Mein Weg zum Investor

So ganz genau kann ich meinen Weg zum Investor gar nicht mehr aufdröseln. Aber so ungefähr müsste es passen.

1972
Auf den Tag genau 223 Jahre nach Goethe, dem man posthum einen IQ von über 200 bescheinigt, wird Garnix geboren. Ein gutes Omen?

 

1984
Ich lese das Manager Magazin und verkünde, dass ich mit 40 Jahren 40 Millionen Mark auf dem Konto haben werde. Wahrscheinlich habe ich zu heiß gebadet oder bin irgendwann ein- oder zweimal vom Wickeltisch gefallen.

Es ist außerdem das Jahr, in dem ich eigenhändig und in detektivischer Schwerstarbeit einen 300 Baud Akkustikkoppler aus England importiere. Garnix geht online. Ich habe ein Apple-II-Derivat im Kinderzimmer stehen, bekomme von einem Hochbegabten Programmierunterricht und versuche mich wochenlang in Firmenrechner einzuhacken, indem ich mein Telefon manipuliere und kostenlos und illegal automatisiert tausende Nummern wählen lasse.

Nebenbei baue ich Kontakte zur örtlichen Raubkopierergemeinde auf und gründe mein erstes Geschäft: für 5 Mark pro Diskette versende ich fortan Software-Raubkopien. Von den Gewinnen richte ich mir eine VHS-Kopierstation ein, kopiere französische und amerikanische Pornos, die ich mir von älteren Kollegen aus der örtlichen Videothek ausleihen lasse und verkaufe diese zum Zwecke der sexuellen Aufklärung und zur persönlichen Bereicherung für 10 – 20 Mark auf dem Schulhof.

Irgendein hundsdämlicher Apothekersohn lässt sich beim intensiven Studium der künstlerischen Darbietungen von Brigitte Lahaie von seiner Mutter erwischen, gerät in Panik und denunziert mich als großen Übeltäter. Das kostet ihn einen Zahn und den Zugang zu weiteren handverlesenen Klassikern der, äh, Filmgeschichte.

Derweil programmiere ich bis zu 72 Stunden am Stück an Datenbanken für die Firma meiner Eltern, die meine „Pitches“ nicht verstehen und mich zum Arzt schicken wollen.

 

1985
Ich verfolge Aktienkurse in den Tageszeitungen und möchte Aktien kaufen. Es gibt einen Termin mit dem örtlichen Sparkassenfilialleiter, meiner Mutter und mir. Der Sparkassenotto rät mir im Beisein meiner Mutter von Aktieninvestments ab. Meine Mutter überzeugt er leider. Mich natürlich nicht – auch wenn er meinen Start als Aktien-Investor um knapp zehn Jahre verzögert.

Zum Trost und um meine Investmentkarriere nicht komplett abzuwürgen, ordert meine Mutter einen 50 g Gold“barren“, der fortan mir gehört und im elterlichen Tresor verwahrt wird.

 

1994
Formal bin ich seit zwei Jahren Student der Rechtswissenschaften. Eigentlich wollte ich an die European-Business-School, so ein Schnösel-Eliteding in der Nähe. Ich baue Kontakte auf, gehe vorab zum Sommerfest, um mir den Bums anzugucken. Die Studienkosten sind kein Thema – die Eltern haben Kohle und nur ein Kind, dem es an nichts fehlen soll. Allein: ich ekele mich ein bisschen vor den Leuten da und will lieber mein „eigenes Ding“ machen. Vielleicht zu viel Bukowski gelesen. Das Studium betreibe ich mit maximaler Nachlässigkeit, lese aber sehr viel und mache allerhand anderen Quatsch.

Endlich werden meine Gebete von einem gewissen Karl Matthäus Schmidt erhört, der den ersten Online-Broker gründet. Ich bin einer der ersten Kunden. Habe aber noch kein Konzept und keine konkreten Investmentideen. Außerdem kocht das Testosteron gerade über, und ich bin selten zu Hause.

Man findet mich in Spielbanken und anderen Etablissements, wo ich Blackjack und Poker spiele. Alles natürlich streng wissenschaftlich und mit guten Erfolgen: in meinen Schuhen stecken regelmäßig und jeweils zehntausend Mark, und es gibt einen etwas peinlichen Brustbeutel mit noch mal so 30.000 Mark drin. Auf den Brustbeutel schreibe ich unter dem Einfluss von irischem Whisky: „Bis ans Ende aller Tage, ich feiere Sieg um Sieg in meiner Niederlage“. Eine schöne Zeit. Und Win-Win-Win sowieso: ich gehe nicht zur Uni, sammele wilde Geschichten und ein bisschen Geld ein und schreibe jede Nacht abstruse Gedichte und Kurzgeschichten.

 

1998
Die Firma AMD eröffnet in Dresden eine Fabrik für die Prozessoren-Herstellung. Man steht in Konkurrenz zu Intel und liefert sich ein Rennen um den ersten Gigaherz-Prozessor. Ich erinnere mich meines Depots, hole die Warren Buffett „Punchcard“ raus und mache das erste Loch rein.

Freilich nicht, ohne mir vorher Insider-Informationen zu verschaffen. Mein Insider steht am Produktionsband in Dresden und sagt mir, was da so passiert. Kurz darauf verlasse ich Consors und eröffne ein Depot in den USA. Außerdem besorge ich mir Realtimekurse der CBOT, weil ich mich für Futures im Techbereich interessiere und die ich in eine Trading-Strategie einfließen lasse – so ein bisschen flashboymäßig – auch wenn ich viel zu weit weg sitze. Ich bin grundsätzlich long in AMD und baue mir anhand der Futures eine Daytraderstrategie zusammen, die 61 Handelstage in Folge großartig funktioniert. Ich bin 26 und auf dem Weg zur ersten US-Dollar-Million. Mehr als die Hälfte des Weges ist schon geschafft. Meine Computer liefern mir Handelssignale, die dann diszipliniert umgesetzt werden müssen.

Im Prinzip nix anderes als beim Blackjack oder Poker. Beim Blackjack zählst du die Karten und weißt, wann du einen Edge von 2 – 5 % hast. Und Poker ist letztlich auch nur Stochastik und ein bisschen Bohei um Körpersignale. Kurz: so richtig spannend ist das nicht, wenn man es mal verstanden hat. Außerdem isoliert der Kram. Es ist zeitintensiv und macht einen zum totalen Eierkopf.

Das Testosteron lässt mich immer noch nicht in Ruhe. Ich hänge viel zu oft in Bars rum, trinke jeden Tag eine Flasche Whisky und versuche primär an meiner Lieblingsbarfrau rumzuschrauben – relativ erfolglos. Aber deutlich spannender als das blöde Geld verdienen. Ich bin jung und brauche das Drama. In einem Akt des Wahnsinns und einer totalen Hauruckaktion fahre ich mein Depot in die Liquidierung. Ich will kein Eierkopf sein.

Wann hat Dostojewski eigentlich Geburtstag? Das erste Loch meiner „Punchcard“ ist gegen die Wand gefahren.

 

1999
Es gibt ein erstes Blog – übrigens auch eins der ersten in Deutschland -, das ein paar Wellen schlägt. Ich habe weit mehr Leser als heute und bekomme, hüstelhüstel, private Angebote von diversen Leserinnen – mit Fotos! Verrückt. Aber auch schmeichelhaft.

Nach fünf Jahren bekomme ich schließlich die Barfrau rum. Wir ziehen zusammen. Ich höre mit der Sauferei auf, schmeiße das Studium und suche mir meine ersten konventionelleren Jobs.

Unterm Strich hatte ich Angst vor der eigenen Courage und meinem Leben außerhalb der Gesellschaft. Warum auch immer: aber ich wollte sowas wie ein normales Leben mit der Option, eine Familie zu gründen. Das Leben als Eierkopf mit Stripperinnen war vorbei. Meine Barfrau, die inzwischen Diplom Sozialarbeiterin und Drogenberaterin im Knast ist, hat einen großen Anteil an dieser Entwicklung. Sie führt mich in ihre Sozialarbeiterkreise mit Spieleabenden und Avocadocreme ein. Scheiße. Habe ich die richtige Wahl getroffen?

 

2002
Die Drogenberaterin will ein Kind. Ich sage sowas wie: „du wirst bestimmt mal eine tolle Mutter aber vielleicht solltest du erstmal deine Therapien beenden?“

Die anmutigste und strahlenste Frau, die mir in meinem Leben begegnet war, hat sich als schwerstgestört entpuppt, geht dreimal pro Woche zur Therapie und am Wochenende in Psychodramasitzungen. In irgendwelchen Streits verletzt sie sich selbst und kratzt sich mit bloßen Fingern Wunden bis auf den Knochen. Schwerer Selbsthass plus Bulimie plus keine Ahnung.

Als irgendwelche Typen Nachrichten auf unserem Anrufbeantworter hinterlassen und ich frage, wer das so ist, bekomme ich keine Auskunft. An irgendeinem Wochenende, als sie sich ihrer Psychodramagruppe widmet, lese ich zu Hause ihr Tagebuch. Zeit für ein bisschen Klarheit. Ich liege in der Wanne, schlage irgendeine Seite auf und lese, dass sie ganz gerne auf Autobahnraststätten mit unbekannten Männern rumvögelt. Ich werfe das Tagebuch in den Flur und warte auf ihre Rückkehr und das Ende der Beziehung.

Es ist Sommer. Schon wieder ein Loch in der Punchcard, das ins Nirgendwo geführt hat. Ich gehe erstmal Fallschirmspringen. Wenn schon fallen, dann richtig.

Ein Verleger, der mein Blog verfolgt, meldet sich. Es wäre ihm ein Herzenswunsch, meinen Quatsch zu veröffentlichen. Ich hätte die besten Geschichten überhaupt. Ich kratze 5.000 Euro zusammen, miete einen BMW Z4 und fahre nach Amsterdam um mein Buch zu schreiben. Zurück in den Eierkopfturm? Keine Lust. In Amsterdam schreibe ich keinen Satz zu Ende und verballere das Geld in drei Tagen mit einem Stall von Stripperinnen. Party galore!

 

2003
Ich finde eine Frau, vor der mich alle warnen und die in ähnlich vielen Läden Lokalverbot hat. Egal. Ich habe ein gutes Gefühl – wir können tagelang labern oder schweigen. Nach 14 Tage sage ich zum ersten und bis heute letzten Mal in diesem Leben: ich könnte mir vorstellen, mit dir ein Kind zu haben.

 

2005
Wir bekommen ein Kind und heiraten. Meine Eltern sind irritiert: hat der verlorene Sohn doch noch die Kurve bekommen? Restzweifel sind angebracht. Derweil kaufe ich ein Haus, mähe Rasen und gehe arbeiten.

 

2007
Die Frau ist unglücklich und macht unsere Verbindung als Grund für ihr Unglück aus. Albernerweise bestehe ich noch auf eine Paartherapie. Der Therapeut hat ein „gutes Gefühl“ bei uns. Kurze Zeit später zieht sie aus. Zuzusehen wie meine zweijährige Tochter mit einem kleinen Koffer mein Haus verlässt, macht mich fertig – aber so richtig. Ich heule sechs Wochen am Stück.

 

2009
Die Tochter ist wider Erwarten ganz glücklich. Der „Umgang“ klappt. Ich sage meiner Ex-Frau, die inzwischen noch unglücklicher und immer mit einem Bein vor der Geschlossenen steht, dass ich ihr für die Trennung inzwischen sehr dankbar bin, dass es die richtige Entscheidung war zu gehen. Sie guckt schwer beleidigt und erzählt meiner Mutter, dass sie heimlich dachte, dass wir vielleicht wieder zusammenkommen.

Von wegen. Ich bin jetzt natürlich viel schlauer und schon neu verliebt. Merkwürdigerweise schon wieder in eine Barfrau, diesmal eine, die Psychologie studiert. Naja, sicher nur ein unbedeutender Zufall. Die neue Barfrau lebt mit dem Barbesitzer zusammen – nur weiß ich nix davon, weil sie mir hundert Signale pro Stunde sendet und die beiden sich keine Sekunde als Paar verhalten. Die Arschlöcher.

 

2014
Die neue Barfrau erinnert mich in allem an die alte Barfrau und ich ahne, dass ich ein Vollidiot war und bin.

Ein sehr wohlhabender Freund erzählt mir von Gebert und dem Gebert Börsenindikator. Ich hole die Punchcard mal wieder raus und knipse ein Loch rein. Irgendein Dispokredit gibt noch 15.000 Euro her, die ich gehebelt nach Gebert-Signalen in den Dax investiere.  Nach vier Wochen hat das Depot einen Wert von 45.000 Euro. Läuft!

Just in dem Moment als ich mit einem hunderter Hebel zum nächsten Sprung ansetze, annektiert Putin die Krim. Das habe ich nicht kommen sehen. Mein Depot, das daraufhin implodiert, auch nicht. Wieder ein paar Disposchulden mehr.

 

2015
Ich werde zum Fan von Fernbeziehungen und bin mit einer Filmschaffenden aus Berlin zusammen. Berliner Filmschaffende sind geldmäßig eher so knapp aufgestellt. Ich zahle für alle Flüge und alles andere. Irgendwann bietet sie mir unaufgefordert an, dass ich sie ja ins Grundbuch meines Hauses eintragen lassen könnte. Aha, denke ich, super Idee. Ich beende die Beziehung.

Aus irgendwelchen Gründen keimt ein alter Wunsch in mir wieder auf: Segelboot kaufen und weit und lang raus aufs Meer segeln. Zusammen mit meiner Tochter fahre ich ab sofort einmal im Jahr nach Düsseldorf zur Boot. Ein Katamaran wäre super. Nur leider auch super teuer. Geld muss her.

 

2016
Jahrelang hatten die Frauen in meinem Leben all mein Geld bekommen. Ich war ungekrönter Dispokönig. Am ersten September bin ich aus Versehen doch mal und vom Hausdarlehen abgesehen schuldenfrei. Zweitausendfünfhundert Euro im Plus! Aber noch keine Investmentidee. Derweil stolpere ich in die FIRE Bewegung. Über tausend Umwege stolpere ich weiter – zunächst über Kissig und seinen Valueansatz und kurz später über diverse quantitative Strategien. Ich lese Tag und Nacht, schlafe maximal vier Stunden.

Nicht zu vergessen: ich lerne eine Frau mit vier Kindern kennen. Als sie mir sagt, dass sie vier Kinder hat, sage ich sowas wie: „du bist nicht vermittelbar!“ Sie sagt dann sowas wie „Feigling“ und erklärt mir, dass es ja um sie und nicht um die Kinder ginge. Außerdem hätten die Kinder ja auch schon einen Vater. „Jaja, genau“, habe ich wohl gesagt. Aber ich wollte auch kein Feigling sein.

 

2017
Ich baue meine eigene Quant-Datenbank auf. Gutes Ding – auch wenn ich noch zwischen dem Value und Quant-Ansatz hin und her pendele.

Im Mai oder Juni hole ich die Punchcard wieder raus. Bluecap wird gekauft. Bin sehr sicher und investiere so um die 50.000 Euro. Bluecap hat eine Beteiligung verkauft – alles deutet darauf hin, dass der Verkaufspreis spektakulär sein und der Bluecap-Kurs anspringen muss. Zwei Monate später realisiere ich 23.000 Euro Gewinn. Reicht aber noch lange nicht für irgendein brauchbares Segelboot.

Ich lese noch mehr und noch mehr. Gebert steht für eine durchschnittliche Langfristrendite von 13,8 % p.a. Nicht schlecht – aber die guten quantitativen Strategien stehen für ca. 21 % p.a.. Kissig scheint so was um die 19 % p.a. hinzubekommen.

Geht noch mehr? Weiter stolpern – beispielsweise über die bislang extremste mir bekannte Quant-Strategie, die in vierzig Jahren für 60,8 % Rendite p.a. steht. Heilige Scheiße, damit geht was.

Das ganze ist aber so schräg, dass ich zögere und erstmal ein Musterportfolio aufsetze. Das mache ich übrigens auch noch für zwei, drei andere Quant-Strategien und halte locker mit den besten Wikifolios mit – in Wahrheit mache ich alles weit und breit platt.

Im Parallelflug denke ich non-stop über Buffetts Erfahrungen nach, der davon spricht, dass es besser sei, ein großartiges Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen – als ein okayes Unternehmen zu einem großartigen Preis.

Wenn man genauer nachdenkt ist das ein Plädoyer gegen Benjamin Graham und ein bisschen auch gegen die Quants. Die Zahlen geben nicht die ganze Wahrheit her. Die (eigene) Wahrheit entsteht woanders – vielleicht im „Circle of Competence“. Haken an der Sache: man muss den Circle erstmal aufbauen.

Warren hält außerdem jede Wette, dass er mit wenig Geld locker Renditen von 50 % p.a. einfahren könnte. Schwätzer oder nicht?

Weiter lesen und stolpern. Ich werde auf „KleinerChef“ aufmerksam, der im Nebenwertebereich seit Jahren abräumt.

Nebenwerte machen nach meinem Dafürhalten Sinn, weil ich mir hier einen Zeit- bzw. Informationsvorsprung erarbeiten kann, den ich bei großen Werten niemals haben werde. An irgendeinem Punkt taucht Cytosorbents auf. Ich bin im Zweifel. Setze ich mein Geld auf die Eierkopfquantstrategien oder folge ich Buffetts Prinzip?

Nächste Glaubensbaustelle: Diversifikation.

Ich lese und schaue hunderte Interviews mit Munger und Buffett, die beide mit ihrem privaten Geld teilweise zu über 100 % in einem Unternehmen investiert waren. Es ist einfach schweinedoof, seine Hausaufgaben ordentlich zu machen und dann nicht zu kassieren. Es ist richtig, sich in einer Sache bzw. in ein Unternehmen maximal zu vertiefen. Und es ist megafalsch, wenn man das richtige Unternehmen gefunden hat, nicht ernsthaft zu investieren.

Kissig schrieb kürzlich darüber, wie gefährlich und falsch es sei, sich in ein Unternehmen zu verlieben und betriebsblind zu werden. Das stimmt natürlich. Deshalb steht Cytosorb bei mir in ständiger Konkurrenz zu zehn anderen Investmentideen und muss sich spätestens alle drei bis sechs Monate behaupten. Genau wie alle anderen (ernsthaften) Investoren verwende ich Modelle, die den intrinsischen Wert berechnen. Es gibt Kursprojektionen für die nächsten Jahre, die fortlaufend angepasst werden. Es gibt Kontakte zu Insidern. Es gibt intensive Lektüre – jeden Tag.

2018
Meine Investmentstrategie anno 2018 in Bulletpoints:

  • Investmentideen beziehe ich von arrivierten erfolgreichen anderen Investoren oder aus meinen Quant-Töpfen
  • Ich notiere und verfolge zu jeder Zeit etwa zehn Investmentideen, die ich in einen „Portfolio Piloten“ eintrage und für die ich Kursziele bzw. den inneren Wert für das letzte Geschäftsjahr und den anzunehmenden inneren Wert für die nächsten zwölf Monate berechne
  • Auch wenn eine breite Diversifikation für 98 % der Anleger richtig ist, für mich ist sie falsch, weil ich meiner erstbesten Idee mehr vertraue als meiner achtbesten Idee
  • Ich verfolge meine Investments in maximaler Intensität
  • Ich habe zu keiner Zeit ein Problem, eine Investmentidee loszulassen, wenn meine Recherchen und Berechnungen Fragen und Probleme aufwerfen, die ich nicht positiv beantworten kann
  • Ich lese am Tag mindestens sechs Stunden zum Thema Investments
  • Ich bin sehr interessiert an „ethisch sauberen Investments“, die mindestens karmaneutral sind oder viel besser noch: die die Welt besser machen
  • Ich habe den Mut, zu dem was ich weiß oder faktenbasiert annehmen kann

 

 

14 Kommentare zu „Mein Weg zum Investor“

  1. Hallo, Maschinist. Vielen Dank für die Blumen! Das verlinkte Video habe ich mir gerade zweimal angesehen – danke dafür. Ist tatsächlich ein zentrales Thema bei mir. Letzte Woche bekam ich gegen 11 Uhr eine Email, die die Freistellung meines Vorgesetzten verkündete. Gegen 16.30 Uhr haben wir uns in seinem Büro zum letzten Mal die Hand geschüttelt. Um 17 Uhr war sein Büro geräumt und seine Karriere in unserer Firma nach 20 Jahren innerhalb eines Tages beendet. Heftige Nummer für mich, die – mal wieder – vieles ins Wanken gebracht hat. Die Hebelgeschichten sind ein schwebendes Verfahren und ungelöstes Thema bei mir.

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  2. Hi.

    Ja, weil wie Du selbst an anderer Stelle schreibst, ist der Zug im Job mit 50+ durch. Dann muss man es nach Hause segeln und am besten dann schon finanziell unabhaengig sein.

    Ich bin so alt wie Du. Hier ist meine Geschichte:
    https://freiheitsmaschine.com/2017/12/03/millionaer-werden-sein-interview-maschinist/

    Du musst Dein Schiff jetzt unbedingt gutgefuellt in den Hafen bringen. Das heisst Tradinggeld wenigstens zum Teil in passiv Investiertes Geld tauschen und dort als endlose und emotionslose Geldmaschine laufen lassen.

    Zwar nicht aengstlich aber auch nicht mehr wie ein Mittzwanziger.

    Wenn Du jetzt Dein Depot nochmal schrotest, ist der emotionale Impakt unglaublich gross.

    Ich habe das hier bei mir mit „Goldenen Einhorntrades“ beschrieben.
    https://freiheitsmaschine.com/2018/05/24/investieren-investor-etf-traden-geldanlage-wohlhabend-werden/

    Schoenen Sonntag und alles Gute fuer Dich!

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  3. Hallo, Maschinist. Danke für die Links, die ich beide schon kannte aber gerne noch mal gelesen habe. Macht alles Sinn. Ich würde alles ziemlich genau so unterschreiben. Allein es mir derzeit unmöglich, nicht zu 1xx % in mein Einhorn / meinen Lebron James investiert zu sein. Geht nicht anders. Dir auch einen schönen Sonntag und vielen Dank trotzdem für den Bekehrungsversuch!

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  4. Hi.

    sorry, wenn das als Belehrungsversuch rüberkam.

    Ich habe versucht, Deine eigenen (und auch meine) Handlungen der Vergangenheit aufzuzeigen. Ich erkenne einige Ähnlichkeiten in unserer Psyche und wollte Dir ein möglichst neutrales Spiegelbild Deines Handelns geben.

    Du hast eine starke Egokomponente in Deinem Leben (siehe Dein Lebenslauf). Ich meine das absolut nicht negativ.

    Ein solches Verhalten macht extrem viel (dopamingetränkten) Spaß wenn es gut läuft und Du bist Dir selbst gegenüber damit ganz sicher der „coolste Typ in der Gegend und sicherlich nicht so angepasst wie der Rest“.

    Ich bin mit Anfang Zwanzig z.B. nach durchzechter Nacht mit Wein, Weib und Gesang mit 2+ Promille mit 240kmh ohne Helm an der Costa Del Sol mit meinem Motorrad über die Stadtautobahnen. Wenn ich mich an das Gefühl erinnere, habe ich heute noch Spaß daran. Andererseits wird mir klar, dass es hier auch ein deutliches Dopamin-Egoproblem gibt, auf das ich achtgeben muss, wenn ich noch lange Leben möchte (auch in finanzieller Hinsicht).

    Als sich Dein Einhorn Wert in den letzten Wochen fast verdoppelte, hast Du Dich wahrscheinlich fantastisch gefühlt und hier täglich gepostet.

    Als es wie im März nicht gut lief, war hier kaum etwas zu lesen.

    Das sind Zeichen, dass Dein Ego hier ordentlich mit dabei ist, und das ist kritisch, weil es dabei um Deine finanzielle Zukunft geht.

    Bei welchem Ausgang des Trades würde Dein Ego die maximale Aufmerksamkeit erhalten?
    Wenn die Antwort auf diese Frage dann Deinem Verhalten/Ausgang der Vergangenheit ähnelt, würde ich mir selbst ein paar Sicherheitsfaktoren einbauen um das zu vermeiden.

    Schönen Sonntag!

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  5. Hi, Maschinist.

    Vielen Dank für den für mich wertvollen und sehr interessanten Kommentar! Die Ähnlichkeiten sind da. Mit siebzehn habe ich meinem Vater einen Probefahrt in einem 911er organisiert. Mein Plan ging akkurat auf: als ich 18 war stand ein nagelneuer 911er (964) in der Garage. Mein Vater war Frühschläfer und versteckte die Schlüssel immer in seiner Sockenschublade. Es gab quasi keine Straße in Frankfurt, die ich nachts nicht irgendwann mit über 200 km/h gefahren bin. Es gab diverse von mir provozierte „Verfolgungsjagden“ mit der Polizei, die ich alle gewonnen habe. Wie ich meine Motorradphase überleben konnte – so mit 290 – 300 km/h in kurzen Hosen und T-Shirt- ist mir heute noch ein Rätsel. Lange her. Bin jetzt total brav und fahre einen Seat mit Durchschnittsverbräuchen von 4,5 Litern. Will sagen: als Vater schraubt man sein Egogedöns schon ganz schön zurück.

    Wegen der Schreibpause, die es dieses und letztes Jahr gab, schwöre ich, dass das berufliche Gründe hatte. In den letzten paar Tagen hat mein Depot 50 – 60k€ an Wert eingebüßt. Habe damit so gut wie kein Problem. Per Monatsabschluss würde ich meine Verlust auch offenlegen. So mit in die Tasche lügen, habe ich es nicht so. Dass ich mit den vielen 10.000er Networth-Zuwachs-Beiträgen ein anderes Bild vermittele, ist klar. Unterm Strich bin ich hier aber doch transparent und messe mich klar an diversen Benchmarks.

    Ich sehe Cytosorbents keine Sekunde als Trade an, sondern als absolutes Langfrist-Investment mit einem außergewöhnlichen Chancen-Risiko-Verhältnis. Große Teile des aktuellen 10-K kann ich auswendig, es gibt keinen Call, den ich verpasse. Dazu kommt sowas wie eine Ethik-Komponente: das Ding kann und wird nach meinem Dafürhalten viele Menschen retten.

    Wenn du nach der Ego-Komponente fragst: ich habe ein relativ wohlhabendes Umfeld – quasi alle sieben- und teilweise achtstellig. Ein paar von denen – insbesondere meine Eltern und einen oder zwei engere Freunde – würde ich schon ganz gerne ein- und überholen. Das ist nicht mein Primärziel, fände ich aber gut. Blöderweise habe ich den engeren Kreis in meinen Investment Case detailiert eingewiesen. Einer von den Jungs (Jahrgang 1950), ein Urgestein an der Börse, hat daraufhin kurzerhand 1 Mio in Cytosorbents investiert. Der andere, ein Ex-Nostrohändler und mein Ex-Trauzeuge, der Prokura und Gewalt über 2 Milliarden Euro hatte und oft siebenstellig in einem Jahr verdient hat, ist auch mit dabei.

    Auf den Umstand, dass einer der Jungs so heftig eingestiegen ist und mich quasi überrundet hat, habe ich körperlich und emotional reagiert und fand es zum Kotzen. Habe ihn sogar angeschnauzt, wie ich ihn so jemals überholen soll. Komische Nummer, die da bei mir abläuft. Muss ich noch mal drüber nachdenken.

    Danke noch mal für deine Hinweise, Erfahrung und Warnungen!

    Viele Grüße
    Garnix

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  6. Hi!

    Ich hatte die Geschichte mit dem Porsche schon bei Dir gelesen und wenn ich nicht aus einem Arbeiterhaushalt kommen würde, hättest Du mich vor 25 Jahren an der Ampel im gleichen Wagen getroffen. 😉

    Ich fahre übrigens Dein Auto, allerdings als VW UP TSI. Ist ein Dienstwagen. Alle Kollegen fahren 60.000+ Euro Limousinen / SUVs. Lachen natürlich über mich aber bluten an Steuern/Entfernungspauschalen und stecken dadurch und durch Ihre Monsterimmobilie bis 65+ im Hamsterrad. Der UP macht total Spaß und als TSI nochmal mehr.
    4.5 Liter kann ich bestätigen und auf den Vordersitzen ist mehr Platz als in unserer gerauchten 3er BMW Familienkutsche.

    Dein letzter Abschnitt in Deinem Beitrag würde mir an Deiner Stelle selbst zu denken geben. Nicht weil das unfreundlich gegenüber Deinen Kumpels war (das war es), sondern weil das Dein Ego offenlegt.

    Es geht hier um Deine finanzielle Zukunft und Deine Freiheit!

    Es ist kein Wettrennen mit Deinen Eltern/Freuden!

    Wenn Du Deinen Eltern mit 46 immer noch zeigen möchtest, dass Du es doch drauf hast oder noch besser drauf hast, gibt es hier ein Problem und das hindert Dich selbst am allermeisten daran frei zu werden und los zu lassen.

    Du willst mit Deiner Tochter Segeln gehen und Zeit mit Ihr verbringen!
    Das ist ein tolles Ziel und vielleicht komme ich Dich in ein paar Jahren dann in Südeuropa besuchen oder wir werden dort Nachbarn.

    Ich will an meinem Strandhaus dann nicht mein Laptop aufmachen und lesen, dass das bei Dir nicht funktioniert hat.

    Dann ist Cyotosorbent nämlich nicht schuld sondern der Guru turned (hoffentlich nicht) Garnix.
    Für Deinen 8-stelligen Kumpel ist die 1 Mio. max. 10% seines Vermögens und das ist für so einen Trade ok.

    Wünsche Dir eine erfolgreiche Woche und viel Spaß beim SEAT Mii fahren 😉

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  7. hi Guru,
    schön Deine Geschichte von Anfang an mal zu lesen.

    liebe Grüsse
    Annabella,auch aus der CH, die sich aber niemals als Insiderin bezeichnen würde, ich bin nur eine völlig einfach gestrickte Krankenschwester 🙂

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