Dividendenzahler – ja oder nein?

Ich hatte diesen Artikel schon mal für fünf Minuten veröffentlicht, musste ihn wegen ein paar Betrachtungsfehlern noch mal überarbeiten. Jetzt müssten Logik und Zahlen halbwegs passen.

Sollte ich aus Rendite- und Steuererwägungen eher auf Dividendentitel setzen oder aber auf Titel, die nicht ausschütten?

Plastischer: Christel und Günther Schablonski sind beide 60 Jahre alt und haben es gottweißwie geschafft, im Jahr 2018 1,6 Mio Euro zusammenzuraffen. Die finanzielle Unabhängigkeit winkt. Christel ist ein Fan von Dividendenzahlern. Günther vermutet, dass diese renditemäßig von Nachteil sein könnten. Er hätte lieber nicht ausschüttende Titel im gemeinsamen Depot. Wer hat Recht?

Wir unterstellen dabei folgende Parameter:

  • Wir unterstellen ein jährliches Wachstum der Investments von 7 %
  • Im Durchschnitt schütten die Dividendentitel 35 % ihres Gewinns aus
  • Steuer und Freibeträge sind die üblichen Standardwerte
  • Investitionssumme sind 1,6 Mio Euro
  • Kapitalbedarf pro Jahr initial 30.000 Euro
  • Inflation bei 2 %
  • Wann immer das Entnahmeziel pro Jahr überschritten wird, wird das überschüssige Geld mit einem einmaligen Kauf mit Gebühren in Höhe von 7,50 Euro wieder angelegt

Was wir in dieser Betrachtung außen vor lassen sind innerbetriebliche Steueraspekte. Man darf davon ausgehen, dass die Steuerlast von ausschüttenden Unternehmen höher ist bzw. dass diese Unternehmen steuerlich weniger Gestaltungsspielraum haben als Unternehmen, die eben nicht ausschütten und ihre Gewinne reinvestieren.

Christel Schablonski hatte keinen Bock, sich auf diesen Aspekt einzulassen. Sei’s drum. Schauen wir mal nach, wie die beiden dastehen, wenn sie Christels Dividendenstrategie folgen:

divzahler

Zwischenergebnis: mit den genannten Parametern haben die beiden nach 20 Jahren einen Depotwert von 4,208 Mio Euro auf der Uhr stehen. Klingt gut.

Günther, der alte Querulant, gibt aber keine Ruhe. Wir benutzen die gleichen Parameter – verändern nur die Dividendenausschüttung von 35 % des Unternehmensgewinns auf 0 %. Und entnehmen Brutto jeweils den erforderlichen Betrag, um den jährlichen Kapitalbedarf zu decken (einmaliger Verkauf zu 7,50 Euro Gebühren).

nodiv

Nach 20 Jahren liegt Günther mit 4,338 Mio Euro Depotwert um immerhin 130 k€ vorne.

Christel kommentiert: „Ist ja kaum ein Unterschied. Und Unternehmen, die Dividenden ausschütten sind nach meinem Dafürhalten irgendwie etablierter und solider. Ich fühle mich da wohler.“

Günther: „130.077 Euro sind kaum ein Unterschied? Du hast ja nicht mehr alle Latten am Zaun. Den eigentlichen innerbetrieblichen Steuer- und damit Renditeeffekt haben wir übrigens außen vor gelassen. Du kannst ja machen, was du willst, aber mein Anteil kommt jedenfalls in nicht-ausschüttende Unternehmen, du dumme Nuss.“

Kurz darauf trennen sich die beiden wegen unüberwindlicher Glaubensansichten. Günther reitet auf einem Leihpony alleine in den Sonnenuntergang. Christel bleibt vor Ort und schreibt Fanbriefe an Alexander.

Ich esse derweil noch eine Einschlaf-Pizza und wünsche trotz der Trennung von Christel und Günther allen ein schönes Wochenende.

26 Kommentare zu „Dividendenzahler – ja oder nein?“

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