Melancholische Einlage

Vor Jahren habe ich mal im Jahresabschluss meines heutigen Ex-Schwiegervaters rumgeschnüffelt. Frei nach dem Motto: „man darf nur sehr schöne oder sehr reiche Frauen heiraten – sonst hat man keine Aussichten, sie wieder loszuwerden“. Unterm Strich hatte er sowas wie 250k€ netto auf der Uhr. Das war schon ein ganz schöner Batzen: 250.000 Euro netto. Geht.

Zu der Zeit habe ich quasi nix verdient. Meine Eltern haben zwar auch so ein paar Euro zusammengerafft – aber das half mir ja nix: man fragt ja dann irgendwie doch nicht, ob man mal etwas abhaben kann. Stimmt nicht. Einmal habe ich gefragt: wir saßen in einem Restaurant, die Stimmung war mies und mein mittelaltes Ich schlug vor, alles zu verkaufen, durch vier aufzuteilen (Vater, Mutter, Hund und Kind), einander lebe wohl zu sagen und dann ohne zurückzublicken in die vier Himmelsrichtungen zu laufen (also jeweils). Mehr als irritierte Blicke habe ich nicht geerntet. Stimmt auch wieder nicht! Meine Mutter sagte: teilen können wir schon – aber nicht mit dir.

Das war so 2005. Meine damalige Frau gab, ohne auch nur auf den Gedanken zu kommen, mit der Wimper zu zucken, mehr Geld aus als da war. Viel war wiegesagt nicht da. Sie hat nicht gearbeitet und hat schwer gejammert, dass ja im Prinzip alle Menschen auf dieser Welt eine Putzfrau hätten. Sie könne sich ja nicht um das Kind UND um das Haus kümmern. Und überhaupt.

Von meinem Hausdarlehen abgesehen hat es von diesem Zeitpunkt elf Jahre und eine Scheidung gedauert, bis ich keine Schulden mehr hatte. Mein Konto war am 01.09.2016 exakt und halb aus Versehen 2.500 Euro im Plus. Das war der Start. 623 Tage später sieht es so aus, als hätte sich die ganze Strampelei gelohnt. Ein harter Ritt mit Gegenwind und Herzquietschen. Wenn es halbwegs so weiter läuft, könnte das irgendwann vielleicht wirklich klappen mit der finanziellen Dingdsa. Und wenn es nicht klappt, heulen wir ein bisschen und machen auch weiter. Ich kann gar nicht wirklich meckern: meine Studentenzeit (15 Semester garnix) war ein Traum. Die letzten Jahren waren ein bisschen holprig und brutal – aber irgendwie ist man ja auch immer selber dran Schuld.

Was will der Künstler sagen? So oder so – ob ich den Ex-Schwiegervater noch platt mache oder nicht: passt schon.

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