Altersarmut und die Bibel

Alle paar Monate stolpere ich bei Youtube über ein Pispers-Video. Zuletzt über das hier. Schön mit Pizza im Bett, während er prophezeit, dass sich 40% der Deutschen im Alter entweder für Wohnen ODER Essen entscheiden müssen.

Die Zahlenangaben sind etwas älter und von mir nicht überprüft. Sagen wir trotzdem mal, dass das stimmt: “

  • Ab 2030 beträgt die Rente 43% vom letzten Nettolohn
  • 40% der Deutschen verdienen weniger als 2.000 € brutto pro Monat
  • In Steuerklasse 1 sind 2.000 brutto knapp 1.400 € netto pro Monat
  • Bei 43% gesetzlicher Rente an 2030 ergibt das eine Rente 602 € pro Monat
  • Mehr als 40% der Deutschen werden also von Altersarmut betroffen sein“

Alter Hut. Aber warum auch immer: so plastisch und drastisch habe ich es bislang noch nicht wahrgenommen – 40 %… schöne Scheiße! Dass Pfandflaschensammeln die Antwort darauf ist, glaube ich eher nicht.

Was macht man jetzt mit dieser Info, wenn man gerade keine Zeit hat, in die Politik zu gehen oder eine Revolution anzuzetteln?

1.
Nach sich selber gucken: gesetzliche und Betriebsrente müssten so bei knapp 4.000 Euro liegen, vorausgesetzt ich bleibe bis zum Ende dabei, was ich nicht hoffe. Passt schon irgendwie. Es liegt – Stand heute – alles in meiner Hand.

2.
Nach Familie und Freunden gucken – exemplarisch so in der Art

  • Cousine wird maximal so bei 400 Euro Rente landen, hat aber die Aussicht auf Mieteinnahmen in Höhe von rund 2.000 Euro pro Monat. Passt. Erbengeneration und so.
  • Ex-Frau: hat selber nix – abgesichert durch Erbe
  • Bester Freund: verdient auf die alten Tage ein Mördergeld, baut aber immer mehr Schulden auf – finanziell ein Sorgenkind
  • Freundin: verbeamtet – Pensionen sind der Kracher – keine Probleme
  • usw.

3.
Überlegen ob und wie man einspringen könnte, wenn ein Mensch, der einem nah ist, irgendwann mal Hilfe braucht.

Zum „ob“: ganz eventuell landet man bei „ob man spendet“ in der Bibel. Die Bibel sagt in 2. Korinther 9, 7: „„Jeder (gebe), wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unlust oder aus Zwang; denn ‚einen freudigen Geber hat Gott lieb‘.““ oder in 5. Mose 8, 18: „„Gedenke an den Herrn, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen.““

Bevor ich noch ein Xavier Naidoo Video verlinke nur noch ein Zitat zum „wie“ – hier eher „wie viel“: die Bibel sagt in 3. Mose 27, 30: „„Alle Zehnten im Lande, vom Ertrag des Landes und von den Früchten der Bäume, gehören dem Herrn und sollen dem Herrn heilig sein.““ Ein bisschen konkreter noch in 5. Mose 14, 22-23 (Simon): „„Jahr für Jahr sollst du gewissenhaft den ganzen Ertrag deiner Saat, der auf dem Felde wächst, verzehnten. Du sollst vor dem Herrn, deinem Gott, an der Stätte, die er erwählen wird, um dort seinen Namen wohnen zu lassen, den Zehnten deines Getreides, deiner Rebenfrucht und deiner Ölfrucht und die Erstlinge deiner Rinder und deines Kleinviehs genießen, damit du lernst, dem Herrn, deinem Gott, allezeit Ehrfurcht zu erweisen.““

4.
Ich selbst bin vor Jahren nach einem größeren FAZ-Artikel aus der Kirche ausgetreten. Fazit des Artikels: maximal sieben Prozent aller Kircheneinnahmen wandern in karitative Zwecke zurück. Über 90 % der Kircheneinnahmen versickern gottweißwo.

Wenn ich gut drauf bin, habe ich manchmal so was wie pantheistische Tendenzen. Gleichwohl habe ich meiner Tochter, als sie klein war, x-mal aus einer Kinderbibel vorgelesen. Ganz gute Geschichten. Und Jesus ist ja auch irgendwie in Ordnung.

Bin übrigens im Oktober mit meiner Tochter mal wieder in Paris, wo in Notre Dame angeblich seine Dornenkrone aufbewahrt wird. Wenn es sich einrichten lässt, gucken wir uns das Ding mal an und diskutieren, ob wir es für echt halten.

Was will ich sagen: das mit dem „Zehnten“ bzw. den 10 % auf alles, geht für mich so weit in Ordnung.

5.
Ich will und werde einmal pro Jahr durchzählen, wie sich mein Networth verändert hat, das Delta zum Vorjahr bestimmen und 10 % davon für wohltätige Zwecke einsetzen, die ich mir selber aussuche. Meine Freundin würde jetzt die Augenbrauen hochziehen und sagen: „naja, worauf wartest du denn? Kannst ja sofort anfangen!“

Ich würde dann derzeit noch auf die Sicherheitsbestimmungen im Flugzeug verweisen, wonach man sich zunächst mal selbst die Sauerstoffmaske aufziehen sollte. Meine Kraft wird weniger. Morgens auf dem Weg zur Arbeit quietscht alles in meinem mittelalten Körper und meiner gebeutelten Seele. Ich muss mich erstmal selber ans Ufer bringen. In Wahrheit hat sie sicher recht: man kann, soll und müsste sofort anfangen. Ich drehe noch mal eine Runde mit diesem Gedanken.

Wenn CTSO diesen Monat keinen Quatsch mehr macht, müsste ich in der Zeitspanne zwischen meinem 45. und 46. Geburtstag so rund 250.000 Euro an Networth-Gain eingefahren haben und könnte so was um die 25.000 Euro spenden. Klingt ganz gut, finde ich.

4 Kommentare zu „Altersarmut und die Bibel“

  1. Moin Guru,

    freut mich, dass du die Bibel zitierst …

    Die 10%-Regel ist uebrigens alttestamentlich (sprich: ist abgehakt).

    Leider denken manche aber: „OK, 10% – schmerzhaft – aber der Rest gehoert dann endlich miiiiiir, oder?“.
    Meintest du uebrigens 10% vom Brutto oder 10% vom Netto? 😉

    Seit Jesus kam (Neues Testament) ist die 10%-Regel „erfuellt“ (egal was dir Kirche & Co erzaehlen wollen).

    D.h.: als Nachfolger von Jesus bist du wirklich frei wieviel du geben moechtest.
    Da du dann selbst jedoch mit Haut & Haaren sowie Seele Christus gehoeren WILLST, gehoert dann natuerlich auch:
    10? 20? 90? nee, alles = 100% Jesus Christus.
    Ausserdem braucht Gott unser Geld nicht. Er will nicht 10%, er will DICH als Person (weil der dich so liebt)!
    Soweit die Theorie (wie ich es fuer mich sehe).

    In der Praxis ist es dann so: in der Beziehung mit Jesus Christus versuchst du offen & ehrlich im Alltag auf Seine Stimme zu hoeren (das mit dem Heiligen Geist in Deinem Herzen; nenne es viell. „feine, zarte Stimme“ oder „christisches Gewissen“ …) und von Fall zu Fall zu entscheiden.

    Wobei ein Abbuchungsauftrag oft auch keine schlechte Idee ist (vgl. ETF-Sparplan). Gute Angewohnheiten, wiederkehrende Uebung und so.

    Fazit: Es geht nicht um die Einhaltung von Regeln um „ein guter Christ“ zu sein, sondern um die lebendige, staendige Beziehung mit dem auferstandenen Christus im Alltag („What would Jesus Do?“).
    Das macht Spass, erlaubt max. Freiheit, ist echt und attraktiv.

    LG Joerg

    Gefällt mir

  2. Das mit den 43% vom Netto stimmt m.E. nicht. Es sind m.E. 43% von letzten Brutto, netto vor Steuer. „Netto vor Steuer“ klingt seltsam, geht aber nicht anders, da jeder Rentner auch bei gleich hoher Rente unterschiedlich viel Stuern zahlt, je nach dem Jahr des Renteneintritts.

    Also 43% vom Brutto und davon noch Steuern wegdenken, Krankenkasse ist schon bezahlt. Bei absoluten Minirenten fällt gar keine Steuer an, da es den Existenzminimumfreibetrag gibt.

    Das wäre dann also nicht ganz so dramatisch. Wobei Versicherungsvertreter gerne die 43% von Netto-Variante verbreiten um Angst zu schüren.

    Gefällt mir

  3. Hallo, Marius, danke für die Korrektur. 2.000 x 0,43 = 860 Euro klingt schon eine Spur freundlicher. Viele Grüße, Garnix

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s