Die Kleine

Die Kleine müsste inzwischen die Große heißen. In zwei Wochen wird sie 13 und hat sich nach Jahren des Nichtfeierns entschieden, ihren 13. Geburtstag und den Einstieg ins Teenageralter mit einer Poolparty am letzten Schultag zu feiern. Die Großeltern sind auf Malle und deren Haus mit Pool hier in der Gegend steht leer. Keine Erwachsenen. Dafür mit Cocktails – Coconut Kiss und so was -, einer Runde Pizza vom Lieferservice und Übernachtung. Jungs sind dieses Jahr nach außen vor. Für nächstes Jahr gebe ich diesen Wunsch dann auf.

Ich freue mich sehr für sie. Sie ist auf einem 500 Jahre alten renomierten G8-Gymnasium um die Ecke. Gibt nur volle Tage (teilweise acht Stunden), Säcke voll Hausaufgaben und Tests. Wenn man den Stoff nicht im Unterricht versteht, wird es schwierig sagt sie, lernt wenig und kommt ganz gut und ohne Nachhilfe durch.

Kürzlich habe ich ihr angeboten, ihr Taschengeld neu zu verhandeln.

DG: „Danke. Ist aber nicht nötig. Passt schon.“

Mädchen! Sie bekommt 50 Euro zahlt davon aber 16,95 Euro für ihren Handyvertrag.

Garnix: „Verstehe. Du bekommst ab nächstem Monat 75 Euro.“

DG: „Okay. Super. Danke!“

Garnix: „Wenn du verhandelt hättest, wären auch 100 Euro drin gewesen.“

DG: „Oh. Shit.“

Garnix: „Ich biete dir aber einen Nebenjob an.“

DG: „Was denn?“

Garnix: „Für jedes Buch, dessen Titel ich dir vorschlage und das du liest, bekommst du fünf Euro. Wann immer du willst, schlage ich dir drei Titel vor, von denen du dir eins aussuchen kannst. Hörbücher zählen auch.“

DG: „Ok. Welche schlägst du vor?“

Garnix: „Von Jack Nasher ‚Deal!‘ – geht ums Verhandeln, ist sehr gut. Oder von Goethe ‚Die Leiden des jungen Werthers‘  – Klassiker aber auch gut. Oder ‚Bartleby‘ von Melville – der Protagonist entscheidet sich, auf alles im Leben nur noch mit ‚I would prefer not to‘ zu antworten.“

DG: „Welches hat denn die wenigsten Seiten?“

Gutes Kind. Wenn sie es richtig anstellt, kommt sie mit ihrem Nebenverdienst so doch noch auf die 100 Euro.  🙂

Wir stöbern Tag und Nacht durchs Internet, obwohl doch das meiste längst komprimierter und kompetenter in Büchern wartet. Ziemlich doof.

2 Kommentare zu „Die Kleine“

  1. Sehr geil das mit den Büchern als Nebenjob. Hab ich mir gleich ins Notizbüchlein geschrieben. Meine Kids sind aber erst 6,5 und 4 Jahre alt. Da muss ich wohl noch etwas warten. Hab aber auch schon 2 gute Bücher im Hinterkopf mit „Ein Hund namens Money“ und „Der reichste Mann von Babylon“. Vielleicht dann auch noch „Rich Dad Poor Dad“. Kennt wohl auch jeder in unseren Kreisen. Wie und wann hast Du denn angefangen Deine Tochter in finanziellen Dingen etwas zu „unterrichten“?

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  2. Hi.
    Meine Tochter hat neben einem iPhone und Macbook keine weiteren Konsumwünsche, sagt ist – und das ist wohl auch so. Für ihren Geburtstag und Weihnachten haben ich und meine Eltern jeweils einen Dauerauftrag eingerichtet. 500 € behält sie immer in Cash auf ihrem Girokonto. Guthaben über 500 Euro investiert sie seit etwa einem Jahr in Aktien. Die Entscheidung, was gekauft wird, fällt sie. Sie hat Zugang zu meinen quantitativen Geschichten, kennt Levermann, den Piotroski F-Score usw. und kann selber auch Fair Values berechnen. Los ging es im Prinzip im Dezember 2017. Aktuell ist sie 51 % im Plus. Angefixt habe ich sie mit der Idee finanzieller Unabhängigkeit, Zinseszinsmusterrechnungen und meinem Enthusiasmus, glaube ich. Sie war zusammen mit mir vor ein paar Jahren auch sehr scharf auf einen Katamaran. Heimlich ist das auch immer noch unser Ziel – davor stehen aber ordentliche Sparquoten und hohe Renditen. Wenn ich ihr vorschlage, später mal die Hälfte ihrer Einnahmen zu sparen, zuckt sie jedenfalls nicht zusammen.

    Was die Bücher betrifft: der Plan scheint aufzugehen. Heute morgen kam die erste Vollzugsmeldung. Bartleby von Mellville ist erledigt. Fünf Euro sind überwiesen. Du musst aber aufpassen, wem du davon erzählst. Meine Freundin schlägt bei sowas die Hände überm Kopf und faselt irgendwas von intrinsischem Interesse, das ja viel besser wäre. Gleichzeitig gibt sie aber auch zu, dass keines ihrer vier Kinder jemals freiwillig irgendwas gelesen hat oder jemals lesen wird.

    Es lebe der Pragmatismus: alles, was funktioniert, ist erstmal gut.

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