eh klar. Die Hardcore-Materialisten eben mit einem besseren Upside-Potential von ethisch ansprechenderen Investments. Der Zweck heiligt hier die Mittel.

Im Kommentar wird Amazon bzw. deren eher durchwachsenen Qualitäten als Arbeitgeber angesprochen. Ich würde noch hinzufügen, dass Amazon ganze Innenstädte verweisen lässt und gerade in kleineren Gemeinden lokale Einzelhandelstrukturen komplett zerlegt. Freier Wettbewerb und so. Die sind nicht der Teufel und machen einen guten Job. Kann man nix sagen. Aber ich habe einfach keinen Bock auf sowas.

Wiegesagt: ich habe hier noch nicht alles zu Ende gedacht, bin selbst immer eher Saulus als Paulus – aber die grobe Richtung von Unternehmen und des eigenen Handelns muss schon stimmen, finde ich.

Ist das auch ein Argument gegen ETF-Index-Investments? Für mich ja.

11 Kommentare zu „Ethische Investments“

  1. Grundsätzlich kann natürlich jeder selbst entscheiden in was er investiert. Rein praktisch wird sich aber rein gar nichts an oder in dem Unternehmen ändern egal ob ich oder jemand anders die Aktien an einem Unternehmen hält.
    Und Unternehmungen die mein Geld für das operative Geschäft brauchen sind für mich in der Regel langfristig sowieso schlechte Investments. Gute Investments tragen sich von selbst, wachsen organisch ohne großen Kapitaleinsatz und werfen dabei soviel Cash ab das auch für die Inhaber etwas überbleibt.
    Es ist sinnvoller mit dem generierten Cash dann Gutes zu tun, als grundsätzlich moralisch verwerfliche Investments abzulehnen. Aber das ist natürlich nur meine rationale Meinung.

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  2. BEI ETF kann man selektieren. Es gibt da einige die ethisch diversifiziert sind. Rüstung, Glückspiel, etc. Kostet dann halt ein paar zehntel % TER mehr…

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  3. Ethische Investments sind ein heikles Thema, ich hab mich trotzdem für den jeweiligen World/EM SRI-ETF entschieden. Der TER-Unterschied liegt beide Male bei 0,08 Prozentpunkten. Das nehme ich in Kauf, aktuell liegen meine SRI-ETFs nach einem Jahr sogar 2,18 bzw. 2,14 Prozentpunkte über dem jeweiligen Vergleichs-ETF. Muss aber auch nicht so bleiben..

    „Ethisch“ ist eh sehr schwierig zu fassen, in meinem MSCI World SRI ist z.B. auch McDonalds vertreten, die ich persönlich nicht so eingestuft hätte. Habe also doch etwas die Katze im Sack gekauft.

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  4. Ethisch ist auslegungesache, aber streng genommen musst du dann schon einen grossen Bogen um im Grunde alle Lebensmittelkonzerne, Getränkehersteller und fast Food Ketten machen. Unsere Gesellschaft und vor allem unsere Kinder ernähren sich total scheisse und verfetten und verzuckern dabei. Und die Lobby setzt durch, dass die Lebensmittelampel, die auch Analphabeten verstanden hätten, nicht kommt.
    Ich glaube nicht, dass du einen ETF findest, der Nestle, Kellogs, Coca Cola und McDonalds ausschließt.
    Grüße
    Windsurfer

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  5. Hallo GOG,

    vorweg ein kleiner Schwank aus der Jugend: mein Weg zu Investments an sich hat direkt über „ethische Investments“ geführt bzw. begonnen. Zu Beginn war ich noch, wie wohl die meisten Deutschen (was Herr Merz ja freundlicherweise noch mal für uns ermittelt hat), der Meinung, das Aktien böse sind. Je mehr ich darüber lernte, desto stärker änderte sich meine Meinung in die Gegenrichtung. So sehr, dass ich mittlerweile der Meinung bin -und hier bitte ich inständig um Berichtigung, sofern ich etwas übersehe- dass das Abstoßen von Beteiligungen an Unternehmen, die der eigenen Meinung nach unethisch handeln sogar kontraproduktiv ist. Schließlich wandern die Anteile auf diesem Weg aus den Händen von jemandem, der offenbar daran interessiert ist, dass sich der Status Quo ändert, in die von Leuten, denen Ethik praktisch egal ist und die auf der HV ausschließlich für ökonomische Interessen stimmen. Zumal Aktien, wenn sie an der Börse erworben werden, dem Unternehmen selbst ja auch gar nichts mehr einbringen (auch hier lasse ich mich gern korrigieren, sollte dem nicht so sein). Sprich hier meine Frage: ist es nur emotional doof, wenn man in Unternehmen investiert, die der eigenen Meinung nach verwerflich handeln oder bleibt nach Abzug aller Gefühle auch etwas übrig?
    Die Frage geht, sofern das bei dieser Kommentarlänge überhaupt jemanden betrifft, natürlich auch an alle anderen Leser, die dazu etwas zu sagen haben.

    Beste Grüße
    LGN

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  6. Hallo, LGN.

    Danke für deinen Kommentar. Zunächst: ja, es gibt einen Primär- und einen Sekundärmarkt (Emissionen und Börsenhandel). Dass der Sekundärmarkt dem Unternehmen quasi nichts mehr einbringt, ist vermutlich Konsens und für „Bestandsunternehmen“, die durchfinanziert sind, nicht falsch. Kann man das auch anders sehen?

    Klar. Stell dir vor, es wäre ethisch verpönt oder per Anlagerichtlinien vielleicht sogar verboten, dass sich große institutionelle Anleger an ethisch fragwürdigen Unternehmen beteiligen. Unterstellt man, dass das negative Auswirkungen auf den Börsenkurs hat, wäre das schon mal doof für die mit Mitarbeiteraktien incentivierten Mitarbeiter des Unternehmens. Und wie friedlich und freundlich dann die Hauptversammlungen ablaufen, ist auch fraglich – auch wenn man sich ein paar Jahre vermutlich über tolle Dividendenrenditen freuen würde. Letztlich sehe ich aber starke Interdependenzen zwischen Primär- und Sekundärmarkt UND zwischen Sekundärmarkt und Markterfolg. So ein bisschen „Aufklärung“ findet ja doch statt – und wie erfolgreich wird ein Unternehmen am Markt mittel- bis langfristig sein, wenn „man“ daran nicht mehr beteiligt sein will? Egal in welcher Form: als Kunde, als Aktionär oder als Mitarbeiter.

    Die von dir skizzierte Alternative, das Unternehmen von innen heraus umzubauen, hat was. Ich stelle mir das aber ungleich schwieriger und langwieriger vor, als von vornherein ethisch sauberer aufgestellt zu sein.

    Unterm Strich ist mir persönlich das auch zu viel Konjunktiv und um die Ecke gedacht – ich will „Kackunternehmen“ weder zeichnen noch handeln noch als Kunde unterstützen.

    Für mich gibt es „karma“negative, -neutrale und -positive Unternehmen. Bleibt die Frage, inwieweit man sich als als Investor ohne „karma“negative Investments einschränkt. In meinem Anlageuniversum schwirren so um die 25.000 Unternehmen aus 35 Ländern rum. Ohne das gerade quantitativ belegen zu können: ich fühle mich quasi null eingeschränkt.

    Da schließt sich übrigens der Kreis zur Ernährung: wenn ich mich heute entscheide, vegetarisch oder vegan zu ernähren, kann ich das quasi ohne Einschränkung und irgendwelche Nachteile tun. Ich koche gerade eine vegane Bolognese, die ich locker meinem Vater vorsetzen könnte, der Veganer für geisteskrank hält. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  7. Hallo zusammen:)

    Sehr interessantes Thema, dass hier verhandelt wird. Ich teile eher LGNs Meinung. Natürlich treibt ein jeder Aktienkauf den Kurs in die Höhe (im Falle eines kleinen Privatkaufs natürlich nur in sehr geringem Umfang, aber dennoch) und das wiederum bedeutet auch, dass sich das Unternehmen günstiger refinanzieren kann (günstigere Kredite, evtl. Kapitalerhöhungen, etc.) und somit seinen Aktivitäten leichter nachgehen kann. Demgegenüber steht das Stimmrecht, so kann man sich gegen unerwünschte Aktivitäten aussprechen. Beide Effekte sind natürlich verschwindend gering wenn man lediglich ein paar Tausend Euro investiert. Zum einen bewegt sich der Kurs der Aktie nur unmerklich und zum anderen wird man als Einzelinvestor mit seinem Stimmrecht auf der Hauptversammlung nur äußerst geringen Einfluss auf Wahlergebnisse haben. Allerdings kann man sich auf einer HV als Kleinaktionär auch aufs Podium stellen und so vielleicht Größeres lostreten indem man die anderen Teilhaber auf offensichtliche Missstände aufmerksam macht. Wenn man den Kurs eines Flugzeuges ändern will, dann macht es Sinn ins Cockpit zu gehen.

    Den größten Einfluss auf Unternehmen hat man jedoch als Konsument. Wenn ich ein paar mal bei Shell tanken gehe, dann fließt deutlich mehr Geld direkt in deren Kasse als auf indirektem Wege, wenn ich ein paar Aktien von denen kaufe und sie dadurch Vorteile am Kapitalmarkt haben. Ich bin long in Shell obwohl ich es z.B. überhaupt nicht gut finde, was die in Nigeria so treiben.

    https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lkatastrophe_im_Nigerdelta

    https://www.amnesty.ch/de/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/fallbeispiele/nigeria/dok/2017
    /shell-ein-kriminelles-unternehmen

    Ein guter Freund warf mir neulich vor, dass ich mitverantwortlich für das (fortwährende) ökologische und soziale Desaster in Nigeria sei weil ich ja schließlich Aktien von Shell halte. Ich hielt ihm entgegen, dass er selbst mehr Verantwortung dafür trage, weil er deutlich öfter tanke als ich und keine Dividende aus Shell „absaugt“. Aus seinem Budget fließt dem Unternehmen Shell netto Geld zu. Bei mir verhält es sich genau umgekehrt. Somit fazilitiert er die weltweiten Schweinereien des Ölmultis während ich sie tendenziell erschwere. Ich halte diese Argumentation für schlüssig und konnte damit sogar meinen (starrsinnigen) Freund überzeugen.

    Mich würde interessieren, was Ihr von dem Gedankengang haltet.

    Liebe Grüße
    Stockpicker

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  8. Hallo, Stockpicker.

    Inwieweit eine theoretische Stabilisierung des Aktienkurses im Sekundärmarkt das „Absaugen“ von Dividenden ausgleicht, keine Ahnung. Ist sehr abstrakt und auf die Spitze getrieben. Ich wüsste auch nicht, wer da als Superinstanz für alle ein „Machtwort“ sprechen sollte. Ich freue mich aber zumindest, dass es solche Gedanken und Diskussionen inzwischen immerhin gibt. So weit mir das bekannt ist, gibt es seit 2017 vereinzelt Berichte, dass Banken nicht mehr alles und jeden finanzieren (Beispiel: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/bnp-paribas-wird-gruen-kein-geschaeft-mit-schieferoel-konzernen-15241986.html)

    Dass das aktuell noch keine konkreteren Auswirkungen haben dürfte, liegt auf der Hand. Aber die grobe Richtung hat man schon mal eingeschlagen. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  9. Ich bin hier schon länger stiller Mitleser und habe mich über den Beitrag gefreut, weil er viele Überlegungen meinerseits enthält. Mit ethischen ETFs habe ich aus bereits genannten Gründen so meine Probleme: Ich kaufe doch keinen ethischen ETF mit Aufpreis im Vergleich zu einem MSCI World, nur um dann McDonalds drin zu haben. Noch schlimmer finde ich viele aktive Fonds, welche dann für gute Gebühren immer noch greenwashing bieten. Momentan sehe ich die einzige Lösung darin, mir ein wikifolio zu basteln, das meinen Maßstäben genügt. Wenn ich das dann investierbar mache, dann bekomme ich für nicht ganz billige 0,95% p.a. die Möglichkeit auch mit kleinem Geldbeutel breit gestreut und ethisch sinnvoll zu investieren.

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  10. Schwieriges Thema alleine schon deshalb, weil es keine einheitliche Definition von ethisch, nachhaltig oder ESG/SRI gibt. Wenn es keine passende „fertige“ Strategie über Fonds oder ETFs gibt, dann sollte man in der Tat seine eigene Auswahl treffen. Investieren in Reinform mit dem höchstmöglichen Filter.

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