CTSO & Leberfunktionsstörungen

Mal wieder ein kleiner medizinischer Exkurs:

„Rote Blutkörperchen leben etwa 120 Tage, danach werden sie in Leber und Milz abgebaut. Aus Häm b, dem roten Blutfarbstoff, der beim Abbau anfällt, wird über Zwischenstufen Bilirubin, eine gelbliche Substanz gebildet. Täglich entstehen ca. 300 mg Bilirubin im menschlichen Organismus, davon rund 70 Prozent aus dem Abbau gealterter Erythrozyten, der Rest aus dem Stoffwechsel anderer Hämoproteine,[4] überschüssig gebildetem Hämoglobin, oder aus Vorläuferzellen im Knochenmark…,[5] Bilirubin ist gut in Fett (lipophil), aber sehr schlecht in Wasser löslich. Zum Transport im Blut muss es deshalb durch eine lockere nicht kovalente Bindung an Albumin, ein Bluteiweiß, gekoppelt werden und wird dann unkonjugiertes Bilirubin (Synonym: indirektes Bilirubin) genannt. Bilirubin kann auch eine kovalente, also feste Bindung mit Albumin eingehen. Diese Form wird dann als Delta-Bilirubin bezeichnet.[6]

Unkonjugiertes Bilirubin wird anschließend in der Leber durch das Enzym UDP-Glucuronosyltransferase an Glucuronsäure gekoppelt (konjugiert) und in dieser wasserlöslichen Form als „konjugiertes Bilirubin“ bezeichnet. Konjugiertes Bilirubin und Delta-Bilirubin werden zusammen als „direktes Bilirubin“ bezeichnet. Direktes Bilirubin kann mit der Galle in den Darm ausgeschieden werden. Im Darm wird konjugiertes Bilirubin dann über die Zwischenstufen Mesobilirubinogen und Stercobilinogen (lateinisch stercus „Stuhl“) zu Stercobilin überführt. Etwa 20 Prozent[7] des in den Darm abgegebenen Bilirubins unterliegen als Urobilinogen und Stercobilinogen einem enterohepatischen Kreislauf, werden also nochmals aufgenommen. Der Hauptanteil dagegen wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Ein geringer Teil des resorbierten Urobilinogens wird über die Harnwege eliminiert. Bei Leberfunktionsstörungen werden diese Produkte vermehrt über den Urin ausgeschieden (Bilirubinurie). Hohe Konzentrationen an Bilirubin wirken toxisch.[8]

Quelle: Wikipedia.

Merke 1: Leberfunktionsstörungen können zu hohen Bilirubinkonzentrationen im Körper führen und toxisch wirken.

Nachfolgend ein „Case Of The Week“ vom Juli 2018 aus der CTSO-Literatur-Datenbank:

Einsatz von CytoSorb bei Hyperbilirubinämie im Rahmen einer infektiösen Endokarditis

Dr. Tasnim Auf, Dr. Christian Wallmüller, Dr. Thomas Publig, Doz. Georg Delle-Karth – Medizinische Abteilung mit Kardiologie, Krankenhaus Hietzing, Österreich

  •  Im externen Krankenhaus bestand zunächst der Verdacht auf eine Meningitis, jedoch wurde später in der Blutkultur ein Staph. aureus nachgewiesen und die transesophageale Echokardiograpie zeigte bestätigend eine Vegetation an der Aortenklappe mit folgender Verdachtsdiagnose einer infektiösen Endokarditis, eine Lumbalpunktion zeigte einen blanden Befund
  • Ein Schädel-CT markierte zudem einen embolischen Schlaganfall mit Einblutung, auch wurden embolische Herde an Milz und Niere rechts diagnostiziert
  • Nach dem Transport wurde der Patient zunächst auf Normalstation aufgenommen, gemäß nachfolgender MRT Kontrolle des Schädels, war laut Neurologen keine Vollheparinisierung des Patienten möglich, weshalb auch keine sofortige Notfall-OP angesetzt wurde
  • Im Verlaufe kam es dann zu einer möglicherweise hypoxisch-getriggerten pulslosen elektrischen Aktivität (PEA), bei einer sich progressiv verschlechternden linksventrikulären Pumpfunktion mit 30-minütiger kardiopulmonaler Reanimation
  • Verlegung des Patienten intubiert und beatmet auf Intensivstation
  • Im Rahmen einer zunehmenden hämodynamischen Beeinträchtigung wurde dann die Infusion mit Noradrenalin und wenig später auch aufgrund der schlechten ventrikulären Pumpfunktion die Gabe von Dobutamin notwendig
  • Zudem etablierte sich, vermutlich vor dem Hintergrund der embolischen Herde an der rechten Niere aber auch Ischämie-Reperfusions-getriggert ein akutes anurisches Nierenversagen sowie eine ischämische Hepatitis mit stark erhöhten Transaminasen und Cholestasezeichen
  • Initiierung einer kontinuierlichen Nierenersatztherapie (CRRT) aufgrund der anhaltenden Anurie bei Staph aureus Sepsis, auch mit dem Ziel eines raschen Beatmungsweanings
  • Der Patient präsentierte sich im Verlaufe des ersten 72 Stunden CRRT Zyklus stabil, wobei die Noradrenalingabe bereits während dieser Phase beendet werden konnte (Dobutamin weiterhin bei 2 μg/kg/min aufgrund schlechter zentralvenöser Sättigung), allerdings zeigte er progredient steigende Entzündungsparameter (CRP 424 mg/dl und Leukopenie) und eine stark ausgeprägte und sich weiter aggravierende Hyperbilirubinämie (17,7 mg/dl), weshalb mit Beginn des 2. CRRT Zyklus zusätzlich ein CytoSorb Adsorber in den Kreislauf integriert wurde
  • Die Antibiotikatherapie bestand zu diesem Zeitpunkt aus Daptomycin und Meropenem, wobei Meropenem im Rahmen des 1. CRRT Zyklus aufgrund sich verschlechternder Leberwerte beendet wurde

Diese Fallbeschreibung berichtet über einen 34-jährigen Patienten (bekannter i.v. Drogenabusus, im Substitutionsprogramm), der aus einem externen Krankenhaus mit Verdacht auf eine infektiöse Endokarditis zur chirurgischen Sanierung ins Krankenhaus Hietzing verlegt wurde.

Fallbeschreibung

  • Insgesamt sieben Behandlungen mit CytoSorb über eine Gesamtbehandlungszeit von 168 Stunden (jede Behandlung 24 Stunden)
  • Cytosorb wurde in Kombination mit CRRT (Multifiltrate, Fresenius Medical Care) im CVVHD Modus verwendet
  • Blutfluss: 100 ml/min
  • Dialysatfluss: 2000 ml/h
  • Antikoagulation: initial Citrat, dann Umstellung auf Heparin aufgrund einer Citratakkumulation im Rahmen der ischämischen Hepatitis, nach Verbesserung der Leberwerte dann wieder Umstellung auf Citrat
  • CytoSorb Adsorber Position: prä-Hämofilter

Behandlung

  • Extubation unter laufender Dialyse, nach 48 Stunden elektive Reintubation im Hinblick auf die geplante operative Sanierung
  • Übernahme auf die chirurgische Station und Durchführung der operativen Klappen-Sanierung mit postoperativ hohem Katecholaminbedarf und VA-ECMO, letztendlich problemloser Thoraxverschluss und Wundheilung
  • Anschließend protrahierter Intensivaufenthalt durch neuerlichen Infekt, schwere Polyneuropathie im Rahmen des Grundleidens
  • Zum Zeitpunkt der Dokumentation ist der Patient in stabilem Zustand und postoperativ aufgrund eines persistierenden Nierenversagen und laufender CVVHD an der ICU

 Patienten Follow-Up

  • Katecholamindosierung
  • Leberwerte
  • Inflammatorische Parameter

Messungen

  • Dobutamin lief aufgrund der schlechten zentralvenösen Sättigung während der gesamten Behandlungsphase in einer Dosierung von 2 μg/kg/min, jedoch war es währenddessen möglich, die Ultrafiltraionsrate ohne hämodynamsiche Verschlechterung auf 250 ml/h zu erhöhen – der Patient war darunter druckstabil ohne Notwendigkeit zum Wiederbeginn der Vasopressortherapie
  • Deutliche Besserung der Entzündungsparameter (CRP) und Normalisierung der Leukopenie
  • Drastische und nachhaltige Reduktion der Plasmabilirubinlevels bis auf 5,6 mg/dl im Rahmen der 7 Behandlungen

Ergebnisse

  • Die kombinierte Behandlung mit CRRT und CytoSorb bei diesem Patienten mit Hyperbilirubinämie im Kontext einer infektiösen Endokarditis resultierte in einer drastischen Reduktion der Bilirubin- und Entzündungswerte sowie in der Möglichkeit zum Volumenentzug bei gleichzeitig hämodynamisch stabilen Verhältnissen
  • Laut Ärzteteam war besonders die rasche und deutliche Reduktion des Bilirubins markant, weshalb in Zukunft der Einsatz von CytoSorb unter anderem bei Patienten mit Leberdysfunktion oder –versagen frühzeitig in Erwägung gezogen werden wird
  • Die zeitnahe Installation des Cytosorb-Adsorbers in die laufende Therapie war ohne Probleme möglich und leicht umzusetzen

Merke 2: Es besteht Grund anzunehmen, dass der CTSO-Filter bei Leberfunktionsstörungen bzw. einer Hyperbilirubinämie die Toxizität „rasch, deutlich und markant“ senkt und für betroffene Patienten frühzeitig in Erwägung gezogen werden wird.

Dazu dann noch folgende Pressemitteilung von CTSO selbst aus dem Mai:

„MONMOUTH JUNCTION, N.J., May 14, 2018 /PRNewswire/ — CytoSorbents Corporation (NASDAQ: CTSO), a critical care immunotherapy leader using its CytoSorb® blood purification technology to treat deadly inflammation in critically-ill and cardiac surgery patients around the world, announced that it has received European Union regulatory approval to expand the use of CytoSorb to reduce elevated bilirubin and myoglobin from blood. 

Mr. Vincent Capponi, Chief Operating Officer of CytoSorbents stated, “This label expansion has the potential to significantly increase the total worldwide addressable market for CytoSorb.  Critical care physicians now have a new therapy to rapidly reduce high levels of bilirubin frequently associated with chronic liver disease and liver failure, and elevated myoglobin associated with accidents and traumatic injury.  These are diseases that afflict millions of people worldwide each year, where the simultaneous reduction of excessive cytokines, bilirubin, and/or myoglobin by CytoSorb can be beneficial.  Interestingly, researchers continue to discover new applications for CytoSorb, many of which are being investigated among Company-sponsored and the more than 60 investigator-initiated studies in various stages occurring around the world.  Where possible, we plan to continue expanding the CytoSorb label to bring our therapy to those in greatest need.”

According to an article detailing the global burden of liver disease, an estimated 50 million people worldwide suffer from chronic liver disease, often caused by viral hepatitis infection, chronic alcohol use, and non-alcoholic fatty liver disease (NASH).  Chronic liver disease is blamed for nearly one million deaths a year, with another one million dying of hepatic cancer and acute hepatitis.  In the U.S., liver disease is the second leading cause of death from digestive disease, and the 10th leading cause of death amongst men.

Merke 3: CTSO ist in Europa als Medical Device im Kontext einer Hyperbilirubinämie zugelassen, die ursächlich mit Lebererkrankungen in Verbindung gebracht wird. Etwa 50 Millionen Menschen weltweit leiden an einer chronischen Lebererkrankung – etwa eine Million Menschen davon sterben jedes Jahr an ihrer Lebererkrankung.

Neben aller Sepsis- und Krebsfantasie in Sachen CTSO: wenn nur die Hälfte der Menschen, die jedes Jahr an einer Leberdysfunktion sterben perspektivisch eine CTSO-Filterbehandlung bekämen und hier jeweils nur drei Filter zum Einsatz kämen (es waren sieben Filter in unserem Beispiel), ergibt sich folgendes Umsatzpotential:

500.000 x 3 x 1.000 USD = 1,5 Mrd USD p.a.

 

 

 

 

 

10 Kommentare zu „CTSO & Leberfunktionsstörungen“

  1. Hallo gog,
    sag mal. Wenn die von dir beschriebenen Filter der Firma so gut sind, warum machen sie dann keine Gewinne? Hast du da Infos drüber? Rechnest du langfristig mit einem Gewinn für das Unternehmen?
    viele Grüße
    Tanja

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  2. Hallo Tanja, danke für die Blumen!

    Für einen operativen Break-Even braucht die Firma sowas um die 23 Mio USD an Umsatz p.a. – vielleicht inzwischen auch ein bisschen mehr, weil man die Mitarbeiterzahl in der letzten Zeit auf etwa 100 Mitarbeiter grob verdoppelt hat (das Verkaufsteam sitzt übrigens in Berlin).
    Wenn man auf den Trailing-12-Monatsumsatz abstellt, sollte das in Q3 oder Q4 diesen Jahres so weit sein. Umsatzwachstum Year-over-Year sehe ich bei ca. 77 % – operative Marge dürfte mit der Ende Juni in Betrieb genommenen eigenen Filterfabrik so bei 80 % liegen. Diese neue Fabrik kann übrigens pro Jahr 60.000 – 80.000 Filter produzieren. Jeder Filter steht grob für 1.000 Dollar Umsatz. Ausgenommen von dieser Betrachtung sind aber explizit Studienkosten.

    Die größte Studie, die gerade in den USA stattfindet, kostet so um die 12,5 Mio USD und läuft bis 2020, um eine FDA-Zulassung in den USA zu bekommen. Die Kosten dafür sind aber durchfinanziert: CTSO sitzt aktuell auf ca. 22 – 23 Mio USD Cash. Um dir hier aber mal eine Dimension zu geben: die verechenbaren Anlaufkosten bzw. Steuerguthaben liegen inzwischen bei insgesamt ca. 160 Mio USD. Anbei ein Überblick über mono- und multizentrische Studien: http://cytosorb-therapie.de/die-studien/iit-single/

    Bis dato müssten so um die 48.000 Filter verkauft worden sein. 60 – 70 % davon in Deutschland. Ende 2017 wurde rückwirkend für das ganze Jahr 2017 auf massiven Druck einer Kliniken in Deutschland (insbesondere der Uniklinik Jena) von den Krankenkassen ein eigener Abrechnungsschlüssel eingerichtet – meint: seit 2017 können Krankenhäuser sich zumindest teilweise den Einsatz der Filter zurückerstatten lassen.

    Vorreiter in Sachen Umsatz ist übrigens ein Herzzentrum in Bad Oeyenhausen, die auch schon vor der Möglichkeit der Kassenerstattung rund 1.000 Filter pro Jahr einsetzen und alleine für rund 1 Mio USD Umsatz pro Jahr stehen. Diese Klinik ist in Europa von den Fallzahlen führend in der Herztransplantation (ca. 84 pro Jahr). Medizinischer Hintergrund hier: wenn man stundenlang bei älteren Patienten im offenen Thorax rumturnt, wird der Körper maximal gestresst, so dass es gar nicht so selten zu einer ausgeprägten inflammatorischen Reaktion kommen kann, die man mit dem Filter wohl verhindert bzw. eindämmt. Allein in Deutschland sollte es ein Umsatzpotential von ca 0,4 – 1,2 Mrd USD p.a. geben.

    Viele Grüße
    Garnix

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  3. Hallo Garnix,

    toll, danke für diese ausführliche Antwort.
    Das könnte dann ein echter tenbagger werden, wenn eine umfassende Zulassung in anderen Ländern erfolgt + Krankenkassenerstattung etc.

    Und wenn sie in die Gewinnzone kommen, geht die Aktie sicherlich auch durch die Decke.

    Der freie Cashflow klingt ebenfalls gut

    Viele Grüße
    Tanja

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  4. hi Guru,
    nur eine kurze Anmerkung zu chronic liver disease bei fortgesetztem Alkoholkonsum, hier läuft Dir die Zeit davon, die bräuchten eher eine neue Leber, Spenderorgane sind rar und werden auch nicht an nicht „trockene“ Patienten vergeben.
    weitere Indikation könnte sein z.B Intoxikation mit Paracetamol in suizidaler Absicht, hier könnte der Filter super gut helfen, gibt aber durchaus auch Antidot-therapien die einfacher und günstiger sind, im Herbst dann die Knollenblätterpilzvergiftungen, ich sehe den Filter immer noch sehr sehr positiv,
    Aktien hab ich bis jetzt immer noch nicht, vermutlich wird es auch keine gröberen Rücksetzer geben, ich beobachte weiter.

    liebe Grüsse
    Annabella

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  5. Also, ich bin Einkäufer in einem mittelgroßen Krankenhausverbund. Mehr als 10 Akutkrankenhäuser.
    Ich kann folgendes sagen:
    1. Ich haben von der Firma nichts gehört.
    2. Außer in Unikliniken entscheiden in den meisten Ländern Einkäufer und GFen über die Listung der Produkte.
    3. Wir haben andere günstigere Möglichkeiten (Pharma) im Einsatz.
    4. Pro Wochen haben wir ca. 50 Anfragen von Unternehmen, die gerne neue und manchmal auch sehr gute Produkte in den Markt drücken wollen. Wir machen aber nur einmal im Jahr mit unserer Einkaufsgemeinschaft (Prospetalia) Gespräche. Daraus kann man erkennen, wieviele auch gute Produkte keine Marktdurchdringung erreichen.
    5. Ich habe unsere Einkaufsgemeinschaft, eine der drei großen, gefragt, ob die Firma bekannt ist. Nein, ist sie nicht.
    Ich finden den Blog sehr unterhaltsam, würde aber nicht investieren. Wer wissen will, wie selbst guten Produkten ergehen kann, sollte sich mal die Geschichte von co.don anschauen.
    Entweder ist der Blogersteller ein Hasardeur oder ein Interesse und einen langfristigen Plan, diesen marktengen Wert zu pushen. Mir egal, wenn die Schreibe so bleibt.

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  6. Hi Annabella, die Einsatzmöglichkeiten sind wirklich vielfältig. Aus dem Stand könnte ich ca. 15 aus den offiziellen Slides und den Cases of the week aufzählen.

    Viele Grüße
    Garnix

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  7. Hallo, Erick.
    Schön dass du hergefunden und dir die Mühe mit dem Kommentar gemacht hast, der für mich wirklich interessant ist! Ich bin für Gegenpositionen und Gegenwind tatsächlich sehr offen.

    >1. Ich haben von der Firma nichts gehört.

    Das kann ich mir gut vorstellen. Der Filter wird derzeit und nach meinem Kenntnisstand eher in renomierten Herzzentren (Bad Oyenhausen ist weltweit aktuell mit 1.000 Filtern pro Jahr der größe Kunde) und Unikliniken eingesetzt (Frankfurt und Mainz beispielsweise). Insgesamt gehe ich europaweit von aktuell 201 Kliniken aus, in denen der Filter zum Einsatz kommt (siehe auch: https://www.cytosorb-registry.org/). Wenn du ein bisschen im Thema Sepsis bewandert bist, wirst du wissen, wie machtlos die Medizin da im Prinzip heute noch ist (siehe auch: https://garnixoderguru.com/2018/06/16/sepsis/). Falls ihr in deiner Firma ein weitergehendes Interesse am Thema habt, es gibt regelmäßige Anwendertreffen – das nächste schon in zwei Wochen in der Uniklinik Regensburg (siehe auch: http://cytosorb-therapie.de/veranstaltungen/)

    >2. Außer in Unikliniken entscheiden in den meisten Ländern Einkäufer und GFen über die Listung der Produkte.

    Dann wäre der Blick über den Tellerrand, was so in den Unikliniken passiert, ja vielleicht ganz spannend, oder? Die Krankenkasse haben seit 2017 übrigens einen eigenen und neuen Abrechnungsschlüssel für den Filter eingeführt – also noch relativ neu.

    >3. Wir haben andere günstigere Möglichkeiten (Pharma) im Einsatz.

    Mit Verweis auf diesen Artikel – https://www.yahoo.com/news/opinion-current-efforts-fight-sepsis-084005310.html – gibt es an dieser Stelle von mir ein dickes Veto. Bei einer Sepsis mit Richtung Multiorganversagen, ist mit Pharma nicht wirklich was zu holen. Wobei CTSO auch nicht so doof ist, Standardverfahren wie beispielsweise die Gabe von Steroiden in Abrede zu stellen oder irgendwem das Wasser abgraben zu wollen. Der Filter wird derzeit – wie man zahlreichen Fallstudien entnehmen kann – oft leider erst wahnsinnig spät und in Ergänzung zu den bis dahin erfolglosen Therapieansätzen eingesetzt (Fallstudien gibt es hier: https://literature.cytosorb-therapy.com/?_ga=2.151170553.1927381469.1529921050-130282106.1521663881) – sehr oft mit überragendem Erfolg. Vereinzelt nimmt man schon die Worte „Standard of Care“ in den Mund (siehe auch: https://garnixoderguru.com/2018/06/20/ctso-standard-of-care/).

    >4. […] Wir machen aber nur einmal im Jahr mit unserer Einkaufsgemeinschaft (Prospetalia) Gespräche.

    Sepsis ist ein „Mörderthema“ – dass man ein Verfahren, das man erst so frisch mit Krankenkassen abrechnen kann, bei euch noch kein Thema war, passt ja vielleicht doch ins Bild, wenn ihr euch nur einmal pro Jahr zusammensetzt und keine Erfahrungen – etwa mit Unikliniken – austauscht, oder? Die Skepsis bei der Sepsis ist jedenfalls durchaus angezeigt – die amerikanische FDA hat im Lauf der Jahrzehnte etwa 100 Sepsis-Trials abgeschmettert. Vielleicht aber noch ein Hinweis: Fresenius Medical Care ist Kooperations- und Vertriebspartner von CTSO in fünf Ländern. Der Filter ist quasi Plug & Play in den Dialysegeräten von Fresenius.

    >5. Ich habe unsere Einkaufsgemeinschaft, eine der drei großen, gefragt, ob die Firma bekannt ist. Nein, ist sie nicht.

    Ich habe im privaten Umfeld inzwischen 10 Ärzte befragt – keiner wusste was. Das muss aber nicht so bleiben.

    >Entweder ist der Blogersteller ein Hasardeur oder ein Interesse und einen langfristigen Plan, diesen marktengen Wert zu pushen. Mir egal, wenn die Schreibe so bleibt.

    CTSO hat aktuell eine Marktkapitalisierung von rund 350 Mio USD. An der Nasdaq werden im Schnitt um 200k Aktien am Tag gehandelt. Mit dem „Pushen“ wird das da eher schwierig. 🙂

    Noch mal ernsthaft und aufrichtig: vielen Dank für deinen Kommentar, der ein richtiges und gesundes Maß an Skepsis aufweist. Dass wir in der Betrachtung von CTSO völlig anderer Meinung sind, geht für mich 100%ig in Ordnung. Würde mich freuen, wenn ich weiterhin von dir hören würde.

    Viele Grüße
    Garnixoderguru – der Hasardeur ist ja quasi im Namen schon eingebaut 🙂

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  8. Hallo Guru,

    vielen Dank für Deine Antwort und das Zulassen von anderslautenden Meinungen. Das ist in der Finanzblogszene nicht selbstverständlich.

    Allerdings möchte ich noch ein paar zusätzliche Einblicke in das deutsche Krankenhauswesen geben.

    1. Die Krankenhäuser bekommen in 99% aller Fälle eine Pauschale (DRG) je Behandlungsfall. Dort sind bereits alle Kosten (Personal- und Sachkosten) inkludiert. Egal wie hoch die Kosten tatsächlich waren. Es werden also keine Kosten durch die Kassen extra übernommen. Und die Krankenhäuser können nur dann kostendeckend arbeiten, wenn sie weniger ausgeben als die Pauschale hergibt. Am liebste wird wird an den Sachkosten gespart.

    2. Bei besonderen Behandlungsmethoden gibt es die Möglichkeit Kosten im Rahmen der jährlichen Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen auszuhandeln (das ist das verbliebenen Prozent). Meist handelt es sich um sogenannte NUBs. Es ist keineswegs so, dass die Krankenhäuser bei diesen Verhandlungen das bekommen, was sie tatsächlich ausgegeben haben. Deshalb wird auch hier ein Riegel vor neuen und meist teuren Methoden gesetzt.

    3. Bei Unikliniken haben Einkäufer weniger Macht, weil die Freiheit der Wissenschaft gilt. Deshalb kann man Prof. weniger Vorgaben machen. Allerdings hat jeder Prof. seine eigene Forschungsschwerpunkte und die damit verbundenen Geldgeber. Diese Industrieeinnahmen stellen häufig einen sehr, sehr großen Anteil an den Lehrstuhleinnahmen und am persönlichen Verdienst dar. Wessen Brot ich ess…

    4. Sepsis ist ein Thema. Allerdings muss man sagen, dass es wesentlich weniger dramatisch ist, als von der Firma dargestellt. Das Durchschnittsalter von Krankhauspatieten (ohne Pädiatrien) liegt inzwischen deutlich über 70. Dort kommen mittlerweile viele Patienten mit Patientenverfügungen, die viele Maßnahmen, also v.a. auch Dialyse, ausschließen. Ferner hat sich die Sterblichkeit aufgrund der Sepsi in den letzten Jahrzehnten schon deutlich verbessert. Wir haben in Summe ca. 186 aktive ITS-Betten und dort gehen unsere Ärzte sehr konservativ mit dem Thema um.

    Pass bloß auf.

    Beste Grüße

    Erick

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  9. Hallo Erick,

    herzlichen Dank noch mal für diese Einblicke, die für mich extrem wertvoll sind. Dass das Thema Marktdurchdringung hochkomplex, politisch, kosten- und zeitaufwendig ist, kann man gar nicht genug betonen.

    Vielleicht noch mal kurz aber konkret zur Kostenerstattung.

    „Die CytoSorb-Therapie wird über den OPS-Code 8-821.2 Extrakorporale Adsorption niedrig- und mittelmolekularer, hydrophober Substanzen (inkl. Zytokin-Adsorption) kodiert. Dem OPS-Code 8-821.2 ist das individuell zu verhandelnde Zusatzentgelt ZE2018-09 gem. Anlage 6 des Fallpauschalenkatalogs 2018 zugeordnet. Gemäß §5 KHEntgG erhalten Sie in jedem Fall vor Verhandlung des Zusatzentgeltes eine pauschale Vergütung in Höhe von 600,00 EUR. Nach erfolgter Verhandlung wird der Differenzbetrag zwischen Pauschale und dem verhandelten Zusatzentgelt für die zwischenzeitlich behandelten Fälle erstattet.“

    Nach meinem Kenntnisstand soll das Cytosorb-Team in Berlin einen guten Job in Sachen in „Reimbursement-Support“ machen (siehe auch: http://cytosorb-therapie.de/der-kundenservice/kostenerstattung-kodierung-der-cytosorb-therapie_neu/)

    Dass der Weg trotzdem langwierig und steinig bleibt, ist klar.

    Unterm Strich müssen für mich natürlich die Zahlen stimmen. Und das tun sie: Margen, Umsatzwachstum und Umsatzpotential sind brachial. Schauen wir mal, ob das so bleibt.

    Viele Grüße
    Garnix

    ps_
    Ein bisschen „Puffer-Speck“ habe ich gottseidank schon angesetzt: ca. 170.000 Euro meiner aktuellen Position sind Kursgewinne.

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