Beziehungsratgeber

Nach dem Trennung- und Heiratsratgeber fehlt eindeutig noch der Beziehungsratgeber.

Vor Jahren saß ich auf der Arbeit neben einem Franzosen, der mit Frauen flirten konnte wie kein anderer. Wenn er es darauf anlegte, verließen die noch am selben Abend ihren Freund oder Mann und wälzten sich nackig vor ihm im Staub. Allerdings ohne weitergehenden Erfolg – der Franzmann war verheiratet, hatte zwei Kinder und war seiner Ursel treu. Er liebte es aber trotzdem, bis an die Schmerzgrenze zu flirten – FSK 18 – mindestens. Es kitzelte sein Ego und gab ihm ein Gefühl von Macht.

Immer wenn er mich nach meinem Liebesleben fragte, hatte ich zufälligerweise gerade eine neue Freundin. Er wollte immer Fotos sehen und schrie dann voller Neid: „Putain!“

Sein Problem: er hatte seine Uschi schon mit 15 klar gemacht. Bei aller Liebe: 30 Jahre Non-Stop-Beziehung ist hart. Und noch viel härter, wenn man nicht vorher zweitausend Sachen ausprobiert hat. Kurz: er hasste mich. Perfekte Rahmenbedingen, ihn noch ein bisschen mehr zu reizen.

Garnix: „Franzi, wenn du eine Frau gut findest – richtig gut – und du kommst mit ihr zusammen. Wie lange dauert es, bis die ersten Wolken aufziehen?“

Franzi: „Isch weiss nischt. Vielleischt swei Jahre?“

Garnix: „Und wie lange hat man den besten Sex seines Lebens?“

Franzi: „Vielleischt ein Jahr?“

Garnix: „Und wie lange kann man nicht genug voneinander bekommen? Wie lange kann man nicht aufhören, abwechselnd zu vögeln, sich in die Augen zu schauen und dummes Zeug zu labern? Wie lange ist man das Zentrum des Universums?“

Franzi: „Drei Monate!“

Garnix: „Sehe ich auch so. Und wie lange bist du noch mal verheiratet?“

Franzi: „Putain!“

Garnix: „Dafür habt ihr eure Gewohnheiten und eure Vertrautheit.“

Franzi: „Leck misch am Arsch!“

Merke:
Der maximale, rauschhafte und schwärmerische Zauber währt drei Monate. Das sagen immerhin der Franzose und der Garnix.

Irgendwann wird man aber faul und müde. Die Vorstellung, alle drei Monate die große Zaubershow zu veranstalten, verliert seinen Reiz. Im Zweifel will man seine komischen Geschichten auch nicht wieder von vorne erzählen und bleibt mit einer Partnerin zusammen – vielleicht keine 30 Jahre… aber so ein bisschen.

Die aufmerksamen und vorausschauenden Leser wissen jetzt schon, worauf ich hinaus will. Wann ist der Zeitpunkt gekommen, sich wieder zu trennen?

Das ist einfach. Ich wende die klassischen Baseball-Regeln an: drei „Strike-Outs“ und ich bin raus. Was bedeutet das?

Orgiastischer Sex, großzügigste Geschenke, umwerfende Weisheiten, Zuhören bis zum Ohrenbluten, Hilfe zur Selbsthilfe – inklusive 100 k€ Aktiengewinnen pro Jahr, scheißegal irgendwann wähnt sich deine Uschi im Defizit.

Dann setze ich mich hin mit der Uschi und gehe der Sache auf den Grund – ernsthaft. Ich höre mir alles an, stelle hundert Fragen, gehe in Klausur und erkläre dann dezidiert, was ich tun kann und was ich nicht tun kann, um ihr Defizit-Gefühl zu reduzieren. Danach tue ich, was ich im Rahmen meiner Möglichkeiten tun kann.

Sollte das Thema ein zweites Mal hochkommen, verweise ich auf die erste Runde und erkläre, dass ich nicht zum Defizit-Mann tauge und dass das erste Gespräch und meine Bemühungen offensichtlich nicht helfen und dass ich ihr und ihrem Glück nicht im Weg stehen will. Danach folgt die Empfehlung an sie, über eine Trennung nachzudenken und sich jemanden zu suchen, der ihr gibt, was ich ihr offensichtlich nicht geben kann.

Kommt das identische Thema ein drittes Mal hoch, trenne ich mich.

Ich fahre sehr gut damit: wir hatten bis dahin eine weitgehend schöne Zeit und die Nörgel-Uschi ist frei, den nächsten mit ihren Defizit-Gefühlen zu beglücken.

Und wie lange halten meine Beziehungen so? Ein bis drei Jahre. Und ist das wirklich der richtige Weg? Für mich ja, weil ich sonst Krebs bekommen und/oder die alle erschießen würde. Ich habe so gar keine Lust, mich im Kreis zu drehen.

Und ihr so?

ps_
Ugly Duckly und alle, die gerade eine schwangere Frau am Hals haben, dürfen übrigens nicht mitdiskutieren!

4 Kommentare zu „Beziehungsratgeber“

  1. Hallo, Marc.

    die grobe Richtung: keine Heiratswünsche meinerseits, nicht genug gemeinsame Zeit, keine Unterstützung im Alltag, keine Pläne zusammenzuziehen und weitgehende Separierung: ich verbringe ein Wochenende lieber exklusiv mit meiner Tochter oder exklusiv mit meiner Freundin, meint: entweder/oder und nur sehr selten und.

    Viele Grüße
    Garnix

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