Das Ultimatum

Meine Eltern haben mir so was wie ein Ultimatum gestellt. Sie wissen, dass ich in den nächsten Jahren – am liebsten so schnell wie möglich – meinem Angestelltendasein entfliehen möchte.

Ich hatte erwähnt, dass ich deutlich früher aufhören kann, wenn ich mein Haus verkaufe, das ich bei irgendwelchen Networth-Berechnungen zwar nur mit 375.000 Euro angebe, das in Wahrheit aber eher so um die 475.000 Euro gehandelt werden dürfte.

Freundlicherweise und ohne auch nur danach zu fragen, haben mir meine Eltern für den Fall des Verkaufs zwei Immobilien zur quasi kostenlosen Bewohnung angeboten.

Hier Details zu allen Immos:

# Mein aktuelles Haus: 6 Zimmer, 145 m², 500 m² Garten, verkehrstechnisch ideal gelegen, so lange ich noch arbeite und meine Tochter regelmäßig sehe.

# Die angebotene Wohnung: 3 Zimmer, 100 m², große Dachterrasse, ca. 45 Minuten längerer Anfahrtsweg zur Arbeit, zur Tochter und zur Freundin (einfacher Weg).

# Das angebotene Haus: 6 Zimmer, ca. 130 m², 4.000 m² Garten, ca. 30 Minuten längerer Anfahrtsweg zur Arbeit, zur Tochter und zur Freundin (einfacher Weg).

Ein paar ungeordnete Gedanken dazu:

@ Mein Haus:

  • so lange ich arbeite, komme ich schon mit 500 m² Garten nicht wirklich klar
  • meine Lust, neben der Arbeit noch permanent im Garten rumzuackern, hält sich in engen Grenzen
  • kann aber sein, dass ich meine Einstellung dazu ändern würde, wenn ich mehr Zeit hätte
  • die Lage ist verkehrstechnisch genial
  • die Nachbarn gehen mir auf den Sack

@ Die angebotene Wohnung:

  • coole Wohnung mit minimalem Pflegeaufwand – man schließt die Bude ab und kann locker für sechs Monate mit dem Wohnmobil verschwinden
  • zu weit weg, so lange ich noch arbeite

@ Das angebotene Haus:

  • traumhaftes Grundstück direkt am Waldrand, traumhafter toskanamäßiger Ausblick ins Tal, bekommt man nie mehr wieder so was
  • von der Entfernung, so lange ich arbeite, gerade noch ok
  • massiv viel Arbeit im Garten – kaum zu schaffen, so lange ich noch arbeite
  • im Sommer länger wegfahren und den Garten sich selbst überlassen extrem doof (ohne Personal)
  • wenn man da noch einen Pool für den Sommer hinbaut (Kosten bei rund 30 k€) hat das Ding enormes Magnet-Potential und wird alle Kinder und zukünftigen Enkelkinder anziehen – Platz für alle satt (gib auch noch ein 60 m² Gästehäusschen und ein Baumhaus mit Übernachtungsmöglichkeit)
  • im Verkauf wird die Bude nicht mehr als 400 – 450 k€ bringen ist aber gefühlt mindestens doppelt so viel wert
  • Tochter hängt an Haus und Grundstück
  • ideal, um Hunde zu halten

Meine Eltern (70 und 75 Jahre) werden langsam zu alt, sich um das angebotene Haus zu kümmern und hätten gerne in den nächsten zehn Tagen eine Entscheidung von mir, was es denn nun wird. Wenn ich mich für die Wohnung entscheide, würde man das angebotene Haus verkaufen. Wenn ich mich für das angebotene Haus entscheide, wird man die Wohnung vermieten.

Die nachfolgende Entscheidungshilfe habe ich gerade zusammen mit meiner Tochter angefertigt.

m1

Auf Platz 1 landet also das angebotene Haus. Jetzt muss ich nur noch rausfinden, ob das stimmt bzw. ob ich irgendwas übersehe. Theoretisch und praktisch könnte ich, sobald ich mir sicher bin, loslegen und mein aktuelles Haus verkaufen. Eventuell wohne ich mal einen Monat zur Probe im angebotenen Haus.

Falls irgendwer Fehler in meinen Überlegungen findet, raus damit. Ein Beispiel ist sicher so was wie „Autonomie“ und „Streitpotential mit den Eltern“. Auf der anderen Seite: meine Eltern würde die Bude sonst verkaufen – sind null angewiesen auf das Geld aus dem Verkauf und würden es aus Sentimentalitätsgründen eigentlich viel lieber be- und erhalten. Tausend Erinnerungen und so.

Rauszufinden wäre auch, warum ich mich mit der Entscheidung so schwer tue.

7 Kommentare zu „Das Ultimatum“

  1. Die Tatsache, dass Du bei einem Umzug eher aufhören kannst zu arbeiten, sollte auch Eingang in die Berechnungen finden. Ebenso, dass, wenn du nicht mehr arbeitest, der Arbeitsweg entfällt und auch Zeit für den Garten da ist. Grundsätzlich würde ich die Entscheidung treffen, indem ich annehme, ich arbeite nicht mehr. Das Gleiche für die Entfernung zur Tochter. Diese wird älter und ist später Gott weiss wo

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  2. Hallo, noch1glaswein.

    Ich habe beide Szenarien in der Betrachtung (mit und ohne Arbeit) – in beiden Fällen kommt das gleiche raus. Es folgt demnächst ein mehrwöchiger Test, inwieweit die Verkehrsanbindung klappt. Sollte alles klappen, wird mein Haus nächstes Jahr verkauft – rechtzeitig bevor die Zinsen in 2020/2021 steigen – siehe auch https://garnixoderguru.com/2018/08/22/euro-zukunft/.

    Falls es mir da zu doof und einsam sein sollte, könnte ich mir relativ schnell ein Wohnmobil zulegen. So ein Ding ermöglicht einen unkomplizierten Tapetenwechsel und lockert das sesshafte Gefühl etwas auf.

    Danke für deine Gedanken zum Thema!

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Hey Garnix,
    schöne Tabelle – aus meiner Sicht alles korrekt berechnet. Ich würde den Garten nicht überbewerten – habe selber 1100qm und arbeitstechnisch kaum Zeit mich darum zu kümmern. Das war solange Dauerthema bis ich ein wenig Gehirnschmalz investiert und diverse Änderungen vorgenommen habe. Umgestaltung weg vom Zeitkillergarten zum pflegeleichten Wohlfühlgarten. Beispielsweise etliche Pflanzungen rausgerissen und große Wiesenfläche angelegt, sowie einen Mähroboter (Automower von Husquarna ist absolut super!) installiert, automatische Bewässerung für den Sommer installiert – und schon ist der wöchentliche Pflegeaufwand nur noch 1-2h die man locker irgendwann am Wochenende erledigen kann.
    Zum zweiten Statement meines Vorredners sage ich kopfschüttelnd nur: There Is No Alternative!

    Take care!

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  4. Hey, Doc.

    Danke fürs Checken der Tabelle! Aufgrund der großen Fläche bräuchte ich den 450X. Der Preis ist dann schon heftig. Aber macht schon Sinn. Auch wenn Tim Schäfer davon nie erfahren darf! 🙂

    Viele Grüße
    Garnix

    ps_
    Wenn „There is no alternative“ nix mehr von mehr von mir will, kann ich doch noch segeln gehen (Tina kotzt schon, wenn sie nur einen Hafen sieht). Will sagen: so oder so – ich bin ganz entspannt.

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  5. Na klar nimmste die Hütte . Wohnung ist ja dann NUR vermietet und kann dann ja
    immer noch in die Erbmasse fließen . Außerdem , besser für WOMO Parkplatz für
    Dich ( und evt. MICH , ich wollte doch schon immer Toskanasicht , lach ) .
    Und weiterer Vorteil , Töchterchen hätte dann ja auch eher IHREN bevorzugten
    Abstellplatz ( fürs Leben , ansonsten ) fürs WOMO gefunden . Also WIN/WIN .
    Gartenarbeit ??? Der Trend geht doch mehr zu Naturgarten/Wildwuchs , oder ???
    Also klar nimmste die Hütte und verschenkst die gleich ( ach nee , bis 18 musste
    ja noch warten ) ans Töchterchen weiter ( Alle 10 Jahre 400k ) . Oder einfach die
    Kohle ( max. 400k ) aus Hausverkauf jetzt schon und bei Volljährigkeit , verkaufst
    Du Ihr DAS ( aus dem jetzt bereits übertragenden Vermögen ) . Parkplatzrecht fürs
    WOMO behälst Du dann aber ( Oder wo soll ich dann den Toskanablick genießen ??? ) .

    LG Det

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