Zu 92 % glücklich

Neuer Top-Wert im Hause Garnix: bin zu angeblich zu 92 % glücklich. Schauen wir mal nach.

92

@Beruf: ich habe drei Jahre intensivst daran gebastelt, dass der CEO MIR vertraut, mich in MEINEM Büro besucht und um MEINEN Rat fragt. Ich war auf gutem Weg. Hatte ihn in der letzten Zeit dreimal in meinem Stuhl sitzen und konnte ganz gutes Zeug pitchen. Leider ist er weg vom Fenster. Drei Jahre Arbeit quasi umsonst. Es bleibt die Erkenntnis, dass Kontinuität und Stabilität eine Illusion sind. Gar nix ist stabil – nie und nimmer. Also – was soll’s. Ich mache meinen Job ganz ordentlich und wer immer durch meine Tür kommt, bekommt ein – in meinen Augen – ordentliches Programm geboten. Mehr kann ich nicht tun. Gestern 30 Leuten ein Konzept vorgestellt, das sehr gut ankam. „Inspiring“, „impressive“ und so was gab’s als Feedback. Ich brauche den Anerkennungskram im Prinzip nicht mehr – aber nett ist es trotzdem.

@Beziehung: „There is no alternative“ aka Tina ist viel zu gut für mich. Gute Frau, gute Energie, sehr smart und eimerweise Empathie und alles, was man sonst noch so braucht – inklusive gemeinsamer Pläne und Visionen.

@Eltern: in einem meiner Kommentare steht, dass ich überwiegend eine „beschissene Kindheit“ hatte. Das stimmt. Irgendwann brach ich den Kontakt zu meinen Eltern für ein paar Jahre komplett ab. Ist aber auch Quatsch, ging mir nicht gut damit. Die Vorstellung, nicht mitzubekommen, dass es ihnen schlecht geht – und überhaupt nix zu wissen, fand ich extrem asozial. Wenn es halbwegs geht, sollte man den Kontakt pflegen – auch wenn es öfter mal knallt. Letzte Episode: meine Mutter hat gegen meinen ausdrücklichen Wunsch vor ein paar Jahren ein Badewannenbild meiner Tochter, das sie als Dreijährige nackt in der Badewanne zeigt, in die Presse gegeben. Als sich meine Tochter, die jetzt 13 ist, vor zwei Wochen spaßeshalber mal gegoogelt hat und sich in der Badewanne wiederentdeckte, standen große Fragezeichen auf ihrer Stirn. Tausend schräge Geschichten – im Kern meint es meine Mutter fast immer gut, aber sie ist und bleibt aus meiner Sicht extrem übergriffig.

@Finanzen: die Networth-Zuwächse sprengen derzeit alle meine Erwartungen. Wer immer da mitlenkt (Superman?): dankedankedanke!

@Freiheit: meine Freiheitsgefühl wächst und blüht. Die Vorstellung, dass ein klitzekleines Übernahmeangebot reinkommt, und ich quasi über Nacht finanziell unabhängig werde, ist gar nicht sooooo weit hergeholt, glaube ich. Kommt natürlich immer ganz anders, der Himmel fällt uns allen auf den Kopf usw. – aber wenigstens passt mein Gefühl dazu.

@Freunde: ich war letzte Woche bei einem alten Kumpel zu Besuch, den ich kürzlich schräg und irrational behandelt hatte. Er hat inzwischen 80.000 CTSO Aktien. Für einen Wettkampfhansi wie mich ist das eine halbe Kriegserklärung. „Wie soll ich dich finanziell platt machen, wenn du mich als Trittbrettfahrer links und rechts überholst?“

Freund: „Hörma auf. Ich bin 22 Jahre älter als du. Du musst überhaupt niemanden platt machen, du Idiot. Alles ist gut. Ich hole dir jetzt ein paar Shorts, dann kannst du dich besser entspannen.“

Ich saß in einer Anzugshose in seinem Garten, hatte ihn scheiße behandelt, und er hat mir seine besten Shorts (frisch gewaschen!) angeboten. Ich habe höflich abgelehnt, war aber sehr gerührt.

Anderer Freund und Ex-Trauzeuge hat mich in mein Lieblingsrestaurant eingeladen (@ ugly duckly: Tipp -> No. 16 in der Löwengasse).

Der Rest ist auch gut, keine Baustellen weit und breit. Morgen früh hole ich meine Tochter vom Flughafen ab, die extrem tiefenentspannt ist, mir ein paar Geschichten aus Malle erzählt und mir nebenbei das Leben erklärt. Das hat sie schon getan, als sie drei Jahre alt war – auf einem Spaziergang.

Ich war ein paar Meter voraus gelaufen, sie trödelte rum.

Garnix: „Kommst du, bitte?“

Tochter: „Nee. Du kommst, bitte.“

Sie stand vor einem Blumenkübel – warum auch immer, wir haben Blumenkübel hier auf den Straßen stehen. Sie winkte mich ran.

Garnix: „Was geht?“

Tochter: „Du darfst nicht so schnell laufen. Schau dir doch mal die Blumen an. Und riech doch mal…“

Wir standen mindestens noch eine Viertelstunde vor dem Blumendings, schnupperten so rum und schauten den Bienen zu. Alle drei Minuten versuchte ich sie zum Weitergehen zu überreden – ohne jede Chance.

Sehr beruhigend wenn die Kinder viel klüger sind als man selbst.

4 Kommentare zu „Zu 92 % glücklich“

  1. Danke für den Tipp, schau‘ ich mir mal an!
    Glück finde ich gar nicht so erstrebenswert, weil es imho zu flüchtig ist, als dass man es planen könnte. Zufriedenheit kann man sich dagegen ganz gut vornehmen und auch selbst stark beeinflussen. Für dich in Zahlen: 90% Zufriedenheit und 10% Glück wären schon ziemlich gut, denke ich. Wobei, ein klein bisschen Unzufriedenheit schadet vielleicht auch nicht, sonst wird man so bräsig…
    Bist du eigentlich Einzelkind? Versuche mir gerade zu erklären, warum Du öfters zur Konfrontation mit Deinen Eltern neigst? Mit mehreren Geschwistern ist das Kräfteverhältnis ausgeglichener, glaube ich, und man definiert sich nicht nur über die Eltern. Aber egal, die eigenen Eltern kann man sich weder aussuchen, noch kann man sie irgendwie ändern, das klappt einfach nicht. Im Hinblick auf die eigene Zufriedenheit würde das für mich heißen: Die Eltern so annehmen, wie sie sind (scheinen ja ganz okay zu sein, eine Mutter mit Händchen für’s Geschäft fände ich super). Und gegebenenfalls an den Details arbeiten, die einen wirklich stören. In Deiner Beispiel-Episode also die Zeitung/Homepagebetreiber nett anschreiben, ob sie bitte Foto oder Name löschen können. Hab‘ ich auch schon machen müssen, war immer kein Problem.
    Wenn Du aber jetzt Deiner Tochter erzählst, dass die Oma sich da falsch verhalten hat, bringt das nichts. Zumindest nicht für die Zufriedenheit. Lieber zeigen, wie man die Sache selbst in die Hand nehmen kann, wenn’s einen stört.

    Altkluge Grüße von der Ente

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  2. Hallo (altkluge) Ente,

    hast recht: der passendere Titel wäre „Zufriedenheitschart“ – so ist das Ding auch zu verstehen. Alles, was ich mit über 80 % bewerte, lasse ich laufen. Optimiert wird nur, was nachhaltig quietscht und nervt.

    Der geschäftliche Erfolg der „Oma“ beruht auf hochgradiger Dominanz und Penetranz. Manchmal ist das super: wenn ich mir mit ihr irgendein Mehrfamilienhaus, das zum Verkauf steht, anschaue, ist sie zwei Stunden vorm Makler da und klingelt einfach mal überall. Zwei Stunden später war sie im Prinzip in allen Wohnungen, hat alle ausgequetscht und weiß 3 x mehr als der Makler über das Haus. Wenn du Schulden bei ihr hättest, wärst du nirgendwo mehr sicher. Im privaten Bereich ist so ein Verhalten dann eher schwierig. Um da nicht unterzugehen, muss man bei ihr schon sehr deutlich werden. Unterm Strich sind wir uns aber sehr ähnlich.

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Danke, danke danke! „Extrem übergriffig“ ist das Adverb was mir zur schnellen und eindeutigen Beschreibung meiner eigenen Mutter bislang gefehlt hat. Dominanz und Penetranz sind in dieser Generation ohnehin deutlich weiter verbreitet als in unserer. Ich teile Deinen Schmerz was die Beziehung in diese Richtung angeht absolut!

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  4. Okay, Doc. Ich nehme dich in beiderseitigem Einverständnis runter von der „Lass-Uns-die-Mutter-tauschen“-Liste. 🙂

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