Quant-Strategien

In der Doof!-Abteilung kommt vermehrt der Wunsch nach mehr Details zu Quant-Strategien auf. Der Beitrag hier ist eine erste Reaktion darauf. Ich habe bei Finanzglück Nico mal folgenden Kommentar zum Thema Wie viel Risiko ist gut für dich? hinterlassen:

„Moin Nico,

ich bin da nicht widerspruchsfrei, das stimmt. Für Kollegen, die mit Kommer für sich den heiligen Gral entdeckt haben, passt das alles auch. Sparplan aufgesetzt und fertig. Kann man machen.

Endet da die Geschichte? Nee, für mich nicht. Alles eine Frage des Anspruchs und der Neigungen.

Ich kann heute mit einem sehr vertretbaren Zeitaufwand ein sagen wir mal O’Shaughnessy Value Composite Two Depot in Kombination mit einer Momentum Strategie aufsetzen, das in 45 Jahren Backtests auf eine annualisierte Rendite von 21 % kommt und dabei zu allem Überfluss auch noch eine etwas geringere Volatilität aufweist als die passenden Benchmarks.

Problem: massenkompatibel ist das nicht. Der initiale Recherche- und Umsetzungsaufwand für so was ist vermutlich irgendwo jenseits von 2.000 Stunden anzusiedeln, wenn man schnell liest. Nebenbei muss man auch noch ein bisschen Geld in die Hand nehmen. Und ein Datenbankfetisch und ein kleines privates Rechenzentrum schaden auch nicht.

Anmassend wie ich bin sehe ich folgende „Bewusstseinsstufen“ im Aktien-Kontext:

0) Aktienauswahl nach Bauchgefühl, keine eigene Due Diligence, ein halber Zeitungsartikel und eine halbgare Empfehlung reichen für ein Investment

1) Dividenden-Renditen – Rente mit Dividende und so was – nicht wahnsinnig rational dafür aber beruhigend für die geschundene Aktien-Seele

2) Index/ETF-Sparen – immerhin schlage ich jetzt die meisten Asset-Manager, habe Zeit für die Familie und bin d’accord mit Kapazitäten wie Kommer, Finanzwesir usw.

3) Gebert Börsenindikator – erster Schritt in die Welt der Eierköpfe. Irgendwie schräg und abstrakt. Dafür weniger Volatilität und etwa doppelte Performance (> 13 % p.a.) bei sehr geringem Aufwand

4) 1.000 und 1 Quant-Strategien – ich habe die Levermann und noch 21 andere Quant-Autoren gelesen und bin jetzt selbst ein halber Eierkopf. Renditeerwartungen basierend auf laaaaangen Backtestperioden jenseits von 20 Prozent. Benjamin Grahams Fair Value Modell habe ich nebenbei und eigenhändig in die Neuzeit überführt. Der eigene Server quietscht und schwitzt regelmäßig

5) Buffett, der alte Haudegen, behauptet nachwievor und heute leichter als jemals zuvor 50 % Rendite p.a. einfahren zu können, wenn er arm wäre und nur Kleingeld hätte (< 10 Mio USD). Munger hat ihm beigebracht, sich von Graham zu lösen und großartige Unternehmen zu fairen Preisen einzukaufen. Alle Firmen, die es nicht wert sind, mindestens 20 % seines Vermögens zu investieren, sind Zeitverschwendung. Due Diligence bis ins Eingemachte und so lange bis es irrational wird, nicht hoch einzusteigen.

Das ist nur meine unbedeutende Sicht auf die Aktien-Welt, die mich übrigens in den letzten beiden Monaten so was um die 170 k€ an Networth gekostet hat. 🙂

Völlig legitim und nachvollziehbar, auf den skizzierten Stufen 1 oder 2 stehen zu bleiben und möglichst viel Abstand zum von dir beschriebenen Panic-Button zu wahren.

Viele Grüße
Garnix“

 

Was will der Künstler sagen? Der Heilige Gral ist für mich erst eine Stufe nach den Quant-Strategien erreicht, eine Aktie zu finden, bei der es Quatsch wäre, nur mit 20 % investiert zu sein.

Graham und die Quants sind für mich und Buffett dank Munger quasi überholt. Credo lautet: „großartiges Unternehmen zu einem okayen Preis“. Was man dann letztlich kauft, ist natürlich Auslegungssache. Dass Munger oder Buffett vor CTSO vermutlich schreiend und/oder lachend wegrennen würden, halte ich für relativ wahrscheinlich. Lustig übrigens, dass Buffett schon als Mini-Investor bei seinen auserwählten Unternehmen vorstellig wurde – ist schön in die Bahn gestiegen und hat mal geklingelt. Geht mal davon aus, dass mein „Due Diligence bis ins Eingemachte“ nicht zwei Stunden ein bisschen rumlesen meint.

Aber noch mal zurück. Die krasseste Quant-Strategie, die es meines Wissens gibt, ist hier beschrieben. In den Folgeteilen ist sogar ein Musterdepot hinterlegt.

Ich könnte euch heute ein Unternehmen nennen, das 40 Mio € Cash auf der Bank, 600 k€ Kosten pro Jahr und eine Marktkapitalisierung von 12 Mio € hat. Ich war auch mal Aktionär. Alleine: ich bin es nicht mehr und habe die Quant-Modelle weitgehend und vorübergehend hinter mir gelassen.

Sobald ich, sagen wir, zwei oder drei Millionen im Depot habe, finanziell unabhängig bin und viel Zeit habe, könnte es ein Quant-Depot bei Wikifolio geben, mit der Vorgabe Zielrendite > 20 % bei deutlich geringer Volatilität als die dazu passenden Indizes.

Gar nicht so sehr, um irgendwen als Investor einzusammeln, sondern weil ein Wikifolio derzeit noch steuerliche Vorteile bietet: geht mal davon aus, dass es eine gewisse Rotation von Werten in Quant-Depots gibt. Als privater Investor ist das natürlich doof, weil ich die bis dahin aufgelaufenen Gewinne jeweils versteuern muss. Das muss man in einem Wikifolio-Mantel derzeit wohl nicht. Problem: Wikifolio ist in der Auswahl an Aktien eher eingeschränkt. Ich screene inzwischen rund 25.000 Aktien in über 30 Märkten, so besonders viel davon ist bei Wikifolio nicht im Angebot. Keine Ahnung, ob, wie und wann das wirklich kommt – hab’s auch noch nicht wirklich durchgerechnet und zu Ende gedacht (Minimum sind wohl 5 % Erfolgsbeteiligung, wovon Wikifolio selbst die Hälfte kassiert).

Dass es hier bis auf weiteres keine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt, wie man sich zu Hause einen backtestfähigen vermeintlichen Mörderscreener hinstellt, bitte ich nachzusehen.

Dafür könnt ihr aber gerne weiter meckern oder euch mit meiner „Bewusstseinsstufe 5“ anfreunden: findet DIE Aktie, die nach eurer Meinung ein Chancen-Risiko-Verhältnis hat, das einen heftigen Einstieg wert ist.

An dieser Stelle gerne aber noch der Verweis an die Aktien-Philanthropin Nummer 1, die euch kostenlos und Excel-basiert einen tollen und kostenlosen Einstieg in die Quant-Welt liefert: Petra Wolff.

Und wofür nun so viel Text ohne neue Infos und konkrete Tipps? Weiß ich auch nicht.

17 Kommentare zu „Quant-Strategien“

  1. Naja 100% in eine Aktie stecken ist eine Sache aber auf Margin …
    Finde Dich schonmal damit ab das Du nächstes Jahr mit Deinem Depot wieder bei 0 anfangen darfst nachdem der Margin Call Dich bei 6-7$ aus der Aktie geschüttelt hat. Wusstest Du das Buffets Kumpel das auch mit BRK probiert hat und dadurch die Aktien zu einem Spotpreis verkaufen musste? Der Typ wäre heute Milliardär, aber der wollte auch zu viel und zu schnell. Evtl. hast Du ja Glück und kriegst noch eine letzte Chance bei >11$ ein wenig glattzustellen und wenigstens Dein Haus zu retten.
    Die Posts über Quantstrategien und Deine Lebensgeschichten finde ich gut, Deine Ratschläge sind aber fürn Arsch.
    Sorry für den harschen Ton, aber ich versuche mich irgendwie an Deinen Blog anzupassen. 🙂
    (Eigentlich will ich nur helfen, befürchte aber das Du da immun bist.)

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  2. Du hast eine Form der Glücksspielsucht und solltest mal einen Psychologen aufsuchen. Oder zumindest ein Postmortem von CTSO machen und die Auswirkungen daraus auf Dein Privatleben untersuchen und mit deiner Freundin/Tochter darüber reden.

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  3. Hi, frommi2.

    Du hast also nicht nur eine Aktienkursglaskugel – du bist auch noch Philanthrop und Hobbypsychologe.

    Herzlichen Glückwunsch dazu und viele Grüße
    Garnix

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  4. Hey Guru,

    wenn man frommis Hinweis anders betrachtet:
    Du weißt mit Sicherheit, dass Risiko=Impact*Eintrittswahrscheinlichkeit.
    Und als zahlenfixierter Mensch machst du mit Sicherheit auch eine Risikoabwägung vor größeren Entscheidungen.
    Ich denke, was er sagen will: Der Impact ist hier so hoch (für das Risiko „CTSO geht Pleite“), dass dein Risiko trotz in deinen Augen sehr niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit insgesamt in einem Feld resultiert, das Beachtung verdient.
    Denn du weißt selbst, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit nicht 0 ist, sondern maximal nahe 0.
    Und der Totalverlust ist halt ein extrem hoher Impact.
    Wie du schon Warren Buffet zitiert hast:
    „If we were running only our own money, putting 75% of our net worth in a single position is not a problem if it is something we really have high confidence in. Putting 500% or more of your net worth in a position is a problem“

    Vielleicht wollte frommi das sagen… (aber ich habe im Gegensatz zu frommi gar keine Glaskugel *g*)

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Michael

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  5. Hallo, Michael.

    frommi2 kennt nicht alle kriegsentscheidenden Parameter und ist für meinen Geschmack etwas vollmundig in seinen Äußerungen. Ist aber okay für mich. Selbstverständlich kann das auch sehr schief gehen. Siehe auch Gemeinde-Updates.

    Viele Grüße
    Garnix

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  6. Möchtest Du damit jetzt sagen , das Fr. Levermann eine Quant Strategin ist ?????
    Schon mal was von Black-Scholes gehört ??? Da kannst Du mal Risikoberechnungen
    ( leider auch nicht ganz richtig , da die Kosten des Handels , nicht eingepreist sind )
    für deine Quant Strategien machen . Alles nette Griechen ……………………………………….
    Wär doch auch mal eine Option ??? Oder sind die CTSO Aktien , nicht Optionierbar ???
    Oder einfach bei “ oldschoolvalue.com “ mal den Piotroski-F-Score Screener
    angeworfen und nach tollen ( ??? ) Aktien suchen . Altmann Z Score , müsste
    eigentlich auch dabei sein . Backtest geht da glaube ich auch . Wenns hilft ?????
    Keine Ahnung . Mir reichen ja immer meine kleinen Bar Div. Zahlungen .

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  7. Lieber Det,

    wie kommen wir zwei jetzt aus deinem Kommentar wieder raus? Ich bin dafür, dass wir das vertagen und irgendwann bei einer Linsensuppe besprechen (und hoffe, dass wir beide es bis dahin vergessen haben und doch über WOMOs labern).

    Viele Grüße
    Garnix

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  8. Michael hat das was ich ausdrücken wollte gut übersetzt, Danke!
    @Garnix hast Du gedacht Du bist einzige coole Typ auf dieser Welt? 🙂

    Laut meinen Aufzeichnungen liege ich zu 60% mit meinen Prognosen richtig, wer weiss vielleicht liege ich hier falsch, mich würde das gar nix kosten. Ich würde mich auch als Quant bezeichnen und habe die letzten 2 Jahre viele -EV/NCAV Werte besessen und bin damit recht gut gefahren (z.B. PBSV von 0.40$->0.8$ letztes Jahr). Aktuell habe ich nur noch einen NCAV Wert und zwar HKG:00398, dürfte so um die 3.4$ wert sein.
    Da ich aber mit einer Rezession nächstes Jahr rechne (aktuell ~50% Wahrscheinlichkeit) habe ich dieses Jahr in defensive Dividendentitel umgesattelt und hedge das mit Futures. (Aber auch mit Value-/Momentumansatz und die Hedges als Trades mit engen Stops). Lief dieses Jahr ganz gut auch wenn ich sicherlich nicht ganz an Deine Solostock-Performance rankomme. Für mich ist aber Regel No. 1 extrem wichtig, mir reichen 5% Rendite vollkommen aus um davon leben zu können solange ich keine großen Drawdowns habe. Ich nutze portfolio123.com und kann das für Quantstrategien wärmstens empfehlen, gibt aktuell nichts besseres in der Preisklasse.
    Mein Networth ist gar nicht soviel höher als Deiner, weshalb ich Deine Handlungen als so irrational einstufe. Für 90% der Menschen in Deutschland gehörst Du schon zu den Reichen, ergo hast Du es bereits geschafft, warum dann noch so rumzocken? Bei 20% Rendite mit einem halbwegs diversifizierten Depot bist Du in knapp 2 Jahren bei der ersten Million und hast nicht das Risiko nächstes Jahr als Bettler von allen Freunden verlassen zu werden.

    ( Ich habe wie gesagt versucht Deine Sprache zu verwenden, wenn Du das vollmundig nennst, dann schau mal in den Spiegel 🙂 )

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  9. frommi2, du vergißt das Garnix ein Immoportfolio (wenn die Mutti das zeitliche segnet) von ca. 20 Mio. in der Hinterhand hat.
    Nicht vergleichbar mit dieser bescheidenen Aktienspekulation die er hier im Blog pumpt.

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  10. Hi Annabell,

    wir müssen das mit oder ohne „A“ bei Gelegenheit noch mal genauer klären. 🙂
    Für 20 Mio Euro müssen aber noch ein paar mehr sterben.
    Und bei dieser Gelegenheit: auf’s Erbe spekulieren ist doof und gruselig.
    Die Wahrheit ist: ich arbeite hart und spare mir quasi jeden Euro vom Mund ab.

    Viele Grüße
    Garnix

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  11. Egal, ob Erbe oder nicht…mit Geld spielt man nicht. Schon gar nicht auf Kredit.

    Trotzdem wünsche ich garnix viel Glück und ganz viele Fantastilliarden.

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  12. Hallo, frommi2.

    Vom Gefühl, Interesse und Einsatz her ist CTSO für mich fast so, als würde ich mich mit irgendeiner Idee selbstständig machen. Der Hebel, den ich einsetze, entspricht etwa zwei Jahren Sparleistung. Das ist für mich alles völlig im Rahmen. Dass du das als irrational oder sonstwas abtust, habe ich zur Kenntnis genommen. Und dass wir hier anderer Meinung sind, haben wir, wenn ich richtig mitgezählt habe, nun zum zweiten Mal festgestellt. Danke trotzdem für deine Sorge und Anteilnahme.

    Viele Grüße
    Garnix

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  13. Kein Problem, ich werde es ab sofort nicht mehr erwähnen. 🙂
    Während Du vermutlich zu aggressiv bist, bin ich vermutlich zu konservativ, insofern kann ich durchaus etwas von Dir lernen. Werde in Zukunft mal versuchen mit etwas Leverage zu operieren. (10-20%)

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