Zu Madeira und der Lage der Nation

Im Vorfeld von Madeira hatten mir fünf Leute von der Insel vorgeschwärmt, die oft als „Blumeninsel“ beschrieben und gefeiert wird. Meine Tochter bewertet einen Urlaubsort immer nach der „Grafik“. Vor zwei Jahren und mit Kreta ging es los: „die Grafik sieht aus wie aus einem uralten Flugsimulator.“

Garnix: „Und? Wie ist die Grafik auf Madeira?“

Tochter: „Ich weiß nicht. Ich sehe hier keine Blumen. Für mich ist das die Insel der Tunnel und der gleichaussehenden Häuser. So ein bisschen wie eine Spielzeuglandschaft, in der man zehntausendmal identische Häuser verbaut hat.“

Sie hat recht. Alle 200 Meter kommt ein Tunnel. In den längeren Tunneln stehen die Abgase, und wir machen uns einen Spaß daraus, die Luft anzuhalten, so schnell wie möglich durchzufahren und erst am Ende des Tunnels wieder zu atmen – spätestens ab 1.500 m Tunnellänge wird es eng mit der Luft. Die Häuser sehen wirklich alle sehr ähnlich und einfallslos aus.

Unser Haus hingegen ist ein Traum. 140 m², zwei Schlafzimmer, zwei Bäder, offene Küche und ein eigener Pool. Jedes Zimmer mit perfektem Meerblick. Internet ist schnell genug – alles gut. In den nächsten Tagen klappern wir alles ab, was „Google Trips“ so kennt. Bislang fehlt so ein bisschen die Bindung und Begeisterung – aber kann ja noch werden. Bis es so weit ist, saufen wir abends im Savoy Hotel um die Ecke alkoholfreie Cocktails, geben uns als Hotel-Gäste aus und spielen heimlich und kostenlos Billard.

Das Thema „Wohnen und Leben“ habe ich letzte Woche ausführlich mit meiner Freundin besprochen, die meinen Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit teilt und mir mit ihrem Depot auf den Fersen ist. Tenor: mit fünf Kindern und einer potentiell zweistelligen Enkelzahl, braucht man eine Homebase. Einen Ort, an den man zurückkommen, vielleicht Weihnachten feiern und für die Familie da sein kann. Oder auch nur, um hier und da Lücken zwischen zwei Reisezielen zu schließen. Aktueller Homebase-Favorit ist so ein 120 m² Wochenendhaus auf einem Hügel in Waldrandlage mit Blick auf Felder im Tal, das sich praktischerweise schon im Familienbesitz befindet. Das Grundstück dazu ist derart genial, das man es vermutlich nie mehr kaufen könnte.

Ansonsten bewerten wir potentielle Reiseziele nach den Kriterien:

  • Sicherheit
  • Landschaft
  • Leute
  • Ruhe
  • Klima/Wetter
  • Kosten
  • Arbeit

In Schulnoten sieht das dann so aus:

Wohnkriterien

Benchmark ist die favorisierte Homebase mit einer Durchschnittsschulnote von 3,6. Das Ding bindet relativ viel Kapital – deshalb die 6 bei den Kosten. Und weil es sich um schlappe 4.000 m² Grundstück handelt, das gepflegt sein will, handelt sich die Homebase auch sofort noch eine 6 in Sachen Arbeit ein. Die Leute an dem Hang sind nach meinem Kenntnisstand alle depressive Alkoholiker – macht dann die Schulnote 4. Und so weiter. Die Liste kommt natürlich etwas verfrüht – aber rumspinnen darf man ja immer.

Aktueller Favorit wäre demnach Skandinavien im eigenen Wohnmobil.

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