Die Kollegin und die Ode an Garnix

Als Student habe ich mal zwei Jahre in irgendeinem Kabums gearbeitet. Als ich gewechselt bin, hat eine Kollegin eine Ode für mich verfasst. Vor ein paar Wochen ist mir das Ding aus irgendeinem Ordner entgegengefallen. Habe die Kollegin knapp 20 Jahre nicht mehr gesehen. Wird mal wieder Zeit für eine Fanta mit ihr.

Ode an Garnix

Anfangs konnte er schon befremdent sein,
mit Gottkomplex und Heiligenschein,
wenn aus der Ecke kam sein Stöhnen,
na ja, man kann sich an alles gewöhnen!

Irgendwie zog er immer Problemfälle an,
bei ihm läuft auf, was ein anderer nicht kann.
Auf jeden Fall ist er sehr hifsbereit,
ist der, der immer „hier“ als erster schreit!

Auch wenn das Hemd mal aus der Hose hängt,
und man nicht sieht, wo die Frisur anfängt,
ist er ansonsten so was von akkurat,
fast Gentleman mit Weltformat.

Er wirkt so sehr still und introvertiert,
ein Mensch, den man einfach ganz hoch estimiert.
Ein ganzer Mustermann der gepflegten Distanz,
doch nicht zu verwechseln mit Ignoranz.

Er stellt dar, was die Finanzwelt propagiert,
deshalb er auch nach diesem Ziele destiniert.
Ob als gescheiterter Prosaist oder verkappter Jurist,
es scheint, in seinen Rollen ist er Polygamist.

Nun, das ist der Fluch mit der „Hyper-„Intelligenz,
man ist halt zu gut und keiner erkennt’s!
Und bei den Meistern ist’s wie mit Frau Schrodt,
berühmt werden sie halt erst nach dem Tod!

Auch wenn er nach außen wie ein „Steifkragen“ scheint,
kommt bald der Punkt, wo man das nicht mehr so meint…
denn Humor ist bei ihm irgendwie schon zu finden,
man muss sich beim Graben nur lange schinden!

Ja, ja unser Meister der Interpunktion,
man kann fast sagen, Witz hat er schon.
Und Meister ist er auch in Fragen der Rhetorik,
ganz zu schweigen von seinem „Steifkragen-Schick“.

Seine Affinität zu Bank und Kunst birgt Ambivalenz,
so könnt man fast sprechen von Omnipotenz.
Aber vielleicht ist er im Innern doch davon besessen,
der Prosa zu frönen und die Bank zu vergessen?

Überhaupt wollte er ja als Student durch’s Leben gehen,
doch auch er muss lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.
Und die Einsicht hat auch nur 28 Jahre gedauert,
Tendenz: keine Schlüssel und von innen eingemauert!

Ist sein französisch auch sehr rudimentär,
und seine Knotenbindung extraordinär,
so wird er doch weiter seinen eigenen Stil fahren,
um sich vor dem Antipurismus zu bewahren.

Sakkos vom Flohmarkt sind bald nicht mehr sein Stil,
auch wenn uns allen grad‘ das so sehr an ihm gefiel!
Und wie du dich in Zukunft auch entscheidest,
Jura, Bank, Prosa – wo auch immer du weidest,

bleib den Prinzipien treu, die dir keiner nehmen kann,
und wenn alles nichts nutzt, zieh den „Steifkragen“ an.

Und, hey, Bänker gebt fein acht,
seid beim Herrn Garnix darauf bedacht,
dass er so ehrgeizig und ambitioniert,
euern Laden hat bald neu strukturiert.

Wenn er erstmal den Hang zum Theatralischen verliert,
und sich in seiner Herrscher-Fantasie profiliert,
ist er bald Chef vom Trianon-Tower,
verdient im Monat mehr als sein Erbauer.

Dann habt ihr nichts mehr zu lachen,
bleibt zu sagen: lass den Garnix mal machen!
Und hey… „weißt du, was ich mein?“,
wird dann internationale Sprache sein.

Seine große Karriere ist bald abzusehen,
da alle Zeichen schon in die Richtung stehen,
denn wer so schnell vom ausgebuhten Eliteabiturient,
mutiert, zum „Bankenheini, der ohne Schlips rumrennt“,

dem kann in Zukunft nur Gutes geschehen,
und die puristische Zeit wird auch dir mal vergehen!
Sprich immer mit Freunden, „du weisst, was ich mein“,
das können auch schon mal die Imaginären sein!

Mach einfach in Zukunft das, für was du geschaffen bist,
und gib die Hoffnung nicht auf, dass es doch die Prosa ist.
Monsieur la banque, fait le bon et au revoir,
und dass du nicht endest im nächsten trottoir!

 

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