Guckguck, Stockpicker & Karl

Lieber Stockpicker,
Lieber Karl,

wenn ihr Zeit und Lust habt, könntet ihr bitte mal das Video von Minute 36 bis Minute 44 anschauen? Für mich scheinen die Ärzte in Emden im Einsatz des Adsorbers recht weit zu sein. Die Ergebnisse sehen auch ganz gut aus.

Falls ihr das auch noch kommentieren wolltet, tut euch keinen Zwang an. 🙂

Vielen Dank vorab und viele Grüße!

Update:

Bezugnehmend auf meinen Kommentar an Stockpicker: ein Bild des Familienhundes „Eddie“. Wenn er Mist baut, rufen ihn alle „Eduard“. Wenn er sich für irgendwas zu fein ist, rufen ihn alle „Edward“

eddie2

 

 

4 Kommentare zu „Guckguck, Stockpicker & Karl“

  1. Lieber Guru,

    Das nenne ich mal eine Begrüßung! Da kommentiert man gegen seine Gewohnheiten einmal und schon bekommt man einen Deluxe-Fresskorb zugeschickt und wird im nächsten Header erwähnt:)
    You’re just to good to be true
    I love you Guru, and if it’s quite alrigth I need you Guru

    Ich habe mir das Video teilweise angeschaut (genauer: den ersten Beitrag und den vom Emdener), mich etwas zur aktuellen Studienlage eingelesen und bin jetzt noch skeptischer als zuvor, was die positiven Effekte des Filtereinsatzes angeht. Bisher fehlen einfach belastbare klinische Studien. Dass solche noch kommen ist natürlich nicht ausgeschlossen aber bisher spricht in meinen Augen nicht allzuviel dafür. Die Studie, die der erste Sprecher erwähnt (https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0187015) fand ich besonders bemerkenswert (auch weil sie kontrolliert, randomisiert, multizentrisch und damit potentiell „gut“ ist)
    Verblüffende Kernaussagen:
    1. Der Filter, der Cytokin 6 aus dem Blut fischen soll, führt nicht zu einer Reduktion der Cytokin 6 Konzentration im Blut.
    2. Die Sterblichkeit steigt (!!!) bei Filtereinsatz signifikant. (Das ist natürlich ein verheerendes Ergebnis! Wenn man für Morbidität adjustiert, zeigt sich kein Einfluss des Filters auf die Mortalität, was auch nicht gerade berauschend ist)
    Ob der Filter sich bei engerer Indikationsstellung bewährt bleibt abzuwarten, m.M.n. sind die bisherigen Daten eher ernüchternd. Es wäre natürlich toll ein neues, wirksames Instrument in der Sepsistherapie zu haben, deswegen ist es auch so wichtig, dass neue Produkte erfunden, beforscht und evaluiert werden! Ich bete zu Superman, dass sich der Filter bei gezieltem Einsatz zur Superwaffe im therapeutischen Bereich entpuppt. Sollte dies nicht der Fall sein, so hoffe ich wenigstens, dass unser Guru mit seinem Investment nicht auf die Nase fällt. Es gibt (leider) viele ineffektive Therapien mit denen ein riesiger Haufen Geld verdient wird…

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  2. Lieber Stockpicker,

    tausend Dank für deine Zeit und deine Mühe!

    Als gründlicher CTSO-Investor (oder Lottospieler) müsste man Stand heute mit meinem Wissensstand in etwa drei Schockmomente erleben, die ihre Ursache in zwei Studien und einer Anwendungsbeschreibung haben.

    Zu den zwei Schocker-Studien habe ich mir folgende Metapher überlegt, die ich sogar mit einem echten Foto unterlegen kann (erscheint gleich im Artikel). Ich weiß, ich gehe hier ein hohes Risiko, dass die Polizei kommt und mich wegen der DVSGO verhaftet oder so. Aber mir ist heute danach.

    Die Metapher geht so: es gibt einen Familienhund. Das Sorgerecht teilen sich mein Vater und meine Tochter. Der Hund ist freundlich und nett – in Wahrheit: einer der besten Menschen, die ich kenne. Aber wo viel Sonne ist, ist auch Schatten. Da müssen wir uns nichts vormachen. Der Hund hat manchmal schlimme Blähungen. Nicht schlimm? Von wegen. Fahr mal im Auto mit ihm!

    Meine streng wissenschaftlichen olfaktorischen Untersuchungen auf Autofahrten kamen zu folgenden Ergebnissen:

    1. Das Fenster zu öffnen und wieder zu schließen, bevor der Hund andauernd furzt, bring wenig bis gar nichts.
    2. Das Fenster nur kurz zu öffnen, bevor der Hund mit dem Furzen aufgehört hat, bringt wenig bis gar nichts.

    Fertig. Das war die Metapher.

    Der 1. Punkt bezieht sich auf eine Studie, in der man den Filter präventiv eingesetzt hat, bevor irgendwelche inflammatorischen Parameter auffällig waren. Kurz bevor die Parameter dann explodiert sind, hat man die Patienten ohne Adsorber sich selbst überlassen und festgestellt, dass der Filter in einem solchen Szenario gar nix bringt. Quelle surprise! (Hinweis: präventiver präoperativer Adsorber-Einsatz bei Bluthochdruckpatienten mit entsprechender Bluthochdruckmedikation ist super und reduziert viele bis alle konnotierten Komplikationen – Studie dazu gibt es hier auch irgendwo).

    Der 2. Punkt bezieht sich auf „deine“ Studie, die auf Daten aus der Anfangszeit des Adsorbers bezieht: seinerzeit hatte man die berechtigte Angst, dass der Filter die Hämodynamik ja vielleicht total durcheinander wirbelt bzw. gute nicht von schlechten Dingsdas unterscheidet. Deshalb ist man erstmal mit so einem Viertelfuß ins kalten Wasser „gesprungen“ und hat den Filter pro 24 Stunden nur jeweils sechs Stunden eingesetzt. Mit Verlaub: das ist überholt. Die Emdener Kollegen sind da viel, viel, viel weiter. Alles deutet heute darauf hin, dass der Filter idealerweise alle zwölf Stunden gewechselt wird (nicht abgesetzt sondern ausgetauscht). Die Sepsis Zahlen in Verbindung mit einer Pneumonie sind für meine Begriffe ein Knaller (Minute 36 bis 44).

    Der dritte und letzte Schocker aus einem Anwendungsbericht: ein Intensivmediziner hat festgestellt, dass es beim Einsatz des Adsorbers zu einem „Clotting“ kommen kann. Das stimmt auch. Ist aber – wie wir dank Annabell wissen – ein bisschen nervig und mit Aufwand verbunden aber kein echtes Problem.

    Freue mich weiterhin über alle Hinweise, die ich für sehr wichtig und wertvoll halte!

    Viele Grüße
    Garnix

    DISCLAIMER: ein Investment in obskure Aktien, die nur Geld verbrennen*, kann schwer nach hinten losgehen. * Verbrennen meint: Forschung und Studien finanzieren, Produktionsstätten und einen Vetrieb in 50+ Ländern aufbauen und mutmasslich vielen Menschen das Leben retten. Im Ernst: das ist aktuell ein Indizienprozess, es gibt noch keine großen randomisierten Studien und das Ding kann wirklich nach hinten losgehen.

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  3. @Guru

    „Freue mich weiterhin über alle Hinweise, die ich für sehr wichtig und wertvoll halte!“

    Freust Du Dich über alle Hinweis oder freust Du Dich nur über die, die Du für wichtig hälst ;-)? Die Deutsche Sprache ist toll.

    Meine Grundskepsis hat sich durch den Bericht nicht verändert. Weder wurde der medizinische noch der wirtschaftliche Mehrwert wissenschaftlich belegt. Diese Anwenderberichte sind „Erfahrungsberichte“ aus der Praxis und haben keine Studienqualität.

    Da man auf solchen Veranstaltungen ohnehin nur die positiven Stimmen einlädt, bin tatsächlich sogar enttäuscht. Ich hätte deutlich bessere Ergebnisse der „Anhänger“ erwartet.

    Insbesondere die Uni Jena fand ich interessant. Die Aussage „Sterblichkeit ist mit Filter höher [im vgl. zur derzeit allgemeinen Sterblichkeit bei Sepsis], weil wir nur die besonders Kranken behandeln“ kann natürlich richtig sein, würde dann aber keinen relevanten Markt mehr übrig lassen. Aus den anderen Aussagen ließ sich nämlich schließen, dass es bei den leichteren Sepsisfällen keine positiven oder sogar negative Effekte gibt.

    Unabhängig von allen vorhandenen oder nicht vorhandenen Nutzen, sehe ich noch ein ganz anderes Problem. Cytosorbet scheint nicht die richtigen Stakeholder zu haben, die das Produkt in den Markt drücken. Die meisten Kliniken, die dort berichtet haben, haben keine wissenschaftliche Relevanz. Ärzte folgen wenigen Meinungsmachern.

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  4. Hallo, Karl.

    Ich freue mich über (fast) alle Hinweise. Über deine quasi immer.

    So besonders viel habe ich derzeit nicht mehr im Köcher. Ich glaube, wir können festhalten, dass wir ohne eine große randomisierte Studie nicht weiterkommen. Fair enough.

    Hinweis in die Runde: CTSO betreibt derzeit keine (große) Sepsis-Studie. Die beiden großen Studien, die laufen, spielen sich in der Kardiochirurgie ab. Falls jemand einen Kardiochirurgen kennt… 🙂

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende
    Garnix

    ps_
    Scheiße, mir fällt gerade ein, dass ich einen Kardiologen über zwei Ecken kenne. Ist sogar ein Professor. Mal gucken, ob der noch lebt.

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