Case of the week 2018/49

Wir sind zu Gast in der Uniklinik Hamburg. 43jähriger Patient, der alleine sage und schreibe 17 Adsorber im Rahmen seiner Behandlung angeflanscht bekommt.

„Alkoholerkrankung, multipler Substanzmissbrauch, Asthma, deutlich reduzierter Allgemeinzustand, delirant, Mischintoxikation, irreguläre Zuckungen, beginnendes Nierenversagen, Verdacht auf Sepsis.“

Der Sepsis-Verdacht bringt ihn auf die Intensivstation, wo er ohne Besserung des Zustands mit einer Antiobiotikatherapie und forcierter Volumengabe nach 24 Stunden mit einer inzwischen schweren bakteriellen Infektion und scheiß hohen Leberwerten zum Röntgen gebracht wird. Lungenbild zeigt Entwicklung von Infiltraten. Lungenentzündung. Dazu „extrem hohe Rhabdomyolyse-Parameter“. Grob zusammengefasst: der Kollege ist schwer im Arsch.

Zu diesem Zeitpunkt entscheidet man sich dazu, den CTSO Adsorber in den Dialysekreislauf zu installieren. In den nächsten zehn Tagen erfolgen 17 konsekutive Behandlungen mit dem Adsorber.

  • Nachdem unter einem 12-stündlichen Adsorberwechsel initial die CK deutlich abfiel, wurde der Versuch gestartet, das Wechselintervall zu verlängern. Darunter kam es sofort wieder zum Rebound bei offensichtlich weiterhin fortschreitender Rhabdomyolyse. Letztlich waren insgesamt 17 Behandlungen notwendig, um die Konzentration der Creatininkinase von initial 174.600 U/l auf einen Wert um 1000 U/l sowie korrelierend das Myoglobin von über 40.000 ng/ml auf zuletzt 1680 ng/ml bei beginnender Nierenfunktion zu reduzieren
  •  Entzündungs- (CRP von 159 auf 61,7 mg/dl) und Infektionsmarker (PCT von 43 auf 0,48 ng/ml) konnten durch die Behandlungen mit CytoSorb deutlich reduziert werden
  • Die initial stark erhöhte Laktat-Plasmakonzentration konnte sehr schnell reduziert werden
  • Die massiv erhöhten Leberwerte waren ebenso nachhaltig abfallend (GOT von 6.700 U/l auf 648 U/l, GPT von 1544 U/l auf 91 U/l, LDH von 4.496 U/l auf zuletzt 486 U/l)“

Nach 25 Tagen auf der Intensivstation und einer Unterschenkelamputatation ging es auf auf die Normalstation. Patient lebt und bekommt die goldene CTSO-Kundenkarte.

„Schlussfolgerungen

• Bei diesem Patienten mit Pneumonie und Sepsis sowie schwerer Rhabdomyolyse und Delir infolge eines multiplen Substanzmissbrauches resultierte die kombinierte Behandlung aus CytoSorb-Hämoadsorption und Nierenersatztherapie in einer deutlichen und nachhaltigen Senkung der Rhabdomyolyseparameter sowie einer Resolution der Laktatazidose und generellen Verbesserung des klinischen Zustands
• Die massive Creatininkinase-Erhöhung lässt sich nicht durch ein Liegetrauma erklären,
so dass die Schwere der Rhabdomyolyse neben dem Alkoholmissbrauch durch den
zusätzlichen Substanzmissbrauch (Cannabis, Heroin und Methadon) multifaktoriell
erklärlich ist. Dies unterstreicht das Potenzial der CytoSorb-Technologie bei Patienten mit Rhabdomyolyse unterschiedlicher Genese…“

Merke: Party-People sollten in der Nähe einer CTSO-Klinik feiern.

4 Kommentare zu „Case of the week 2018/49“

  1. Siebzehn. Krasser Case! Wobei ich eigentlich gerade einwerfen wollte, dass das UKE Hamburg im Vergleich mit vielen anderen Kliniken auch geradezu mit Geld zugeschissen wird – ABER: Aufgrund der Reihenfolge und Anzahl der Autoren denke ich, dass der Fall eher aus Emden kommt und der Kollege aus Hamburg als Berater hinzugezogen wurde. Ist aber auch nicht mehr als eine Vermutung.

    Der Fall zeigt jedenfalls – meiner laienhaften Meinung nach – was für eine unglaubliche Wirkung der Filter haben kann. Und dass er seine ganz eigene, immer größer und größer werdende, Nische hat. Was mir an dem Case vor allem auf- und gefällt: Das initiale „Standardbehandlungsintervall“ scheint sich mehr und mehr bei 12 Stunden einzupendeln. 24 Stunden scheinen zu lang, den Aufbau habe ich jetzt schon bei verschiedenen Cases / Vorträgen gesehen. Und kürzere Intervalle bedeuten, klar, mehr benötigte Filter.

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  2. Hi, DrKangaroo.

    Ich glaube, hoffe und weiß auch partiell, dass es im Ernstfall in der Intensivmedizin gar nicht so sehr auf die Kosten ankommt.
    Abgesehen davon: ein Tag auf der Intensivstation dürfte so bei 1.500 Euro liegen. Wie wir wissen (https://garnixoderguru.com/2018/10/26/ctso-ticagrelor/) kann der Adsorber die Verweildauer auf Intensivstationen deutlich reduzieren. Übrigens: die Kosten für einen Tag auf der Intensivstation in den USA können locker 10.000 USD erreichen.

    Und: wenn man die Puzzleteile zusammenfügt, wird das langsam eine ganz schön große Nische. 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Zu meinem Kommentardebut in diesem wunderbaren Blog ein kurzer Perspektivwechsel:

    Was wird wohl passieren, falls der anderthalbbeinige Patient das Krankenhaus aus eigener Kraft verlassen sollte?

    Zieht mich gerade richtig runter. Und einen Darwin-Award gibts für sowas auch nicht.

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  4. Ahoi, anti_anti.

    Meine ExExExExEx ist Diplom Sozialarbeiterin und arbeitet in der Drogen- und Suchtberatung. (War vorher meine Barfrau und hat mir flaschenweise Jameson gebracht.) Von daher: wenn alles halbwegs rund läuft, besorgt man ihm einen Therapieplatz. Will sagen: unsere Gemeinschaft / Deutschland rettet ihm das Leben im Krankenhaus und macht ihm danach ein Angebot, so weit das möglich ist, auch die Psyche zu reparieren. Ob das angenommen wird und wie weit das trägt, bleibt dabei offen. Dass es grundsätzlich diese Art von Hilfestellungen in Deutschland gibt, finde ich schon mal „not too bad“ – wie die Engländer sagen würden. Dass manchmal alle Hilfe nicht hilft, bleibt natürlich traurig.

    Viele Grüße
    Garnix

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